Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Emma Thompson

Emma Thompson
Drehbuch, Darsteller

* 15. April 1959
London
Großbritannien

EMMA THOMPSON • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Emma Thompson gehört zur Riege der besten Charakterdarstellerinnen Großbritanniens. Die selbstbewusste, emanzipierte Frau ist bekannt für ihr einfühlsames, anspruchsvolles Schauspiel und ihren hintergründigen Witz, den die Feministin selbstironisch auch gern gegen die eigene Person richtet. Auch wenn die Frauen, denen sie in Film, Fernsehen und Theater glaubwürdig Figur verleiht, vielseitiger und unterschiedlicher kaum sein können, zeichnen sich die Rollen doch meist durch eine tragisch-komische Charaktere oder durch ein selbst bestimmtes, starkes Wesen aus.

Emma Thompson wird am 15. April 1959 als Tochter der Schauspielerin Phyllida Law (*1932) und des Schauspielers, Regisseurs und Produzenten Eric Thompson (†1982) in London-Paddington geboren. Die schauspielerische Begabung ist ihr und ihrer jüngeren Schwester, der Schauspielerin Sophie Thompson, damit quasi in die Wiege gelegt. Gelegentlich spielt Phyllida Law in den Filmen ihrer älteren Tochter mit. Emma Thompsons Esprit und Witz wird schon früh durch die fröhliche, intelligente und kreative Familienatmosphäre geprägt. Sie ist eine beliebte, erfolgreiche Schülerin und Studentin, studiert Englische Literatur am Newham College, Cambridge University und will nach ihrer Graduierung 1982 Schriftstellerin werden. Doch bereits an der Universität tritt sie der "Footlights Group" bei, einer berühmten Cambridge-Theatergruppe. Dort sammelt sie zusammen mit Hugh Laurie und Stephen Fry erste Bühnenerfahrungen. Talent und Leistung der jungen Studentin beeindruckten derart, dass Emma Thompson bereits zwei Jahre vor ihrem Magisterabschluss einen Vertag mit dem Agent Richard Armitage unterschreibt. Später wird sie einer der führenden Köpfe bei "Woman's Hour", der ersten allein von Frauen geführten Revue in Cambridge.

Nach dem Studium arbeitet Emma Thompson zunächst für BBC-Radio, wird aber bald auch für das Fernsehen entdeckt. So tritt sie anfangs in verschiedenen Comedy-Shows wie THE CRYSTAL CUBE (1983), THE COMIC STRIP PRESENTS (1984) und THE YOUNG ONES (1984) auf. Mit ALFRESCO (1984) feiert sie ihren Durchbruch im Fernsehen. Danach folgen ASSAULTED NUTS (1985), UP FOR GRAPS (1985), TUTTI FRUTTI (1987) und schließlich THOMPSON (1988), ihre eigene Sitcom. Während dessen stellt sie in der BBC-Miniserie FORTUNES OF WAR (1987), in der sie als Ehefrau des jungen Dozenten Kenneth Branagh in Rumänien Ausbruch und Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges erlebt, auch ihr Talent für ernsthafte Charaktere und Handlungen unter Beweis. Die sich entwickelnde private Bindung der beiden Schauspieler wirkt sich in den nächsten Jahren auch auf beider Karrieren sehr fruchtbar aus.

Im Folgenden steht Emma Thompson für die TV-Verfilmungen der Theaterdramen KNUCKLE (1989) mit Tim Roth und BLICK ZURÜCK IN ZORN (1989) mit Kenneth Branagh vor der Kamera. Ihr internationales Filmdebüt gibt sie an der Seite von Jeff Goldblum und Rowan Atkinson in Mel Smiths Komödie DAS LANGE ENDE (1989). Danach ist sie erstmals unter Regie von Kenneth Branagh in dessen oscarprämierter Shakespeare-Verfilmung HENRY V. (1989) als Prinzessin Kathrine von Frankreich zu sehen. Ein Jahr später spielt sie neben Hugh Grant, Mandy Patinkin und Julien Sands in James Lapines Romanze VERLIEBT IN CHOPIN (1990) die pompöse Duchess D'Antan.

