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Johnny Depp

Johnny Depp
Mitarbeit, Darsteller, Sprecher, Produzent

* 09. Juni 1963
Owensboro (Kentucky)
USA

JOHNNY DEPP • Biographie Seite 1/1

Die unverwechselbaren Auftritte in einer großen Bandbreite haben Johnny Depp zum Liebling der Kritiker und Zuschauer gemacht; er ist einer der ungewöhnlichsten Stars Hollywoods. Er ist nicht - wie andere Stars - austauschbar, ist immer etwas wilder und melancholischer, etwas witziger und ironischer, etwas tiefgründiger und sensibler als andere. Außerdem setzt er auf Außenseiter, auf Verlierer, Absonderlinge und gutmütige Narren; er spielt Figuren, die sich nicht anpassen, die nicht normal sind, die nicht dazugehören. Auf die Darstellung von Subversion in all ihren Spielarten scheint es der Schauspieler angelegt zu haben. Sogar seine Blockbuster passen sich an dieses Image an.

Johnny Depp wird am 09. Juni 1963 als John Christopher Depp in Owensboro, Kentucky geboren. Sein Vater John Christopher Depp I. arbeitet als Ingenieur, seine Mutter Betty Sue (geb. Palmer) ist Kellnerin. Zur Familie gehört noch zwei Schwestern und der Bruder Dany P. Depp, der später als Autor arbeiten wird. Mehrfach zieht seine Familie um; er fühlt sich als Außenseiter. 1978 lassen sich seine Eltern scheiden; er bleibt bei seiner Mutter. Johnny Depp interessiert sich frühzeitig für Musik, beginnt seine Karriere als Musiker in einer Rockgruppe namens "The Flame", später "The Kids", mit der er nach Los Angeles zieht. Als die Band sich auflöst, versucht er sich als Schauspieler. Die Anfänge sind schwer, er nimmt Gelegenheitsjobs an. Durch die Bekanntschaft mit Nicolas Cage spricht er bei einem Casting vor.

Eine erste Rolle erhält er in NIGHTMARE - MÖRDERISCHE TRÄUME (1984) unter der Regie von Wes Craven. Johnny Depp entdeckt das Medium und nimmt Schauspielunterricht am Loft Studio in Los Angeles. Kleiner Auftritte sichern ihm erste Erfolge, unter anderem ist er in Oliver Stones Oscar-preisgekrönten Film PLATOON (1986) zu sehen. Aber seinen Durchbruch erzielt Johnny Depp beim Fernsehen. Als Undercover-Detective Tom Hanson ist er in der beliebten Fox-TV-Serie "21 Jump Street" zu sehen, wird zum Teenie-Idol der 1980er Jahre. Vier Staffeln lang wirkt er in der Serie mit, muss sich seinen Ausstieg auf dem Serien-Einerlei hart erkämpfen. Mit dem Fernsehen steht der Darsteller seitdem auf Kriegsfuß, will nicht mehr die Zeit zwischen den Werbeblöcken ausfüllen. Zwischendurch ist er auf der großen Leinwand in CRY BABY (1989) von John Waters zu sehen. Die provokative Musical-Persiflage attackiert die Teenie-Movies der 1950er Jahre und bietet erstmals das auf, mit dem der junge Schauspieler auch später enormen Erfolg haben wird: interessante Figuren, drastischen Humor und schrilles Setting. In dem kleinen Film gehört er nicht zum Establishment, sondern bietet als Anführer einer Jugendclique eine interessante Alternative.

Mit seinem Engagement in EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN (1990) beginnt Anfang der 1990er Jahre seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Tim Burton. Johnny Depp spielt hier einen künstlichen Menschen, der statt mit Händen mit Schweren ausgerüstet ist. Er verliebt sich in die Tochter seiner Gastfamilie in einem Vorort, wird anfangs für seine Fertigkeiten geliebt, später aber wegen seines Andersein aus der Stadt verjagt. Er ist auf der Suche nach Berührung, kann diese aufgrund seiner Anatomie aber nie wirklich erhalten. Beide - Regisseur wie Schauspieler - haben mit dem Fantasy-Märchen kommerziellen Erfolg, Johnny Depp kann erstmal zeigen, was an Talent in ihm steckt. Danach ist der Schauspieler in aller Munde, gilt als große Schauspiel-Hoffnung. Aber Johnny Depp ist vorsichtig bei der Auswahl seiner Rolle. Er legt sich auf den unangepassten Typen, den Außenseiter fest und trifft damit eine seiner wichtigsten Entscheidung. Mehrfach wird er große Rollen in Hollywood-Blockbustern ablehnen, da sie ihm zu gradlinig, stereotyp und einfach erscheinen.

