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Ingrid Bergman

Ingrid Bergman
Darsteller

* 29. August 1915
Stockholm
Schweden
† 29. August 1982
London
Großbritannien

INGRID BERGMAN • Biographie Seite 1/1

Die Schwedin Ingrid Bergman ist keine jener Darstellerin, die immer wieder nur sich selbst spielt. Eine ungemeine Vielfältigkeit zeichnet sie aus und macht sie in den 40er Jahren in Amerika zum Weltstar. Sie kann ihre Persönlichkeit wechseln, um ihrer jeweiligen Rolle perfekt gerecht zu werden. Dadurch wirken die Empfindungen, die die ehrgeizige, disziplinierte und intelligente Schauspielerin darbietet, immer authentisch. Ingrid Bergman sorgt zudem für Aufregung mit ihrem Leben auf und neben der Leinwand. Ihren Weggang aus Hollywood in die Arme des italienischen Regisseurs Roberto Rossellini verzeiht ihr Amerika lange Zeit nicht.

Ingrid Bergman wird am 29. August 1915 in Stockholm geboren. Sie ist das einzige Kind von Justus Bergman und der Deutschen Friedel Adler. Der Vater arbeitet als Maler und Fotograf, besitzt ein Fotogeschäft im wohlhabenden Viertel von Stockholm. Ihre Mutter stirbt, als sie zwei Jahre alt ist, zehn Jahre später verstirbt auch ihr Vater. Zunächst wächst sie bei der Schwester väterlicherseits auf, nach deren Tod wird sie vom Bruder ihres Vaters aufgenommen.

Bis zu ihrem 17. Lebensjahr besucht sie das Stockholmer Mädchenlyzeum. Hier rezitiert sie dramatische Gedichte. Nach ihrer Schulausbildung spricht sie auf Anraten ihrer Familie an der Schule des Königlichen Schauspiel-Theaters vor. Nach bestandener Aufnahmeprüfung studiert sie und wird sie zugleich für einige Hauptrollen engagiert. Bereits nach einem Jahr bietet ihr die größte Filmproduktionsfirma Schwedens, die Svenskfilmindustrie einen Vertrag. Bald steht sie in ihrem ersten Film, in DER GRAF VON DER MÖNCHSBRÜCKE (1935) in einer kleinen Rolle als Hotelmädchen vor der Kamera. Danach ist die junge Darstellerin im selben Jahr in vier weiteren Filmen zu sehen. So spielt sie in BRANDUNG (1935) ein junges Mädchen, das das uneheliche Kind eines auf Abwege geratenen Geistlichen austrägt. Als reiches Mädchen, welches sich mit dem armen Sohn eines Wissenschaftlers verlobt, macht sie DIE SWEDENHIELM-FAMILIE (1935) auf sich aufmerksam. Es ist ihre erste Zusammenarbeit mit Regisseur Gustaf Molander. Ihre Darstellung wird besonders gelobt; der Film läuft auf dem Filmfestival in Venedig. Auch WALPURGISNACHT (1935) wird von Kritik und Publikum überaus wohlwollend aufgenommen.

Internationalen Erfolg feiert Ingrid Bergman erstmals mit INTERMEZZO (1936). Hier spielt sie eine Konzertpianistin, die eine leidenschaftliche Liebesaffäre mit einem Geiger hat, der allerdings verheiratet ist. Als sie erkennt, daß sie seine Ehe nicht zerstören kann bzw. will, verläßt sie ihn. Die Presse feiert die schöne und mit starker Inspiration spielende Ingrid Bergman. Der Film ist ihr Einstieg nach Hollywood. Sie dreht zwar noch fünf weitere Filme in Schweden, aber das Drängen von Hollywood, insbesondere durch den Produzenten David O. Selznick, wird schon öffentlich. Zwischenzeitlich dreht sie auch in Deutschland: DIE VIER GESELLEN (1938) erzählt von einer Gruppe Junggesellinnen, die sich ihre Selbständigkeit erkämpfen, aber während ihrer Unternehmungen ihre Ehemänner finden. Der nationalsozialistische Propagandaminister Joseph Goebbels bietet ihr angeblich einen Vertrag mit der Garantie von drei Filmen jährlich. Aber Ingrid Bergman entscheidet sich für Hollywood.