Gemeinsam mit Kenneth Branagh spielt sie in dessen Thriller SCHATTEN DER VERGANGENHEIT (1991) die Frau eines Komponisten in den 1930er Jahren, sowie deren Reinkarnation in den 1990ern. Anschließend sind beide in der Tragikkomödie PETERS FRIENDS (1992) zu sehen, in der Emma Thompson als introvertierte Verlegerin bei einem Treffen mit alten College-Freunden (Stephen Fry, Hugh Laurie, Kenneth Branagh, Imelda Staunton, Alphonsia Emmanuel) zu Neujahr einen Weg zu einem neuen Selbst findet. Im gleichen Jahr brilliert sie an der Seite von Anthony Hopkins in James Ivorys Adaption von E. M. Fosters Gesellschaftsdrama WIEDERSEHEN IN HOWARDS END (1992) in der Rolle der Margaret Schlegel. Ihr ausgezeichnetes Schauspiel wird mit einem Oscar, einem Golden Globe und einem britischen Filmpreis gewürdigt und bedeutet den internationalen Durchbruch für die junge Künstlerin.

Als Mitglied von Kenneth Branaghs Renaissance-Company steht sie im folgenden Jahr das vorerst letzte Mal gemeinsam mit dem Mimen in dessen heiteren, preisgekrönten Shakespear-Verfilmung VIEL LÄRM UM NICHTS (1992) als spöttisch-bissige Beatrice vor der Kamera. Danach wechselt sie wieder zu ernsthafteren Rollen. So bringt sie als Haushälterin Mary Kenton in James Ivorys Melodram WAS VOM TAGE ÜBRIG BLIEB (1993) mit ihrer Liebe die einsamen Welt des verstockten Butlers Anthony Hopkins durcheinander und wird für ihre Leistung mit Nominierungen für Oscar, Golden Globe und britischem Filmpreis gewürdigt. Auch für ihre Darstellung der engagierten, mutigen Anwältin Gareth Pierce, die im Drama IM NAMEN DES VATERS (1993) um Gerechtigkeit für den unschuldig inhaftierten Daniel Day-Lewis kämpft, erhält sie Nominierungen für Oscar und Golden Globe. Anschließend ist sie in Steve Miners Komödie MEIN VATER DER HELD (1994) die französische Geliebte von Gérard Depardieu, erlebt mit Danny DeVito in JUNIOR (1994) den Muskelprotz Arnold Schwarzenegger als ersten schwangeren Mann der Weltgeschichte und wird als betrogene Hausfrau im Gruselthriller THE BLUE BOY (1994) von der Geschichte eines ertrunkenen Jungen gefesselt. Für Christopher Hamptons Künstlerportrait CARRINGTON (1995) versetzt sie sich an der Seite von Jonathan Pryce, Samuel West und Steven Waddington in die Rolle der eigenwilligen, emanzipierten Malerin Dora Carrington.

Ihr Debüt als Drehbuchautorin gibt Emma Thompson in Ang Lees starbesetzter Jane Austen-Verfilmung SINN UND SINNLICHKEIT (1995), in der die Filmkünstlerin auch die Rolle der Elinor Dashwood übernimmt. Für das Drehbuch erhält sie ihren zweiten Oscar und für die Darstellung der Austen-Heldin eine weitere Oscar-Nominierung als Beste Schauspielerin, den britischen Filmpreis und einen Golden Globe. In Alan Rickmans einfühlsamen Drama THE WINTER GUEST (1997) findet die Schauspielerin als verwitwete Fotografin Frances mit Hilfe ihre Mutter (
Phyllida Law
) einen Weg aus ihrer Trauer zurück ins Leben. Danach ist Emma Thompson an der Seite von John Travolta und Billy Bob Thornton in Mike Nichols Komödie MIT ALLER MACHT (1998) zu sehen, einem Porträt des Verlaufs einer US-Präsidentschaftskandidatur und tritt mit Alan Rickman, Gil Bellows, Greg Wise und Til Schweiger in Sebastian Gutierrez' Thriller JUDAS KISS (1998) als FBI-Agentin auf.

Die Künstlerin tritt nach einer längeren Babypause erstmals wieder in Ben Eltons Komödie MAYBE BABY (2000) als Hugh Lauries Hippiefreundin Druscilla auf. Daran anschließend übernimmt sie in Mike Nichols Verfilmung von Margaret Edsons sensiblen Drama WIT (2001) die Hauptrolle. Sie schreibt auch das Drehbuch für diese Fernsehadaption, in der die Geschichte der an Krebs erkrankten Vivian Bearing erzählt wird. Im gleichen Jahr tritt sie in der TV-Comedy-Gala WE KNOW WHERE YOU LIVE (2001) zu Gunsten von Amnesty International auf. Später brilliert sie in Richard Curtis' romantisch-dramatischen Weihnachtskomödie TATSÄCHLICH ... LIEBE (2003) in der Rolle der Karen, die von ihrem Ehemann Alan Rickman hintergangen wird. Im gleiche Jahr zeigt sie auf der Leinwand in dem Politthriller VERSCHLEPPT (2003), in dem sie unter der Regie von Christopher Hampton als regimekritische Journalistin in Argentinien von der Geheimpolizei entführt und von Ehemann Antonio Banderas gesucht wird. Später steht sie in der wegen ihrer bitter-ironischen Klarheit und offenen Gesellschaftskritik preisgekrönten TV-Serie ANGELS IN AMERICA (2003), nach dem gleichnamigen Theaterstück von Tony Kushner, zusammen mit Meryl Streep und Al Pacino in mehreren Rollen, unter anderem als Angel of America, vor der Kamera.

