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Dani Levy

Dani Levy
Regie, Drehbuch, Schnitt, Darsteller, Produzent

* 17. November 1957
Basel
Schweiz

DANI LEVY • Biographie Seite 1/1

Die Tradition der jüdischen Komödie unter Regisseuren wie Ernst Lubitsch oder Billy Wilder findet in Deutschland 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein jähes Ende. Doch Regisseur Dani Levy bringt mit seinen Komödien ALLES AUF ZUCKER (2005) und der umstrittenen Hitler-Parodie MEIN FÜHRER (2006) den jüdischen Humor, der sich besonders durch politische Unkorrektheit und Überschreitung jeglicher Tabus auszeichnet, endlich wieder ins deutsche Kino zurück - und wird dafür 2005 bezeichnenderweise mit dem Ernst Lubitsch-Preis belohnt.

Dani Levy wird am 17. November 1957 in Basel (Schweiz) als Sohn deutsch-jüdischer Emigranten geboren. Anfang der 1970er-Jahre ist er beim "Circus Basilisk" als Clown und Akrobat tätig und erhält dort erste Einblicke in das Showgeschäft. Das nach dem Abitur begonnene Germanistikstudium bricht er bald wieder ab und geht ans Basler Theater, um dort als Schauspieler und Autor zu arbeiten. Nach einem zweijährigen USA-Aufenthalt zieht es ihn nach Berlin, wo er 1980/81 Mitglied des Theaters "Rote Grütze" ist und 1982/83 bei der Theatergruppe "Logo" arbeitet. 1983 folgt sein erster Fernsehauftritt in dem TV-Spielfilm "Ich bin seine Schwester", 1984 wirkt er als Darsteller und Autor an der Fernsehserie "Motel" mit.

Mit DU MICH AUCH (1986), einem Film über zwei Berliner Straßenmusiker, legt der Filmemacher 1986 sein Regiedebüt vor, das bei dem Komödienfestival in Vevey (Schweiz) den Preis für den Besten Film erhält. Gemeinsam mit Maria Schrader, mit der er auch privat lange Zeit zusammenlebt, arbeitet er an verschiedenen Filmprojekten: 1988 stehen beide in ROBBYKALLEPAUL (1989) als Hauptdarsteller vor der Kamera und erarbeiten auch das Drehbuch gemeinsam, wobei Dani Levy außerdem als Regisseur und Produzent fungiert. Der Film handelt von einer Männer-WG, deren Bewohner versuchen, ihre Probleme mit Frauen zu bewältigen. Das nächste gemeinsame Projekt ist der Film I WAS ON MARS (1991). Es ist die Geschichte der Polin Silva ,die ganz allein nach Amerika reist und dort dem charmanten Gauner Alio begegnet, der Silva ihr weniges Geld raubt. 1993 folgt der Kurzfilm OHNE MICH, für den der Regisseur mit dem Regiepreis der Hypobank auf dem Münchner Filmfest ausgezeichnet wird.

Der Regisseur ruft 1994 gemeinsam mit dem Produzenten Stefan Arndt, und den beiden Regisseuren Tom Tykwer und Wolfgang Becker die Produktionsfirma X Filme Creative Pool ins Leben, die mit einigen Kinoerfolgen wie LOLA RENNT (1998) national und international große Aufmerksamkeit erregt. Der erste unter der Regie Dani Levys entstandene Film der Firma, STILLE NACHT(1996), in welchem sich eine schwangere Frau zwischen zwei Männern entscheiden muss, ist wenig erfolgreich. Als Darsteller fungieren sowohl Dani Levy als auch Maria Schrader in mehreren Filmen, darunter in BURNING LIFE (1994), einem Film über zwei Bankräuberinnen und ein Jahr später in EINER MEINER ÄLTESTEN FREUNDE (1995), der von einer Männerfreundschaft handelt. Dani Levy ist außerdem in DIE MEDIOCREN (1995) und TEMPO (1996) zu sehen.

Ende der 1990er-Jahre wird der Thriller MESCHUGGE (1998) realisiert, zu dem die beiden bereits 1990 das Drehbuch verfassen und in dem sie erneut die Hauptrollen übernehmen. Darin versuchen die beiden in New York lebenden Juden Lena Katz und David Fish, dem mysteriösen Todesfall von Davids Mutter auf die Spur zu kommen. Ihre Suche führt sie nach Deutschland, wo sie erschütternde Entdeckungen über die Vergangenheit ihrer Familien machen. MESCHUGGE (1998) wird zum Filmfestival ins kanadische Toronto gelanden und dort uraufgeführt. Er gewinnt unter anderem 1999 den Bayerischen Filmpreis.

Im selben Jahr agiert das Künstlerpaar in AIMÉE & JAGUAR (1998), einer Liebesgeschichte über die Beziehung zweier Frauen zur Nazizeit, wiederum vor der Kamera. In seinem Familiendrama VÄTER (2002) beschäftigt sich Dani Levy mit den Rechten eines Vaters nach der Scheidung und greift somit ein hochaktuelles Thema in Deutschland auf. 2004 kehrt der Regisseur und Schauspieler für einige Zeit an das Basler Theater zurück und inszeniert dort das Bühnenstück "Freie Sicht aufs Mittelmeer", welches im September 2004 uraufgeführt wird.