In Amerika verschafft ihr das Remake von INTERMEZZO (1939), diesmal in der Regie von Gregory Ratoff, einen grandiosen Einstieg. Bald ist die Schauspielerin auf die reine, ungeschminkte Naturschönheit festgelegt, die anrührend und verletzlich, schüchtern und fordernd zugleich auf der Leinwand erscheint. In einigen wichtigen Werken der Filmgeschichte ist sie zu sehen. Dazu zählt unter anderem ARZT UND DÄMON (1941) von Victor Fleming, der den Jekyll & Hyde-Stoff aufgreift und einige brillante technische Effekte hat. Hier spielt sie das Barmädchen Ivy, eine kleine Prostituierte, zu der sich Dr. Henry Jekyll (in einer Doppelrolle Spencer Tracy) hingezogen fühlt. Ingrid Bergman wird besonders gelobt, weil sie es schafft, die Mischung aus koketter Erotik und trostloser Verletzlichkeit überzeugend darzustellen.

In CASABLANCA (1942) von Michael Curtiz ist sie Ilsa Lund, eine Frau zwischen zwei Männern. Wieder gelingt es Ingrid Bergman glaubwürdig eine Frau darzustellen, die zwischen Liebe und Pflicht hin und her gerissen ist. Der Film wird zum Kult, auch wegen den drei Hauptdarstellern Ingrid Bergman, Humphrey Bogart und Paul Henreid. Er strahlt in der Folgezeit eine weltweite Faszination aus, wie sie nur ganz wenigen Filmen zu eigen ist, von jeder nachwachsenden Generation immer wieder neu entdeckt und liebevoll verehrt. Das zeitlose Meisterwerk mit seiner intensiven, erregenden Atmosphäre stürzt den Zuschauer in ein regelrechtes Wechselbad der Emotionen. Einige Kernsätze des Films wie "Ich seh' dir in die Augen, Kleines" oder "Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft" werden zu geflügelten Wörtern. Auch DAS HAUS DER LADY ALQUIST (1944) wird zum Filmklassiker. In dem Thriller von George Cukor spielt sie eine junge Ehefrau, die ihr Mann lieber tot sieht und sie deshalb in den Wahnsinn treiben will. Ingrid Bergman wird mit Lob überschüttet, da es ihr gelingt, die verblüffende Wandlung von einer verliebten, naiven Kindfrau in eine von Rachegefühlen geleitete Frau zu vollziehen.

Dreimal arbeitet die Schauspielerin mit Alfred Hitchcock zusammen. Für ihn verkörpert Ingrid Bergman die ideale Leinwandheldin: eine starke Frau mit Geheimnis, äußerlich kühl, aber mit innerer Leidenschaft. In dem Psychothriller ICH KÄMPFE UM DICH (1945) gibt sie die Psychoanalytikerin Constance, die sich in einen ihrer Kollegen verliebt, aber feststellen muß, daß er ein ganz anderer ist. Durch eine Traumanalyse versucht sie, seine Identität aufzudecken. Ihr zweiter gemeinsamer Film BERÜCHTIGT (1946) wird der erfolgreichste. Als Alicia Huberman leidet sie unter der Vergangenheit ihres Vaters; er war Nazi-Spion. Sie entschließt sich, dem US-Spion Devlin (gespielt von Cary Grant) bei der Aufdeckung der Verbrecher der ehemaligen Nazis zu helfen. Gelobt wird besonders, welche Spannbreite von Emotionen Ingrid Bergman zum Ausdruck bringen kann: Sie ist zynisch und verletzlich, kühl berechnend und leidenschaftlich, raffiniert und anschmiegsam. Nochmals steht sie in dem Kostümfilm SKLAVIN DES HERZENS (1949) vor Hitchcocks Kamera. Der für den Regisseur relativ untypische Film wird ein finanzieller und künstlerischer Flop.

BERÜCHTIGT (1946) von Alfred Hitchcock ist der letzte Film, den Ingrid Bergman für David O. Selznick dreht. Danach ist sie frei von Hollywoodverpflichtungen und kann ihre Arbeiten selbst wählen. 1949 verläßt Ingrid Bergman Amerika in Richtung Italien. Die neorealistischen Filme ROM, OFFENE STADT (1945) und PAISÀ (1946) von Roberto Rossellini begeistern sie derart, daß sie dem Regisseur einen Brief schreibt und eine neue künstlerische Herausforderung in einer Zusammenarbeit sucht. Als sie beide ein Paar werden, wird Ingrid Bergman in Amerika in einer beispiellosen Hysterie als Ehebrecherin und Rabenmutter verdammt. An sechs Filmen werden Regisseur und Schauspielerin gemeinsam arbeiten; Ingrid Bergman wird zum Star des italienischen Neorealismus. Während ihres Aufenthalts in Europa spielt sie unter anderem in den Filmen STROMBOLI (1950) und EUROPA 51 (1952). Drei der Filme des Bergman-Rossellini-Paares beschäftigen sich mit dem Zerfall von Beziehungen. Besonders erfolgreich an den Kinokassen sind die gemeinsamen Filme allerdings nicht. Die Beziehung zwischen beiden scheitert persönlich und wie einige Kritiker meinen auch künstlerisch.

