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Hans Fromm

Hans Fromm
Kamera

* 08. Mai 1961
München
Deutschland

HANS FROMM • Biographie Seite 1/1

Kameramann Hans Fromm führt seine Kamera seit dem TV-Film PILOTINNEN (1995) regelmäßig bei allen Filmen von Christian Petzold. Dessen Filme wären ohne die langsamen und langen Einstellungen von Hans Fromms souveräner Kamera nicht das, was sie heute sind: moderne, unabhängige Autorenfilme mit einer unterschwellig lauernden Atmosphäre. Er lässt die Einsamkeit der Figuren in der Weite der zumeist ostdeutschen Landschaften spürbar werden und konzentriert sich gleichzeitig auf die Interaktion zwischen den Schauspielern. Zusammen mit Christian Petzold gilt er als einer der Wegbereiter der Neuen Berliner Schule

Hans Fromm wird am 8. Mai 1961 in München geboren. Er legt 1981 das Fachabitur in Wasserburg am Inn ab und beginnt sogleich, als Kamera-Assistent zu arbeiten. Um tiefere Kenntnisse in der Kameraführung zu erwerben, fängt er 1986 ein Studium an der Fachschule für Optik und Fototechnik in Berlin an. Die Studienrichtung Kamera bildet seinen Schwerpunkt. Parallel arbeitet er weiterhin als Kamera-Assistent. Im Jahre 1988 beendet Hans Fromm sein Kamerastudium. Zwei Jahre später arbeitet er mit Michael Freerix an dem Schwarzweiß-Film CHRONIK DES REGENS (1990) zusammen.

In den folgenden Jahre dreht Hans Fromm weitere Filme, bis er 1995 Christian Petzolds ersten Film PILOTINNEN (1995) fotografiert. Die Verbindung zwischen den beiden wird sich als schicksalhaft erweisen. Der Regisseur verzichtet in den kommenden Jahren bis heute nie mehr auf die eindringlichen Bilder seines Lieblingskameramanns. Ein Jahr später legen die beiden mit CUBA LIBRE (1996) einen weiteren Film nach, der den Max Ophüls Förderpreis der Jury auf dem renommierten Nachwuchsfestival erhält.

Für den Schwarzweiß-Film NOT A LOVE SONG (1997) des gebürtigen Texaners und Absolventen der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin Jan Ralske wird Hans Fromm für den Deutschen Kamerapreis 1998 nominiert. Der Film erhält letztendlich den Preis der deutschen Filmkritik. NOT A LOVE SONG (1997) spielt in Brandenburg, welches auch in späteren Filmen vonChristian Petzold auftauchen wird. Es geht um eine melancholische Dreiecksgeschichte mit Anna Thalbach, Matthias Freihof und Lars Rudolph aus der ostdeutschen Provinz kurz nach der Wende. Hans Fromm konzentriert sich bei seinen Aufnahmen weniger auf die Weite der tristen Landschaft als vielmehr auf die Interaktion zwischen den Schauspielern.

Die Jury des Deutschen Fernsehpreises 1999 nominiert Hans Fromm für den TV-Film DIE BEISCHLAFDIEBIN (1998) von Christian Petzold als besten Kameramann. Seitdem geht die Karriere von Hans Fromm steil bergauf. Die Zusammenarbeit zwischen ihm und Christian Petzold erweist sich als fruchtbar. Sie arbeiten eng zusammen beginnend mit der Motivsuche für den jeweiligen Film. Für den Kameramann stehen die Motive im Mittelpunkt der Geschichten; er versucht, welche zu finden, die den Geschichten dienen. Er passt Motive nicht unter allen Umständen der Geschichte an, sondern lässt diese für sich wirken. Dadurch entstehen vom Zufall inspirierte Bilder. Hans Fromm nimmt gern eine Unschärfe in Kauf, damit die Schauspieler freier agieren können. So gibt es bei dem Film DIE INNERE SICHERHEIT (2000) zwei Unschärfen, die dem Film aber dennoch dienen. Das RAF-Drama mit Barbara Auer, Richy Müller und Julia Hummer, welches vom Leben im Untergrund zweier ehemaliger RAF-Mitglieder und deren Tochter erzählt, erhält im Jahre 2001 den Deutschen Filmpreis als Bester Film.

Nach dem TV-Film TOTER MANN (2001) von Christian Petzold, in dem es um eine Affäre zwischen einer Frau (Nina Hoss), die von einem Geheimnis umgeben scheint, und einem Juristen (André Hennicke) geht, folgen weitere TV-Produktionen. Erst mit WOLFSBURG (2003) beteiligt er sich an einer weiteren Kinoproduktion. Ursprünglich für das Fernsehen konzipiert, läuft der Film, nachdem er auch auf der Berlinale 2003 zu sehen ist, auch in den Kinos. Die Liebes- und Rachegeschichte mit den Schauspielern Nina Hoss und Benno Fürmann in den Hauptrollen lebt von Hans Fromms kalten und distanzierten Bildern der Autostadt Wolfsburg und entwirft gleichzeitig ein Sittengemälde der bundesdeutschen Wirklichkeit in jenen Städten, die nach dem Krieg als reine Autostädte wieder aufgebaut werden.

