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Horst E. Brandt

Horst E. Brandt
Regie, Drehbuch, Kamera, Kamera-Assistenz, Darsteller

* 17. Januar 1923
Berlin
Deutschland
† 22. August 2009
Kleinmachnow
Deutschland

HORST E. BRANDT • Biographie Seite 1/1

Horst E. Brandt beginnt seine Filmkarriere als Kamera-Assistent im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, wechselt dann in den Spielfilmbereich und arbeitet sich zum 1. Kameramann hoch. Mitte der 60er Jahre beginnt er als Spielfilmregisseur zu arbeiten. Hier begibt er sich bewusst in das Spannungsfeld von Unterhaltung und politischer Aufklärung, dreht mit KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (1970) einen der wichtigsten Prestige-Filme der DEFA über den deutschen Widerstand.

Horst E. Brandt wird am 17. Januar 1923 in Berlin geboren. Sein Vater wird in den 20er Jahren arbeitslos, verdient als Tanz- und Unterhaltungsmusiker seinen Lebensunterhalt und arbeitet nach 1933 als Mechaniker bei Telefunken. Seine Mutter ist als Schneiderin beschäftigt. Er besucht die 21. Gemeinschaftsschule in Berlin-Spandau; während seiner Freizeit trainiert er im traditionsreichen Schwimmverein "Spandau 04" und bereitet sich für das Rahmenprogramm der Olympischen Spiele 1936 vor. Nach seiner Schulausbildung beginnt er 1937 eine Ausbildung als Feinmechaniker in der Firma "Osram". Als Mitglied des Fotozirkels der Firma erwirbt er erste fotografische Kenntnisse; arbeitet zudem als Hilfskraft seines Onkels Richard Brandt bei der Wochenschau. Neben seiner Arbeit besucht er die Abendschule und absolviert einen Kurs für technisches Zeichnen.

Im August 1941 wird Horst E. Brandt zum Arbeitsdienst einberufen, im März 1941 in die Deutsche Luftwaffe zum technischen Bodenpersonal eingezogen. Er wird in Norwegen stationiert, im Winter 1944 nach Berlin verlegt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wird er gefangen genommen und in der englischen Besatzungszone interniert. Er kehrt 1946 in die sowjetisch besetzte Zone nach Berlin zurück und beginnt auf Vermittlung seines Onkels Richard Brandt, der bei der DEFA als Produktionsleiter beschäftigt ist, 1947 als Kamera-Assistent mit Ausbildungsvertrag zum Kameramann im DEFA-Studio zu arbeiten. Ein Jahr nach dem Zusammenschluss von SPD und KPD zur SED im April 1946 wird er Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.

Zunächst arbeitet Horst E. Brandt beim Dokumentarfilm. Als Lehrmeister fungiert der Regisseur und Kameramann Joop Huisken. Von November 1948 bis Mai 1949 wird er in der Kopieranstalt "Linse" in Köpenick als Volontär angestellt. Nach dieser Weiterbildungsmaßnahme wechselt er in den Spielfilmbereich. Nach sieben Jahren Lehrzeit, unter anderem bei den Regisseuren Hans Heinrich, Artur Pohl und Kurt Maetzig sowie den Kameramännern Bruno Timm, Fritz Lehmann und seinem Lehrmeister Karl Plintzner, arbeitet Horst E. Brandt ab 1954 als selbständiger Kameramann. Seine erste Arbeit als 2. Kameramann wird STÄRKER ALS DIE NACHT (1954) unter der Regie von Slatan Dudow, die Geschichte des Hamburger Arbeiters Hans Löning und seiner Frau Gerda. Hier unterstützt die Lichtgestaltung die Authentizität der Geschichte: die Wandlung eines unpolitischen Mitläufers zum Antifaschisten. Während der Dreharbeiten zu ERNST THÄLMANN - FÜHRER SEINER KLASSE (1955) von Kurt Maetzig kommt es zu einem folgeschweren Unfall: Chefkameramann Karl Plintzner verletzt sich, nach einer Operation ist es ihm nicht mehr möglich, die Kamera zu führen. Horst E. Brandt tritt seine Nachfolge bei den Filmarbeiten an und ist ab März 1955 als 1. Kameramann bei der DEFA angestellt. In der Folge arbeitet er mit Regisseuren wie Günter Reisch, Heinz Thiel und Ralf Kirsten zusammen.

Mitte der 60er Jahre beginnt Horst E. Brandt als Regisseur zu arbeiten. Seine erste Regie-Arbeit legt er mit dem TV-Film IRRLICHT UND FEUER (1966) nach einem Roman von Max von der Grün vor, bei der er noch gemeinsam mit Heinz Thiel Regie führt und zudem mit seinem Co-Regisseur und dem Schriftsteller Gerhard Bengsch auch das Drehbuch verfasst. In der Folge arbeitet das Team mehrfach zusammen. Es entstehen unter anderem BROT UND ROSEN (1967), die Lebensgeschichte eines Arbeiters; der Kriminalfilm HEROIN (1968) über einen internationalen Schmugglerring. Am Schicksal des Helden Fred Krause, gespielt von Günther Simon, verdeutlichen sie in dem fünfteiligen Fernsehfilm KRUPP UND KRAUSE / KRAUSE UND KRUPP (1968) 60 Jahre deutsche Arbeiterbewegung. Der dargestellte Lebensweg vom Arbeiter bei Krupp bis zum Generaldirektor des Magdeburger Ernst Thälmann-Werkes wird zur Parabel auf die Entwicklung der DDR. Da es zwischen Heinz Thiel und Horst E. Brandt zu Differenzen über einzelne Szenen kommt, scheidet Heinz Thiel aus dem Drehstab aus und Horst E. Brandt führt ab Teil 4 erstmals allein Regie. Mit vier Geschichten über EVA UND ADAM (1973), zu denen wieder Gerhard Bengsch die Drehbücher verfasst, verfilmt Horst E. Brandt auch DDR-Gegenwartsstoffe. Erzählt werden Geschichten, in denen mehrere Frauen verschiedenen Alters und verschiedener Berufe im Mittelpunkt einer verflochtenen Handlung stehen.

