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Sean Penn

Sean Penn
Regie, Drehbuch, Darsteller, Produzent

* 17. August 1960
Burbank (Kalifornien)
USA

SEAN PENN • Biographie Seite 1/1

Sean Penn ist einer der interessantesten Schauspieler Hollywood. Er besitzt eine Vorliebe für unangepasste Außenseiter, schwierige Charaktere und soziale Verlierer. Er setzt auf engagierte Stoffe und brisante Themen. Dabei fördert er Geschichten zu tage, die das große Hollywood nie erzählen würde. Er blickt als Schauspieler und als Regisseur hinter die Fassade der USA. Dabei gehört es zu seinem Markenzeichen, die Figuren, die er verkörpert nicht zu emotionalisieren oder ihr Handeln zu rechtfertigen: Er gibt ihnen nur seine Präsenz.

Sean Penn wird am 17. August 1960 als Sean Justin Penn in Santa Monica, Kalifornien geboren. Seine Mutter ist die Schauspielerin Eileen Ryan, die vorrangig beim Fernsehen arbeitet in Serien wie "Twiligth Zone" oder "Bonanza"; sein Vater der Regisseur und Schauspieler Leo Penn. Er inszeniert unter anderem den Gerichtsfilm HELLINGERS GESETZ (1980) sowie zahlreiche Folgen für TV-Serien wie "Colombo" und "Matlock". Zur Familie gehören noch zwei weitere Söhne. Christopher Penn arbeitet ebenfalls als Schauspieler, wie auch sein Brucer Michael Penn, der zudem noch als Musiker auf der Bühne steht. Schon frühzeitig kommt er mit dem Medium Film in Kontakt. Zusammen mit seinen Brüdern und den gemeinsamen Freunden Charlie Sheen, Emilio Estevez und Rob Lowe, die alle später auch als Schauspieler arbeiten werden, dreht er einige kleine Filmstudien auf Super-8-Material. Familie und Freunde bedeuten dem Schauspieler viel: Der Zusammenhalt zeigt sich unter anderem darin, dass der Vater seine Söhne in seinem Filmen auftreten lässt, später die Söhne ihre Eltern mit Rollen in ihren Filmen bedenken.

Als er alt genug ist und die High School beendet hat, beginnt er bei der Los Angeles Group Repertory Theatre als Assistent zu arbeiten. Zudem nimmt er Schauspielunterricht. Auf der Theaterbühne ist er unter anderem in den Stücken "Girl on the Via Flaminia" von Alfred Hayes und "Earthworms in Los Angeles" von Albert Innauratos zu sehen. Er spielt am Broadway, am Westwood Playhouse und im Lincoln Center. Im Jahr 2000 steht er gemeinsam mit Nick Nolte und Woody Harrelson in "The Late Henry Moss" unter der Regie von Sam Shepard auf der Bühne.

Nach ersten Gastrollen beim Fernsehen, unter anderem in der TV-Serie "Unsere kleine Farm" folgt 1981 sein erster Fernsehfilm "The Killing of Randy Webster" von Sam Wanamaker. Der Schauspieler debütiert Anfang der 1980er Jahre auf der großen Leinwand an der Seite von Tom Cruise in dem Harold Becker-Films DIE KADETTEN VON BUNKER HILL (1981). Beide spielen junge Kadetten, die sich gegen die Auflösung einer Kadettenanstalt wehren. Bereits in seiner nächsten Rolle wird er zum Idol zahlreicher Jugendlicher. In der Schülerkomödie ICH GLAUB ICH STEH IM WALD (1982) unter der Regie von Amy Heckerling spielt er Jeff Spicoli, einen jungen Mann im letzten Semester an einer Highschool, der nur an Sex, Drogen und Musik interessiert ist. Die amerikanische Kritik ist begeistert von dem jungen Schauspieler, für die jugendlichen Zuschauer wird er zum Idol.

