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Erich Franz

Erich Franz
Darsteller

* 05. November 1903
Laurahütte
Deutschland
† 10. Februar 1961
Berlin
Deutschland

ERICH FRANZ • Biographie Seite 1/1

In nur acht Jahren spielt der Schauspieler Erich Franz in 29 DEFA-Filmen mit. Spät kommt der gelernte Dreher und Bergarbeiter zur Schauspielerei. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird er als Laiendarsteller von Manfred Wekwerth und Bertolt Brecht entdeckt. In DEFA-Filmen verkörpert er meistens typische Arbeitergestalten, einfach und bodenständig. Erich Franz spielt sie überaus menschlich und klar, er gibt ihnen das Authentische.

Erich Franz wird am 05. November 1903 in Laurahütte (einem Dorf, das zum heutigen Katowice, Polen gehört) in einer Arbeiterfamilie geboren. Er ist das fünfte Kind eines Hüttenarbeiters. Während des Ersten Weltkrieges arbeitet er als Munitionsdreher, lässt sich nach dem Abschluss der Schule als Dreher ausbilden. Über mehrere Jahre arbeitet er im Bergbau in Laurahütte. Neben seiner schweren Arbeit tritt er in der Laienspielgruppe der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend auf. Außerdem ist er Leiter eines Arbeiterchores. Wegen der Teilnahme an Streiks wird er mehrfach verhaftet. Bereits als 17jähriger tritt er der SPD bei, wechselt 1923 zur USPD und wird 1925 Mitglied der KPD.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten arbeitet Erich Franz zunächst im Untergrund gegen die neuen Machthaber, bis er über die Tschechoslowakei in die Sowjetunion emigriert. Dort verdient er seinen Lebensunterhalt wieder im Bergbau als Bergmann im Kohlebecken von Karaganda in der Kasachischen SSR. Nebenbei besucht er eine Antifa-Schule. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges meldet er sich zum Wiederaufbau des Landes. Erst 1949 kehrt er nach Deutschland in die DDR zurück. Zunächst lebt und arbeitet er bei seiner Familie in Köthen, beginnt dort als Dreher im VEB Kranbau zu arbeiten.

In Köthen lernt er den Neulehrer und späteren Theaterregisseur Manfred Wekwerth kennen. Er überredet ihn, Mitglied seines Dramatischen Zirkels zu werden. Erich Franz spielt den Pedro in "Die Gewehre der Frau Carrar" nach Bertolt Brecht. Die Aufführung wird ein Erfolg, die Gruppe nach Berlin eingeladen. Am 21. Februar 1951 findet das Vorspiel statt: Erich Franz, ohne Bühnenreifeprüfung und frei von jeglicher Theatererfahrung, und Manfred Wekwerth werden sofort von Bertolt Brecht ans Berliner Ensemble engagiert. Bis zu einem Tod steht er auf der Bühne des Theaters. Zunächst ist er in kleineren Rollen zu sehen, gibt den zweiten Soldaten in "Mutter Courage und ihre Kinder". Dann werden die Rollen größer, wieder gibt er den Pedro in "Die Gewehre der Frau Carrar" in der Inszenierung von Bertolt Brecht. In der Folge ist er im alten chinesischen Volksstück "Hirse für die Achte" unter der Regie von Manfred Wekwerth zu sehen. Er gehört bald zu den Charakterdarstellern des Theaters, der mit mehreren großen Bühnenrollen Kritiker wie Publikum überzeugt. Er gibt den Jimmy Farrell in dem irischen Volksstück "Der Held der westlichen Welt" nach John Millington Synge, spielt den Stabskoch Oberkofler in "Winterschlacht" von Johannes R. Becher. Auch in Episodenrollen kann er Glanzpunkte seiner Theaterkarriere setzen, etwa als Surkella in "Herr Puntila und sein Knecht Matti", als böser Geist in "Faust", als Sänger in "Der kaukasische Kreidekreis" und als Bildsäule des Komturs in "Don Juan". Nebenbei wird er häufig zu Synchronarbeiten in Funk, Film und Fernsehen herangezogen, in zahlreichen Hörspielen ist seine ausdrucksstarke Stimme zu hören.

Mitte der 50er Jahre wird die DEFA auf den Schauspieler aufmerksam. Sein Debüt gibt er in dem Spionagefilm GEHEIMAKTE SOLVAY (1953) von Martin Hellberg als Vorarbeiter im Steinbruch. In der Folge wird er häufig Gestalten der Arbeitswelt verkörpern. Durch seine berufliche Vergangenheit und sein schauspielerischen Leistungen wirkt er überaus authentisch vor der Kamera. Immer wieder wird der Schauspieler in den politischen Filmklassikern der DDR besetzt. Als Hamburger Werftarbeiter Arthur Vierbreiter, Mitbegründer der KPD und Kampfgenosse des Arbeiterführers, tritt er an der Seite von Günter Simon in ERNST THÄLMANN - SOHN SEINER KLASSE (1954) von Kurt Maetzig auf. Er spielt den Bauer Walkowiak in EINE ALTE LIEBE (1959) von Frank Beyer, der gegen den Kampf seiner Ehefrau (gespielt von Gisela May) für den Fortschritt auf dem Land aufbegehrt und erst spät merkt, dass sie ihn braucht. Er agiert in der Hauptrolle des Wilhelm Lehmann, Meister eines Chemiebetriebes, in der Komödie MAIBOWLE (1959) unter der Regie von Günter Reisch, der an seinem 65. Geburtstag die Familie um sich sehen will. Hier wird erstmals das komödiantische Talent des Schauspielers entdeckt. Der Film ist überaus erfolgreich und es folgt mit SILVESTERPUNSCH (1960) eine Fortsetzung.

Erich Franz spielt vor allem Nebenrollen, zeichnet sie liebevoll, ganz individuell und authentisch. Als Vater Sinewski überzeugt er in SIE NANNTEN IHN AMIGO (1959) von Heiner Carow. Er gibt einen selbstzufriedenen, feigen Nazi-Mitläufer, der schließlich zum Denunzianten wird. In Konrad Wolfs Film GENESUNG (1956) spielt er die kleine Rolle eines alten, abgemusterten und bezechten Seemanns, der zugleich durch seine Skurrilität und Menschlichkeit auffällt. Bald ist der Darsteller auf ältere Männer und Väterrollen festgelegt, offenbart aber auch in diesen kleineren Rollen immer ein Optimum an darstellerischer Leidenschaft.

Der Schauspieler engagiert sich in vielen Funktionen. Er ist Leiter der Betriebsgewerkschaftsgruppe des Berliner Ensembles, seit 1957 Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst in Berlin. Drei Jahre ist er Mitglied der Volkskammer der DDR.

Erich Franz stirbt am 10. Februar 1961 im Alter von nur 58 Jahren in Berlin.

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