1956 feiert Ingrid Bergman in Amerika ein grandioses Comeback. In ANASTASIA (1956) von Anatole Litvak spielt sie an der Seite von Yul Brynner eine junge Frau, von der angenommen wird, daß es sich um die vermißte Großherzogin Anastasia handelt. Verarmt und halb verrückt wird sie in Paris gefunden und von Verschwörern zur Dame ausgebildet. Diese Wandlung von einer schäbigen, heruntergekommenen Frau zur königlichen Dame stellt Ingrid Bergman absolut überzeugend dar. Dabei bleibt am Ende des Films offen, ob es sich um die wahre Anastasia handelt. Danach dreht die Schauspielerin wieder öfter in Amerika, spielt an der Seite von Cary Grant in INDISKRET (1958) und neben Curd Jürgens als britische Missionarin in DIE HERBERGE ZUR 6. GLÜCKSELIGKEIT (1958) unter der Regie von Mark Robson. Ingrid Bergman gehört zu den wenigen Schauspielerinnen, die auch im reifen Alter nichts von ihrem Star-Ruhm verlieren. In LIEBEN SIE BRAHMS? (1960) verliebt sich ein weitaus jüngerer Mann (gespielt von Anthony Perkins) in sie. Einer ihrer erfolgreichsten und vom Publikum geliebten Filme wird DIE KAKTUSBLÜTE (1969), wo sie neben Walter Matthau eine Sprechstundenhilfe spielt, die seit Jahren in ihren Chef verliebt ist. Dieser beachtet sie aber nicht. Erst als er sie wegen Schwierigkeiten mit seiner Affäre als seine Ehefrau ausgibt, verwandelt sie sich in eine ihn verblüffende Frau.

Nach einer längeren Pause ist Ingrid Bergman erst Mitte der 70er Jahre wieder vor der Kamera aktiv. Für ihre Rolle in MORD IM ORIENT-EXPREß (1974) von Sidney Lumet erhält die Darstellerin ihren dritten Oscar, diesmal als Beste Nebendarstellerin in der Rolle einer schwedischen Missionarin. Eine ihrer letzten Filmarbeiten führt sie zurück in ihre Heimat. Unter der Regie von Ingmar Bergman spielt sie in HERBSTSONATE (1978) eine Konzertpianistin, die ihre Tochter zurückweist. Die Spannungen zwischen Mutter und Tochter (gespielt von Liv Ullmann) gipfelt in offenem Hass und Aggressionen.

Zwischen ihren Filmarbeiten ist Ingrid Bergman mehr und mehr am Theater beschäftigt. Bereits 1940 feiert sie am Broadway in New York in dem Franz Molnár-Bühnenstück "Liliom" erste Erfolge. Sechs Jahre später steht sie als Jeanne d'Arc auf der Bühne. Mitte der 50er Jahre ist sie in Paris als "Hedda Gabler" und immer wieder am Broadway zu sehen. Nachdem die Filmangebote abnehmen, findet sie in den 70er Jahre in London eine feste Spielstätte. Auch das Fernsehen entdeckt die Schauspielerin. Unter anderem ist sie in einer ihrer letzten Rollen die israelische Politikerin Golda Meir in "A Woman Called Golda" (1982), für die sie den Emmy und den Golden Globe erhält.

1937 heiratet Ingrid Bergman den Mediziner Petter Lindström. Im September 1938 wird ihre gemeinsame Tochter Friedel Pia Lindström geboren. Beide trennen sich 1945, das Sorgerecht für die Tochter erhält der Vater. Bereits vorher hat sie den Regisseur Roberto Rossellini kennengelernt. Im Februar 1950 wird ihr gemeinsamer Sohn Robertino geboren. Kurze Zeit später heiratet das Paar. Im Juni 1952 kommen die Zwillinge Isotta und Isabella zur Welt. Pia Lindström und Isabella Rossellini werden später als Schauspielerinnen auf sich aufmerksam machen. Von Roberto Rossellini trennt sich die Schauspielerin November 1957. Zum dritten Mal steht sie mit schwedischen Produzenten Lars Schmidt vor dem Traualtar. Aber auch diese Ehe scheitert und wird 1976 geschieden.

Am 29. August 1982 stirbt Ingrid Bergman an ihrem 67. Geburtstag in London an Krebs.

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