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Annekathrin Bürger

Annekathrin Bürger
Darsteller

* 03. April 1937
Berlin
Deutschland

ANNEKATHRIN BÜRGER • Biographie Seite 1/1

Neben Angelica Domröse und Jutta Hoffmann gehört Annekathrin Bürger seit Mitte der 1960er Jahre zu den beliebtesten Schauspielerin der DDR. Bereits mit ihrem Debütfilm EINE BERLINER ROMANZE (1956) spielt sie sich durch Natürlichkeit und Frische in die Herzen der Zuschauer. Ab den 70er Jahren kommen kesse Komödien und unterhaltsame Gegenwartsstreifen dazu. In vielen Fällen agiert sie als selbstbewußte und emanzipierte junge Frau. Bis zum Zusammenbruch der DDR ist sie in mehr als 60 DEFA- und Fernsehfilmen zu sehen.

Annekathrin Bürger wird am 03. April 1937 als Annekathrin Rammelt in Berlin, Stadtteil Charlottenburg geboren. Sie wächst in einer künstlerischen Familie auf. Ihre Großmutter ist Käthe Rammelt-Bürger, Malerin, Kunstsammlerin und Restauratorin. Ihr Vater Heinz Rammelt macht sich ebenfalls einen Namen als Tierzeichner und Illustrator. Seine Illustrationen, bevorzugt Tiersujets, schmücken seit Anfang der 50er bis in die 70er Jahre zahlreiche Kinderbüchern sowie fast jede bedeutende Zeitschrift in der DDR. Ihr Bruder Olaf Rammelt (geb. 1954) wird später genauso als Graphiker auf sich aufmerksam machen.

Sie wächst in Hornhausen bei Oschersleben (Sachsen-Anhalt) auf und besucht dort die Schule. Danach beginnt sie eine Ausbildung als Gebrauchsgrafikerin im HO-Atelier Bernburg. Sie bildet sich weiter zur Bühnenbild-Assistentin und Requisiteurin, arbeitet am Carl Maria von Weber-Theater in Bernburg. Hier steht Annekathrin Bürger auch erstmals auf der Bühne als Statistin in der Operettenaufführung "Schwarzwaldmädel". Sie bewirbt sich an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin, besteht allerdings die Aufnahmeprüfung nicht.

Die Dokumentaristen Wolfgang Bartsch und Bohumil Vosahlik engagieren sie Mitte der 50er Jahre für die Rahmenhandlung in dem Kulturfilm GEBIRGE UND MEER (1955). Hier spielt sie die kleine Rolle einer Pionierleiterin. Der Regisseur Gerhard Klein, auf der Suche nach einem neuen, jungen Gesicht für seinen Film EINE BERLINER ROMANZE (1956), sieht sie und holt sie für die Dreharbeiten nach Berlin. Erzählt wird eine alltägliche Liebesgeschichte im geteilten Berlin vor dem Mauerbau, sensibel und unpathetisch vom Regisseur gestaltet. Ulrich Thein spielt den arbeitslosen Westberliner Hans, der sich in das Ostberliner HO-Lehrmädchen Uschi verliebt. Annekathrin Bürger überzeugt als junge Frau, sie wirkt jugendlich frisch, unbekümmert und natürlich. Nach dem Erfolg des Films studiert sie drei Jahre Schauspiel an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg.

Bereits während ihres Studiums ist Annekathrin Bürger in weiteren DEFA-Filmen zu sehen. Günter Reisch besetzt sie in dem Agententhriller SPUR DER NACHT (1957). In dem Slatan Dudow-Film VERWIRRUNG DER LIEBE (1959) steht sie mit den Jungstars Angelica Domröse, Willi Schrade und Stefan Lisewski vor der Kamera. Hier spielt sie Sonja, eine Kunststudentin, die sich in den Maurer Edy verliebt. Annekathrin Bürger strahlt eine ernste Wirkung aus, ist wie ihre drei jungen Freunde, auf der Suche nach dem richtigen Weg im Leben.

