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Roman Polanski

Roman Polanski
Regie, Drehbuch, Mitarbeit, Darsteller, Produzent

* 18. August 1933
Paris
Frankreich

ROMAN POLANSKI • Biographie Seite 1/1

Roman Polanski ist ein Meister der klaustrophobischen Orte, der Seelengefängnisse. Wie kein anderer versteht er es, den Schrecken und die Angst in Szene zu setzen. Bei ihm sind es die Details des Alltags, die zu Wahnvorstellungen führen, ist es eine feindliche Umgebung, die Menschlichkeit nicht zulässt. Ein Leben wie seines könnte selbst ein Drehbuchautor nicht erfinden: Er ist aus dem Krakauer Ghetto entkommen, überlebt die deutsche Besatzung; wird im sozialistischen Polen als junger Regisseur gegängelt; hat in Los Angeles den Mord an seiner Ehefrau durch Sektenangehörige zu verarbeiten; entzieht sich in den USA einer Klage wegen Missbrauch einer Minderjährigen. Ein bewegtes Leben, zu dem die Inszenierung einiger Filmklassiker gehört.

Roman Polanski wird am 18. August 1933 als Roman Liebling (einige Quellen nennen Raymond Polanski) in Paris geboren. Sein Vater, Automechaniker von Beruf, ist der staatenlose Jude Ryszard Liebling mit polnischen Wurzeln, seine Mutter hat einen russisch-katholischen und jüdischen Hintergrund. 1937 kehrt die Familie Frankreich wegen zunehmenden Antisemitismus den Rücken und geht in die alte Heimat des Vaters zurück, ins polnische Krakau. Hier werden sie 1939 vom Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen überrascht und müssen 1941 zusammen mit den Krakauer Juden ins Ghetto ziehen. Die Familie wird ins Konzentrationslager deportiert. Seine Mutter kommt im Auschwitz um, die Schwester überlebt das Vernichtungslager, der Vater übersteht das Konzentrationslager Mauthausen. Roman Polanski kann in Alter von neun Jahren aus dem Ghetto entkommen, lebt zwei Jahre im Untergrund. Er schlägt sich in Krakau durch, wird von polnisch-katholischen Bauern im Kuhstall versteckt, die von seinen Eltern dafür bezahlt worden sind. Nach der Befreiung Polens und dem Ende des Zweiten Weltkrieges trifft er seinen Vater und seine Schwester Annette wieder.

1947 wird Roman Polanski an der Kunstschule Liceum Sztuk Plastyczynych angenommen, lernt dort bis 1953, interessiert sich besonders für Malerei und Kunst. Neben seinem Studium sammelt er erste Erfahrungen als Schauspieler beim Fernsehen und auf der Theaterbühne. 1953 feiert er sein Filmdebüt. 1954 geht er an die Filmhochschule in Lodz und studiert fünf Jahre Regie. Hier entstehen seine ersten Kurzfilme, mit denen er Aufmerksamkeit auf Festivals erregt und die mehrfach ausgezeichnet werden. Sein Abschlussfilm wird GDY SPADAJA ANIOLY (1959). Der junge Regisseur übt sich in weiteren Kurzfilmen. Stilistisch fällt sein Sinn für absurden Humor auf, er zeigt sich zudem als Könner für düstere Szenen und spitzfindige Doppeldeutigkeiten. Auch als Schauspieler macht er sich einen Namen, arbeitet mehrfach mit dem Regisseur Andrzej Wajda zusammen. 1959 heiratet Roman Polanski die polnische Schauspielerin Barbara Kwiatkowska-Lass. Die Ehe wird bereits nach zwei Jahren geschieden.

Mit dem Thriller DAS MESSER IM WASSER (1962) legt Roman Polanski seinen ersten langen Spielfilm vor. Das Werk wird bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet und erhält eine Oscar-Nominierung als Bester ausländischer Film. Erzählt wird von einem jungen Ehepaar, das auf den Weg zur Segeltour einen jungen, per Anhalter reisenden Studenten einlädt, das Wochenende auf ihrer Segeljacht zu verbringen. Auf dem Boot entwickelt sich ein Kleinkrieg. Das Kammerspiel offenbart das Talent des jungen Regisseurs, der nicht nur einen oberflächlichen Thriller dreht, sondern Kritik am arrivierten Bürger übt und vom Verlust der Menschlichkeit in der polnisch-sozialistischen Gesellschaft erzählt. International wird der Film zum Erfolg, aber in Polen wird er von staatlichen Stellen kritisiert. Roman Polanski bleibt nach einem Aufenthalt in Paris im Westen.