Sie verbleibt zunächst in der Welt der Phantasie und des Zaubers und führt in den Verfilmungen von J. K. Rowlings HARRY POTTER UND DER GEFANGENE VON ASKABAN (2004) und HARRY POTTER UND DER ORDEN DES PHÖNIX (2007) (HARRY POTTER UND DER ORDEN DES PHÖNIX (2007) Trailer) als Professor Sybil Trelawney junge Zauberschüler in die Kunst des Prophezeiens ein. Zwischen ihren Auftritten als leicht verwirrtes Medium auf Hogwarts schreibt Emma Thompson das Drehbuch für Kirk Jones' Komödie EINE ZAUBERHAFTE NANNY (2005), in der sie gleich selbst die freche Kinderschar von Witwer Colin Firth bändigt, zu der auch die jungen Filmtalente Thomas Sangster und Eliza Bennett zählen und steuert darüber hinaus in Marc Forsters Komödie SCHRÄGER ALS FIKTION (2006) als Schriftstellerin Kare Eiffel das langweilige Leben des Steuerprüfers Will Farrell.

Danach ist sie in Marc Fosters Kassenschlager I AM LEGEND (2007) (I AM LEGEND (2007) Trailer) als Dr. Alice Krippin für die beinahe Vernichtung der Menschheit verantwortlich und tritt in Julian Jarrolds Verfilmung von Evelyn Waughs Roman WIEDERSEHEN MIT BRIDESHEAD (2008) (WIEDERSEHEN MIT BRIDESHEAD (2008) Trailer), einer Geschichte über verbotene Liebe und den Verlust der Unschuld im England der Vortage des Zweiten Weltkriegs, als Lady Marchmain auf. Für ihre Darstellung der Kate Walker in Joel Hopki s Romanze LAST CHANCE HARVEY (2008) wird sie als Gegenüber von Dustin Hoffman für einen Golden Globe nominiert. Zukünftig ist Emma Thompson zusammen mit Alfred Molina und Sally Hawkins in Lone Scherfigs Drama AN EDUCATION (2009) (AN EDUCATION (2009) Trailer), sowie mit Kenneth Branagh, Philip Seymour Hoffman und Bill Nighy in Richard Curtis' Komödie THE BOAD THAT ROCKED (2009) zu sehen.

Emma Thompson ist während ihres Schaffens auch auf der Theaterbühne aktiv, so etwa in "Me and My Girl" (1985), "Viel Lärm um nichts" (1987), "King Lear" (1987) oder "Look Back in Anger" (1989). Als Synchronsprecherin leiht sie ihre Stimme Captain Amelia in dem Animationsstreifen DER SCHATZPLANET (2002).

Sie hält überdies einen Rekord bei der Verleihung der Academy Awards. Sie ist bislang die einzige Frau, die sowohl einen Oscar als Beste weibliche Schauspielerin (WIEDERSEHEN IN HOWARDS END (1992)) als auch für das Beste Drehbuch nach einer Vorlage (SINN UND SINNLICHKEIT (1995)) erhalten hat.

Bei den Dreharbeiten zur BBC-Serie FORTUNES OF WAR (1987) lernt sie den Schauspieler und Regisseur Kenneth Branagh kennen. Das Paar heiratet 1989 und geht zusammen auf Theater-Tournee. Bis zur Trennung 1995 drehten sie gemeinsam elf Filme. Während der Dreharbeiten zu SINN UND SINNLICHKEIT (1995) lernt sie ihren zweiten Gatten kennen, den Schauspieler Greg Wise. Das Paar hat eine Tochter, Gaia Romilly (*1999) und ist seit 2003 verheiratet.

-----
Autorin: Claudia Heise
Stand: Dezember 2008

Aktueller Stand der Datenbank:
18133 Filme,
70511 Personen,
5381 Trailer,
869 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 3,13512