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Willy Birgel

Willy Birgel
Darsteller

* 19. September 1891
Köln
Deutschland
† 29. Dezember 1973
Dübendorf, bei Zürich
Schweiz
andere Namen Wilhelm Maria Birgel

WILLY BIRGEL • Biographie Seite 1/1

Er entspricht dem Klischee des "Rittmeister der deutschen Nation". Der Schauspieler Willy Birgel verkörpert zahlreiche Gutsherren, Rittmeister, Gentlemens oder Grandseigneurs. Seine große Zeit im deutschen Film hält 10 Jahre an. Zwischen 1934 bis 1945 spielt er in einigen der wichtigsten Filmproduktionen der Universum Film AG (Ufa) mit, wobei manche von ihnen überaus deutlich nationalsozialistische Propaganda verbreitet.

Willy Birgel wird am 19. September 1891 als Wilhelm Maria Birgel in Köln geboren. Sein Vater ist Goldschmied und Graveur. Nach seinem Schulabschluß besucht er auf Wunsch seines Vaters Kunstgewerbeschulen in Köln und Düsseldorf, später die Kunstakademie in Düsseldorf. Er soll den Betrieb des Vaters, der unter anderem für den Kölner Dom die Goldschmiedearbeiten durchführt, übernehmen. Willy Birgel setzt jedoch seinen Willen durch und nimmt ab 1910 Unterricht an der Schauspielschule in Köln. 1913 erhält er sein erstes Engagement am Stadttheater Bonn, es folgen Theaterauftritte in Dessau, Aachen und Koblenz. Seine Laufbahn wurde durch den I. Weltkrieg unterbrochen. Er wird früh eingezogen und dient im Stellungskrieg an der Westfront.

Nach dem Ende des I. Weltkrieges ist der Schauspieler zunächst am Theater in Aachen. Von 1924 bis 1936 ist er Mitglied des Mannheimer National-Theaters. Er wird durch seine Darstellungen von Hamlet, Mephisto und Heinrich IV. in den Theater-Klassikern zum Star der Bühne.

Relativ spät wird Willy Birgel für den Film entdeckt. Erst 1934 debütiert der bereits 41jährige Schauspieler beim Film. Gleich sein erster Film wird ein Publikumserfolg EIN MANN WILL NACH DEUTSCHLAND (1934) in der Regie von Paul Wegener. Er spielt in einer Nebenrolle einen englischen Offizier. Noch im gleichen Jahr steht er mit Brigitte Helm vor der Kamera und spielt in FÜRST WORONZEFF (1934). Neben Offizieren verkörpert Willy Birgel zahlreiche Gutsherren, Gentlemens, Grandseigneurs und zwielichtige Gestalten.

Er wird ein vielbeschäftigter Schauspieler, allein im Jahr 1935 dreht er sechs Filme. Der Kölner Schauspieler spielt an der Seite von bekannten Persönlichkeiten wie Gustaf Gründgens und Heinrich George in DAS MÄDCHEN JOHANNA (1935), Lilian Harvey und Willy Fritsch in SCHWARZE ROSEN (1935) und mit Zarah Leander in ZU NEUEN UFERN (1937). Bereits 1937 wird er vom Propagandaminister Joseph Goebbels zum Staatsschauspieler ernannt.

1941 spielt Willy Birgel unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt in ... REITET FÜR DEUTSCHLAND (1941). Mit der Rolle des deutschen Rittmeisters Ernst von Brenken, der gegen alle Widerstände - Kriegsverletzung, Lähmung, finanzieller Ruin - die deutsche Ehre beim Turnier um den "Großen Preis von Europa" mit seinem Pferd Harro wiederherstellt, wird sein Image geprägt. Willy Birgel spielt auch nach 1945 in dieser Tradition deutsche Offiziere, russische Gouverneure, elegante Ratsherren, Industrielle mit feiner Lebensart, den Konsul Strotthoff und den Rittmeister Wronski.

Aber zunächst erhält er nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 zeitweiliges Aufführungs- und Spielverbot durch die Allierten. Gründe sehen sie in seiner Mitwirkung an eindeutigen Propagandafilmen wie ... REITET FÜR DEUTSCHLAND (1941), FEINDE (1940) in der Regie von Viktor Tourjansky und KAMERADEN (1941) von Hans Schweikart.

Der aus Amerika zurückgekehrte Produzent Erich Pommer setzt sich für den Schauspieler ein und ab 1947 schließt dieser nahtlos an seine Schauspielkarriere an. Er ist in zahlreichen westdeutschen Nachkriegsproduktionen zu sehen, unter anderem spielt er an der Seite von Hans Albers im Film VOM TEUFEL GEJAGT (1950) mit. Mitte der 50er Jahre dreht der Schauspieler seinen ersten und einzigen Film als Regisseur. Aber ROSENMONTAG (1955) wird finanziell ein Mißerfolg. Willy Birgel konzentriert sich wieder ganz auf die Schauspielerei.

Willy Birgel bleibt der Theaterbühne stets treu. In zahlreichen Inszenierungen am Schauspielhaus in Zürich wirkt er in den 60er Jahren in tragenden Rollen mit. Er unternimmt ausgedehnte Theatertourneen, ist desöfteren im Theater Baden-Baden zu sehen, ab 1964 am Bayrischen Staatsschauspiel engagiert. Dort wird die Inszenierung des Max Frisch-Stücks "Andorra" einer seiner größten Erfolge. Seit den 60er Jahren ist der Schauspieler auch in zahlreichen TV-Filmen und Serien zu sehen.

An Auszeichnungen erhält der Künstler u. a. 1961 den Deutscher Filmpreis und den Bambi. 1966 wird ihm wegen seiner Verdienste um den deutschen Film das Filmband in Gold verliehen. Seine letzte große Ehrung erhält der Künstler 1972 mit dem Grillparzer-Ring der Stadt Wien.

Willy Birgel ist zwei mal verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn. Er stirbt am 29. Dezember 1973 in Dübendorf bei Zürich. Er wird in Köln beigesetzt.

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