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Steven Soderbergh

Steven Soderbergh
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Produzent, Ausführender Produzent

* 14. Januar 1963
Atlanta (Georgia)
USA
andere Namen Peter Andrews

STEVEN SODERBERGH • Biographie Seite 1/1

Mit seinem Film SEX, LÜGEN UND VIDEOS (1989) wird Steven Soderbergh euphorisch als Regie-Talent des amerikanischen Independent-Films gefeiert, aber seine nächsten Filme können an sein Erstlingswerk nicht anschließen. An seiner Filmographie spiegelt sich das schwierige Verhältnis zwischen Kunst und Kommerz. Erst mit dem Blick auf einen Umweltskandal ERIN BROCKOVICH (2000) und dem Drogendrama TRAFFIC (2000), mit denen er gleich zweimal als Bester Regisseur für den Oscar nominiert wird, erfüllt er für Hollywood die Erfolgskriterien. Seitdem gilt er als cleverer Geschichtenerzähler, der in bester Hollywood-Tradition souverän und intelligent unterhält.

Steven Soderbergh wird am 14. Januar 1963 in Atlanta (Georgia) geboren. Seine Kindheit verbringt er in Baton Rouge, Louisiana. Sein Vater arbeitet dort als Dekan des staatlichen Universitäts-College von Louisiana; zur Familie gehören insgesamt sechs Kinder. Die Filmleidenschaft seiner Eltern übernimmt er. Bereits während seiner Schulausbildung an der High School schreibt er sich an der Universität für die Animationsklasse ein. Mit 13 Jahren dreht er seinen ersten Kurzfilm auf 16mm.

Nach dem Abschluss der High School geht er als 18-jähriger nach Los Angeles und arbeitet als freier Cutter in Hollywood bei der Fernsehserie GAMES PEOPLE PLAY. Hollywood liegt dem jungen Künstler aber nicht, er kehrt nach Baton Rouge zurück. Hier dreht er weitere Kurzfilme, arbeitet an Drehbüchern und fährt für Cutter-Arbeiten gelegentlich nach Hollywood. Mitte der 80er Jahre dreht er eine Dokumentation über die Rockgruppe "Yes". Aus dem Projekt wird der Konzertfilm 9012 LIVE (1985), der auf MTV läuft und im selben Jahr für den Grammy als Bester Langfilm nominiert wird.

Nach dem Erfolg nimmt die Produktionsfirma Tristar ihn für ein Drehbuch zu seinem Film und einem Musical unter Vertrag. Beide Projekte zerschlagen sich. Aber Steven Soderbergh dreht weiter Kurzfilme: WINSTON (1987) bildet die Vorlage zu SEX, LÜGEN UND VIDEOS (1989). Hier scheitert eine junge Ehe an der fehlenden Offenheit in der Beziehung. Witzig und für amerikanische Verhältnisse freimütig, intelligent und emotional erzählt der Film von Partnerschaft und Sexualität, blickt auf eine junge Generation in Amerika. Der Film gewinnt auf dem Filmfestival in Cannes die Goldene Palme sowie den Preis der Internationalen Filmkritik. Er ist mit 26 Jahren der jüngste Regisseur, der bislang die Goldene Palme erhalten hat. Auch der Hauptdarsteller James Spader wird als Bester Darsteller ausgezeichnet. In Amerika feiert das Werk ebenso Erfolge, erhält unter anderem eine Oscar-Nominierung als Bester Film.