Emir Kusturica besetzt ihn in ARIZONA DREAM (1992), wo er sich als Axel Blackmar in eine ältere Frau (Faye Dunaway) verliebt und sich auch von deren Stieftochter angezogen fühlt. Auch hier hat er mit Karriere und Erfolg nicht viel im Sinn, will seine Träume verwirklichen. In BENNY & JOON (1992) von Jeremiah Checkik spielt er einen weltfremden Sonderling, der einer psychisch gestörten jungen Frau neuen Lebensmut verleiht. Als GILBERT GRAPE - IRGENDWO IN IOWA (1993) von Lasse Hallström muss er als ältester Sohn seine fettleibige Mutter, seine zwei Schwestern und seinen geistig behinderten Bruder versorgen, will aber eigentlich ein ganz anderes Leben weitab von seinem Provinzort führen. Mit den drei Filmen sichert sich der Schauspieler eine weltweite Fangemeinde, da es ihm gelingt, die Frustration über seine Situation in einem melancholischen Blick zu destillieren.

1994 kommt es zu einer weiteren Zusammenarbeit mit Tim Burton. Diesmal spielt Johnny Depp ED WOOD (1994), den schlechtesten Regisseur aller Zeiten. Erstmals kann der Darsteller mit der Figur des Regisseurs, der voller Leidenschaft, aber ziemlich schlecht seine Träume auf die Leinwand bringt, beweisen, dass er auch ein brillanter Komiker ist. Er ist ein optimistisches Stehaufmännchen, welches sich trotz aller Niederlagen nicht von seinen Visionen abbringen lässt. Im selben Jahr ist er an der Seite von Hollywood-Legende Marlon Brando in DON JUAN DE MARCO (1994) von Jeremy Leven sowie in der Kriminalgeschichte GEGEN DIE ZEIT (1995) von John Badham zu sehen. In erstem gibt er einem romantischen Helden, in letztem einen Action-Helden, die sich beide trotz aller Klischees in sein bisheriges Werk einfügen.

Jim Jarmusch holt ihn vor seine Kamera in DEAD MAN (1995). Hier spielt er einen naiven Buchhalter William Blake aus dem Osten der USA, der im Westen auf sein Glück hofft. Aber er erschießt aus Notwehr einen Menschen und ist danach auf der Flucht, auf seiner langen Reise in den Tod wird er begleitet von einem Indianer. Niemand kann so todtraurig in den Sternenhimmel schauen wie Johnny Depp. In diesem Kontext wirken seine Rollen in DONNIE BRASCO (1996) von Mike Newell und THE ASTRONAUT'S WIFE (1999) von Rand Ravich fast als Mainstream. Aber in erstem verkauft er seine Seele an den Polizei-Apparat, in zweiten wird er sie durch Aliens los. Voll in seinem Element ist Johnny Depp in FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS (1998) von Terry Gilliam. Las Vegas erlebt er mit verschiedensten bewusstseinserweiternden Drogen ganz anders als die normale amerikanische Bevölkerung; er liefert den Zuschauern in einer wahren Spielwut einen berauschenden Amoklauf. In BLOW (2001) von Ted Demme übernimmt er die Rolle des Drogendealers, der als Kleinbürger mit dem Verkauf von Kokain zu ungeahntem Reichtum kommt, aber letztlich in seinem Leben scheitert.

Auch bei der Auswahl seiner weniger wichtigen Rollen, in größeren Nebenrollen schaut der Schauspieler auf den Typ, den er verkörpert. In CHOCOLAT (2000) nochmals unter der Regie von Lasse Hallström spielt er an der Seite von Juliette Binoche einen romantischen Hippie, der um die Ausgrenzung Andersdenkender weiß und sie am eigenen Leib zu spüren bekommt. Unter der Regie von Sally Potter spielt er IN STÜRMISCHEN ZEITEN (2000) einen Zigeuner und Analphabet, der sich in eine russische Jüdin verliebt im Frankreich kurz vor dem Einmarsch der Nationalsozialisten. In BEFORE NIGHT FALLS (2000) von Julian Schnabel gibt es ihn gleich zweimal, als Tunte Bon Bon und als Macho Lt. Victors. Drehbuch und Geschichte sind dem Schauspieler wichtiger als die Gage. Er arbeitet mit Roman Polanski bei dem Horrorstreifen DIE NEUN PFORTEN (1999) zusammen. Als CIA-Agent Sand ist er unter der Regie von Robert Rodriguez in IRGENDWANN IN MEXICO (2003) zu sehen. Regisseur David Koepp holt ihn für DAS GEHEIME FENSTER (2004), wieder ein Horrorthriller, in dem er als Schriftsteller den Nachweis erbringen muss, dass er kein Plagiat geschrieben hat.

