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Robert De Niro

Robert De Niro
Regie, Darsteller, Produzent

* 17. August 1943
New York (New York)
USA

ROBERT DE NIRO • Biographie Seite 1/1

Robert De Niro, der Perfektionist, das Chamäleon, der Mann mit dem sogenannten "razorblade smile" - einem Lächeln, das hundertmal tiefer geht als ein simpler Ausdruck von Freundlichkeit - ist einer der begabtesten Charakterschauspieler des Gegenwartskinos. Mit seinen Darstellungen vielschichtiger und obskurer Gangstertypen hat er sich in der Filmwelt einen Namen gemacht, kann aber auch in unzähligen anderen Rollen glänzen. Der überzeugte Method Actor lebt für die Dauer der Dreharbeiten ein komplett fremdes Leben, und das bei jeder Rolle. Außerdem blickt er auf zwei Academy Awards, eine lange Produzentenkarriere und zwei eigenen Filme zurück.

Robert Mario De Niro jr. wird am 17. August 1943 in New York, USA geboren. Er wächst in einer Künstlerfamilie auf. Seine Mutter Virginia Admiral ist Malerin und Herausgeberin der Literaturzeitschrift "Experimental Review". Sein Vater Robert De Niro sr. ist ebenfalls Maler, stellt aber auch Skulpturen her. Die Eltern trennen sich zwei Jahre nach seiner Geburt, er zieht mit seiner Mutter in einen anderen Teil New Yorks. Der kleine italo-amerikanische Junge wächst wegen seiner schwächlichen Gesundheit zum größten Teil abseits der Straße auf. Er besucht zunächst die Rhodes High School, später dann die High School of Music and Art. Aufgrund seines Talents und der guten Förderung von Schule und Elternhaus, tritt er mit zehn Jahren in dem Theaterstück "Der Zauberer von Oz" auf. Als er mit 16 Jahren die Schule verlässt, geht er mit einem Tournee-Theater auf Tour. Das Stück "Der Bär" von Anton Tschechow wird sein Debüt als professioneller Schauspieler.

Robert De Niro bildet sich an Stella Adlers Conservatory weiter. Dort geht vor allem die Kunst des an Konstantin Stanislawski orientierten Method Acting in ihn über. Der junge Schauspieler kann sich am Erfolg von Marlon Brando, der diese Technik für ENDSTATION SEHNSUCHT (1951) von Elia Kazan verwendet und damit ein großes Vorbild darstellt, orientieren. Weitere Theaterangebote folgen, er arbeitet unter anderem mit Shelley Winters zusammen, die ihm eine Rolle in BLOODY MAMA (1970) von Roger Corman sichert. Nach einigen weiteren Rollen auf der Bühne, konzentriert sich der Mime schließlich völlig auf seine Karriere im Filmgeschäft.

Seine erste Hauptrolle verkörpert Robert De Niro für den aufstrebenden New Hollywood-Regisseur Brian de Palma in GREETINGS (1968). Auch in den Komödien THE WEDDING PARTY (1969) und HI MOM! (1970) des Filmemachers spielt er mit. Ein anderer Regiestar dieser Zeit gibt dem jungen Darsteller seine erste Rolle, die später typisch für ihn wird. Martin Scorsese besetzt ihn in HEXENKESSEL (1973) als Kleinganove Johnny Boy, der ständig unter Geldmangel leidet und sich mit Gangsterposen und Frauengeschichten brüstet, um von seinen eigenen Problemen abzulenken. Seine Darstellung des Kriminellen bringt ihm ersten Ruhm ein; Kritiker loben seine zur Schau gestellte protzige Männlichkeit, die sich beim genauen Hinschauen als bloße Show ohne jegliche Substanz erweist.