Nach dem Studium erhält 1959 Annekathrin Bürger ein Engagement am Deutschen Theater in Berlin. Kurze Zeit später verläßt sie die renommierte Spielstätte, um am Theater der Bergarbeiter in Senftenberg zu arbeiten. Hier hat sie größere Chancen, sich ein umfangreiches Repertoire aufzubauen; gefördert wird sie von Regisseur Klaus Gendries. Sie ist unter anderem als Lucietta in Goldonis "Viel Lärm in Chiozza" zu sehen und spielt die wichtigen Rollen der Klassiker: Goethes Klärchen, Schillers Amalia und Hauptmanns Rose Bernd. Seit 1966 arbeitet sie wieder in Berlin, steht dort auf der Volksbühne. Im selben Jahr gastiert sie alternierend mit der Schauspielerin Eva-Maria Hagen als Eliza Doolittle in "My Fair Lady" am Landestheater Dessau. Die Volksbühne in Berlin wird über 40 Jahre die Heimstätte der Schauspielerin. Sie ist als Elisabeth in "Don Carlos" zu sehen und spielt Annerose in "Kap der Unruhe". Für ihre Rolle der Enea in "Siebentes: Stiehl ein bißchen weniger" wird sie 1968 von der Berliner Zeitung als beste Darstellerin der Spielzeit ausgezeichnet. In den 90er Jahren arbeitet mit den Regisseuren Frank Castorf und Johann Kresnik zusammen, steht auch unter der Regie ihres Schauspielkollegen Henry Hübchen auf der Bühne.

Beim DEFA-Film macht sich Annekathrin Bürger besonders einen Namen. Regisseur Kurt Maetzig holt sie vor seine Kamera und läßt sie in SEPTEMBERLIEBE (1961) als Hannelore agieren. Geschildert wird eine Ehegeschichte aus der Gegenwart. In FÜNF TAGE – FÜNF NÄCHTE (1961) spielt sie eindrucksvoll Katrin, eine junge Frau, die kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus einem Konzentrationslager in ihre Heimatstadt Dresden zurückkehrt. Einer der Höhepunkte ihres filmischen Schaffens wird KÖNIGSKINDER (1962) von Frank Beyer. Hier spielt sie das Mädchen Magdalena, das sich im faschistischen Deutschland für ihre Liebe zum Widerstandskämpfer Michael (gespielt von Armin Mueller-Stahl) entscheidet. Der Film, virtuos inszeniert und künstlerisch hochbeachtet, gehört zu den wichtigsten DEFA-Filmen der Zeit. In ABSCHIED (1968) nach der gleichnamigen Erzählung von Johannes R. Becher beschäftigt sich der Regisseur Egon Günther mit dem 17jährigen Münchner Bürgersohn Hans Gastl, der sich entscheidet, nicht am Ersten Weltkrieg teilzunehmen und sich dadurch von seinem gesellschaftlichen Stand verabschieden muß. Annekatrin Bürger übernimmt hier die Rolle der Magda, eine singende Verführerin und femme fatale.

Dazwischen sind es zahlreiche Unterhaltungsfilme, denen Annekathrin Bürger ihren Stempel aufdrückt. Neben Angelica Domröse und Jutta Hoffmann gehört sie seit Mitte der 1960er Jahre zu den beliebtesten Schauspielerin der DDR. In vielen Fällen agiert sie als selbstbewußte, emanzipierte junge Frau, so etwa in HE, DU! (1970) unter der Regie von Rolf Römer. Hier spielt sie die Lehrerin Ellen Volkmann, die sich gegen Selbstgefälligkeit und Routine auflehnt und auf der Suche nach ihrem privaten Glück ist. In der überaus erotisch inszenierten Emanzipationskomödie HOSTESS (1976) wieder unter der Regie von Rolf Römer spielt sie die Stadtführerin Jette. Jette und Johannes sind seit zwei Jahren zusammen. Als er ohne besondere romantische Idee vorschlägt zu heiraten, bedenkt Jette ihre Beziehung. Sie schaut sich im Bekanntenkreis um und kehrt schließlich wieder zu ihrem Freund zurück. Der Film ist mit leichter Hand inszeniert, er wird der erfolgreichste Film des Jahres und lockt fast eine Millionen Zuschauer in die Kinos. In den Indianerfilmen TÖDLICHER IRRTUM (1969) und TECUMSEH (1972) ist sie ebenso zu sehen wie im Mode-Milieu der Verwechslungskomödie MIT MIR NICHT, MADAME! (1969) von Lothar Warneke.

