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Jean-Paul Belmondo

Jean-Paul Belmondo
Darsteller

* 09. April 1933
Neuilly-sur-Seine
Frankreich

JEAN-PAUL BELMONDO • Biographie Seite 1/1

Jean-Paul Belmondo ist einer der ganz Großen des französischen Kinos. Während einer jahrzehntelangen Karriere erlangt er Weltruhm; zuerst als die Ikone der französischen Filmbewegung Nouvelle Vague, dann als draufgängerischer Action-Star. Sein breites Grinsen und seine platte Boxernase sind sein Markenzeichen genauso wie seine lässige, nonchalante Art. Auch aufgrund seines Charme liegen ihm die Frauen zu Füßen. Wegen der Vielfalt seiner Rollen, der persönlichen Anziehungskraft und Glaubwürdigkeit, die sich vor allem seiner Ungezwungenheit und Selbstironie verdanken, bezeichnet der Regisseur Jean-Pierre Melville ihn als den außergewöhnlichsten Schauspieler seiner Generation. Auch wenn er in den letzten zwei Jahrzehnten nicht mehr oft vor der Kamera steht, bleibt Jean-Paul Belmondo eine Legende des europäischen Films.

Jean-Paul Belmondo wird am 9. April 1933 in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris, geboren und wächst in einem gutbürgerlich-künstlerischen Milieu auf. Er ist der Sohn der Tänzerin und Malerin Madelaine Belmondo und des etablierten Bildhauers Paul Belmondo, in dessen Atelier er in jungen Jahren große Intellektuelle der Zeit kennenlernt, wie zum Beispiel Jean Cocteau oder Albert Camus. Zeit seines Lebens ist er stolz auf seinen Vater. 1988 lehnt Jean-Paul Belmondo den französischen Filmpreis César mit der Begründung ab, dass César Baldaccini, der Bildhauer, der die Trophäe entworfen hat, schlecht über seinen Vater gesprochen habe. Das Umfeld, in dem er aufwächst, weckt sein Interesse für Kunst und Kultur. Ebenso werden seine Interessen und Leidenschaften von seinem Vater bedingungslos gefördert; sein Faible für das Boxen ebenso wie seine Entscheidung, Schauspieler zu werden.

Nachdem er sich bis zum Jahre 1949 vergeblich als Boxer versucht hat, entschließt sich Jean-Paul Belmondo im darauffolgenden Jahr, Schauspieler zu werden. Und die Schauspielerei wird es bleiben. Noch heute steht der 75-Jährige vor der Kamera und wird demnächst in EIN MANN UND SEIN HUND (2008) zu sehen sein: All das ungeachtet des Schlaganfalls, den er im Jahre 2001 erleidet. Jean-Paul Belmondo lernt wieder sprechen und stellt sich nach ein paar Jahren Rekonvaleszenz wieder vor die Kamera. Seine Einstellung ist Programm: "Man darf nie aufgeben, sich nie gehen lassen. Man muss immer in die Zukunft blicken.", meint der Schauspieler.

Nach diversen kleineren Rollen als Statist wird Jean-Paul Belmondo 1951 in das Conservatoire National d'Art Dramatique aufgenommen, wo er eine vierjährige Ausbildung zum Theaterschauspieler absolviert. Ab Mitte der 1950er Jahre spielt Jean-Paul Belmondo kleinere Rollen in diversen Filmen des französischen Unterhaltungskinos, gegen das sich viele junge Kritiker der einflussreichen Filmzeitschrift "Cahiers du cinéma" auflehnen und es als künstlerisch wertlos angreifen. Gegen Ende der 1950er Jahre beginnen die wichtigsten Autoren dieser Zeitschrift selbst Filme zu inszenieren. Die Nouvelle Vague wird geboren. Unter den Filmemachern ist auch Jean-Luc Godard, dessen AUßER ATEM (1959) der Bedeutendste der ganzen Bewegung wird. Für die Hauptrolle verpflichtet er Jean-Paul Belmondo, der aufgrund des enormen Erfolges, der dem Film beschieden ist, über Nacht zum Star wird. Er wird zum Gesicht der Nouvelle Vague und arbeitet über ein Jahrzehnt hinweg immer wieder für deren wichtigsten Regisseure, wie Francois Truffaut, Claude Chabrol, Louis Malle und Alain Resnais. Sein zynischer, anarchistischer, rebellischer Gestus macht ihn zur Identifikationsfigur eines vorwiegend jungen Publikums. Der charmante Antiheld, der tut, was er will und keine Kompromisse eingeht, trifft den Nerv der Zeit.

