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Volker Koepp

Volker Koepp
Regie, Drehbuch, Szenarium, Kamera, Produzent

* 22. Juni 1944
Stettin
Polen

VOLKER KOEPP • Biographie Seite 1/1

In vierzig Jahren hat der Dokumentarfilmregisseur Volker Koepp über fünfzig Filme produziert. Zweiundzwanzig Lebensjahre umfaßt seine Bekanntschaft mit Frauen aus Wittstock, die er immer wieder porträtiert. Über mehrere Jahre reist er durch den Ostteil Deutschland, beobachtet Menschen aus dem Havelland, dem Oderbruch, von der Ostsee, aus dem Erzgebirge. Dabei sind Volker Koepps Beobachtung frei von ideologischen Prämissen; er fragt sensibel nach Situationen, Geschichte, nach Heimat. Egal in welchen Regionen und Gebieten der Regisseur Geschichte und Geschichten erkundet, immer läßt er den Menschen genügend Platz für ihre Erzählungen, setzt sie poetisch in eins mit der sie umgebenden Landschaft.

Volker Koepp wird am 22. Juni 1944 in Stettin (heute Szczecin, Polen) geboren. Sein Vater ist Akademiker. Er absolviert seine Schulausbildung in Berlin, schließt sie 1962 in Dresden mit dem Abitur ab. Danach beginnt er einer Facharbeiterlehre als Maschinenschlosser in der Turbinenfabrik Dresden. Von 1963 bis 1965 studiert er an der Technischen Universität Dresden.

Aber er entscheidet sich um und absolviert von 1966 bis 1969 ein Sonderstudium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg. Zu seinen Klassenkollegen gehören unter anderem Claus Küchenmeister und Ralf Kirsten. Schon während seiner Studienzeit dreht er gemeinsam mit Alexander Ziebell den Dokumentarfilm SOMMERGÄSTE BEI MAJAKOWSKI, eine biographische Spurensuche über den Dichter Wladimir Majakowski in dessen Heimatland Georgien. Während des Studiums kommt es zwischenzeitlich zu Schwierigkeiten mit der Hochschulleitung wegen seiner Freundschaft mit dem Schriftsteller Thomas Brasch. Er soll exmatrikuliert werden, schließt dann aber doch das Studium als Regisseur und Szenarist mit seinem Diplomfilm WIR HABEN SCHON EINE GANZE STADT GEBAUT (1968) ab. Hier wird die Bauarbeiterbrigade "Hanns Eisler" bei der Errichtung einer modernen Plattenbausiedlung in Ludwigsfelde bei Berlin porträtiert.

Seit 1970 ist Volker Koepp fest als Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilme angestellt. Er ist Mitglied der Gruppe "dokument". Seine erste Arbeit wird eine Episode für den Film DER OKTOBER KAM (3 Episoden) (1970), der unter der Leitung von Karl Gass und in Zusammenarbeit mit den Regisseuren Jürgen Böttcher, Gitta Nickel, Peter Ulbrich, Alexander Ziebell und Peter Rocha zum 20. Jahrestages der DDR entsteht. Volker Koepp dreht seine Episode in einer Dresdener Gießerei. Danach entstehen in alleiniger Regie die Dokumentarfilme JUNGE LEUTE (1970) und DIE ROLLE DES MEISTERS IM SYSTEM DER SOZIALISTISCHEN BETRIEBSWIRTSCHAFT (1970). Letztere ist eine Auftragsarbeit des VEB Schiffbau Rostock. Im Jahr darauf dreht der junge Regisseur wieder eine Auftragsarbeit, diesmal für den VEB Kommunale Wohnungsverwaltung Berlin - Prenzlauer Berg. Es entsteht der Dokumentarfilm Film SCHULDNER (1971) sowie zwei Folgen des im DDR-Fernsehen ausgestrahlten Magazins "Treffpunkt Kino - Kinofilmvorschau". Insgesamt acht weitere Folgen dreht er für dieses Magazin.

Mit den folgenden Dokumentarfilmen GRÜßE AUS SARMATIEN FÜR DEN DICHTER JOHANNES BOBROWSKI (1972) und GUSTAV J. (1973) findet Volker Koepp ein Sujet, das er in der Folge mehrfach aufgreifen wird. Gemeinsam mit den Autoren Wera Küchenmeister und Claus Küchenmeister entstehen Filmessays, die sich sensibel mit Lebenswegen beschäftigen. Volker Koepp zeichnet in einen für Kinder gedachten Dokumentarfilm das Leben des jungen Ernst Thälmann in TEDDY (1973) nach. Drei Jahre später erscheint das gemeinsam mit dem Autorenpaar verfaßte Kinderbuch "Als Thälmann noch ein Junge war". Zu dem unter der Regie von Bernhard Stephan entstandenen Spielfilm AUS MEINER KINDHEIT (1974) hatte Volker Koepp gemeinsam mit ihnen das Szenarium verfaßt. Außerdem verfilmt er die Biographien des Regisseurs Slatan Dudow und des Dichters Erich Weinert, porträtiert den Antifaschisten Walter Hähnel in ICH ERINNERE MICH NOCH - DER KURZE LEBENSBERICHT EINES ILLEGALEN (1977).