Seinen ersten Blockbuster dreht er mit dem Disney-Film FLUCH DER KARIBIK (2003). Dass es einer werden würde, war nicht unbedingt vorhersehbar, denn der Privaten- und mit ihm der Mantel-und-Degen-Film gilt als Relikt der 1950er Jahre. Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Gore Verbinski drehen ein typisches B-Movie mit viel Klamauk und Specials, sprühendem Witz und üppiger Ausstattung. Johnny Depp als exaltierter Pirat Jack Sparrow sorgt mit seiner augenzwinkernden Ironie und seinem Spaß am Spiel für Millionen Zuschauer. Auch in dieser Produktion ist er kein typischer Held, nichts desto trotz wird er der Kinoheld des Sommers. Mit den zwei Fortsetzungen schreibt sich der Darsteller endlich in die Kassen-Hitlisten ein. Erstaunlicherweise erhält er für diese Rolle seine erste Oscar-Nominierung als Bester Darsteller, geht bei der Preisvergabe leer aus. Vier Jahre hintereinander (2005 bis 2008) wird er aber mit dem vom Publikum gewählten "People's Choice Award" ausgezeichnet.

Phantastisches Kino bieten dem Schauspieler die meisten Entfaltungsmöglichkeiten. In WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN (2004) von Marc Forster spielt er den Autor James Matthew Barrie, der am Beginn des 20. Jahrhunderts zu den gefeierten Stars der Londoner Theaterszene gehört. Inspiriert von einer Witwe und ihren vier Söhnen findet er den Zugang zur kindlichen Phantasie wieder und schreibt "Peter Pan", einen Welterfolg. Auch in CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK (2005) von Tim Burton ist er Wesen voller kindlicher Phantasie und als Willi Wonka zudem Besitzer eines Schokoladen-Imperiums. Aber er ist nicht glücklich und entdeckt erst in der Familie und in der Freundschaft ein besseres Leben. In beiden Filmen ist Johnny Depp das Zentrum, einmal mehr gibt er Außenseiter der Gesellschaft, die sich mit und durch ihre Träume selbstbehaupten. Regisseur Tim Burton holt ihn nochmals für SWEENEY TODD (2007) (SWEENEY TODD (2007) Trailer) vor die Kamera. In der Musical-Verfilmung spielt er einen zu unrecht Verurteilten, der nach seinem Gefängnisausbruch Rache schwört und zum dämonischen Barbier der Fleet Street aufsteigt. Johnny Depp singt hier selbst und überzeugt damit auch die Kritiker. Die Rolle bringt ihm seine dritte Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller ein, aber wieder kann er die Trophäe nicht mit nach Hause nehmen, erhält aber erstmals einen Golden Globe.

1983 heiratet Johnny Depp die Künstlerin Lori Allison. Die Ehe hält nur zwei Jahre. Beziehungen führt er mit der Schauspielerin Winona Ryder und dem Model Kate Moss, die immer wieder in der Boulevard-Presse für Stoff sorgen. Sein Leben interessiert, auch seine Aussetzer. 1989 wird er in Vancouver erhaftet, weil er sich mit einem Hotelportier anlegt, in New York verwüstet er eine Hotel-Suite. Gern wird er als rebellischer Außenseiter in Szene gesetzt, mit seinen Tatoos fühlt er die Titelseiten der Gazetten. Gemeinsam mit einem Freund betreibt er den Club "The Viper Room" in Los Angeles, vor dem im Oktober 1993 River Phoenix an einem Drogen-Cocktail stirbt. Seit 1998 lebt der Schauspieler mit seiner Kollegin Vanessa Paradis zusammen. Ihre gemeinsamen Kinder sind Lily-Rose Melody, die 1999, und Jack, der 2002 geboren wird. Die Familie lebt in Frankreich und in den USA. Außerdem besitzen sie eine kleine Insel im Pazifik, auf die sie sich zurückziehen.

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Autorin: Ines Walk
Stand Mai 2008

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