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Luise Heilborn-Körbitz

Luise Heilborn-Körbitz
Drehbuch

* 25. Juli 1874
Berlin
Deutschland
† 15. Januar 1961
Berlin
Deutschland

LUISE HEILBORN-KÖRBITZ • Biographie Seite 1/1

Die Drehbuchautorin und Dramaturgin Luise Heilborn-Körbitz gehört zu den Film-Enthusiastinnen der ersten Stunde. Sie schreibt Drehbücher für die Deutsche Bioscop GmbH. Während immer mehr Männer sich freiwillig zum Krieg melden oder eingezogen werden, übernimmt sie auf dem Gelände des Studios Neubabelsberg die Endfertigung von Filmen, kontrolliert die Arbeiten am Schneidetisch, stellt die Titel her und kümmert sich zudem um den Verleih der Filme. In den 20er Jahren arbeitet sie intensiv mit dem Regisseur Gerhard Lamprecht zusammen.

Luise Heilborn-Körbitz wird am 25. Juli 1874 in Berlin als Luise Heilborn geboren. Über ihre familiäre Herkunft ist derzeit nichts bekann. Mit 37 Jahren schreibt sie ihr erstes Drehbuch, schickt es an die Deutschen Bioscop GmbH und hat Erfolg. Unter der Regie von Emil Albes wird es unter dem Titel SKLAVE DER LIEBE (1912) verfilmt. In der Folge verfaßt Luise Heilborn-Körbitz weitere Drehbücher, wird bei der Produktionsfirma als feste Dramaturgin angestellt. Der Stammregisseur der Bioscop Emil Albes verfilmt ihre Stoffe, in der Hauptrolle ist meistens der festangstellte Schauspieler Hugo Flink zu sehen. Allein im Jahr 1912 sind es sechs Filme, an denen sie mitarbeitet.

Die Autorin entwickelt ihre Geschichten in allen Gattungen; sie schreibt Märchen und denkt sich Filme zu Weihnachten aus. Der Zeit entsprechend finden sich unter ihren Filmen tragische Episoden um Offiziere, melodramatische Geschichten um Frauen und dessen Liebe. Kurz vor Beginn des I. Weltkrieges sind auch patriotische Filme dabei. Während immer mehr Männer sich freiwillig zum Krieg melden oder eingezogen werden, übernimmt sie nun auch die Endfertigung von Filmen, kontrolliert die Arbeiten am Schneidetisch, stellt die Titel her und kümmert sich zudem um den Verleih der Filme. Durch einen privaten Kredit von 20.000 Mark von ihr wird ein drohender Ruin des jungen Studios Babelsberg, der durch den Ausbruch des I. Weltkrieges hervorgerufen wird, abgewendet.

Luise Heilborn-Körbitz ist zudem als Dramaturgin der Bioscop für die Auswahl der Filmstoffe und die Betreuung der anderen Autoren zuständig. Unter ihrer Leitung werden einige der wichtigsten Frühwerke deutscher Filmgeschichte produziert. Sie arbeitet mit Hanns Heinz Ewers und Paul Wegener für dessen frühen Erfolgsfilm DER STUDENT VON PRAG (1913) zusammen, gibt dem jungen dänischen Regisseur Stellan Rye Unterstützung und betreut die Arbeit bei DER GOLEM (1915).

Als die Männer aus dem I. Weltkrieg zurückkehren und die Deutsche Bioscop 1919 verkauft wird, verläßt Luise Heilborn-Körbitz die Firma, in der sie mit ihrer Karriere begonnen hat. Zunächst arbeitet sie als freie Autorin. Mehrfach schreibt sie gemeinsam mit Gerhard Lamprecht die Bücher für dessen Filme. 15 Filme entwickeln die beiden gemeinsam; in ihrer Zusammenarbeit entsteht unter anderem die erste Verfilmung eines Stoffes von Thomas Mann: DIE BUDDENBROOKS (1923). 1925 wird sie Teilhaberin in der Gerhard Lamprecht-Film-Produktion. In Teamarbeit entstehen jene Filme, die unter dem Etikett " sozialromantische Milieufilme" bekannt geworden sind. Dazu zählt unter anderem DIE UNEHELICHEN (1926), ein Film zum Schutz von Kindern. Die Preussen-Film DER ALTE FRITZ - 1. TEIL: FRIEDE (1927) und DER ALTE FRITZ - 1. TEIL: AUSKLANG (1927) finden ein großes Publikum, sind aber wegen ihres freien Umgang mit der Geschichte umstrittenen. Mittlerweile publiziert Luise Heilborn-Körbitz unter dem Pseudonym Hanns Torius, oder wird, wie bei der letzten gemeinsamen Arbeit mit Gerhard Lamprecht, ihrem ersten Tonfilm ZWEIERLEI MORAL (1930), nicht mehr in den Credits genannt.

Auch für andere Regisseurin wird die anerkannte Drehbuchautorin tätig. Lupu Pick engagiert sie für seine Rex-Film-Gesellschaft. Hier ist sie zuständig für die ausländische Filme. Zudem arbeitet sie als Cutter bei dessen expressionisten Film SYLVESTER (1923). Mitte der 20er Jahre geht Luise Heilborn-Körbitz zur National-Film AG. Sie schreibt komödiantische Stoffe für Carl Boese, arbeitet mit Fred Sauer zusammen und entwickelt Geschichten für Arthur Bergen.

Anfang der 30er Jahre zieht sich Luise Heilborn-Körbitz aus dem Filmgeschäft zurück. Ihr Bruder Dr. Adolf Heilborn hat verschiedene populäre naturwissenschaftliche Bücher wie "Aus der Kinderstube der Tiere" und "Liebesspiele der Tiere" geschrieben, die sie nun zur Veröffentlichung bringt.

Luise Heilborn-Körbitz stirbt am 15. Januar 1961 in Berlin.

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