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Anneliese Uhlig

Anneliese Uhlig
Darsteller

* 27. August 1918
Essen
Deutschland

ANNELIESE UHLIG • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Anneliese Uhlig hat eine erstaunliche Karriere mit zahlreichen Wendungen hinter sich. Sie ist ein junger, aufstrebender Ufa-Schauspiel-Star, beginnt dann eine Film-Karriere in Italien, dolmetscht für die Mussolini-Familie, spielt vor Wehrmachtssoldaten an der Front, arbeitet nach dem Krieg als Auslandskorrespondentin für verschiedene Zeitungen, ist Dozentin in Thailand oder Produzentin am Theater in Amerika.

Anneliese Uhlig wird am 27. August 1918 in Essen geboren. Ihr Vater ist der Schauspieler Kurt Uhlig, ihre Mutter die Opernsängerin Margarethe Maschmann. Die Eltern scheiden sich und Anneliese Uhlig wächst bei ihrer Mutter auf. Durch deren Engagements in verschiedenen Städten geht sie in Essen, Dortmund, Leipzig und Braunschweig zur Schule. Mit 19 Jahren beginnt sie in Berlin eine Ausbildung zur Modezeichnerin und belegt zusätzlich Schauspiel-Seminare an der Peter Reimann-Akademie.

Bereits im nächsten Jahr - 1938 - debütiert sie auf der Bühne des Berliner Schillertheaters in dem Stück "Der Richter von Zalamea". Eine einjährige Europa-Tournee schließt sich an. Der Theaterbühne wird sie Zeit ihres Lebens treu bleiben. Im Theater am Schiffbauerdamm spielt sie 1940 in "Diener zweier Herren" oder gibt Gastspiele in Bremen. Ab 1940 steht sie auch auf der Theaterbühne vor Wehrmachtsoldaten an der West- und Ostfront. Ihre Tournee führt sie nach Holland und Frankreich auf der einen und Polen und die Sowjetunion auf der anderen Frontseite.

1937 erobert Anneliese Uhlig zeitgleich die große Leinwand. Ihr erster Ufa-Film wird MANEGE (1937) in der Regie von Carmine Gallone. Ihr Karriere beginnt rasant: 1939 ist sie an vier Filmproduktionen beteiligt. Sie spielt meist junge, selbstbewusste Frauen und modische Damen an der Seite damaliger Ufa-Stars wie Paul Klinger, Carl Raddatz oder Hans Söhnker.

Wegen Differenzen mit dem Propagandaminister Joseph Goebbels verlässt Anneliese Uhlig 1942 Deutschland in Richtung Italien. Dort setzt sie ihre Filmkarriere weiter fort, arbeitet bis 1944 an fünf italienischen Produktionen mit. Im Juli 1943 wird der faschistische Führer Italiens Benito Mussolini durch den "Faschistischen Großen Rat" abgesetzt und verhaftet, später durch deutsche Fallschirmtruppen befreit. Von Salò am Gardasee aus versucht Mussolini, unterstützt durch deutsche Truppen, die Herrschaft in Nord- und Mittelitalien wiederzuerlangen. Anneliese Uhlig fungiert als Dolmetscherin für die Familie Mussolini. 1944, als die Alliierten Rom erobern, kehrt sie - kriegsverpflichtet - nach Deutschland zurück.

In Deutschland erhält Anneliese Uhlig sofort wieder Filmangebote. In den letzten Ufa-Produktionen DER MAJORATSHERR (1944) mit Willy Birgel und SOLISTIN ANNA ALT (1944) mit Will Quadflieg spielt sie die weibliche Hauptrolle. Ihre beiden letzten Filme (FRAU ÜBER BORD (1945); RUF AN DAS GEWISSEN (1945)) sind während des Einmarschs der Alliierten gerade in der Endproduktion und kommen überarbeitet erst Ende der 1940er Jahre in die Kinos.

Anneliese Uhlig heiratet in zweiter Ehe den amerikanischen Oberleutnant und Kunsthistoriker Douglas B. Tucker. Dadurch hat sie die Möglichkeit, Deutschland zu verlassen. 1945 arbeitet sie als Produzentin und Regisseurin für den US-Spezial-Service in Salzburg. 1948 übersiedelt sie nach Amerika. Von dort aus arbeitet sie als Korrespondentin, reist immer wieder nach Deutschland oder Italien, schreibt für amerikanische und deutsche Zeitungen politische Berichte und Reportagen. Zum Höhepunkt ihrer Karriere wird die Redaktion der politischen Abteilung in der "Alexandria Gazetta", einer der ältesten Zeitungen Amerikas. Anneliese Uhlig berichtet aus dem Weißen Haus.

Theater und Film vergisst die engagierte Frau aber nie. Seit den 1950er Jahren ist Anneliese Uhlig auch wieder als Schauspielerin aktiv. In Alexandria (Virginia, USA) arbeitet sie über Jahre am dortigen Theater als Regisseurin, Produzentin und Schauspielerin. Zwischenzeitlich ist sie auch als Dozentin für Dramatische Schauspielkunst und Deutsch an der Thamansat Universität in Bangkok tätig. Sie gibt Gastspiele in Deutschland am Theater, unter anderem in Hamburg, Köln, Heppenheim und Berlin. Sie arbeitet beim Film, zum Beispiel in DANY, BITTE SCHEIBEN SIE (1956) von Eduard von Borsody. Außerdem ist sie vermehrt im westdeutschen Fernsehen zu sehen. Sie spielt in der TV-Serie "Der Kommissar", tritt als "alte Dame" auf, unter anderem an der Seite von Heinz Rühmann in dem TV-Film "Es gibt noch Haselnuss-Sträucher." 1998 hat Anneliese Uhlig ihre vorerst letzte Rolle. Sie spielt in der Rosamunde Pilcher-TV-Verfilmung "Heimkehr" die alte Tante Lavinia.

Anneliese Uhlig lebt in Amerika und hat einen Sohn. Sie besitzt die amerikanische Staatsbürgerschaft. Seit den 1970er Jahren veröffentlicht sie zwei autobiographische Bücher. 1989 wird sie für ihr Engagement mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Januar 2004

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