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Ang Lee

Ang Lee
Regie, Produzent

* 23. Oktober 1954
Ping-Tong
Taiwan

ANG LEE • Biographie Seite 1/1

Ang Lee ist einer der erfolgreichsten Regisseure der Zeit, ein großer Geschichtenerzähler und Melodramatiker. Das Filmhandwerk hat der in Taiwan geborene Künstler in Amerika gelernt. Er überzeugt mit einer Beobachtungsgabe, die gesellschaftliche und private Beziehungen gekonnt seziert, und mit ökonomischen Inszenierungen, die die existenziellen emotionalen Phänome einfacher Menschen gekonnt auf die Leinwand bringen. Dabei gelingt es ihm als Einwanderer, einen ganz besonderen, tiefen und sensiblen Blick auf die westliche Gesellschaft zu werfen.

Ang Lee wird am 30. Oktober 1954 in Ping-Tong, Taiwan geboren. Seine Eltern sind vor der chinesischen Kulturrevolution nach Taiwan geflüchtet. Hier beginnt er nach seiner Schulausbildung ein Studium der Theater- und Filmwissenschaften. 1978 geht er nach Amerika. An der University of Illinois setzt er sein Studium fort, später wird er an der New York University Seminare in Theater- und Filmproduktion belegen. Hier lernt er unter anderem den Regisseur Spike Lee kennen. Bereits für seine Studentenfilme erhält Ang Lee zahlreiche Auszeichnungen. Mit I WISH I WAS BY THAT DIM LAKE (1982) gewinnt er 1983 beim Golden Harvest Film Festival den taiwanesischen "Narrative Film Award". Der 45-Minuten-Film FINE LINE (1984) erhält beim universitätsinternen Filmfestival den Preis für die Beste Regie und den Besten Film. Nach dem Studium arbeitet er einige Jahre als Drehbuchschreiber, bevor er endlich seinen ersten eigenen Film drehen kann.

Sein erster großer Spielfilm-Erfolg wird die Komödie SCHIEBENDE HÄNDE (1991), die beim Asia-Pacific Film Festival als Bester Film ausgezeichnet wird. Erzählt wird von einem chinesischen Tai-Chi-Lehrer, der seinen Lebensabend bei seinem Sohn in New York verbringen will und feststellen muss, dass er in Amerika einige Schwierigkeiten mit der Kommunikation hat. Mit dem Film beginnt der Regisseur, der in den meisten Fällen seine Drehbücher selbst schreibt, den ersten Teil einer "Trilogie über die Väter", in der er Generationskonflikte von Taiwanern thematisiert. Tradition und Moderne, westliche Kultur und östliche Bräuche, individuelle Lebensentwürfe und tradierte Normen stellt Ang Lee spielerisch, unterhaltend und emotional auf den Prüfstand. Mit dem nachfolgenden Film DAS HOCHZEITSBANKETT (1993) erzählt er von einem in Manhattan lebenden Taiwaner, der vor seinen traditionsbewussten Eltern seine Homosexualität verheimlicht und eine Scheinehe arrangiert, um die Lüge aufrecht zu erhalten. In EAT DRINK MAN WOMAN (1994) zeigt er das Leben eines verwitweten Meisterkochs in Taipeh, denen das Leben seiner drei Töchter entgleitet. Die Trilogie entsteht als taiwanesisch-amerikanische Koproduktionen, wird mitfinanziert aus staatlichen Beihilfen seines Heimatlandes.