Von 1991 bis 1996 dreht Steven Soderbergh fünf Filme: Einen Misserfolg nach dem Anderen. Anfang der 1990er Jahre erscheint der Schwarzweißfilm KAFKA (1991) mit Jeremy Irons in der Hauptrolle. Erzählt wird keine klassische Filmbiographie sondern die Geschichte einer Mordserie, die der Schriftsteller aufdeckt. Wichtiger als biographische Fakten ist dem Regisseur ein Zeitgemälde, versetzt mit Zitaten aus den Werken des Autors und der vorherrschenden Stilrichtung, dem Expressionismus. Der Film entsteht an Orginalschauplätzen in Prag, in den Prager Barrandov-Studios und den Pinewood-Studios in England. KAFKA (1991) verspricht intellektuelles Arthouse-Kino, wird aber von der damaligen Kritik zum größten Teil wegen seines uneinheitlichen Charakters zerrissen. Danach folgt die kleinere Arbeit DER KÖNIG DER MURMELSPIELER (1993) nach den Memoiren des Autors A. E. Hotchner. Erzählt wird von einem 12jährigen Jungen, der in der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre auf sich allein gestellt ist. Familie und Happy End werden wie ein Wunder herbeigezaubert. Der film noir-Thriller DIE KEHRSEITE DER MEDAILLE (1995) ist ein Remake des Klassiker GEWAGTES ALIBI (1948) von Robert Siodmak und erzählt die Geschichte von Michael Chambers, der seine Ex-Ehefrau zurückgewinnen will, die mittlerweile mit einem Gangster verheiratet ist. Auch der Monologfilm GRAYS ANATOMY (1996) kann nicht überzeugen. Hier reflektiert Spalding Gray über sein Augenleiden und versucht, alternative Heilungsmethoden zu finden. Interessant, aber wieder ein Flop an den Kinokassen wird SCHIZOPOLIS (1996). Ein Ghostwriter hat einen Doppelgänger, der mit seiner Frau eine Affäre beginnt. Die stilistischen Vorzüge aller Filme werden von den meisten Kritikern gelobt, in ihnen deuten sich seine späteren Erfolge bereits an.

Erst mit der komödiantischen Gangsterkomödie OUT OF SIGHT (1998) kann der Regisseur Kritiker wie Publikum wieder überzeugen. Erzählt wird von einem Bankräuber, der sich in eine Polizistin verliebt. Das dies auch umgekehrt der Fall ist, entwickelt sich die Sache trotz bösen Gangstern zu einer echten Liebesgeschichte. Zwischen George Clooney und Jennifer Lopez stimmt die Chemie; zwischen Action, Komödie und romantischer Liebesgeschichte wandelt der Film stilsicher daher, ist unterhaltsam und spannend. THE LIMEY (1998) erzählt von einem Ex-Zuchthäusler (brillant gespielt von Terence Stamp), der den Tod seiner Tochter rächen will. Kritiker entdecken zahlreiche Anspielungen auf die 60er-Jahre und loben die kunstvolle Verschachtelung der Geschichte, kritisieren aber auch die seltsame Kälte, die von seinen Konstruktionen ausgeht.

Erst mit dem Blick auf einen Umweltskandal ERIN BROCKOVICH (2000) und dem Drogendrama TRAFFIC (2000), mit denen er gleich zweimal als Bester Regisseur für den Oscar nominiert wird, erfüllt er für Hollywood die Erfolgskriterien. ERIN BROCKOVICH (2000) schildert den Kampf einer allein erziehenden Mutter um Job und Anerkennung, erzählt außerdem die Geschichte eines Umweltskandals, den sie aufdeckt. Ganz auf Julia Roberts zugeschnitten, ist dies einer der erfolgreichsten Filme des Regisseurs. Gelobt wird der einfache und glaubhafte Realismus, mit dem Steven Soderbergh seinen Film ausstattet. TRAFFIC (2000) verknüpft intelligent und fassettenreich drei Handlungsstränge um Drogenkartelle und Dealer, Korruption und Politiker, Täter und Opfer quer durch die amerikanische Gesellschaft. Ehrlicher und kritischer als manch anderer Film setzt sich der Regisseur mit dem Problem auseinander, zeigt, wie tief die Gesellschaft im Drogensumpf versunken ist. Beide Filme gehören zu den erfolgreichsten des Jahres, werden mehrfach ausgezeichnet. Für TRAFFIC (2000) erhält Steven Soderbergh den Oscar als Bester Regisseur.

