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Anthony Minghella

Anthony Minghella
Regie, Drehbuch, Produzent, Ausführender Produzent

* 06. Januar 1954
Ryde (Isle of Wight)
Großbritannien
† 18. März 2008
London
Großbritannien

ANTHONY MINGHELLA • Biographie Seite 1/1

Anthony Minghella wird am 06. Januar 1954 in Ryde, auf der Isle of Wight, Großbritannien geboren. Seine Eltern sind italienische Einwanderer, die auf der Insel eine kleine Eisfabrikation und ein Cafe betreiben. Zur Familie gehören noch eine Tochter und ein weiterer Sohn. Dominic Minghella (geb. 1967) wird später als Drehbuchautor für das Fernsehen arbeiten. Nach seiner Schulausbildung studiert er an der University of Hull, interessiert sich für das Schreiben und gibt dafür auch Kurse an der Universität.

Nach seinem Studium beginnt er als Autor zu arbeiten, schreibt Bühnenstücke, Hörspiele und auch Teile für Fernsehserien. Bekannt wird er mit "Inspektor Morse", einer britischen Fernsehserie über einen Ermittler, der Sarkasmus und Scotch schätzt. Erfolgreich ist er ebenso am Theater. 1984 wird er als Nachwuchs-Dramatiker mit dem Londoner Kritikerpreis ausgezeichnet, zwei Jahre später folgt der Kritikerpreis für das Beste Theaterstück der Spielzeit "Made in Bangkok". Auch wenn er später zum Film wechseln wird, bleibt er seinen Wurzeln doch treu. Er inszeniert Samuel Beckett für das Fernsehen, führt Regie bei einer Bühnenversion von "Madama Butterfly" an der New Yorker Oper oder arbeitet für das Radio.

Anfang der 1990er Jahre entdeckt er den Film für sich. Seine erste Regie-Arbeit wird WIE VERRÜCKT & AUS TIEFSTEM HERZEN (1991), eine fantastische Geschichte, in der eine Frau (Juliet Stevenson) mit ihrer Willenskraft ihren toten Freund (Alan Rickman) ins Leben zurückholt. Aber kurze Zeit später verliebt sie sich neu und ist gar nicht mehr erleichtert über ihren alten Freund. Die Komödie ist von leichter Hand inszeniert, der Regisseur beweist schon in seinem ersten Film, dass er ein brillanter Schauspielführer ist. In MR. WONDERFUL (1992) versucht Matt Dillon als New Yorker Elektriker seiner Ex-Frau einen Mann zu besorgen, aber stellt dann fest, dass er sich gar nicht trennen will. Der kleine Film wird kein Kassen-Erfolg, zeigt aber doch, dass Anthony Minghella große Gefühle einfühlsam auf die Leinwand bringen kann.

Seinen endgültigen Beweis für seine Meisterschaft liefert der Regisseur mit DER ENGLISCHE PATIENT (1996). Nach dem Roman von Michael Ondaatje erzählt der Film von einer großen Liebe, die weder durch Krieg noch Tod nicht zerstört werden kann. Ein bis zur Unkenntlichkeit entstelltet Patient (Ralph Fiennes) berichtet sie seiner Krankenschwester (Juliette Binoche), die von dem sterbenden Mann einiges für ihr Leben erfährt. Der Film zieht den Zuschauer ins Geschehen hinein, wirkt wie aus der Zeit gefallen und ist doch voller Poesie und brillanter Bilder. Besonders erstaunlich ist, wie es den Filmemachern gelingt, innerhalb der komplexen Zeitstruktur immer wieder den Zuschauer zu der eigentlichen Liebesgeschichte zurückzuführen. DER ENGLISCHE PATIENT (1996) wird unerwarteter Weise ein Welterfolg. Nicht nur das Publikum ist begeistert, er wird zudem mit neun Oscars ausgezeichnet, darunter dem für den Besten Film, einem für Regisseur selbst, für die Musik von Gabriel Yared und für die Montage von Walter Murch.

Mit DER TALENTIERTE MR. RIPLEY (1999) verfilmt er eine weitere literarische Vorlage, diesmal einen psychologischen Thriller von Patricia Highsmith. Hier will ein junger mittelloser Amerikaner (Matt Damon) mehr sein und wird zum freundlich-psychopathischen Mörder, der sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Voller Spannung ist der Film erzählt, lässt vielen offen an Interpretationen für den Zuschauer wie etwa die homoerotische Anziehung zwischen den zwei männlichen Hauptfiguren. Wieder beweist der Regisseur sein Auge für junge, unbekannte Talente. Er engagiert neben Matt Damon und Jude Law noch Gwyneth Paltrow und Cate Blanchett, von denen zum damaligen Zeitpunkt noch keiner ein großer Star ist und nur wenigen Cineasten bekannt. Nach dem Film sieht es für die jungen Darsteller ganz anders aus.

Auch sein nächster Film wird eine Literaturverfilmung. Nach dem Bürgerkriegsroman von Charles Frazier erzählt der Regisseur in UNTERWEGS NACH COLD MOUNTAIN (2003) wieder die Geschichte einer großen Liebe. Der Soldat Inman (Jude Law) wandert Meilen über Meilen zurück zu seiner Liebsten Ada (Nicole Kidman). Parallel wird ihr Leben erzählt, es geht um Verlust, Schmerz und Leiden, aber auch um die Hoffnung. Auch wenn der Film nicht ganz den Erwartungen entspricht, wird er doch von der American Academy mit 7 Oscar-Nominierungen bedacht. Einmal mehr beweist der Regisseur ein Händchen für Literaturadaptionen und für gefühlvolle Schauspieler-Inszenierungen.

Mit dem Regisseur, Produzenten und Schauspieler Sydney Pollack gründet er eine Produktionsfirma, die unter anderem Tom Tykwers Film HEAVEN (2002) in die Kinos bringt, DIE DOLMETSCHERIN (2005) produziert und aktuell mit der Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman DER VORLESER (2009) beschäftigt ist. Gemeinsam erwerben sie die Neuverfilmungsrechte an Florian von Henckel von Donnersmarcks Stasi-Drama DAS LEBEN DER ANDEREN (2006) erworben. Sein letzter Film wird BREAKING & ENTERING (2006), in dem Jude Law einen Architekten spielt, dessen Leben aus den Fugen gerät, als er sich die Mutter (Juliette Binoche) eines Diebes verliebt. Dem Film bleibt der Erfolg an den Kinokassen versagt, er kommt in Deutschland nur auf DVD heraus. Viele seiner Projekte, an denen er 2008 arbeitet, bleiben unvollendet.

Anthony Minghella heiratet in zweiter Ehe die Choreographin und Schauspielerin Carolyn Choa. Mit ihr hat er den Sohn Max Minghella, der mittlerweile als Schauspieler arbeitet, und die Tochter Hannah Minghella. Er stirbt am 18. März 2008 im Alter von 54 Jahren in London an den Folgen einer Operation.

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