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Jörg Foth

Jörg Foth
Regie, Regie-Assistenz, Darsteller

* 31. Oktober 1949
Berlin
Deutschland

JÖRG FOTH • Biographie Seite 1/1

Jörg Foth gehört zur letzten Regie-Generation der DEFA. Er setzt sich intensiv dafür ein, daß die Nachwuchsarbeit des Spielfilm-Studio intensiviert wird. Als Regisseur wartet er fünf Jahre auf seinen ersten Spielfilm, weitere fünf auf den zweiten. Beides sind Projekte, die bereits seit Jahren bei der DEFA liegen. Erst mit LETZTES AUS DER DA DA ER (1990) kann er ein wirklich eigenes Projekt verwirklichen. Danach er im Frühjahr 1990 eine Festanstellung als Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme, wird aber im Zuge der Abwicklung des Studios im Herbst desselben Jahres bereits wieder entlassen.

Jörg Foth wird am 31. Oktober 1949 in Berlin geboren. Von 1964 bis 1968 besucht er eine Oberschule in Berlin-Mitte. Neben seinem Abitur qualifiziert er sich in der Facharbeiterausbildung zum Koch, schließt 1968 seine Schulbildung ab. Drei Jahre, von 1968 bis 1971, absolviert er seinen Wehrdienst, ist Schiffsfunker der Volksmarine.

1971 bewirbt er sich als Volontär beim Fernsehen der DDR, wird angenommen und arbeitet in der Redaktion Agrarpolitik. Er stellt seinen ersten achtminütigen Beitrag fertig. Von dort wird er 1971 zum Studium an die Hochschule für Film und Fernsehen delegiert, studiert von 1972 bis 1977 im Fachbereich Regie. Während des Studiums fühlt er gemeinsam mit Peter Wekwerth für das Studentenkabarett verantwortlich. In seinen Filmübungen beschäftigt er sich mit dem Ort Waßmannsdorf, einem kleinen Ort westlich von Berlin-Schönefeld, der mit dem dortigen Flughafen leben muß. Sein Hauptprüfungsfilm wird BLUMENLAND (1976), ein Porträt über die sächsische Stadt Sebnitz, in der Kunstblumen hergestellt werden. In PROZEß (1976), seinem Diplomfilm, erzählt er von einem polnischen Arbeiter, der in der DDR mit manchen Gegebenheiten nicht klarkommt.

Nach dem Studium erhält Jörg Foth zunächst keine Anstellung, arbeitet artfremd als Telegrammbote bei der Deutschen Post und schreibt Texte für den Buchverlag "Der Morgen", von denen einige später in der Zeitschrift "Temperamente" erscheinen. 1978 beginnt Jörg Foth als Regie-Assistent zu arbeiten. Unter anderem wirkt er an den Filmen BLAUVOGEL (1978) von Ulrich Weiß und DIE VERLOBTE (1980) von Günther Rücker und Günter Reisch mit; arbeitet für den Regisseur Bernhard Wicki bei DIE GRÜNSTEINVARIANTE (1984).

1983 legt Jörg Foth seinen ersten eigenen Film vor. Der Kinderfilm DAS EISMEER RUFT (1983) nach einer Geschichte von Alex Wedding erzählt vom sowjetische Forschungsschiff "Tscheljuskin", welches im Eismeer verunglückt. Auf einem Prager Hinterhof entschließen sich fünf Kinder, den Verunglückten zu Hilfe zu kommen. Nach einer aufopferungsvollen Reise kehren sie aber nach Hause zurück, wo sie die Nachricht von der Rettung der Schiffbrüchigen erwartet. Die Reise, geboren aus den idealistischen Träumen der Kinder, wird zur Lehrstunde für Hilfsbereitschaft, Toleranz und Verständnis und zugleich zum Ausbruchversuch, der nicht gelingt. Stilistisch reizvoll werden Dokumentarfilmaufnahmen von der tatsächlichen Tscheljuskin-Expedition eingebaut. Der Film wird als besonderer Kinderfilm von Kritikern positiv aufgenommen.

Obwohl er 1984 eine Festanstellung als Nachwuchsregisseur im DEFA-Studio für Spielfilme erhält, vergehen fünf Jahre bis Jörg Foth seinen zweiten Film drehen kann. Projekte werden immer wieder abgelehnt. Er arbeitet als Regie-Assistent und Darsteller, dreht 1987 und 1988 einige Kurzfilme als Gast im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. ROCK 'N' ROLL (1987) porträtiert zwei junge Berliner, die in ihrer Freizeit leidenschaftlich Rock'n Roll tanzen. ACH DU JEH - EIN HANS DAMPF UND WURST DOKUMENT (1988) folgt den modernen Spielleuten von Spilwut und Tippelklimper auf Volksfesten und in Kneipen. Nach einem Bühnenstück von Hans-Eckardt Wenzel entsteht TUBA WA DUO (1988) über zwei Tuba spielende Männer, die ihre Botschaften von einem Berliner Hinterhofdach herunter schreien. Als Co-Regisseur ist er an der deutsch-vietnamesischen Koproduktion DSCHUNGELZEIT (1987) beteiligt, die nach Lebensberichten ehemaliger deutscher Fremdenlegionäre in Vietnam deren Erleben und Schicksale schildert.

