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Isabelle Huppert

Isabelle Huppert
Mitarbeit, Darsteller

* 16. März 1953
Paris
Frankreich

ISABELLE HUPPERT • Biographie Seite 1/1

Isabelle Huppert ist als Film- und Theaterschauspielerin eine Ikone des französischen und europäischen Kinos. In fast hundert Filmen erarbeit sie sich einen Status, wie ihn einst eine Brigitte Bardot und Catherine Deneuve inne haben und darf heute neben Isabelle Adjani als die wohl bedeutendste französische Schauspielerin ihrer Generation gelten. Sie ist außerdem ein höchst tiefgründiger und feinfühliger Mime, der vor allem in Charakterrollen brilliert.

Isabelle Huppert wird am 16. März 1953 (manchen Quellen zufolge auch im Jahre 1955) in Paris als vierte und letztes Tochter von Raymond und Annick Huppert geboren. Der Vater ist Sicherheitsingenieur, die Mutter Englischlehrerin. Sie besucht die Schule in St. Cloud und die Universität in Clichy, an der sie Russisch und orientalische Sprachen lernt. Ihr eigentliches Interesse gilt jedoch schon früh der Schauspielerei. Bereits mit 14 Jahren nimmt sie ersten Schauspielunterricht am Conservatoire de Versailles, unter anderem bei Jean-Laurent Cochet. Erste Bühnenerfahrung sammelt sie als Statistin und mit kleineren Rollen in Café-Theatern. Ihr Filmdebüt gibt sie schließlich neben Isabelle Adjani in FAUSTINE OU LE BEL ETE (1971). Seit ihrem Debüt ist die Schauspielerin bis heute pro Jahr in mindestens einem Film zu sehen, teilweise dreht sie sogar sechs Filme innerhalb zwölf Monaten.

Der erste Höhepunkt ihrer Karriere ist DIE AUSGEBUFFTEN (1973) von Bertrand Blier. Neben Gerard Depardieu spielt sie die Rolle einer jungen Urlauberin, die mit den zwei männlichen Protagonisten des Films schäkert. Ebenso brilliert sie in DER RICHTER UND DER MÖRDER (1976) von Bertrand Tavernier. Vor allem diese beiden frühen Filme verschaffen ihr einen Ruf als feinfühlige und tiefgründige Schauspielerin. Spätestens mit DIE SPITZENKLÖPPLERIN (1976) von Claude Goretta steigt sie zu internationalem Ruhm auf. Sie spielt eine ruhige und schüchterne Person, die von ihrem sozial höhergestellten Freund verlassen wird und schweigend, still und leise im Irrenhaus endet.

Mit VIOLETTE NOZIERE (1978) beginnt eine äußerst lang anhaltende und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Nouvelle Vague-Regisseur Claude Chabrol. Sie spielt in dem Film eine Jugendliche, die in unerträglichen häuslichen Verhältnissen lebt und schließlich ihre Eltern vergiftet. Erstmals kann sie hier die volle Bandbreite ihres schauspielerischen Könnens unter Beweis stellen – ihre Verrücktheit ist glaubwürdig, ohne in Hysterie abzudriften. Zehn Jahre später dreht sie den nächsten Film mit dem Regisseur. Nach einer wahren Begebenheit handelt EINE FRAUENSACHE (1988) von einer Engelmacherin. Isabelle Huppert spielt eine Frau, die sich mit illegalen Abtreibungen zur Zeit der deutschen Besetzung zusätzliches Geld verdient und dafür schließlich vom Vichy-Regime hingerichtet wird. In der Verfilmung von Gustave Flauberts Roman MADAME BOVARY (1991) gibt sie die Hauptrolle. BIESTER (1995) ist der nächste Film, der zusammen mit Claude Chabrol entsteht. Sandrine Bonnaire spielt in dem Film die Rolle einer Analphabetin, die bei einer gutbürgerlichen Familie als Mädchen für alles angestellt ist, bis sie sich mit Isabelle Huppert als unberechenbare Postbotin anfreundet. Diese stachelt sie erfolgreich dazu an, sich gegen die Familie aufzulehnen – und Gewalt ist im Verzug. In der Komödie DAS LEBEN IST EIN SPIEL (1997) mimt sie eine Betrügerin. Drei Jahre später steht sie mit SÜSSES GIFT (2000) erneut für den Regisseur vor der Kamera. In dem filigranen Psychothriller verkörpert sie die Erbin eines Schokoladenkonzerns, deren Mann sie plötzlich vernachlässigt, als eine Frau auftaucht, die behauptet, seine Tochter zu sein. In GEHEIME STAATSAFFÄREN (2005) agiert sie als Richterin und stellt mit kleinsten Gesten, die der Regisseur raffiniert inszeniert, erneut ihr schauspielerisches Können unter Beweis.