Mit dem Remake OCEANS ELEVEN (2001) nach der Gaunerkomödie FRANKIE UND SEINE SPIEßGESELLEN (1960) dreht der Regisseur seinen bislang größten Publikumserfolg; Stars wie Brad Pitt, George Clooney, Julia Roberts und Matt Damon locken Millionen ins Kino. Erzählt wird von einem brillanten Coup: Gleich drei Casinos in Las Vegas werden zur gleichen Zeit ausgeraubt. Der Film bietet perfekte Unterhaltung und ist zudem raffiniert komponiert sowie leicht und elegant erzählt. Im Nachfolger OCEANS TWELVE (2004) werden die erfolgreichen Gangster aufgespürt und müssen nun mit diversen Raubzügen in Europa nötiges Geld besorgen. Zwar tadeln Kritikern beim zweiten Teil das Zuviel des Films, aber das Publikum lässt sich nochmals von dem darstellerischen Ensemble überzeugen. Für den Sommer 2007 ist OCEANS THIRTEEN (2007) (OCEANS THIRTEEN (2007) Trailer) angekündigt.

Der Arbeitseifer des Regisseurs ist danach ungebrochen. In VOLL FRONTAL (2002) blickt der Regisseur auf Hollywood als Albtraumfabrik, sieben Menschen kreuzen ihre Wege in der Filmmetropole. Realität und Fiktion sind in dem Film, der in Dogma-Stil gedreht ist, kaum zu unterscheiden - ein Kassenerfolg wird er nicht. Auch dem nächsten Film SOLARIS (2002) bleibt der große Erfolg versagt. Der Regisseur beschäftigt sich mit den philosophischen Dimensionen des Stoffes von Stanislaw Lem, vernachlässigt dabei das typische Science Fiction-Setting. Sein Thriller BUBBLE (2005), der im Arbeitermilieu spielt, gelangt bisher nicht in die deutschen Kinos; es ist der erste Film, der in Kino, TV und DVD gleichzeitig herauskommt und somit eine "Revolution" auf dem heiß umkämpften Kinomarkt darstellt.

Mit seinem aktuellen Film THE GOOD GERMAN (2006) (THE GOOD GERMAN (2006) Trailer) ist Steven Soderbergh auf der Berlinale präsent. Der amerikanische Journalist Jake Geismer (gespielt von George Clooney) wird zur Potsdamer Konferenz ins Nachkriegs-Berlin geschickt und will dort versuchen, seine verloren geglaubte Liebe Lena Brandt wieder zu finden. Hier gerät er in einen gefährlichen Mordkomplott. Derzeit befindet sich in Produktion der Film GUERILLA (2008), die nach den gerade freigebenen CIA-Dokumenten, die Geschichte Che Guevara nacherzählt. Der Revolutionär wird von Benicio del Toro, Fidel Castro von Javier Bardem verkörpert. Mit von der Partie ist auch Franka Potente als Che Guevaras (ost-)deutsche Freundin und Kampfgefährtin Tamara Bunke.

Seit Mitte der 90er Jahre tritt Steven Soderbergh auch verstärkt als Produzent auf. Er arbeitet mit Regisseuren wie Gregory Mottola, Gary Ross und David Siegel zusammen. Außerdem schreibt er Drehbücher für seine Kollegen, unter anderem verfasst er das Remake FREEZE - ALPTRAUM NACHTWACHE (1997) von Ole Bornedal. Er protegiert junge Regisseure, tritt als Produzent unter anderem bei dem erfolgreichen Polit-Thriller SYRIANA (2005) von Steve Gaghan auf. Gemeinsam mit Schauspieler und Regisseur George Clooney gehört er zu den Hollywood-Filmemachern, die für interessantes Politkino stehen.

Steven Soderbergh ist in erster Ehe mit der Schauspielerin Betsy Brantley verheiratet. Sie habe ein gemeinsames Kind, Tochter Sarah (geb. 1990). Die Ehe wird 1994 geschieden. Seit 2004 führt der Regisseur mit der Schauspielerin Jules Asner eine Ehe.

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Autorin: Ines Walk
Stand: November 2007

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