Anschließend erhält er zahlreiche Rolleangebote, die ähnlich wie jene des Jeff Spicoli sind, aber Sean Penn ist an einer Festlegung als Teenie-Star nicht interessiert. Als jugendlicher Verbrecher Mike O'Brien in der Mischung aus Jugendbandengeschichte und Gefängnisfilm BAD BOYS (1982) von Rick Rosenthal agiert er ebenfalls überzeugend. Zunehmend konzentriert sich der Schauspieler auf Außenseiter, spielt einen jungen Verbrecher in CRACKERS (1984) unter der Regie des Franzosen Louis Malle, den auf seine Einberufung wartenden Jugendlichen Henry 'Hopper' Nash in Richard Benjamin
s Film DIE ZEIT VERRINNT - DIE NAVY RUFT (1984) sowie einen Agenten für die Sowjets in DER FALKE UND DER SCHNEEMANN (1984) von John Schlesinger. Als Sohn, der seinem Vater (gespielt von Christopher Walken), der als Verbrecher sein Brot verdient, nacheifern will und dadurch in die Maschinerie eines blutigen Unterwelt-Krieg gerät, überzeugt er in dem Film AUF KURZE DISTANZ (1985) von James Foley die Kritiker endgültig. Dennis Hopper engagiert ihn für COLORS - FARBEN DER GEWALT (1987). Hier gibt er den Ordnungshüter Danny McGavin, der weit über sein Ziel hinausschießt. In Brian de Palmas Vietnam-Anklage DIE VERDAMMTEN DES KRIEGES (1989) ist er der brutale, unsympathische Sergeant eines amerikanischen Spähtrupps, der nicht zimperlich mit der Zivilbevölkerung umgeht. Mit Robert De Niro flieht er in WIR SIND KEINE ENGEL (1990) von Neil Jordan aus dem Gefängnis. Im VORHOF DER HÖLLE (1990) befindet er sich in dem gleichnamigen Film von Phil Joanou. In allen Filmen der 1980er Jahre festigt Sean Penn seinen Ruf als einer der wichtigsten Schauspieler seiner Zeit. Mit der zerfurchten Stirn, die gern in Falten legt, mit seinem schmalen Mund, seine hochgekämmten Haaren und seiner aggressiven Körpersprache erscheint es fasst, als würde er jeder Zeit die Kontrolle verlieren.

Eine neue Qualität erhält seine Schauspielerei, als er seinen Kollegen Al Pacino in CARLITOS WELT (1994) wieder unter der Regie von Brian de Palma an die Wand spielt. Sean Penn spielt einen jungen, fiesen Anwalt, der den Ex-Gangster wieder in Milieu drängt, mit so viel Energie, dass das Interesse vom tragischen Verbrecher häufig abgelenkt wird. Unter der Regie von Tim Robbins spielt er in DEAD MAN WALKING (1995) den zum Tode Verurteilten Matthew Poncelet, anfangs ohne Reue sitzt er sich seinem christlichen Beistand (gespielt von Susan Sarandon) gegenüber; erst in Angesicht der Todesspritze bittet er um Vergebung. Der Film ist die wohl vielseitigste Auseinandersetzung mit dem Thema Todesstrafe, die es im amerikanischen Kino je gegeben hat. Sean Penn wird erstmals für den Oscar als Bester Hauptdarsteller nominiert. Auch in der Folge wird er immer wieder gern schwierige, rebellische sowie tragische Rollen übernehmen. Er besitzt eine Vorliebe für unangepasste Außenseiter, schwierige Charaktere und soziale Verlierer. Dabei setzt er auch auf engagierte Stoffe und brisante Themen.

Nach seinen Erfolgen Mitte der 1990er Jahre arbeitet der Schauspieler mit den wichtigsten Regisseuren der Zeit zusammen. David Fincher holt ihn an das Set von THE GAME (1997), Oliver Stone engagiert ihn als Bobby Cooper, der in einem kleinen Kaff in Arizona eine Autopanne hat und sich mit dem Abschaum der Stadt auseinandersetzen muss. Nick Cassavetes erzählt in ALLES AUS LIEBE (1997) mit ihm und seiner Ehefrau Robin Wright Penn die Geschichte einer bedingungslosen Liebe durch die Zeiten. Dafür gewinnt er in Cannes 1997 als Bester Darsteller die Goldene Palme. Terrence Malick versammelt in DER SCHMALE GRAT (1998) ein Star-Ensemble, Sean Penn übernimmt in dem Kriegsfilm die Rolle des Sergeant Edward Welsh. In SWEET AND LOWDOWN (1999) von Woody Allen spielt er den Jazz-Gitarristen Emmet Ray, der in den 30er-Jahren zu den ganz Großen seines Fachs zählte. Für seine Leistung erhält er nochmals eine Nominierung für den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Im ICH BIN SAM (2002) von Jessie Nelson verkörpert er einen geistig behinderten Vater, dem das Sorgerecht für seine Tochter aberkannt wird, aber er kämpft für sein Recht. Eine Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller folgt.

