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Mathilde Danegger

Mathilde Danegger
Darsteller

* 02. August 1903
Wien
Österreich
† 27. Juli 1988
Berlin
Deutschland

MATHILDE DANEGGER • Biographie Seite 1/1

Die Schauspielerin Mathilde Danegger ist erst in späteren Jahren auf der Leinwand präsent. Besonders in Mütter- und Großmütter-Rollen bleibt sie ab den 1960er Jahren dem ostdeutschen Zuschauer in Erinnerung. Die Darstellerin, der das Theater immer wichtiger war, ist auch eine der gutmütigen DEFA-Märchenfiguren. Als Frau Holle, die das fleißige Lieschen von der faulen unterscheiden kann, lieben sie Millionen von Kindern über viele Generationen hinweg.

Mathilde Danegger wird am 02. August 1903 in Wien geboren. Ihr Vater ist der Schauspieler Josef Danegger, der sich als Charakterdarsteller am Burgtheater in Wien einen Namen macht und auch als Theaterregisseur, unter anderem am Züricher Theater arbeitet. Ihr Bruder ist der Schauspieler Theodor Danegger. Bereits mit 9 Jahren steht sie auf der Theaterbühne, will unbedingt den Beruf ihres Vaters ergreifen. Dafür nimmt sie Schauspielunterricht. Früh macht sie auf sich aufmerksam, spielt in Berlin, Wien und Brünn. Nach und nach erarbeitet sie sich ein umfangreiches Repertoire, gehört zu den Stützen der Ensembles.

1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigriert Mathilde Danegger in die Schweiz. Hier arbeitet sie unter anderem am Zürcher Schauspielhaus. Auch im politischen Kabarett macht sie sich einen Namen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geht sie 1951 nach Berlin, Bertolt Brecht holt sie an das Berliner Ensemble. In der Inszenierung von "Der zerbrochen Krug" spielt sie Marthe Rull, im "Das Glockenspiel des Kremls" Frau Sabelin. Danach wird die Mitglied des Deutschen Theaters und bleibt der Bühne über Jahre treu. Sie arbeitet mit Wolfgang Langhoff zusammen, wird eine feste Größe für das Theaterpublikum durch ihre Auftritte als Mrs. Henderson in "Harfe und Gewehr" nach Sean O'Casey, als Millerin in "Kabale und Liebe" nach Friedrich Schiller oder als Daja in "Nathan der Weise" nach Ephraim Lessing. Sie überzeugt in dramatischen wie in komischen Rollen. Mit zunehmendem Alter wächst sie in Mütter- und Großmütterrollen hinein, spielt diese mit großem Ausdrucksvermögen.

Den Film entdeckt Mathilde Danegger bereits in den 1920er Jahren. Sie zieht das Theater dem neuen Medium aber immer wieder vor. Während ihrer Emigration in der Schweiz wirkt sie ebenfalls an einigen Filmen mit. Ab den 1960er Jahren ist sie mehr und mehr bei der DEFA und beim Fernsehen der DDR präsent. Besonders den jüngeren Zuschauern bleibt sie als gutmütige FRAU HOLLE (1963) von Gottfried Kolditz in Erinnerung. In der werkgetreuen und phantasievollen Inszenierung strahlt sie Ruhe und Souveränität aus.

In der DEFA-Komödie ACH DU FRÖHLICHE ... (1962) von Günter Reisch verkörpert sie die verständnisvolle Großmutter. Zwanzig Jahre später ist sie ebenfalls in der Fortsetzung WIE DIE ALTEN SUNGEN... (1987), wieder unter der Regie von Günter Reisch, zu sehen. Sie spielt an der Seite von Erwin Geschonneck dessen Ehefrau und muss sich mit den typischen Problemen einer DDR-Familie beschäftigen. In dieser Rolle der Großmutter wird sie mehrfach zu sehen sein, immer mit den Attributen wie gutmütig, großherzig und selbstlos abonniert. Im Fernsehen tritt sie in den populären Sendungen wie "Polizeiruf 110" auf. Eine ihrer Paraderollen wird die "Mutter Jantschowa" (1968) nach Jurij Brezan. Neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit bei Film und Theater arbeitet die Darstellerin als Honorarkraft an der Berliner Schauspielschule und kümmert sich um den Nachwuchs.

Mathilde Danegger ist in erster Ehe ist sie mit dem Schweizer Regisseur, Dramaturgen und Autor Walter Lesch verheiratet. Ihre gemeinsame Tochter Karin Lesch (geb. 1935) wird ebenfalls Schauspielerin. Nach der Trennung lernt sie in der Emigration den Kommunisten und Gesellschaftswissenschaftler Herbert Crüger kennen, der später auch in der DDR tätig sein wird. Als ihr Ehemann nach dem 20. Parteitag der KPdSU im März 1958 verhaftet wird, muss sie sich politischen Diskussionen stellen. Sie hält aber an ihrem Ehepartner fest, der für drei Jahre in Bautzen inhaftiert wird. Die Schauspielerin engagiert sich auch weiterhin politisch, arbeitet in der Gewerkschaft mit.

Mathilde Danegger stirbt am 27. Juli 1988 in Berlin.

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