Auch im Fernsehen der DDR wird Annekathrin Bürger häufig mit wichtigen Rollen betraut. In den 60er Jahren gehört sie kurzzeitig zu dessen Ensemble. Als Petra Ledig überzeugt sie in der TV-Verfilmung "Wolf unter Wölfen" (1965) nach Hans Fallada. Mehrfach agiert sie in den beliebten Reihen "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort". Eine ihrer wichtigsten Fernsehrollen hat sie in "Der Rest, der bleibt" (1990) unter der Regie von Bodo Fürneisen. Hier spielt sie eine Sängerin, die eine intensive Beziehung zu einem jüngeren Mann eingeht. Seit den 90er Jahren ist Annekathrin Bürger in mehreren TV-Serien zu sehen, so etwa als Corinna Grimm in "Wir sind auch nur ein Volk". "Im Namen des Gesetzes" spielt sie eine Richterin. In der Tatort-Serie des MDR gehört sie zum ständigen Personal und agiert als Wirtin.

1965 war sie Mitwirkende bei der Premiere der Veranstaltungsserie "Lyrik-Jazz-Prosa" und organisiert auch später eigene Programme dieser Art. Sie hat zahlreiche Auftritte in Chansonprogrammen und literarisch-musikalischen Abenden. In ihren eigenen Programmen singt und spricht sie Bertolt Brecht, Kurt Weill, Hans Eisler sowie Zeitkritisches. Auf der Bühne steht sie unter anderem gemeinsam mit Uschi Brüning, Barbara Kellerbauer und Gabriele Näther. Mehr als zehn Jahren geben sie den Konzertabend "Vier im Konzert". Gastspiele führen sie unter anderem nach Finnland, Frankreich, Italien und Holland; in vielen deutschen Städten zieht sie ein großes Publikum an.

Annekathrin Bürger engagiert sich politisch. In der DDR ist sie Mitglied des Präsidialrates des Kulturbundes und arbeitet im Rat für Kultur beim Minister für Kultur mit. Sie wendet sich gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann und engagiert sich für den Erhalt des Gründerzeit-Museums von Charlotte von Mahlsdorf. 1990 ist sie Vorsitzende des Kongresses der Nationalen Bürgerbewegung. 1993 gründet sie gemeinsam mit ihrem Ehemann den Verein "Kinder vom Don", der russische Waisenkinder unterstützt.

Annekathrin Bürger ist in erster Ehe mit dem Schauspieler und Regisseur Ulrich Thein verheiratet. Beide haben sich bei ihrem Debütfilm EINE BERLINER ROMANZE (1956) kennengelernt. Mehrfach werden sie gemeinsam vor der Kamera stehen. In zweiter Ehe heiratet sie den Schauspieler und Regisseur Rolf Römer. Auch sie arbeiten gemeinsam an verschiedenen Filmen, ihr Ehemann inszeniert sie in seinen Regiearbeiten. Die Familie lebt in Berlin. Bei einem Unfall stirbt ihr Mann im Alter von 64 Jahren im Frühjahr 2000.

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Autorin
Ines Walk
Die Biographie entstand mit Unterstützung der DEFA-Stiftung.

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