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Tilda Swinton

Tilda Swinton
Künstlerische Leitung, Mitarbeit, Darsteller

* 05. November 1960
London
Großbritannien

TILDA SWINTON • Biographie Seite 1/2

Die Rollen einer Tilda Swinton bleiben im Gedächtnis. Die teils kalte, teils schnippische Art ihre Charaktere zu spielen, stößt den Kinogänger vor den Kopf. Ob als androgynes Musikergenie, herrschsüchtige Fantasy-Königin oder als white-trash-Flittchen im Trailerpark: Die Schauspielerin versteht es, ihre vielfältigen Rollen auf Theaterbühne und Kinoleinwand glaubhaft zu mimen. Ihre internationale Berühmtheit und ihr guter Ruf in Independent- und Mainstreamproduktionen machen sie zu einem Aushängeschild des britischen Kinos.

Tilda Swinton wird am 5. November 1960 unter dem Namen Katherine MaTilda Swinton in der englischen Hauptstadt London geboren. Sie entstammt einem aristokratischen Familienhintergrund. Ihr Vater, Sir John Swinton, ist Mitglied der "Scots Guards", einer Elite-Einheit der britischen Armee. Ihre Kindheit verbringt sie mit ihren Eltern und drei Brüdern in einem der ältesten Herrenhäuser Schottlands. Ihre Schulbildung erlangt die zukünftige Schauspielerin am renommierten West-Heath Internat, einer Privatschule, der zu dieser Zeit auch die zukünftige Princess of Wales, Diana Spencer, angehört. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Afrika, erhält sie 1983 ihren Abschluss in Sozial- und Politikwissenschaft an der Cambridge University.

Tilda Swinton, die schon in ihrer Jugend eher den schönen Künsten zugewandt ist und eigentlich Schriftstellerin werden will, schließt sich nach ihrem Studium der angesehenen Schauspieltruppe "The Royal Schakespeare Company" an. Nachdem sie bereits in Cambridge die Shakespearestücke "Ein Sommernachtstraum" und "Die Komödie der Irrungen" spielt, fällt sie in ihren professionellen Darbietungen vor allem als Mozart in Puschkins "Mozart und Salieri" auf. Der männlichen historischen Figur wird durch die junge Mima ein neuer, geschlechtsloser Glanz verliehen.

Nach nur einem Jahr auf den Theaterbühnen des Landes, begegnet Tilda Swinton dem britischen Independentfilmer Derek Jarman und beschließt, in die kleine Undergroundwelt des Films einzusteigen. Beide werden noch oft die Schicksalhaftigkeit ihrer Begegnung betonen, da sie insgesamt sieben Filme zusammen drehen und bis zum Tod des Regisseurs 1993 eine enge Freundschaft pflegen. Ihre erste filmische Zusammenarbeit, CARAVAGGIO (1986), dreht sich um das exzessive Leben des italienischen Barockmalers Michelangelo Merisi da Caravaggio. Die Schauspielerin mimt hier die Prostituierte Lena, die zusammen mit ihrem Mann Ranuccio oft für Caravaggios Gemälde Modell steht. Die kraftvolle Darstellung der einerseits Betrogenen andererseits Betrügenden bringt ihr erstes Lob ein. Auf der Berlinale 1986 lernt sie den deutschen Regisseur Christoph Schlingensief kennen, mit dem sie im selben Jahr den Film EGOMANIA - INSEL OHNE HOFFNUNG (1986) dreht und auch ein mehr als freundschaftliches Verhältnis pflegt.

Die Filmadaption einer Opern-Arie für den Episodenfilm ARIA (1987), der von verschiedenen namhaften Regisseuren gestaltet wird, sowie der experimentelle Film THE LAST OF ENGLAND - VERLORENE UTOPIEN (1988) sind die nächsten Projekte der Tilda Swinton. Im Letztgenannten spielt sie in der fulminanten Schlussszene eine Braut, die sich von den Fesseln der spießigen Gesellschaft - in Form eines Hochzeitskleides - befreit, nachdem ihr Bräutigam auf dem Weg zum Altar von schwarz uniformierten Männern erschossen wird. Sie schneidet und reißt sich das Kleid vom Körper und beginnt, ihren Protest durch Tanz zu äußern. Die Szenen des Films werden nicht lange geplant, weshalb das Spiel besonders von spontanen Impulsen seitens des Regisseurs und eigenen Eingebungen der Darstellerin lebt. Laut eigenen Aussagen liegt ihr dieser Film rückblickend am meisten am Herzen. So ist erkennbar, dass die Schauspielerin vor Allem für Spontaneität und Avantgardismus steht.

Immer wieder dreht Tilda Swinton, nach kleineren Rollen in anderen Projekten, Filme mit Derek Jarman. Deren Extravaganz ist mittlerweile über die Schwulen- und Independentszene hinaus bekannt. WAR REQUIEM (1989) behandelt den Ersten Weltkrieg und kommt ganz ohne gesprochene Dialoge aus. Es folgen die Projekte THE GARDEN (1990) und EDWARD II (1991). Stets wird der Muse des Filmemachers genug Handlungsfreiheit in ihren Rollen eingeräumt. Zusammen mit Sean Bean und Nigel Terry bildet sie den Schauspielerstamm des Derek Jarman. In WITTGENSTEIN (1993) spielt die Schottin nur eine kleine Rolle, bekommt jedoch eine ganz persönliche Möglichkeit am letzten Film "ihres" Regisseurs mitzuarbeiten. In BLUE (1993) ist sie einer der vier Erzählstimmen des monochromen Films. Die Leinwand bleibt die ganzen 79 Minuten über blau; er wird über die auditive Ebene vermittelt, Bibelzitate und Selbstgeschriebenes des Filmemachers machen den Film aus.

Bereits ein Jahr vor dieser letzten Zusammenarbeit wird Tilda Swinton durch einen Film einem breiteren Publikum bekannt: ORLANDO (1992) von Sally Potter. In der Hauptrolle kann die Darstellerin sowohl aus ihren Erfahrungen mit altenglischen Stücken als auch ihrer mehrmaligen Darstellung androgyner Figuren schöpfen. Das Werk dreht sich um den Jüngling Orlando, der die Gunst Königin Victorias I erwirbt. Diese verhilft ihm zu ewigem Leben. Der Zuschauer begleitet die Adelige durch mehrere Epochen und darf ihrer wundersamen Geschlechtsumwandlung beiwohnen. Die Verfilmung des Virginia Woolf Werkes wird zweimal für den Oscar nominiert und zieht durch die detailgetreue Nachbildung des Alten England sowie die besondere Thematik auch auf internationaler Ebene Aufmerksamkeit auf sich.

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