Nach seinen erfolgreichen Fernseharbeiten inszeniert der Regisseur große Kinofilme; hier begibt er sich bewusst in das Spannungsfeld von Unterhaltung und politischer Aufklärung. Mit KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (1970) dreht er einen der teuersten Filme der DEFA. Erzählt wird von der Widerstandsgruppe Schulze-Boysen / Arvid Harnack, die aus unterschiedlichsten Motivationen gegen das Hitler-Regime kämpfen. Der Film ist einer der großen Dimensionen, gesetzt wird ganz auf modernen Schauwert: gedreht im 70-mm-Format, Farbe, zweiteilig und mit zahlreichen Star-Schauspielern der DDR gedreht. Es ist der bisher umfassendste Versuch der DEFA, den antifaschistischen Widerstand filmisch aufzubereiten. In der Koproduktion mit dem sowjetischen Gorki-Studio entsteht der Streifen ZWISCHEN TAG UND NACHT (1975), der vom deutschen Schriftsteller Erich Weinert im Moskauer Exil erzählt. Episoden aus seinem Leben seit 1933 - der Kampf im Spanienkrieg, seine Aufenthalte in Paris und Moskau - dokumentieren seine Entwicklung und Lebenshaltung. BRANDSTELLEN (1978) nach dem gleichnamigen Roman von Franz Josef Degenhardt beschäftigt sich mit der terroristischen Bewegung in der Bundesrepublik.

DIE KOLONIE (1981) spielt in einem südamerikanischen Land Anfang der 80er Jahre. Ein junger Journalist findet heraus, dass sich auf einer Farm eine faschistische Kolonie befindet, in der alte Nazis junge Deutsche in ihrem Geist erziehen. Von einem authentischen Fall ausgehend bezieht sich der Film auf Tatsachen. Doch das Material wird nicht nur nüchtern, dokumentarisch aufgearbeitet, sondern mit exotischem Milieu, aktionsreicher Spannung und kriminalistischen Motiven bereichert. Ähnliches vollführt der Regisseur in der Kriminalgeschichte FAMILIENBANDE (1982), die sich mit illegalem Antiquitätenhandel zwischen Ost und West beschäftigt. Die Kriminalgeschichte DER LUDE (1984), nach einem Szenarium von Wera Küchenmeister und Claus Küchenmeister, geht noch einmal auf die Zeit der Weimarer Republik und dem aufkommenden Faschismus in Deutschland zurück. Erzählt wird von einem jungen Arbeitslosen, der sich nicht von den Nationalsozialisten für Spitzeldienste erpressen lässt. DER HUT DES BRIGADIERS (1985) unterstützt die "Berlin-Initiative" mit einem Arbeiterporträt. Nach einem Szenarium von Manfred Richter wird ein Tiefbauarbeiter in den Blickpunkt gerückt, der sich mit Routine, Fehlleistungen, schlechter Arbeitsmoral nicht abfindet, jedoch wegen seiner Rigorosität nicht immer Freunde hat. Sein letzter Film wird der Kriminalfilm DIE BETEILIGTEN (1989). Die Verfilmung des Stoffes wird im Zusammenhang mit dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED aus den Jahren 1965 nicht realisiert und nun im Zuge eines politischen Tauwetters im DEFA-Studio doch produziert. Die Kriminalgeschichte im Milieu der DDR-Provinzhonoratioren aus dem Jahre 1964 bleibt wegen den aktuell politischen Veränderungen in der DDR unbeachtet.

Nach der Abwicklung der DEFA 1991 kann Horst E. Brandt keinen Filmstoff mehr realisieren. Bereits 1990 entsteht ein Projekt mit der Filmemacherin Harriet Eder über die politischen Hintergründe des Olympia-Fackellaufs 1936. Er arbeitet immer noch an mehreren Treatments, entwickelt Szenarien und schreibt Drehbüchern, die aber nicht verfilmt werden. Der Regisseur veröffentlicht zudem Texte zur Geschichte der DEFA; außerdem seine Erinnerungen unter dem Titel "Halbnah - Nah - Total", die 2002 von der DEFA-Stiftung herausgegeben werden.

Horst E. Brandt heiratet 1951 Ingeborg Kampfert. Ihre gemeinsame Tochter Karin wird im Februar 1952 geboren. Nach der Scheidung 1958 ehelicht er Eva Schottek, mit der er die Tochter Jana hat, die im Januar 1965 geboren wird. Die Familie lebt in Potsdam.

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