Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Paul Kemp

Paul Kemp
Darsteller

* 20. Mai 1896
Bad Godesberg, Bonn
Deutschland
† 13. August 1953
Bad Godesberg, Bonn
Deutschland

PAUL KEMP • Biographie Seite 1/1

Paul Kemp ist der kleine, schmächtige Mann aus dem Haus von Gegenüber: unauffällig und kleinbürgerlich, etwas spießig, allerdings auch pfiffig und witzig. Diesen Rollentyp wird der mehrfach im deutschen Film verkörpern. Und trotzdem oder gerade deshalb nennt ihn der Regisseur Max Ophüls einen der besten Komiker, der ihm je unter die Finger gekommen sei. In über 70 Filmen hat der Schauspieler sein Talent unter Beweis gestellt.

Paul Kemp ist am 20. Mai 1896 in Bad Godesberg als Peter Paul Kemp geboren. Sein Vater ist Musiklehrer. Als Kind erhält er Klavierunterricht. Als junger Mann ist er begeistert von dem neuen Medium Film. Er arbeitet als Pianist in einem Ladenkino und begleitet Stummfilme mit seiner Musik. Nach seiner Schulausbildung am Godesberger Gymnasium und in der Realschule in Königswinter besucht er die Landwirtschaftsschule in Bitburg. Kurze Zeit später wechselt er zur Baugewerbeschule nach Köln. Er will Architekt werden. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbricht seine Ausbildung. Paul Kemp meldet sich freiwillig und ist während des Ersten Weltkriegs Krankenfahrer an der Westfront. Dort tritt er auch zum ersten Mal auf der Bühne mit einem Soldatenensemble auf.

Nach seinem 5-jährigem Kriegsdienst kehrt Paul Kemp körperlich unbeschadet in seine Heimat zurück. Er beginnt eine Schauspielausbildung bei Louise Dumont an der Hochschule für Bühnenkunst in Düsseldorf. Die Schule ist an das dortige Schauspielhaus angegliedert. Dort tritt der junge Schauspieler auch in seinen ersten Rollen als Komiker auf. Zahlreiche Bühnenerfahrung sammelt er in den folgenden Jahren an verschiedenen Theatern. Er ist ein Jahr am Stadttheater Remscheid engagiert, arbeitet wiederholt am Schauspielhaus Düsseldorf und ist über mehrere Jahre Mitglied des Ensembles der Hamburger Kammerspiele. Dort inszeniert und spielt er "Charleys Tante". Mit diesem Stück wird er über Jahre hinweg überaus erfolgreich durch Deutschland touren. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt er gemeinsam mit anderen Künstler mit "Charleys Tante" einen Neuanfang.

In den 1920er Jahren sind besonders seine Charles Chaplin-Parodien erfolgreich. Er führt sie im Kabarett "Die Jungfrau" auf. Sein komödiantisches Talent bringt ihm auch Werbeverträge ein. Er ist in witzigen, kleinen Werbe-Clips für Motorenöl, Rhizinus oder Lebensversicherungen zu sehen.

1929 zieht es Paul Kemp nach Berlin. Er erhält Engagements am Lessingtheater, später an den Max Reinhardt-Bühnen. Besonders in dem Bühnenstück "Menschen im Hotel" von Gustaf Gründgens brilliert er als Buchhalter Kringelein. Anfang der 1930er Jahre gehört Paul Kemp zu den gefeierten Komikern der Stadt. In dieser Zeit erschließt er sich auch ein weiteres Arbeitsfeld. Die Filmproduktionsfirma Ufa lockt mit einem Vertrag. Der Schauspieler aktzeptiert. In der Folge bleibt allerdings nur wenig Zeit, um auf der Theater- oder Kabarettbühne zu arbeiten. Nur manchmal ist er auf der Bühne des Theater am Schiffbauerdamm zu sehen oder bei den Heidelberger Festspielen. Seine Zeit nimmt der Film ganz in Anspruch. Bis 1945 ist Paul Kemp an über 70 Filmen beteiligt.

Beim Publikum macht er sich beliebt in der Doppelrolle des Rollschuhfahrenden Götterboten Merkur und zugleich faulen Sosias in AMPHITRYON (1935) in der Regie von Reinhold Schünzel. Besonders seine Gesangseinlagen bleiben in Erinnerung. "Ich wollt', ich wär' ein Hund" aus dem Film GLÜCKSKINDER (1936) wird zum Hit. Selten hat er die Gelegenheit, sein komödiantisches Talent voll zu entfalten. Oft spielt er den spießigen Angestellten, den furchtsamen oder pfiffigen Ganoven und den typisch deutschen Kleinbürger. Häufig ist er an der Seite erfolgreichen Figuren der kleine, schmächtige Kumpel und Freund, der zwar kritische Situationen mit Treue und Hingabe rettet, aber meistens völlig leer ausgeht. Paul Kemp wird einer der beliebtesten Nebendarsteller der Zeit. Hauptrollen dagegen sind selten. In DER KLEINSTADT-POET (1940) in der Regie von Josef von Baky kann er beweisen, dass er mehr könnte, wenn er gefordert wird.

1942 geht Paul Kemp nach Wien. Er erhält ein Engagement am Schönbrunner Schloß-Theater. Kurz vor Kriegsende führt ihn ein Engagement nach Prag. Um den letzten Kämpfen zu entgehen flüchtet er nach Bad Ischl. Dort arbeitet er bei der Künstlergemeinschaft Ischl, einem Wandertheater. Weitere prominente Mitglieder sind unter anderem Theo Lingen und Johannes Heesters. Mit "Charleys Tante" gehen sie auf Tournee durch Österreich. Ab 1946 hat Paul Kemp wieder ein festes Engagement am Theater in der Josefstadt. Anfang der 1950er Jahre zieht es den Schauspieler in seine Heimatstadt Bad Godesberg. Dort schreibt er auch seine autobiografischen Notizen: "Blühendes Unkraut. Heiteres aus meinem Leben."

Paul Kemp stirbt am 13. August 1953 an den Folgen einer Blindddarmentzündung im Alter von nur 57 Jahren in Bonn.

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 0,73163