Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

John Ford

John Ford
Regie, Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 01. Februar 1894
Cape Elizabeh (Maine)
USA
† 31. August 1973
Palm Desert (Kalifornien)
USA

JOHN FORD • Biographie Seite 1/1

Für Orson Welles ist er DER alte Meister. Sergej M. Eisenstein hätte gern selbst DER JUNGE MR. LINCOLN gedreht. Akira Kurosawa bewundert ihn uneingeschränkt. Die größten Regisseure meinen damit den amerikanischen Regisseur John Ford, der genau wie sie ein großer seines Fachs ist. 124 Filme hat der Meister des Western gedreht. Er gilt als der wohl "größte Mythenpoet des amerikanischen Films" (Georg Seeßlen) und hat mit der vielfachen Verfilmung seines amerikanischen Traums Filmgeschichte geschrieben.

John Ford wird als Sean Aloysius O'Fearna am 1. Februar 1895 in Cape Elizabeth (Maine) geboren. Seine Eltern stammen aus Irland. Er ist das jüngste von 13 Kindern und wächst in Portland auf, wo seine Eltern ein Restaurant betreiben. Als er 11 Jahre ist, nimmt sein Vater ihn für mehrere Monate mit nach Irland. 1914 macht er seinen Abschluß an der High School und schreibt sich an der Universität of Maine ein. Nur kurze Zeit ist er Student. Sein älterer Bruder Francis ist Regisseur und Schauspieler bei der Universal Picture in Hollywood. John besucht ihn und bleibt gleich dort. Er jobt als Gelegenheitsarbeiter, Stuntman und Komparse, zum Beispiel in dem Klassiker THE BIRTH OF A NATION (1915) von David Wark Griffith und oft auch in den Filmen seines Bruders. Der hat sich den Nachnamen Ford zugelegt. Anfangs nennt sich der kleinerer Bruder noch Jack Ford bis sich John Ford 1923 durchsetzt.

Bald steigt John Ford die Karriereleiter hinauf. Er arbeitet als Regie-Assistent und 1917 dreht er seinen ersten eigenen Film. Es ist ein Western mit dem Titel THE TORNADO (1917). Es folgt eine Serie von 22 Western mit Harry Carey und Molly Malone in den Hauptrollen. Sein 32ster Film ist zugleich sein erster Nicht-Western. Aber das ur-amerikanische Genre bleibt sein bevorzugtes, sein erfolgreichstes. Hier setzt er Standards. In der Stummfilmzeit verfilmt er überaus erfolgreich die Geschichte des Baus der Eisenbahn: DAS FEUERROSS (1924). Er dreht den Kriegsfilm VIER SÖHNE (1928). Beide Filme erregen zwar Aufmerksamkeit, aber zur ersten Riege der Regisseure zählt John Ford noch nicht. Er gilt als Handwerker, der seine Geschichte gekonnt in Szene setzt.

Mit dem Tonfilm ändert sich das. Er dreht immer noch jedes Jahr mindestens einen Film. Die Genre wechseln: das Kriegsdrama UNTER DER SEE (1931), das Melodram FLEISCH (1932) oder ein Arztdrama DIE WELT GEHT WEITER (1934). Wirklich erfolgreich wird er 1935 mit seinem Film DER VERRÄTER (1935). Erzählt wird die Geschichte einer Freundschaft und ihres Verrats im irischen Freiheitskampf von 1922. Victor McLaglen spielt die Hauptrolle in dem stilsicher inszenierten und dramatischen Streifen, der gleich vier Oscars einbringt: Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller und Beste Musik.