Ein Jahr später lässt der Regisseur mit seiner Komödie ALLES AUF ZUCKER (2005), die das turbulente Leben einer jüdischen Familie in Deutschland thematisiert, den jüdischen Humor im deutschen Film wieder aufleben. Jaeckie Zucker (Henry Hübchen) ist ein gewiefter Zocker, der vor dem finanziellen Ruin steht. Plötzlich ergibt sich für ihn eine Chance, an Geld zu kommen: Seine Mutter ist gestorben; Jaeckie und seine Frau (Hannelore Elsner) hoffen auf ein großzügiges Erbe. Doch seine Mutter hat im Testament die Bedingungen für den Antritt des Erbes festgelegt: Nur, wenn sich ihre beiden seit vielen Jahren verfeindeten Söhne endlich versöhnen, erhalten sie ihr Erbe. Jaeckies Bruder Samuel, ein orthodoxer Jude, zieht also mit seiner ganzen Familie bei Jaeckie ein, was erwartungsgemäß eine Reihe von Turbulenzen mit sich bringt. Die Komödie wird sowohl von Kritikern als auch von Zuschauern größtenteils positiv aufgenommen, vor allem die Leichtigkeit des Humors und die pointierten Dialoge werden gelobt. Auch die Leistungen der Darsteller, allen voran Henry Hübchen, können nach Meinung der Kritiker überzeugen. ALLES AUF ZUCKER (2005) wird beim Deutschen Filmpreis mit sechs Lolas ausgezeichnet, unter anderem in den Kategorien Beste Regie und Bester Spielfilm. Außerdem wird Dani Levy vom Club der Berliner Filmjournalisten der renommierte Ernst Lubitsch-Preis verliehen.

Mit seinem nächsten Projekt, der Hitler-Persiflage MEIN FÜHRER (2006), löst der Regisseur kontroverse Diskussionen unter Kritikern und Zuschauern aus, die sich besonders mit der grundsätzlichen Frage beschäftigen, ob über Adolf Hitler gelacht werden darf. In der Komödie wird der Diktator als lächerlicher Schwächling dargestellt, der aufgrund seiner verkorksten Kindheit zu dem wird, was er ist. Im Dezember 1944, das "Deutsche Reich" steht kurz vor dem Zusammenbruch, soll er sich den Massen noch einmal in seiner alten Stärke präsentieren. Doch der depressive und hinfällige Hitler ist nicht in der Lage, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Also wird sein ehemaliger Schauspiellehrer, der Jude Adolf Grünbaum, mitsamt seiner Familie aus dem KZ geholt, um Hitler wieder auf die Beine zu bringen. Zunächst soll der Film aus der Perspektive Hitlers gezeigt werden, doch Regisseur Dani Levy entscheidet sich, nachdem der Film bei einer Testvorführung Entsetzen und Empörung bei den Zuschauern hervorruft, für eine andere Version, die den Fokus auf Hitlers jüdischen Schauspiellehrer Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe) verlagert. Helge Schneider, der in der Hauptrolle als Adolf Hitler brilliert, distanziert sich nach Erscheinen des Films öffentlich von der geänderten Fassung: "Jetzt gefällt mir der Film nicht mehr, weil er nichts mehr aufreißt", so der Darsteller. Vor allem Historiker protestieren gegen die Veralberung des Diktators. Auch Vertreter der Katholischen Kirche und der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland kritisieren die Hitler-Parodie, die eine Verharmlosung und Verklärung der grausamen Verbrechen des NS-Regimes darstelle. Andere Kritiker sprechen sich zwar für die Hitler-Parodie im Allgemeinen aus, bemängeln jedoch den zahnlosen und platten Humor des Films, der dem Vergleich mit großartigen Werken wie Charles Chaplins DER GROSSE DIKTATOR (1940) oder Ernst Lubitschs SEIN ODER NICHTSEIN (1942) nicht standhalte. Die Zuschauer bestätigen diese Ansicht, mehr als die Hälfte der Deutschen empfindet den Film als negativ und auch die DVD-Verkaufszahlen enttäuschen. Im Ausland weckt der Film trotz aller Kritik in Deutschland reges Interesse, die USA, Großbritannien, Frankreich und Italien sind nur einige der Länder, die den Film für ihre Kinos einkaufen.

Der Regisseur konzentriert sich in vielen seiner Filme auf persönliche Geschichten, die die intime Gefühlswelt ihrer Protagonisten fokussieren. Zwischenzeitlich greift er auch gesellschaftliche oder politische Themen auf, wie zum Beispiel in VÄTER (2002) oder in MEIN FÜHRER (2006).

Aktuell arbeitet der Filmemacher mit zahlreichen anderen deutschen Regisseuren an dem Episodenfilm DEUTSCHLAND 09 (2009), der sich mit der aktuellen politischen und sozialen Situation im Land beschäftigen soll.

Dani Levy lebt heute in Berlin, zusammen mit seiner Frau, der Maskenbildnerin Sabine Lidl, und den beiden gemeinsamen Kindern.

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Autorin: Katharina Wähner
Stand: August 2008

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