In seiner Karriere mimt Robert De Niro noch häufiger den Mafioso, auch dank seiner teilweise italienischen Herkunft. Ein Jahr nach seinem letzten Erfolg, spielt er die Rolle des Don Vito Corleone für das Epos DER PATE - 2. TEIL (1974) von Francis Ford Coppola. Er erhält einen Academy Award als Bester Nebendarsteller und erlangt weltweiten Ruhm. Der Don Vito Corleone, der sich als italienischer Einwanderer zum Mafiaboss hocharbeitet, zieht ähnliche Projekte nach sich. Robert de Niro verkörpert seine Gangsterbosse mit Stil, sie sind kultiviert, aber aus ihnen kann schlagartig, ohne Vorwarnung Gewalt ausbrechen. ES WAR EINMAL IN AMERIKA (1984) von Sergio Leone, in dem er den Gangster David Aaronson mimt, oder THE UNTOUCHABLES - DIE UNBESTECHLICHEN (1987) von Brian de Palma festigen sein Film-Image als des Gangsterboss. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall einer italienischen Familie, GOOD FELLAS - DREI JAHRZEHNTE IN DER MAFIA (1989) von Martin Scorsese, ist ein weiteres Mafia-Epos, das den mittlerweile bekannten Schauspieler gekonnt in Szene setzt. Er stellt den kleinen Gangster Henry Hill dar, der schon früh mit der Mafia in Kontakt kommt. Der Mime kann durch die Darstellung der Loyalität bei gleichzeitigen inneren Konflikten gegenüber der Mafia und ihrem Ehrenkodex überzeugen. In seinem bisher letzten Mafia-Film CASINO (1995) ebenfalls von Martin Scorsese spielt er die Rolle des Sam "Ace" Rothstein, der in Las Vegas ein Imperium der Chicagoer Mafia aufbauen soll. Von seinem ausdrucksstarken Gesicht und seinem variantenreichen Spiel wird ein komplettes Genre mit zahlreichen Klassikern geprägt.

Die Kult-Figuren des New Hollywood-Kinos Travis Bickle, Jake La Motta oder David Aaronson sind Außenseiter und Grenzfiguren, die den Schauspieler ganz fordern. Robert De Niro meistert besonders gern schwierige Aufgaben und wie er selbst sagt, wächst er an Rollen mit ambivalentem Charakter. Es sind psychopathische Grenzgänger der Gesellschaft, die der Zuschauer aber trotzdem verstehen kann. Es sind Anti-Helden, gewaltbereit, oft gefühllos, die ihre Ziele starr im Blick haben. Menschen wie Travis Bickle, dem Protagonisten aus TAXI DRIVER (1976), erlauben dem Schauspieler, sich am besten in die Rolle hineinzuversetzen. Er versteht es, von einer Sekunde zur nächsten auszubrechen wie ein Vulkan, so gesehen als Jake La Motta in WIE EIN WILDER STIER (1980), einer seiner acht Arbeiten mit Martin Scorsese. Hier zeigt sich auch, dass Robert De Niro seinen ganzen Körper in die Waagschale wirft: Mehrere Kilos legt er für die Boxer-Rolle zu. Aber auch die subtile Bedrohung über einen längeren Zeitraum kann der Künstler perfekt darstellen. Neben KAP DER ANGST (1991) vom selben Regisseur, in dem zahlreiche Tattoos seinen Körper verzieren und seine Rache verdeutlichen, ist diese ständige und unangenehme Präsenz ebenfalls an seiner Rolle in DER FAN (1996) von Tony Scott zu sehen.

Die Post-Vietnam-Problematik, von der das amerikanische Kino der 1970er und 1980er Jahre immer wieder durchsetzt ist, geht auch an Robert De Niro nicht vorbei. In TAXI DRIVER (1976) nicht explizit dargestellt, ist es in DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (1978) von Michael Cimino ein zentraleres Thema. Der Mime beweist sich als traumatisierter Vietnamveteran, der nach dem Krieg zurück nach Vietnam reist, um seinen verschollenen Freund zu finden. Sein stoisches Spiel und die offensichtlich veränderte Körperhaltung zeigen den Schrecken, den Michael in Vietnam erlebt haben muss, ohne ihn beim Namen zu nennen. Eine ähnliche Rolle hält David Hugh Jones in seinem Film JACKNIFE - VOM LEBEN BETROGEN (1989) bereit. Abermals trägt der Schauspieler die Gräuel des Krieges im Gesicht und in der Seele. Ein Einstieg in das normale Leben ist nicht mehr möglich. An der Dokumentation DEAR AMERICA - BRIEFE AUS VIETNAM (1987) von Bill Couturie ist er ebenfalls beteiligt. Dies zeigt, dass das Thema dem Künstler auch ein persönliches Anliegen ist.