Der Schauspieler steht auf Distanz zu Hollywood. Konsequent bleibt er Partys und Preisverleihungen fern. Nur seinen ersten Oscar hat er selbst abgeholt, überredet dazu hat ihn der Regisseur Clint Eastwood. Die Trophäe kann er endlich im Februar 2004 für seine Leistung in MYSTIC RIVER (2003) mit nach Hause nehmen. Erzählt wird die Geschichte dreier Freunde aus Boston, die sich nach Jahren wieder sehen, weil ein Mädchen entführt wird. Der Film verdankt seinen Erfolg den hervorragender Darstellern, allen Tim Robbins, Kevin Bacon und allen voran Sean Penn, der glaubwürdig den zerrissenen, rasenden Vater spielt. Für den komplexen Thriller 21 GRAMM (2003) vereint der Mexikaners Alejandro González Inárritu wieder eine brillante Darstellerriege: Sean Penn wird in Venedig mit dem Coppa Volpa, dem Darsteller-Preis ausgezeichnet. Hier spielt er einen College-Professor, der das Herz eines Unfallopfers transplantiert bekommt und sich schließlich zu dessen Witwe (gespielt von Naomi Watts) hingezogen fühlt. In dem Politthriller DIE DOLMETSCHERIN (2005) von Sydney Pollack gibt er an der Seite von Nicole Kidman einen abgebrühten Ermittler. In Steven Zaillians Film DAS SPIEL DER MACHT (2006) agiert er als volksnaher Politiker Willie Stark, der steil aufsteigt und tief fällt.

Seit Anfang der 1990er Jahre betätigt sich Sean Penn auch als Regisseur, schreibt die Drehbücher zu seinen Filmen in vielen Fällen auch selbst. Er gründet die Produktionsfirma "Clyde is Hungry Films", mit der er seine Filme produziert. Sein erster Film wird INDIAN RUNNER (1991) mit David Morse und Viggo Mortensen. Ein Polizist in einer Kleinstadt in Nebraska versucht, seinen aus dem Vietnam-Krieg heimgekehrten Bruder aus dem Sumpf von Alkohol und Kriminalität zu retten. Es misslingt; aber der Film dagegen ist ein erster Achtungserfolg und zeigt eine amerikanische Familiengeschichte realistisch und erdig. In CROSSING GUARD - ES GESCHAH AUF OFFENER STRAßE (2000) arbeitet er mit Jack Nicholson sowie Anjelica Huston zusammen, und erzählt die Geschichte eine Ehe, die kaputt geht, als die Tochter bei einem Autounfall stirbt. Genau blickt der Regisseur auf die Personen, die durch dieses Unglück aus ihrer Bahn geworfen worden sind. Noch größere Aufmerksamkeit erreicht er mit der Verfilmung eines Friedrich Dürrenmatt-Stoffes: In DAS VERSPRECHEN (2000) will der alternder Polizist (gespielt von Jack Nicholson) den brutalen Mord an einem kleinen Mädchen aufklären. Die intensiv erzählte und vielschichtig inszenierte Schuld-und-Sühne-Geschichte läuft im Wettbewerb der Berlinale und in Cannes. schreibt und inszeniert den amerikanischen Beitrag zu dem Filmprojekt 110901. Dabei werden 11 bekannte Regisseure aus allen Teilen der Welt versammelt, um je einen Kurzfilm in Reaktion auf die Anschläge in New York vom 11. September 2001 zu drehen. Es arbeiten unter anderem die Regisseure Claude Lelouch und Ken Loach an dem Episodenfilm mit. Der Film erhält 2003 als besondere Anerkennung den Sonderpreis des National Board of Review. Mit INTO THE WILD (2007) (INTO THE WILD (2007) Trailer) verfilmt er das gleichnamige Buch von Jon Krakauer und erzählt die Geschichte eines jungen Aussteigers, der durch Amerika trampt, Richtung Alaska, in die Wildnis.

Der Künstler engagiert sich auch politisch. Er gilt gemeinsam mit seinen Freunden Tim Robbins und Susan Sarandon als großer George W. Bush-Gegner. Anfang 2003, kurz vor der amerikanischen Invasion, fährt er nach Bagdad und veröffentlicht seine Eindrücke in einer Artikelserie für die "San Francisco Chronicle". Er nimmt an zahlreichen Demonstrationen und Protestveranstaltungen teil.

Sean Penn ist zweimal verheiratet. Seine erste Ehe führt er von 1985 bis 1989 mit dem Popstar Madonna. Während dieser Zeit ist er häufig in den Schlagzeilen, weil er sich gegen Reporter und Fotographen handkräftig zur Wehr setzt. Seit 1996 ist er mit der Schauspielerin Robin Wright Penn verheiratet. Beide haben zwei gemeinsame Kinder: Sohn Dylan Francis (geb. 1991) und Tochter Hopper Jack (geb. 1993). Mittlerweile leben sie in Scheidung.

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