Zunächst versucht der Filmemacher in Frankreich sein Glück. Er arbeitet an dem Episodenfilm DIE FRAUEN SIND AN ALLEM SCHULD (1963) mit, bei dem auch Claude Chabrol dabei ist und schreibt ein Drehbuch für Jean Léon. Nach einigen gescheiterten Projekten bieten sich ihm aber in Großbritannien bessere Möglichkeiten. Hier inszeniert er EKEL (1965) mit Catherine Deneuve in der Hauptrolle der schönen Französin Carol, die sich von den Männern und der Gesellschaft überhaupt angewidert fühlt. Sie lebt bei ihrer Schwester und als diese verreist, versteigert sie sich in Wahnvorstellungen, die letztlich zu einem Doppelmord führen. Der Psycho-Thriller ist perfekt und spannend inszeniert. Auf dem Filmfestival in Berlin erhält der Regisseur den Silbernen Bären und den Preis der Filmkritiker. Auch sein nächster Film WENN KATELBACH KOMMT (1966) wird bei der Berlinale ausgezeichnet, diesmal mit dem Goldenen Bären. Erzählt wird von zwei geflohenen Verbrechern, die auf einer englischen Insel ein Ehepaar drangsalieren. Ihnen gefällt es, Macht zu zeigen. Auch hier überzeugt, wie der Regisseur auf kleinstem Raum und mit minimalen Mitteln große Geschichten erzählen kann, die Gewalt- und Herrschaftsverhältnisse thematisieren. Danach entsteht die Persiflage TANZ DER VAMPIRE (1967), mit der Roman Polanski endlich auch ein großes Publikum erreicht. Ein alter Professor und sein Gehilfe (den er selbst spielt) begeben sich auf Vampirjagd und landen direkt in einer Familienfeier der Untoten. Charmant und witzig, intelligent und ironisch werden Klischees des Vampir-Films von NOSFERATU (1922) bis DRACULA (1931) benutzt, um sie genüsslich auseinander zu nehmen. Hinter der Geschichte verbirgt sich dann auch wieder ein Thema Roman Polanskis, zu dem er in allen seinen Filmen immer wieder Stellung beziehen wird: Wie bleibt Menschlichkeit in einer feindlichen Umgebung möglich?

Der Film sichert dem Regisseur die Eintrittskarte nach Hollywood. Hier dreht er den Horrorstreifen ROSEMARYS BABY (1968). Eine junge Frau soll einen Nachfahren des Teufels zur Welt bringen. Damit sie nicht hinter den perfiden Plan kommt, benutzt er den Ehemann und die Nachbarn. Themen wie Aberglaube und Psychoanalyse, Jungfräulichkeit und Entfremdung, Angst und Paranoia werden hier zu einem subtilen, stimmungsvollen und raffinierten Horrorfilm verwoben. Die katholische Kirche in den USA läuft Sturm gegen den Film, kann aber den Erfolg und seinen Aufstieg zum Kultfilm nicht stoppen. Im Januar 1968 tritt er mit der Schauspielerin Sharon Tate vor den Traualtar, die er bei den Dreharbeiten zu TANZ DER VAMPIRE (1967) kennen gelernt hat. Gemeinsam lassen sie sich häuslich in Los Angeles nieder. Im August 1968 werden während seiner Abwesenheit seine hochschwangere Ehefrau und vier Gäste brutal von Angehörigen der Sekte Manson Family ermordet.

Nach verschiedenen kleineren sowie gescheiterten Projekten und einer blutigen und beeindruckenden Version von MACBETH (1971) entsteht CHINATOWN (1974) mit Jack Nicholson, Faye Dunaway und John Huston in den Hauptrollen. In einem undurchsichtigen Spiel aus Intrigen und Korruption kommt ein Privatdetektiv einer groß angelegten Affäre um die Planung eines Staudammes in Kalifornien auf die Spur. Der Thriller verleugnet seine Vorbilder, die klassische Kriminalfällen eines Raymond Chandlers und den film noir nicht. Der Gangsterfilm zeigt ein Amerika der 1930er Jahre, dass in seinem tiefsten Inneren marode und korrupt ist. Ganze 11 Mal ist der Film, der mittlerweile zu einem der wichtigsten Werke der 1970er Jahre zählt, für die Oscars nominiert, unter anderem auch Roman Polanski als Bester Regisseur. Aber nur der Drehbuchautor Robert Towne kann die Trophäe mit nach Hause nehmen. Seit 1975 besitzt Roman Polanski die französische Staatsbürgerschaft. In Frankreich entsteht auch sein nächster Film: DER MIETER (1976). Hier verliert sich der neue Mieter eines Apartments in Ängsten und Verfolgungswahn, das die Pariser Altbauwohnung, in die er gezogen ist, eine dunkle Vergangenheit hat. Wieder sind es die Schrecken, die aus ganz banalen, alltäglichen Details erwachsen, die den Film zu einem Meisterwerk machen.