Robert De Niro hat das Glück, sehr früh mit bekannten Regisseuren zusammen zu arbeiten. Aus der symbiotischen Verbindung zu Brian de Palma und Martin Scorsese erwachsen für beide Parteien - Regie und Schauspieler - finanzielle und künstlerische Vorteile. Der Schauspieler hat bald einen guten Ruf und dadurch mehr Freiheit in seinen Rollen. Es kommt zur Zusammenarbeit mit geschätzten Auteurs. Terry Gilliam besetzt ihn für seinen Durchbruchfilm BRAZIL (1985). In dem italienischen Epos 1900 (1976) von Bernardo Bertolucci spielt er Alfredo, den Sohn eines reichen Großgrundbesitzers, der mit der Liebe, dem Faschismus und den Klassenunterschieden zu kämpfen hat. Da der Film eine große Zeitspanne beleuchtet, wächst und fällt die Figur im Laufe der Zeit. Der Schauspieler muss ebenfalls das zweischneidige Verhältnis zum Stand Alfredos darstellen. Gefeiert wird der Darsteller auch in HEAT (1995) von Michael Mann, der durch das Zusammenspiel mit Al Pacino zum Kultfilm avanciert. Die Gemeinsamkeiten der Protagonisten, obwohl auf verschiedenen Seiten des Gesetzes und der unumgängliche Showdown, laden die Spannung auf. Zwei wahre Schauspielgrößen prallen hier aufeinander.

Die Vielseitigkeit des Robert de Niro macht jedoch nicht vor den komödiantischen Seiten des Lebens halt. Hierbei ist besonders zwischen seiner frühen Phase und seinem Spätwerk zu unterscheiden. Oben genannte Filme von Brian de Palma sind seine ersten Ausflüge in das humoristische Genre. Außerdem wird er für die schwarze Komödie PFORTE ZUR HÖLLE (1971) von Ivan Passer engagiert und gibt im selben Jahr den falschen Priester für die Gangsterparodie WO GANGSTER UM DIE ECKE KNALLEN (1971) von James Goldstone. Sein neueres Schaffen in diesem Genre parodiert vor allem frühere Rollen. Als wortkarger Gefolgsmann von Waffenhändler Ordell Robie (Samuel L. Jackson), wirkt der mittlerweile erfahrene Schauspieler in JACKIE BROWN (1997) von Quentin Tarantino wie ein erbärmliches Abziehbild früherer Gangsterrollen. Sein durchaus lustiges Zusammenspiel mit Bridget Fonda zeichnet ihn in dieser Rolle aus. Die andere Seite eines Gangsters zeigt er auch in REINE NERVENSACHE (1999) und REINE NERVENSACHE 2 (2002) von Harold Ramis. Er führt uns einen gealterten, neurotischen Mafioso mit Erektionsproblemen vor. Des Weiteren ist er in der Familienkomödie MEINE BRAUT, IHR VATER UND ICH (2000) mitsamt dem Sequel MEINE FRAU, IHRE SCHWIEGERELTERN UND ICH (2004) von Jay Roach zu sehen. Als schwuler Kapitän eines Piratenschiffes kann er in DER STERNWANDERER (2007) (DER STERNWANDERER (2007) Trailer) von Matthew Vaughn wiederum Kritiker begeistern und Zuschauer zum Lachen bringen.

