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Todd Haynes

Todd Haynes
Regie, Drehbuch, Ausführender Produzent

* 02. Januar 1961
Los Angeles (Kalifornien)
USA

TODD HAYNES • Biographie Seite 1/1

Regisseur Todd Haynes hat sich mit vier Filmen einen Namen als unabhängiger Regisseur gemacht, der sich stilistisch an keine Vorgaben hält. Aus dem großen Feld der Independent-Filmer kämpft er sich mit interessanten Werken über allergische Hausfrauen, bisexuelle Glam-Rockmusiker und amerikanisches Vorstadt-Kleinbürgertum der 1950er Jahre ins Bewusstsein des internationalen Kinopublikums. Seine Filme sind Kritikererfolge, da sie die Personen und das jeweilige Thema überaus ernsthaft und durchdacht behandelt.

Todd Haynes ist am 02. Januar 1961 in Los Angeles, Kalifornien geboren. Bereits während seiner Kindheit interessiert er sich für das Medium, dreht Amateurfilme. Nach seiner High School studiert er an der Brown Universität Kunst und Semiotik. New York ist sein Ziel nach dem Abschluss des Studiums.

Hier gründet er 1985 gemeinsam mit Barry Ellsworth, der später als Kameramann und Produzent tätig sein wird, und mit der Produzentin Christine Vachon die Apparatus Productions, die junge Filmemacher bei der Produktion ihrer Werke unterstützen will. Außerdem gehört er zu den Gründungsmitgliedern des Künstlerkollektivs Gran Fury, das sich in AIDS-Fragen engagiert. In New York entstehen auch seine ersten Kurzfilme, unter anderem ASSASSINS: A FILM CONCERNING RIMBAUD (1985) und SUPERSTAR: THE KAREN CARPENTER STORY (1987). Besonders letzterer erregt Aufmerksamkeit, da er für die Geschichte um die an Magersucht verstorbene Sängerin Barbiepuppen benutzt. Allerdings kann er sich aus Geldmangel nicht die Rechte für die Musik-Songs leisten. Die Rechteinhaber verklagen ihn, so dass der Film nicht mehr öffentlich gezeigt werden darf. Einen weiteren Kurzfilm dreht er für das Fernsehen: DOTTIE GETS SPANKED (1993) schildert das ödipale Drama eines kleinen Jungen.

Anfang der 1990er Jahre produziert Todd Haynes seinen ersten Langfilm. POISON (1991) entsteht nach Erzählungen von Jean Genet. Berichtet wird von einem 7jährigen Jungen, der seinen Vater ermordet, von einem Wissenschaftler, der zum Sex-Mörder wird und von einem Dieb, der im Gefängnis seine Liebe findet. Der Film wird beim Sundance Festival mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet; schlagartig wird der junge Regisseur bekannt. Vier Jahre später erzählt er mit SAFE (1995) von einer kleinbürgerlichen Hausfrau (gespielt von Julianne Moore), die auf fast alle Substanzen allergisch reagiert. Das Thema reizt der Regisseur bis zur Karikatur auf "New Age" und die Glücksversprechen der amerikanischen Gesellschaft aus.

Der bunte und schrille Film VELVET GOLDMINE (1998) folgt dem Reporter Arthur Stuart (gespielt von Christian Bale), der der untergetauchten Pop-Ikone Brian Slade (gespielt von Jonathan Rhys-Meyers) nachjagt. Langsam entsteht das Porträt eines Musikers der schillernden Glam Rock-Ära, als Rockstars noch mit Federboas und Chiffonkleidern ihre Fans begeisterten. Der Film ist eine nostalgische Liebeserklärung an die Musik der 1970er Jahre und an dem bisexuellen Avantgardismus der Zeit. Auf dem Filmfestival in Cannes läuft er im Internationalen Wettbewerb, hier wird Todd Haynes mit dem Spezialpreis der Jury für Besondere künstlerische Leistungen ausgezeichnet. Später bei der Oscar-Verleihung kann die Kostümbildnerin Sandy Powell die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen.

Eine großartige Hommage an den Regisseur Douglas Sirk und dessen Melodram WAS DER HIMMEL ERLAUBT (1955) inszeniert Todd Hayes virtuos mit DEM HIMMEL SO FERN (2002). Mr. und Mrs. Magnatech sind angesehene Mitglieder ihrer Vorstadt-Gemeinde, bis Cathy zufällig die homosexuellen Neigungen ihres Ehemannes entdeckt. Als sie eine freundschaftliche Beziehung zu ihrem farbigen Gärtner Raymond beginnt, stehen Klatsch und Verleumdung auf der Tagesordnung. Das Drama ist wunderbar fotografiert, gut ausgestattet, mit einer überaus lyrischen Musik versehen und überzeugt durch darstellerische Glanzleistungen von Julianne Moore, Dennis Quaid und Dennis Haysbert. Auf dem Filmfestival in Venedig wird die Hauptdarstellerin mit dem Volpi Cup ausgezeichnet, der Kameramann Edward Lachman mit dem Technik-Preis. Vier Oscar-Nominierungen ergänzen den Preisregen für den Film.

Zwischenzeitlich tritt Todd Haynes immer auch als Produzent in Erscheinung, unter anderem bei QUINCEANERA (2005), welcher auf der Berlinale 2006 zu sehen ist, und bei OLD JOY (2006), der als Bester Experimentalfilm von der Los Angeles Film Critics Association ausgezeichnet wird.

Nach dem Kritiker-Erfolg seines Films DEM HIMMEL SO FERN (2002) hat der Regisseur bisher alle Angebote großer Studios abgelehnt, will weiter unabhängig bleiben. Seit fünf Jahren beschäftigt er sich mit einer Filmbiographie über Bob Dylan. I´M NOT THERE (2007) (I´M NOT THERE (2007) Trailer) feiert auf dem Filmfest in Venedig seine Premiere. Die Lebensgeschichte von Bob Dylan wird hier gleich von sechs Darstellern (Cate Blanchett, Christian Bale, Ben Whishaw, Richard Gere, Heath Ledger und Marcus Carl Franklin) verkörpert. Schon vor dem Kinostart wird der Film aufmerksam beobachtet, zeichnet sich doch ab, das dies kein klassisches, Hollywood-konformes Biopics wird, sondern ein überaus fragmentarischer Blick auf eine Künstlerpersönlichkeit - ästhetisch hochinteressant.

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