1977 wird Roman Polanski beschuldigt, ein 13jähriges Mädchen sexuell belästigt zu haben. Er bekennt sich schuldig. Kurz vor dem Prozess und der wahrscheinlichen Haftstrafe verlässt er Amerika und geht nach Frankreich. Ein Haftbefehl gegen ihn ist noch immer gültig. Seitdem ist er nicht mehr in die USA gereist, lebt in Frankreich und Polen.

Mit TESS (1979) wendet er sich erstmals einem historischen Stoff zu und verfilmt den Roman Roman "Tess von den d'Urbervilles: Eine reine Frau" von Thomas Hardy mit Nastassja Kinski in der Hauptrolle. Am Ausgang des 19. Jahrhunderts wird ein schönes Bauernmädchen zur Mörderin, weil sie an der Strenge und Scheinheiligkeit der viktorianischen Gesellschaft zerbricht. Der Film wird für sechs Oscars nominiert, kann auch jene für Beste Kamera, Bestes Kostüm und Beste Produktdesign erringen. Roman Polanski geht wiederholt als Regisseur leer aus. Mit großem Aufwand inszeniert er danach PIRATEN (1986), der den klassischen Piratenfilmen nichts Neues abgewinnen kann und zum finanziellen Desaster wird. Auch FRANTIC (1987) mit Harrison Ford in der Hauptrolle, der verzweifelt auf der Suche nach seiner Frau ist, die einfach so aus ihrem Hotelzimmer in Paris verschwunden ist, wird an den Kinokassen nicht erfolgreich. Bei den Dreharbeiten lernt er die Schauspielerin Emmanuelle Seigner kennen, die er 1989 heiratet. Gemeinsam haben sie zwei Kinder.

Nach Arbeiten als Schauspieler und der Regie für BITTER MOON (1991) verfilmt er DER TOD UND DAS MÄDCHEN (1994) nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Ariel Dorfman. Sigourney Weaver spielt hier eine ehemalige Widerstandskämpferin in einer fiktiven lateinamerikanischen Diktatur. Sie wurde gefangen gehalten, vergewaltigt und gefoltert. In einem Arzt (Ben Kingsley), der zufällig zu ihr nach Hause kommt, glaubt sie ihren früheren Peiniger wieder zu kennen. Gegen den Widerstand ihres Ehemannes hält sie Gericht über den Mann. Wie schon in seinen früheren Filmen erweist sich Roman Polanski als Meister des Psycho-Kammerspiels. Er blickt sensible auf die Opfer und ihre Qualen, zeigt dem Zuschauer den "normalen" Täter, der sich ohne Reue mit seiner Vergangenheit arrangiert hat. Dem Horrorgenre fügt er mit DIE NEUN PFORTEN (1999) einen weiteren Film hinzu. Hier ist Johnny Depp auf der Suche nach einem ominösen Buch, das vom Teufel selbst stammen soll. Relativ traditionell ist der Film in Szene gesetzt, gezielt wird das Mainstream-Publikum mit effektvollem Gruselkino bedient.

Mit DER PIANIST (2002) gewinnt Roman Polanski die Goldene Palme in Cannes und seinen ersten Oscar. Erzählt wird ein Teil der authentischen Lebensgeschichte des polnisch-jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody), der mit seiner Familie nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht im Warschauer Ghetto leben muss. Er kommt frei, einige Freunde helfen ihm für kurze Zeit, er lebt monatelang fast verhungert und erfroren in Ruinen und wird von einem deutschen Offizier (Thomas Kretschmann) vor dem Hungertod gerettet. Der Film lebt von seiner Wirklichkeitsnähe, die nie in Sentimentalität abdriftet und keine Stereotypen bieten. Konzentriert erzählt der Filmemacher von einem Leben jenseits der Menschlichkeit, von einem Menschen, der sie sich bis zum Schluss bewahrt.

OLIVER TWIST (2005) nach Charles Dickens ist bis dato der letzte Film des Regisseurs. In den letzten Jahren feiert er auch als Theater-, Opern- und Musicalregisseur große Erfolge.

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