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Judith Kaufmann

Judith Kaufmann
Drehbuch, Kamera

* 20. September 1962
Stuttgart
Deutschland

JUDITH KAUFMANN • Biographie Seite 1/1

Judith Kaufmann ist die erste Frau, die den renommierten "Marburger Kamerapreis" erhalten hat. Damit hat sie sich in einem Beruf durchgesetzt, der noch immer von Männern dominiert wird. Die Kamerafrau hat konsequent auf eine Bildlichkeit zugearbeitet, die den neuen deutschen Film mitprägt. Sie erzählt ihre Geschichten mit und durch Bilder, finde immer wieder individuelle Einstellungen, die an Klischees und Standards vorbeilaufen. Bei all ihren Filmen ist sie auf der Suche nach Wahrhaftigkeit, die der Wirklichkeit nahe kommen sollen.

Judith Kaufmann wird am 20. September 1962 in Stuttgart geboren. Ihre Familie zieht nach Berlin (West), wo sie aufwächst und die Schule besucht. Bereits in ihrer Jugend interessiert sie sich für Fotografie. Nach ihrem Abitur erlernt sie den Beruf einer Kamera-Assistentin an der Staatlichen Fachschule für Foto, Optik und Film (SFOF) in Berlin. Als erstes arbeitet sie nach dem Studium bei dem Kameramann Thomas Mauch als Materialassistentin, wirkt bei dem Film DOMINO (1982) von Thomas Brasch mit.

Nach dieser ersten Arbeit konzentriert sich Judith Kaufmann verstärkt auf den Film. Über zehn Jahre von 1982 bis 1991 ist sie als Kamera-Assistentin bei zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen beteiligt, unter anderem wirkt sie bei 14 Kinofilmen und acht Dokumentationen mit. Als Assistentin, Operator oder an der 2. Kamera arbeitet und lernt sie unter anderem bei den bekannten Bildgestaltern Gernot Roll, Raoul Coutard, Jürgen Jürges, Axel Block und Heinz Pehlke. Anfang der 1990er Jahre wird sie Chefkamerafrau.

Seitdem gehört Judith Kaufmann zu den angesehensten Kamerafrauen Deutschlands, setzt sich in dem Beruf, der immer noch von Männern dominiert ist, durch. Viele ihrer Arbeiten werden ausgezeichnet, ihre Bildgestaltung besonders gelobt. Unter der Regie von Stefan Schneider führt sie die Kamera bei dem Kurzfilm DER STEUERMANN (1995), für den sie beim Europäischen Kurzfilmwettbewerb den Preis für die Beste Kamera erhält. Für ihre Kameraleistung bei dem Fernsehspiel ALLES WIRD GUT (1998) von Angelina Maccarone wird sie 1998 für den Deutschen Kamerapreis nominiert. 2000 erhält sie den Femina Film-Preis beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken für ihre Arbeit beim TV-Film DRACHENLAND (2000) unter der Regie von Florian Gärtner. Zur Begründung heißt es, dass ihre Kamera präzise und unprätentiös die Handlung des Films unterstützt und den Schauspielern genügend Raum durch ihre stimmige Lichtsetzung und einfühlsame Kamerabewegung lässt. Für diese Leistung erhält sie auch eine weitere Nominierung für den Deutschen Kamerapreis.

Mehrfach arbeitet Judith Kaufmann mit Regiedebütanten und jungen Regisseuren zusammen, gilt als experimentierfreudige Bildgestalterin, die sich nicht an fest gefügten Klischees orientiert. Bisher dreimal führt sie die Kamera für die Regisseurin Vanessa Jopp, bei den beiden Kinofilmen VERGISS AMERIKA (2000) und ENGEL UND JOE (2001) sowie beim Tatort-Fall DER SCHWARZE TROLL (2003). Besonders das Punk-Märchen ENGEL UND JOE (2001) erregt Aufmerksamkeit, da Judith Kaufmann mit der Handkamera hart, grau und authentisch die Lebensrealität und das Lebensgefühl der zwei jungen Protagonisten einfängt, dicht bei ihnen bleibt. Auch mit der subtilen Lichtdramaturgie schafft sie eine atmosphärische Dichte.

Mit der Regisseurin Angelina Maccarone hat die Kamerafrau bereits beim Fernsehspiel ALLES WIRD GUT (1998) zusammengearbeitet, später folgt der Film FREMDE HAUT (2005), bei dem Judith Kaufmann auch am Drehbuch schreibt. Hier enthüllt die Kamera leise und gekonnt die alltäglichen Schwierigkeiten, die ein Exil in Deutschland mit sich bringen. Gelobt wird - wie bei anderen Arbeiten von Judith Kaufmann auch - der Respekt, mit der die Kamera den Figuren begegnet. Der Film wird mit dem Hessischen Filmpreis 2005 ausgezeichnet. Die derzeit letzte Zusammenarbeit von Regisseurin und Kamerafrau ist der Frauen-Drama VIVERE (2007) mit Hannelore Elsner in der Hauptrolle, das beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen seine Premiere feiert.

Mit Regisseur Lars Büchel dreht sie die Komödie JETZT ODER NIE - ZEIT IST GELD (2000). Ihr größter gemeinsamer Erfolg wird ERBSEN AUF HALB 6 (2004), ein deutsches Road Movie mit zwei blinden Protagonisten, wo es den Filmemachern mit viel Gespür für Atmosphäre gelingt, die Geschichte mittels einprägsamen Bildern zu erzählen. 2003 erhält Judith Kaufmann den Bayerischen Filmpreis für ihre Kameraarbeit beim Fernsehfilm ELEFANTENHERZ (2001) unter der Regie von Züli Aladag. Wieder vertraut ihr ein junger Regisseur seinen Erstlingsfilm an. Die Geschichte um einen 19-jährigen Duisburger, der sich im Leben und im Ring durchboxen will, ist gekonnt in Szene gesetzt. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Kamera-Assistenten Henrik Sauer entwirft sie einen Vorsatz auf der Kamera, der es dem Hauptdarsteller Daniel Brühl scheinbar ermöglicht, direkt in die Kamera zu schlagen. Dynamik, Wucht und Energie des Boxens werden so für den Zuschauer deutlich spürbar. Dafür erhält sie 2003 den Bayerischen Filmpreis.

Den Regie-Debütanten Chris Kraus unterstützt sie bei seinem exzessiven Familien- und Seelendrama SCHERBENTANZ (2002). Hier gelingt es der Kamerafrau mittels unterschiedlicher Brennweiten, die Spannung zwischen Nähe und Distanz der Figuren deutlich zu machen. Für ihre Leistung wird sie 2003 mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet. Nochmals arbeiten beide bei VIER MINUTEN (2006), den Gewinner des Deutschen Filmpreises 2007, zusammen. Hier wird die Geschichte oft von der Kraft der Bilder getragen, die Kamerafrau findet für jede Szene eine individuelle Fotografie. Der Film bietet aufwühlende Musikstücke, virtuose Kamerafahrten und Einstellungen, die zudem präzise geschnitten sind. Der Lohn für die Arbeit ist unter anderem die wiederholte Nominierung für den Deutschen Kamerapreis sowie eine Nominierungen für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Beste Kamera.

2006 wird die Gesamtleistung von Judith Kaufmann mit dem "Marburger Kamerapreis" gewürdigt. Die Auszeichnung wird an bedeutende, nationale und internationale Bildgestalter vergeben und mit Judith Kaufmann erhält sie erstmals eine Frau.

Judith Kaufmann lebt in Berlin.

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