In FARLAND (2004) von Michael Klier tauchen Parallelen zu WOLFSBURG (2003) auf. Zwei Menschen, dargestellt von Laura Tonke und Richy Müller, nähern sich an und scheitern doch, an sich selbst und an den Umständen. Beide Filme spielen in Krankenhäusern und in gesichtslosen Städten, in denen sich die Menschen wie im Traum bewegen. Die Kamera von Hans Fromm trägt zu dem Eindruck bei, dass bleierne Schwere über der Handlung liegt. Dennoch hoffen die einsamen Figuren und die Schönheit entsteht in FARLAND (2004) aus den langen Einstellungen auf die Straßen ohne Namen und einen Himmel wie er typisch grau-weiß über den tristen Häusern hängt. Der Kameramann fängt weniger die Zeit als vielmehr den Raum ein, in dem die Figuren wandeln.

Diese Raumkonzeptionen werden in GESPENSTER (2005) noch deutlicher spürbar. Zwei blasse Mädchen, verkörpert von Sabine Timoteo und Julia Hummer, irren als Außenseiterinnen, gefangen in einer komplexen Freundschaft, durch ein gesichtsloses Berlin. Der Raum der Stadt erscheint als Ort, in dem Menschen auf der Suche sind, ohne zu wissen, was sie suchen.

Nach dem Film GEFANGENE (2006) von Ian Dilthey folgt mit YELLA (2007) (YELLA (2007) Trailer) ein Höhepunkt im gemeinsamen Schaffen von Christian Petzold und Hans Fromm. Die Geschichte der schönen Yella (Nina Hoss) aus Ostdeutschland, welche nach einem Autounfall mit ihrem Mann Ben (Hinnerk Schönemann) nach Westdeutschland zu einem Vorstellungsgespräch reist und schließlich auf Philipp (Devid Striesow) trifft und für ihn und damit für eine Private-Equity-Firma zu arbeiten beginnt, nimmt 2005 am Wettbewerb der Berlinale teil. Die Filmkritik ist begeistert und vergibt den Preis der deutschen Filmkritik 2007 sowohl als Bester Film als auch für die Beste Kamera. Nina Hoss erhält den Silbernen Bären bei der Berlinale für ihre darstellerische Leistung. Hans Fromm fängt das Träumerische an der wortkargen, einsamen Yella ein und begleitet sie mit genau konzipierten Einstellungen auf ihrem Weg in die Finanzwelt. Er schafft eine Atmosphäre von lauernder Unheimlichkeit, die sich an einigen Stellen Bahn bricht.

Es folgt die Kinoproduktion MEINE SCHÖNE BESCHERUNG (2007) (MEINE SCHÖNE BESCHERUNG (2007) Trailer) von Vanessa Joop und der TATORT: ERNTEDANK E.V. (2008) aus der niedersächsischen Provinz. Dann erscheint JERICHOW (2008) (JERICHOW (2008) Trailer) , eine Inspiration von WENN DER POSTMANN ZWEIMAL KLINGELT (1981) nach dem Klassiker von James M. Cain "The Postman Always Rings Twice". Der arbeitslose Thomas (Benno Fürmann) beginnt in der Prignitz für den Besitzer von über 40 Imbissbuden Ali (Hilmi Sözer) zu arbeiten. Er verliebt sich in dessen schweigsame, schöne Frau Laura (Nina Hoss) und sie sich in ihn. Ali steht ihrem vermeintlichen Glück im Wege und die Möglichkeit des Verrats beginnt Gestalt anzunehmen. Hans Fromm findet wunderschöne Bilder für die Tristesse der ostdeutschen Provinz und gibt der Landschaft in ihrer Weitläufigkeit gleichzeitig etwas Amerikanisches. Hier wie dort erscheinen die Einkaufszentren als Inseln des Konsums in der allgegenwärtigen Tristesse. Gleichzeitig vermittelt er aber auch ein Gefühl von Heimat durch das gemütliche Haus im hellen Sonnenschein. Die Dreiecksgeschichte verdeutlicht er vor allem in einer Szene am Strand, als die Figuren wie eingefroren für einen Moment in einem Dreieck stehen. Wieder vermittelt seine Kamera die Einsamkeit und Unfähigkeit der Figuren, sich wirklich anzunähern. Die Bilder sind von einem unbarmherzigen, bedrohlichen Strahlen umgeben und lassen erkennen, wie aussichtslos sich die Situation für alle Beteiligten darstellt.

Hans Fromm unterrichtet seit 1999 an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin und an der Filmakademie Ludwigsburg. Er lebt in Berlin im Prenzlauer Berg.

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Autorin: Katharina Losso
Stand: März 2008

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