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Zbigniew Preisner

Zbigniew Preisner
Musik

* 20. Mai 1955
Bielsko-Biala
Polen

ZBIGNIEW PREISNER • Biographie Seite 1/1

Zbigniew Preisner ist Polens führender Filmmusik-Komponist. Er zählt zu den außergewöhnlichsten Komponisten seiner Generation. Die Musik wird bei ihm zur eigenständigen Narrationsebene, die die dramaturgische Konstruktion des Films unterstützt. Internationale Anerkennung bringt ihm seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Krzysztof Kieslowski. Für ihn komponiert er die Musik zum Dekalogzyklus (1988), für den Film ZWEI LEBEN DER VERONIKA (1991) und der Farben-Trilogie.

Zbigniew Preisner wird am 20. Mai 1955 in Bielsko-Biala (Polen) geboren. Sein musikalisches Handwerk eignet er sich im Selbststudium an. 1975 beginnt er ein Geschichts- und Philosophiestudium in Krakau und entdeckt gleichzeitig die Musik für sich. Der junge Mann fängt an, erste eigenständige Kompositionen in der Freizeit zu schreiben. Es entstehen zahlreiche Chansons für die Krakauer Kleinkunstbühnen. Gemeinsam mit Studenten der Musikhochschule hat er selbst eine solche gegründet. Mit einem musikalischen Beitrag gewinnt er den ersten Preis beim nationalen Chanson-Festival in Opole.

Zbigniew Preisner ist ein gnadenloser Romantiker, ein Anhänger romantischer Musik, der bevorzugt polnische Komponisten aus der Romantik sowie Paganini und Sibelius hört. Kurze Zeit darauf komponiert er bereits für Polens legendäres Krakauer Kabarett "Piwnica pod baranami" (Keller unter den Widdern), dessen Hauskomponist er über ein Jahrzehnt lang bleiben soll. Zu Zeiten der Solidarnosc-Bewegung veröffentlicht der Komponist erstmals Musikstücke, die er zu offiziellen Dekreten, Artikeln und Interviews komponiert.

1978 beginnt seine Karriere als Filmkomponist. Während der Künstler an der Filmmusik zu Antoni Krauzes Film WETTERBERICHT (1983) schreibt, begegnet er Mitte der 80er zum ersten Mal dem Regisseur Krzysztof Kieslowski. Ihre erste gemeinsame Arbeit wird der Film OHNE ENDE (1984), in dem Zbigniew Preisner der Musik eine tragende dramaturgische Rolle zuschreibt, mit der er die Emotionen der Protagonisten suggestiv vermittelt. Seit 1984 ist es fast ausschließlich Zbigniew Preisner, der die Musik zu allen Filmen Kieslowskis schreibt und zu dessen Hauskomponisten er avanciert. Unter der Regie von Krzysztof Kieslowski genießt der Künstler als kongenialer Filmkomponist große Freiheit, die es ihm jederzeit ermöglicht, am Prozess der Filmentstehung teilzunehmen.

Es sind seine melancholischen und kontinuierlich melodischen Tonfolgen, angefangen vom schwermütigen Totentanz-Score zu OHNE ENDE (1984), über die atmosphärischen Musiksequenzen im Dekalogfilmzyklus (1988) und die chorsinfonischen Kompositionen zu ZWEI LEBEN DER VERONIKA (1991) bis hin zu den meditativen Variationen über Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in der Farben-Trilogie, die zu seinem film-kompositorischem Markenzeichen werden. Es ist Zbigniew Preisners Filmmusik, welche die semidokumentarischen Bilder Krzysztof Kieslowskis zu einem Ganzen vervollständigen und eine audiovisuelle Synthese erst möglich machen.
Ungewöhnlich bei der Zusammenarbeit von Regisseur und Filmkomponist ist die Herangehensweise. Die Partituren für die Filme ZWEI LEBEN DER VERONIKA (1991) und die Farben-Trilogie werden zuerst geschrieben und geben für die Filme den dramaturgischen Rahmen vor.

Die Dreiecks-Konstellation Regisseur Krzysztof Kieslowski, Filmkomponist Zbigniew Preisner und Drehbuchautor Krzysztof Piesiewicz ist mehr als 14 Jahre überaus kreativ. Die Künstler sind auch privat eng verbunden. Ihr internationaler Durchbruch gelingt mit dem Film ZWEI LEBEN DER VERONIKA (1991). Zbigniew Preisner sorgt mit seiner Filmmusik - vor allem die angebliche Entdeckung des holländischen Komponisten Van den Budenmayer - für großes Aufsehen in der Filmszene und findet uneingeschränkten Beifall beim Publikum. Van de Budenmayer entpuppt sich später als bloße Erfindung des Künstlers.

Nach der Fertigstellung der Farben-Trilogie plant der Künstler gemeinsam mit Krzysztof Kieslowski eine Oper zu inszenieren. Sie soll auf der Akropolis in Athen ihre Premiere feiern. Es bleibt leider nur bei der Idee, da Krzysztof Kieslowski im März 1996 unverhofft stirbt. In Gedenken an seinen Freund arrangiert Zbigniew Preisner 1998 seine erste große Partitur, die nicht für den Film, sondern als Live Performance und Studio-Aufzeichnung arrangiert wird: REQUIEM FOR MY FRIEND. Selbst wenn Zbigniew Preisners Filmmusik stark mit den Krzysztof Kieslowski Filmen in Verbindung gebracht wird, schreibt er auch Filmsoundtracks zu Filmen von Louis Malle VERHÄNGNIS (1992), Luis Mandokis EINE FAST PERFEKTE LIEBE (1994) und Agnieszka Hollands DER GEHEIME GARTEN (1993).

Während der letzten 10 Jahre komponiert Zbigniew Preisner Filmmusik zu 17 weiteren Filmen. Zu den zahlreichen Preisen und Ehrungen Zbigniew Preisners gehören der "Silberne Bär" auf der Berlinale 1997, zwei "Césars" der Französischen Filmakademie - 1996 für Jean Beckers ELISA und ein Jahr zuvor für die Farben-Trilogie - sowie drei Auszeichnungen für seine Leistung als Komponist für Filmmusik der Los Angeles Kritikervereinigung in den Jahren 1991, 1992 und 1993.

Zbigniew Preisner ist zudem Mitglied der Französischen Filmakademie. 1992 erhält er den Preis des Außenministers für seine Verdienste um die Verbreitung polnischer Kultur im Ausland. Das Dutzend internationaler Spielfilme, für die er die Filmmusik liefert, verkaufen sich rund um den Globus. Der ZWEI LEBEN DER VERONIKA-Soundtrack bringt es auf über 300 000 CDs. Die drei Soundtrack-CDs von der Farben- Trilogie erreichen eine verkaufte Stückzahl von 700 000. Zbigniew Preisner komponiert auch die Titelmusik von "People's Century", der 26teiligen BBC-TV-Serie über die Geschichte des 20. Jahrhundert. [sara siwy]

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