1974 macht sich Volker Koepp auf den Weg nach Wittstock, um dort junge Frauen im neu errichteten Obertrikotagenbetrieb "Ernst Lück" zu beobachten. Es entsteht der Kurzfilm MÄDCHEN IN WITTSTOCK (1975). Alle zwei, drei Jahre kehrt er an die Stadt an der Dosse zurück und dreht weitere halbstündige Dokumentarfilme, 1984 den ersten abendfüllenden Dokumentarfilm. LEBEN IN WITTSTOCK (1984) ist als Ende der Reihe gedacht, aber es entstehen weitere Filme 1992 und 1997. Der Zuschauer kann über zweiundzwanzig Jahre am Leben der drei Frauen Edith, Renate und Stupsy teilhaben. Der Regisseur findet mit den Wittstock-Filmen sein eigenes künstlerisches Profil, welches ihn als Dokumentaristen einzigartig werden läßt. Ihm gelingen nachdrückliche Zeitdokumente, die vom Leben, den Wünschen und Träumen der einfachen Menschen berichten. Zwar erzählen seine Filme vom alltäglichen Leben der Frauen, inszenieren sie aber auch in überaus poetischen Bildern.

1976 beginnt Volker Koepp zusammen mit seinem langjährigen Kameramann Christian Lehmann mit einer Reihe von Landschaftsfilmen, die Menschen in ihrer Umgebung zeigen sollen. Das Filmteam nähert sich in DAS WEITE FELD (1976) behutsam dem märkische Dorf Häsen und seinen Bewohnern, dreht HÜTES (1977) in der Rhön, eine Märkische Trilogie in und um Zedernick, fährt die F 96 (1986) entlang, wandelt auf den Spuren der WISMUT (1993) im sächsisch-thüringischen Erzgebirge. Weitere Stationen sind unter anderem Afghanistan, das Dorf Kienitz im Oderbruch, Rheinsberg, Karlshorst, die Uckermark, Arkona, Schwaan in Mecklenburg. Der Regisseur entwickelt eine filmische Topographie. In diesen Essays beschäftigt er sich mit Menschen und Landschaften, läßt sie zu Wort kommen, gibt ihnen und ihren Geschichten Raum und Zeit, fragt nach, wertschätzt sie und vertraut ihnen, nimmt an ihrer Geschichte teil. In der Wechselwirkung von Individuum, deren erlebter Geschichte und der Landschaft entsteht ein Begriff von Heimat, der bei Volker Koepp nicht ideologisch besetzt wird.

Eine andere Gegend, die Volker Koepp seine Lieblingslandschaft nennt, wird ebenfalls häufig vom Regisseur und seinem Filmteam bereist: Ostpreußen, das Baltische Meer. Sein erster Film über die Region wird KALTE HEIMAT - LEBEN IM NÖRDLICHEN OSTPREUßEN (1995). Die sinnliche und leise Dokumentation fragt nach dem Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Nationalitäten. In DIE GILGE (1998) reist er entlang und auf dem gleichnamigen Fluß. Er zeigt den Wandel in der Region, die zu Zeiten der Sowjetunion kultiviert wurde und nun unter russischer Hoheit vergessen ist. In KURISCHE NEHRUNG (2001) geben Menschen der kleinen Halbinsel Auskunft über die wechselhaften politischen und privaten Situationen. In poetischen Bildern zeigt der Regisseur die Schönheit der Landschaft und übersetzt spannungsvoll die unbeständige Geschichte dieser deutsch-litauisch-russischen Gegend in Bilder.

1999 legt Volker Koepp eine Dokumentation vor, mit der er neben dem nationalen auch internationalen Erfolg feiert. HERR ZWILLING UND FRAU ZUCKERMANN (1999) wird für den Europäischen Filmpreis nominiert. Im Mittelpunkt des Films stehen Mathias Zwilling und Rosa Roth-Zuckermann, die zu den letzten noch im alten Czernowitz geborenen Juden gehören. Beide verbindet neben ihrer Freundschaft nicht zuletzt die deutsche Sprache. Täglich besucht Herr Zwilling in den Abendstunden die 90jährige Frau Zuckermann. Volker Koepp gelingt in dieser einfühlsamen Charakterstudie bewegte und bewegende Geschichte einzufangen. Fünf Jahre später führt der Regisseur das Projekt weiter mit der Dokumentation DIESES JAHR IN CZERNOWITZ (2004). Mit Emigranten und deren Nachkommen kehrt er zurück nach Czernowitz. Der Cellist Eduard Weissmann macht sich von Berlin aus auf den Weg, aus Wien kommen die Schwestern Evelyne Mayer und Katja Rainer, aus New York der Schauspieler Harvey Keitel und der Schriftsteller Norman Manea. Alle befragt Volker Koepp nach dem, was Heimat für sie bedeutet.

Im selben Jahr wird sein Dokumentarfilm FRANKTURTER TOR (2004) auf Rundfunk Berlin-Brandenburg ausgestrahlt. In seinen nächsten Dokumentationen stellt Volker Koepp wieder die Menschen aus Ostpreußen und ihrer Geschichten in den Mittelpunkt. In SCHATTENLAND (2005) und POMMERLAND (2005) porträtiert er die einfachen Menschen, Bauern und Fischer, die von ihrem Leben, ihre Träume und Zunkunft erzählen. Ihre trostlosen Perspektive sind eingebettet in dem Zauber der Landschaft, einer der schönsten Seelandschaft Polens. SÖHNE (2007) taucht in eine deutsch-polnische Familiengeschichte von fünf Brüdern ein, die von ihren frühen Kindheitserinnerungen vom Krieg bis hin zu Gegenwart ihre Geschichte erzählen. Seine aktuelle Dokumentation HOLUNDERBLÜTE (2007) beschreibt den Alltag von Kindern, die in der ländlichen Gegend um Kalinigrad schon früh erwachsen werden und für sich selbst sorgen müssen. Die Kinder und Jugendlichen erzählen ganz offen über ihr Leben und ihre Wünsche.

1997 wird Volker Koepp zum Direktor der Abteilung Film- und Medienkunst der Berlin-brandenburgischen Akademie der Künste gewählt.

Der Regisseur lebt in Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: März 2007
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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