Mit seiner nächsten Trilogie setzt sich der Regisseur mit der westlichen Kultur auseinander und beweist einmal mehr, dass er als Außenseiter durch seine scharfe Beobachtungsgabe besonders die gesellschaftlichen und privaten Beziehungen sezieren kann. Das Historien-Drama SINN UND SINNLICHKEIT (1996) ist die Verfilmung eines Romans von Jane Austen und erzählt von zwei Schwestern, die ziemlich gegensätzlich sind und sehr unterschiedlich in Liebensdingen agieren. Der Film überzeugt durch einen gekonnten Blick auf das Gesellschaftsgefüge des ausgehenden 18. Jahrhunderts, durch wunderbare Landschaftsaufnahmen und überragende Darsteller mit Emma Thompson, Kate Winslet und Hugh Grant. Emma Thompson, die für den Film auch das Drehbuch geschrieben hat, erhält dafür den Oscar, siebenmal wird der Film nominiert. Nach dem gleichnamigen Roman von Rick Moody entsteht das Familiendrama DER EISSTURM (1997) über die Konflikte in einer amerikanischen Mittelstandsfamilie in den 1970er Jahren. die durch den plötzlichen Tod eines der Kinder an die Oberfläche kommen. Hier wird besonders der Szenenaufbau und die Natürlichkeit gelobt und wie gekonnt der Regisseur nationale Probleme in familiären Einheiten widerspiegeln kann, ohne mit dem moralischen Zeigefinger zu agieren. Der Drehbuchautor James Schamus wird beim Filmfestival in Cannes dafür mit der Palme geehrt. Das Bürgerkriegsdrama RIDE WITH THE DEVIL (1999) schließt diese Schaffensperiode des Regisseurs ab. Erzählt wird von einem Immigrantensohn, der während des amerikanischen Bürgerkriegs eine Art Partisanenkrieg führt. Wieder sind es die Charaktere und Konflikte, denen die Filmemacher besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Danach dreht Ang Lee den Martial-Arts-Film TIGER & DRAGON (2000), der mit atemberaubenden Kampfszenen und wunderschönen Bildern aufwarten kann. Mit ungeheurer Leichtigkeit liefert das Filmteam ihre Hommage an das alte Hongkong-Kino ab, adaptiert es gekonnt für Hollywood. Der Film wird einer der Erfolge des Jahres, erhält unter anderem den Oscar als Bester fremdsprachiger Film, da Ang Lee hier erstmals wieder in Taiwan dreht. Die Comic-Verfilmung HULK (2003) mit Eric Bana in der Hauptrolle dagegen kann die Erwartungen nicht erfüllen. Der Film gilt als missglückt, da es trotz tricktechnischer Versiertheit nicht gelingt, die Geschichte für die Zuschauer mitreißend zu gestalten.

Der Western BROKEBACK MOUNTAIN (2005) ist das Filmereignis des Jahres. Erzählt wird von zwei jungen Cowboys, die eine tiefe Zuneigung füreinander empfinden, aber wegen der engstirnigen Moralvorstellungen in der konservativen US-Provinz getrennte Wege gehen. Aber sie kommen doch nicht voneinander los, treffen sich über die Jahre in der Einsamkeit der Brokeback Mountain. Das traurige Melodram schildert überaus emotional die Hoffnungen, Sehnsüchte und Lebenslügen des Paares - so wird der Film auch zu einem Drama über den Selbsthasses, die Selbstverleugnung und die Scham. Ein Meisterwerk des Kinos, gradlinig erzählt, atemberaubend fotografiert und brillant gespielt von Heath Ledger und Jake Gyllenhaal. Zwei Jahre später ist es wieder eine sexuelle Obsession, die der Regisseur in Szene setzt, diesmal als chinesische Produktion. GEFAHR UND BEGIERDE (2007) (GEFAHR UND BEGIERDE (2007) Trailer) schaut auf das Shanghai von 1941: Auf einen Kollaborateur der japanischen Besatzer wird die verführerischen Wang Jiazhi angesetzt. Auch diese beiden fühlen sich magisch zueinander hingezogen. Auch hier sind es die existenziellen emotionalen Phänome, die den Regisseur interessieren.

Ang Lee gewinnt zahlreiche Preise mit seinen Filmen auf diversen Festival; er ist ein Liebling der Juroren und Kritiker. 1993 nimmt er erstmals am Internationalen Wettbewerb bei der Berlinale teil und gewinnt prompt den Goldenen Bären für DAS HOCHZEITSBANKETT (1993). Drei Jahre später wiederholt er den Gewinn mit dem Drama SINN UND SINNLICHKEIT (1996). Den Goldenen Bären gleich zweimal zu gewinnen, hat bisher noch niemand geschafft. Gleiches gelingt ihm auf dem Filmfest in Venedig. Dort siegt BROKEBACK MOUNTAIN (2005), zwei Jahre später überraschender Weise der Erotik-Thriller GEFAHR UND BEGIERDE (2007) (GEFAHR UND BEGIERDE (2007) Trailer). Nur die Goldene Palme besitzt der Regisseur noch nicht: Sein Film DER EISSTURM (1997) läuft zwar im Wettbewerb, kann aber nicht gewinnen. Dafür ist Ang Lee überaus erfolgreich bei der American Academy: Sein TIGER & DRAGON (2000) wird für 10 Oscars nominiert und erhält vier, für den "Post-Western" BROKEBACK MOUNTAIN (2005) wird er als Bester Regisseur mit der begehrten Statur ausgezeichnet. Dieser Film wird von den amerikanischen Kritikern geradezu mit Preisen überhäuft.

Ang Lee ist mit der Mikrobiologin Jane Lin seit 1983 verheiratet, die ebenfalls aus Taiwan stammt. Gemeinsam haben sie zwei Söhne. Die Familie lebt in New York.

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