Eine weitere Herausforderung ist seine Aufgabe als Synchronsprecher in dem Zeichentrickfilm GROSSE HAIE - KLEINE FISCHE (2004) von Bibo Bergeron und Victoria Jenson. Er spricht die Rolle des mafiösen Don Lino, der dem jungen Held entgegensteht. Außerdem wird er für den Film ARTHUR UND DIE MINIMOYS (2006) (ARTHUR UND DIE MINIMOYS (2006) Trailer) von Luc Besson für die gleiche Tätigkeit engagiert. Sein neuester Film ist WHAT JUST HAPPENED? (2008) von Barry Levinson. Der Schauspieler mimt einen ehemals erfolgreichen Produzenten, der Probleme mit seinem aktuellen Film hat. Es gibt Probleme von Seiten des Studios und des von ihm verpflichteten, drogenabhängigen Regisseurs. Die Premiere ist für den 3. Oktober 2008 angesetzt.

1989 gründet Robert De Niro zusammen mit Produzentin Jane Rosenthal die Film- und Fernsehproduktionsfirma Tribeca Productions. Aufgrund seiner Affinität zu diesem Viertel in Lower Manhattan, New York, investiert er in die Erneuerung des ehemaligen Industrieviertels. Er besitzt dort das Restaurant Tribeca Grill und das Greenwich Hotel. Seit 2002 veranstaltet seine Produktionsfirma das Tribeca Filmfestival, als eine persönliche Antwort auf die Terroranschläge des 11. Septembers. 2006 wird er im Rahmen des Filmfestivals in Rom zum italienischen Ehrenbürger. Die Zeremonie soll eigentlich drei Jahre zuvor stattfinden, wird jedoch aufgrund von Protesten pro-italienischer Gruppen verschoben. Vorgeworfen wird ihm, lediglich kriminelle Charaktere mit italienischer Herkunft zu spielen.

Mit seiner Produktionsfirma Tribeca produziert er seither einige große Filme: Die Komödienhits MEINE BRAUT, IHR VATER UND ICH (2000), MEINE FRAU, IHRE SCHWIEGERELTERN UND ICH (2004) sowie ABOUT A BOY ODER: DER TAG DER TOTEN ENTE (2002) von den Regisseuren Chris Weitz und Paul Weitz. Letzterer wird nicht nur ein wahrer Erfolg an den Kinokassen, sondern bekommt obendrein eine Nominierung für den Academy Award. Die Musicaladaption RENT (2005) von Chris Columbus produziert er ebenso wie beide Filme, bei denen das Multitalent Regie führt. Sein Debüt IN DEN STRAßEN DER BRONX (1993) wird von Kritikern gemischt aufgenommen, allerdings kann er in seiner Rolle in diesem Film überzeugen. Es geht um einen Jungen, der sich zwischen der Aufrichtigkeit, für die sein Vater als ehrlicher Busfahrer steht, und der Unehrlichkeit, für die der Mafiosi Sonny steht, der in diesem Viertel herrscht, entscheiden muss. DER GUTE HIRTE (2007) (DER GUTE HIRTE (2007) Trailer) beschreibt die Geschichte der CIA, die vor Ungereimtheiten nur so strotzt. Dem Regisseur selbst stehen einige namhafte Schauspieler wie Matt Damon oder Angelina Jolie zur Seite. Das Ensemble wird bei der Berlinale 2007 mit den Silbernen Bären ausgezeichnet.

Robert De Niro erhält 2003 den Life Achievement Award des American Film Institute und wird 2008 mit der Goldenen Kamera für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

1976 heiratet Robert de Niro die Schauspielerin Diahnne Abbott, mit der er bis 1988 zusammenbleibt. Er adoptiert die uneheliche Tochter Drena De Niro und ist Vater von Raphael De Niro. Seit dem 17. Juni 1997 ist er mit Grace Hightower verheiratet. Sein zweiter Sohn heißt Elliott und wird 1998 geboren.

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Autor: Hannes Wesselkämper
Stand: Juni 2008

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