Wegen ihres nuancierten und zurückgenommenen Spiels wird sie in Frankreich "l’actrice intellectuelle" genannt. Sie sucht sich immer Rollen, die Risiko bieten und mit denen sie ein Wagnis eingeht. Überaus diszipliniert stellt sie sich der Herausforderung, steht für konzentrierte Beharrlichkeit und fordert sich selbst heraus: Sie geht durch die Flammen, wie Regisseur Patrice Chéreau es beschreibt. Es ist immer wieder ihr Gesicht, dass Kritiker zu Lobeshymnen hinreißt: Ihr transparenten Teint, der wie Pergament scheint, durch das der Zuschauer auf den Grund ihrer Seele schauen kann. Oder ihre Blicke, die mal kalt, mal abweisend, mal voller Wärme, die Emotionen ihrer Figuren offenlegen. So ist es nicht nur Claude Chabrol als Vertreter der Nouvelle Vague, mit dem die Schauspielerin mehrmals sehr erfolgreich zusammenarbeitet. Auch mit Jean-Luc Godard dreht sie zwei Filme. In RETTE SICH WER KANN (DAS LEBEN) (1980) spielt sie eine Prostituierte, in PASSION (1982) eine junge Fabrikarbeiterin, die als Komparsin an der Produktion eines Films beteiligt ist.

Isabelle Huppert ist jedoch keineswegs nur eine Stammschauspielerin der Nouvelle Vague-Regisseure. Für Maurice Pialat spielt sie beispielsweise in DER LOULOU (1979) die Rolle einer lebenshungrigen Sozialaussteigerin, die ihrem bürgerlichen und übersättigtem Milieu entflieht. Für den Italiener Mauro Bologni steht sie in DIE KAMELIENDAME (1980) vor der Kamera. Sie gibt die Geliebte eines jungen Mannes, dessen Vater sie aus Standesgründen von der Liaison abbringen kann – obwohl sie ihn liebt. Mit Bertrand Tavernier dreht sie DER SAUSTALL (1981), in dem sie eine Frau spielt, die regelmäßig von ihrem Mann verprügelt wird. Nach dem gleichnamigen Roman von Ingeborg Bachmann entsteht MALINA (1991) von Werner Schroeter, in dem ihre Figur ihre Situation als Frau und Schriftstellerin erforscht.

Mit Michael Haneke verfilmt die Schauspielerin DIE KLAVIERSPIELERIN (2001) nach dem gleichnamigen Roman von Elfriede Jelinek. Sie erhält mehrere Preise für die Darstellung der höchst neurotischen Pianistin, die ihre repressive und sadomasochistische Sexualität an ihren Schülern auslebt. Im Jahr darauf arbeitet sie erneut mit dem Regisseur zusammen. In WOLFZEIT (2003) spielt sie eine Mutter, die mit ihren Kindern durch eine apokalyptische Welt irrt, in der jegliche Moral verloren gegangen ist. Einen Kassenerfolg landet die Schauspielerin mit 8 FRAUEN (2002) von Francois Ozon, der acht der wichtigsten weiblichen Größen des französischen Films vor der Kamera versammelt.

Angesichts des beachtlichen Erfolges in Frankreich und Europa versucht Isabelle Huppert selbstverständlich auch, in Hollywood Fuß zu fassen. Mit DAS TOR ZUM HIMMEL (1980) von Michael Cimino sucht sie sich jedoch einen der größten Flops der Filmgeschichte für ihr Debüt jenseits des Atlantik aus und dreht in der Folge nur noch ausgesprochen wenige amerikanische Produktionen. Mit DAS SCHLAFZIMMERFENSTER (1987) von Curtis Hansen, AMATEUR (1994) unter der Regie von Hal Hartley und I HEART HUCKABEES (2004) von David O. Russell finden sich auf ihrer knapp hundert Filme umspannenden Filmographie nur vier amerikanischen Ursprungs.

Zeit ihres Lebens ist Isabelle Huppert nicht nur im Film, sondern auch im Theater zu sehen. Neben Hauptrollen in klassischen Stücken wie Shakespeares "Maß für Maß" oder Schillers "Maria Stuart" tritt sie auch in zeitgenössischen Stücken wie Heiner Müllers "Quartett" oder Yasmina Rezas "Der Gott des Gemetzels" auf. Für diverse Titelrollen wird die Schauspielerin insgesamt fünfmal für den Molière nominiert, erhält ihn jedoch kein einziges Mal.

Was Filmpreise angeht, ist Isabelle Huppert wesentlich erfolgreicher. Sie hält diesbezüglich sogar mehrere Rekorde. Sie ist zum Beispiel die einzige Schauspielerin, die bereits 13 Mal für den César, den französischen Oscar nominiert wurde. Für ihre Rolle in BIESTER (1995) unter der Regie von Claude Chabrol erhält sie den Preis auch. Außerdem ist sie eine von vier Schauspielerinnen, die zweimal den Darstellerpreis des Festivals in Cannes mit nach Hause nehmen dürfen; sie gewinnt ihn für ihre Rollen in VIOLETTE NOZIERE (1978) und DIE KLAVIERSPIELERIN (2003). Doch diese Aufzählung ist bei weitem nicht erschöpfend. In Venedig und Moskau gewinnt die Darstellerin genauso wie in Berlin und Montreal und darf außerdem drei Europäische Filmpreise ihr Eigen nennen.

Seit 1982 ist Isabelle Huppert mit Ronald Chammah verheiratet und hat drei Kinder. Sie lebt in Paris. Ihre Tochter Lolita Chammah spielt in drei Filmen ihrer Mutter mit.

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Autor: Mario Kaiser
Stand: März 2009

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