Sein zweiter Spielfilm wird BIOLOGIE! (1989), der einzige Umweltfilm der DEFA. Nach dem Roman "Die Wasseramsel" von Wolf Spillner erzählt er die Geschichte der 15jährigen Ulla (gespielt von Stefanie Stappenbeck), die sich gegen den unerlaubten Eingriff in ein Naturschutzgebiet wehrt und damit gegen die Schule und hochrangige Funktionäre auflehnt. Am Ende steht sie vor einem Schultribunal und wird relegiert. Der Film prangert soziale Ungerechtigkeit, Opportunismus und Duckmäusertum im real existierenden Sozialismus an. Der Stoff liegt bei der DEFA seit 1982 "auf Eis", bis er im Sommer 1989 endlich realisiert werden kann. Er wird aber, als er 1990 endlich in die Kinos kommt, von den politischen Veränderungen in der DDR eingeholt.

Danach dreht den losen Bilderbogen LETZTES AUS DER DA DA ER (1990), der – besetzt mit dem beiden Künstlern Steffen Mensching und Hans-Eckhardt Wenzel – als Abgesang auf die DDR gilt. Alltag und Befindlichkeiten der DDR-Gesellschaft stehen auf dem Programm; die Bühnenversion wird für die Leinwand adaptiert und rechnet intellektuell mit der DDR ab. Filmisch kann das Werk nicht überzeugen, bleibt zu sehr dem Theater verpflichtet. Im Film DIE MEISENWÜRGER PROBEN (1991) beobachten Jörg Foth und Michael Schaufert die Probenarbeit der beiden Clowns kurz vor der Premiere ihres Programms "Der Meisenwürger vom Friedrichshain".

Im Frühjahr 1990 erhält er eine Festanstellung als Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme, wird aber im Zuge der Abwicklung der DEFA im Herbst desselben Jahres entlassen. Seit 1991 arbeitet Jörg Foth verstärkt für das Fernsehen und im Theater. Bereits 1988 entdeckt er das Theater für sich. Er hospitiert bei Christoph Schroth am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin, wirkt an der Inszenierung von "Wilhelm Tell" nach Friedrich Schiller mit. Am Deutschen Theater in Berlin ist er Musikberater bei der Inszenierung "Der Disney Killer" von Philip Ridley. 1993 führt er selbst Regie am Kammer- und Puppentheater in Wismar, bringt "Die Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht und Kurt Weill auf die Bühne. Außerdem steht er dem Schauspieler Steffen Mensching bei seiner Ein-Mann-Show als Regisseur zur Seite.

Wie viele seiner Kollegen hat es Jörg Foth schwer, im gesamtdeutschen Filmgeschäft Fuß zu fassen. Keines seiner Kinoprojekte kann realisiert werden. Für das Fernsehen entstehen kleinere Arbeiten, für das ZDF entsteht zwischen 1991 und 1994 eine filmische Langzeitbeobachtung im Prenzlauer Berg. Dafür hat der Regisseur 14 Menschen aus dem Berliner Stadtteil. In TIR NA OG (1994) porträtiert er fünf deutsche Familien, die nach Irland auswanderten. Bei dem deutschen Drama BEFREITE ZONE (2004) von Norbert Baumgarten arbeitet er als Regie-Assistent mit.

Jörg Foth setzt sich intensiv dafür ein, daß die Nachwuchsarbeit des Spielfilm-Studio intensiviert wird. Im Oktober 1982 treffen sich ca. 70 Absolventen der Hochschule für Film und Fernsehen, um ihre Kritik an der Ausbildung und der Nachwuchsarbeit der DEFA zusammenzufassen. In der Folge wird eine Kommission Nachwuchs im Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR gegründet, dessen Leiter Jörg Foth wird. Von 1983 bis 1988 ist er intensiv beschäftigt, um die Nachwuchsarbeit voranzutreiben. Im April 1988 legt er gemeinsam mit anderen jungen Regisseuren das Papier "Manifest der Nachwuchsgruppe der Sektion Spielfilm" auf dem V. Kongreß des Verbandes vor. Aber die Gruppe wird vertröstet, das Papier nicht verlesen. Nach fünf Jahren gibt er die Arbeit auf, sieht keinen Erfolg seiner Tätigkeit, eine wirkliche Nachwuchsarbeit der DEFA gibt es nicht. Jörg Foth arbeitet in Jurys bei Filmfestivals mit, unter anderem 1988 beim Nationalen Kinderfilmfestival in Gera und beim Max Ophüls Preis in Saarbrücken.

Jörg Foth ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt in Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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