Für John Ford folgen seine kreativsten und erfolgreichsten Jahre, in denen er das Genre des Western zum Höhepunkt führt. Seine Filme erhalten 23 Oscar-Nominierungen und 9mal geht die kleine Statur auch an sie. Titel wie RINGO (1938) mit dem jungen John Wayne in der Hauptrolle; DER JUNGE MR. LINCOLN (1939) über das Leben des amerikanischen Präsidenten mit Henry Fonda als Lincoln; TROMMELN AM MOHAWK (1939) oder FRÜCHTE DES ZORNS (1940) bleiben in Erinnerung. Seine Geschichten sind jetzt zumeist aus literarischen Vorbildern geschöpft und betonen die sozialen Hintergründe des "goldenen Westens". Er wird zum Chronist jüngster amerikanischer Geschichte, die er auf die Leinwand bringt. Seine Geschichten erzählen immer auch große Geschichte und wahrscheinlich trägt er mehr zum Geschichtsbewußtsein der Amerikaner bei als jeder High School-Unterricht.

Als Amerika 1941 in den II. Weltkrieg eintritt, wird John Ford bei der Marine zum Chief of the Field der Photographic Branch. Er dreht als Rear Admiral Dokumentarfilme für das Office of Strategic Services. Zwei davon - THE BATTLE OF MIDWAY (1942) und DECEMBER 7TH (1943) - erhalten sogar je einen Osacr. Er ist bei der Invasion in der Normadie als Dokumentarist dabei.

Nach Kriegsende arbeitet John Ford sofort wieder als Regisseur in Hollywood. Mit FAUSTRECHT DER PRÄRIE (1946) schließt er unmittelbar an die Vorkriegsarbeiten an. Das legendäre Duo Wyatt Earp (Henry Fonda) und Doc Holliday (Victor Mature) befreit die Kleinstadt Tombstone von einer zahlenmäßig überlegenden kriminellen Bande. In den folgenden Jahren wird John Wayne sein bevorzugter Darsteller. Es entsteht die sogenannte "Kavallerie-Triologie" mit BIS ZUM LETZTEN MANN (1948), DER TEUFELSHAUPTMANN (1949) und RIO GRANDE (1950).

Sein Meisterwerk inszeniert John Ford 1956: DER SCHWARZE FALKE (1956). Der Bürgerkriegsveteranen Ethan Edwards (John Wayne) ist ein brutaler Indianerhasser und will seine Nichte aus der Gewalt der Comanchen befreien. Auf seiner fünfjährigen Suche zeigt der Regisseur einen rücksichtslosen Mann, der vor sich selbst auf der Flucht ist.

Mit seinen späten Filmwerken in den 60er Jahren arbeitet sich John Ford an seinem eigenen Werk ab. DER MANN, DER LIBERTY VALANCE ERSCHOß (1961) thematisiert die amerikanische Mythen- und Legenden-Produktion, die er selbst mit seinen Filmen vorangetrieben hat. Fazit des Films ist die Erkenntnis, daß Amerika der selbstfabrizierten Legende mehr traut als der Wahrheit. CHEYENNE (1964) ist endlich ein Film, in denen die Indianer - seine bevorzugten Protagonisten - gebührend zu Wort kommen. Ihr unbeschreibliches Leid hat John Ford häufig sehr einseitig dargestellt. In SIEBEN FRAUEN (1966) dürfen auch endlich die Frauen aus dem Schatten heraustreten. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe Frauen auf einer Missionsstation an der chinesisch-mongolischen Grenze, die gefangen, gefoltert und vergewaltigt werden, sich aber doch befreien können.

Danach zieht sich John Ford aus gesundheitlichen Gründen vom Filmgeschäft zurück. Bereits 1964 war er an Krebs erkrankt. Bis zu seinem Tod am 31. August 1973 reist er durch die Welt, besucht Kollegen auf dem europäischen Kontinent. Er stirbt im Alter von 78 Jahren in Palm Springs und hinterläßt seine Frau, Mary Frances McBride, die er 1920 geheiratet hat, sowie seine zwei Kinder: Barbara und Patrick.

Aktueller Stand der Datenbank:
17821 Filme,
69711 Personen,
5011 Trailer,
869 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,24444