In den Jahren 1960 bis 1964 ist Jean-Paul Belmondo nicht mehr zu stoppen. In gerade einmal vier Jahren ist er in 28 Filmen aller Genres zu sehen und stellt seine schauspielerische Vielseitigkeit zahlreich unter Beweis. Er arbeitet noch zwei Mal mit Jean-Luc Godard, einmal in der Liebeskomödie EINE FRAU IST EINE FRAU (1960), dann in ELF UHR NACHTS (1965). In letzterem spielt er noch einmal die Rolle des Außenseiters, der vergeblich aus der bürgerlichen Gesellschaft auszubrechen versucht. In CARTOUCHE, DER BANDIT (1961) mimt er einen charmanten Abenteurer und Chef einer Diebesbande; neben Sophia Loren gibt er in UND DENNOCH LEBEN SIE (1960) einen Intellektuellen, in EVA UND DER PRIESTER (1960) einen katholischen Geistlichen. Genauso spielt er aber auch in mehreren Gangsterfilmen wie DER TEUFEL MIT DER WEISSEN WESTE (1962) und DIE MILLIONEN DES GEHETZTEN (1962) von Jean-Pierre Melville mit und macht mit ABENTEUER IN RIO (1963) von Phillippe de Broca, der ihn endgültig zum Rang eines internationalen Stars aufsteigen läßt, einen Ausflug in das Genre des Actionfilms. Dieses Feld wird für Bébel, wie die Franzosen ihn liebevoll nennen, vor allem in den 1970er Jahren bestimmend.

Jean-Paul Belmondo beweist in den 1960er Jahren in zahlreichen teils sehr verschiedenen Rollen, dass sein Interpretationsradius weit über die Qualitäten eines Volksschauspielers hinausgeht. Ob in Louis Malles DER DIEB VON PARIS (1966), einem sarkastischen Gesellschaftsporträt um einen routinierten Gentelman-Einbrecher und Einzelgänger, oder in François Truffauts DAS GEHEIMNIS DER FALSCHEN BRAUT (1969), einem doppelbödig-ironischen Liebesdrama: Jean-Pierre Melville bezeichnet ihn zurecht als einen der außergewöhnlichsten Schauspieler seiner Generation.

Mit Beginn der 1970er Jahre widmet sich Jean-Paul Belmondo vorwiegend Rollen, die weniger Tiefgang haben, aber dafür kommerziell erfolgreicher sind. Mit Krimis wie BORSALINO (1969) und schließlich mit Actionfilmen wie LE MAGNIFIQUE (1973), DER PUPPENSPIELER (1979), DER PROFI (1981) oder DAS ASS DER ASSE (1982) feiert der Schauspieler große Erfolge. Ungeachtet der eher schlechten Kritiken ist er beim Publikum ausgesprochen beliebt, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass er sämtliche Stunts selbst durchführt, auf fahrenden Metro-Zügen herumturnt und unter Hubschraubern baumelt. Das ändert sich, als er bei den Dreharbeiten zum Film DER BOSS (1985) bei einem Stunt mit dem Kopf gegen einen Kran prallt und in ein Pariser Krankenhaus eingeliefert werden muss. Ungeachtet des kommerziellen Erfolgs seines Bildes als sorgloser Draufgänger schafft er es, dieses Image in Kriminalkomödien wie DER UNVERBESSERLICHE (1975) sowie EIN IRRER TYP (1977) selbstironisch zu unterwandern und seinen eigenen Machismo zu parodieren.

Zwischendurch spielt der Filmkünstler auch wieder in tiefgründigeren Filmen. Zu seinen anspruchsvollsten Rollen gehört zum Beispiel die differenzierte Darstellung des skandalumwobenen Hochstaplers STAVISKY (1974) in dem gleichnamigen Film von Alain Resnais. Bis Mitte der 1980er Jahre jedoch bleibt der Actionfilm sein bevorzugtes Genre. Einen Wendepunkt markiert dann der finanzielle Flop DER PROFI 2 (1986). Jean-Paul Belmondos Image als Draufgänger hat sich beim Publikum verbraucht, und er besinnt sich wieder voll und ganz auf die wahre Schauspielerei. Für den Film DER LÖWE (1988) erhält er 1988 einen César, den er mit oben genannter Begründung ablehnt. Er wendet sich schließlich vom Kino ab und feiert 1987 sein Comeback als Theaterschauspieler mit Edmond Rostands "Cyrano" und Molières "Tartuffe". Anfang der 1990er Jahre kauft er das Théâtre des Variétés, in dem er bis ins neue Jahrtausend hinein selbst spielt und mit seinem Ensemble große Erfolg feiert. Für sein Lebenswerk wird der Schauspieler im Jahre 2007 als Kommandeur in die Ehrenlegion aufgenommen.

Am 4. Dezember 1953 heiratet er die Tänzerin René Constant und kann sich in den folgenden Jahren nur dank der großzügigen Unterstützung seiner Eltern über Wasser halten. Drei Kinder gehen aus der Verbindung mit Elodie, wie Jean-Paul Belmondo seine Frau nennt, hervor. 1966 wird die Ehe geschieden, nachdem er während der Dreharbeiten zu Phillippe de Brocas DIE TOLLEN ABENTEUER DES MONSIEUR L. (1965) eine Liaison mit der Schauspielerin Ursula Andress eingeht. Im Jahr 2002 heiratet der Schauspieler seine langjährige Freundin Natty Tardivel in Paris. Die gemeinsame Tochter Stella kommt im Jahr 2003 zur Welt. 2008 läßt Jean-Paul Belmondo sich auch von ihr scheiden.

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Autor: Mario Kaiser
Stand: Februar 2009

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