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Otto Rippert

Otto Rippert
Regie, Drehbuch, Schnitt, Darsteller

* 22. Oktober 1869
Offenbach
Deutschland
† 18. Januar 1940
Berlin
Deutschland

OTTO RIPPERT • Biographie Seite 1/1

Der Schauspieler, Regisseur und Schnittmeister Otto Rippert ist ein Pionier des deutschen Stummfilms. Zudem ist er in den 10er Jahren einer der kommerziell erfolgreichsten Regisseure. Seine sechsteilige Serie über den Vernichtungsfeldzug eines künstlichen Menschen, die 1916 mit HOMUNCULUS - 1. TEIL (1916) beginnt, nimmt inhaltlich Schwerpunkte des Fantastischen Films vorweg. Nach weiteren Erfolgen Anfang der 20er Jahre - dreimal arbeitet er mit Fritz Lang zusammen, dessen Drehbücher er verfilmt - sinkt der Stern des Regisseurs, er kann mit den neuen künstlerischen Ausdrucksformen nicht mithalten.

Otto Rippert wird am 22. Oktober 1869 in Offenbach geboren. Über seinen familiären Hintergrund ist derzeit nichts bekannt. Er beginnt um 1889 in Meißen als Theaterschauspieler zu arbeiten. Danach wandert er durch die Provinz und spielt an verschiedenen kleineren Bühnen, ist unter anderem in Eisleben, Riga und München zu sehen. In München ist er kurz vor der Jahrhundertwende auch als Regisseur beschäftigt. Otto Rippert versucht sein Glück auch in London, kehrt aber nach einem Jahr auf die deutschen Bühnen zurück, spielt in Nürnberg, Forst und Bamberg.

Um 1906 kommt der Darsteller erstmals mit dem Film in Kontakt. Angeblich ist er als Dolmetscher für ein französisches Team tätig, arbeitet zugleich als Regie-Assistent bei der Filmproduktion mit. Nach einer längeren Pause verläßt er um 1910 seine letzte Theater-Spielstätte Bamberg und geht nach Berlin, wo er sich ganz auf den Film konzentriert. Für die Continental-Kunstfilm GmbH debütiert er erstmals als Darsteller in IN NACHT UND EIS (1912) vor der Kamera. Erzählt wird die Geschichte vom Untergang der Titanic. Bereits bei seinem zweiten Film führt er Regie. In dieser Funktion wird er in den 10er Jahren zu einem der meistbeschäftigten Regisseure in Deutschland, ab und an wird er auch die Drehbücher zu seinen Filmen schreiben. Er produziert für ein Massenpublikum, inszeniert Lustspiele, Melodramen und Sensationen. Der Name Otto Rippert steht für Massenunterhaltung, die schnell und kostengünstig produziert wird.

Otto Rippert wird bei der jungen Deutschen Bioscop GmbH, die sich gerade eines der modernsten Filmstudios in Europa in Babelsberg gebaut hat, und später bei der Decla-Bioscop angestellt. Hier inszeniert er in der Zeit des I. Weltkrieges und danach. Dabei hat er eine glückliche Hand in der Wahl seiner Hauptdarsteller. Er arbeitet mit dem jungen Curt Bois in BZ-MAXE & CO. (1916) zusammen, setzt die Schauspielerin Hella Moja mehrfach ins rechte Licht und verschafft dem Schauspieler Olaf Fönss ungeahnten Star-Ruhm.

Mitte der 10er Jahre hat Otto Rippert mit seiner sechsteiligen Homunculus-Serie ungeahnten Erfolg. In dem Film wird die Geschichte eines künstlichen Menschen erzählt, den der Wissenschaftler Hansen und sein Assistent Rodin in der Retorte zeugen. Zunächst entspricht die Kunstfigur noch ganz dem Idealtyp Mensch, hat geniale Fähigkeiten. In den sechs Teilen ändert sich dies. Als Homunculus erfährt, daß er kein wirklicher Mensch ist, wandert er ruhelos durch die Welt, auf der Suche nach Liebe. Da er diese bei den Menschen nicht findet, verwandelt er sich in einen Diktator. Der dänische Schauspieler Olaf Fönss wird in der Titelrolle zum Star in Deutschland. Die Filmemacher, Otto Rippert als Regisseur, Robert Reinert als Drehbuchautor, Carl Hoffmann an der Kamera und Robert A. Dietrich als verantwortlicher Szenenbildner, legen mit HOMUNCULUS - 1. TEIL (1916) einen der ersten populären Filme zum Thema vor, legen Elemente des Fantasy-Films fest. Verschiedene Stilelemente wie etwa die Licht-Schatten-Kontrastierung oder inhaltliche Schwerpunkte wie die Persönlichkeitsspaltung sind Vorbilder für den später folgenden Expressionismus.

In der Folge wird Otto Rippert einer der kommerziell erfolgreichsten Regisseure der Zeit. Aus seinen zahlreichen Werken ragt das Sozialdrama DER WEG, DER ZUR VERDAMMNIS FÜHRT - 1. TEIL: DAS SCHICKSAL DER AENNE WOLTER (1918) heraus. Erzählt werden die Abenteuer zweier Mädchen, die Mädchenhändlern in die Hände fallen und in die weite Welt verschleppt werden. Der Absturz in die Prostitution ist die Folge. Der Film zählt zu den damals typischen Aufklärungsfilmen, hier übernimmt das Deutsche Nationalkomitee zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels die Schirmherrschaft.

1919 inszeniert Otto Rippert nach einem Drehbuch von Fritz Lang den Film DIE PEST IN FLORENZ (1919), der als erster Film der "Decla-Weltklasse" produziert wird. Die Herstellungskosten werden in der Fachpresse mit 1 Million Reichsmark angegeben. Anzeigen der Decla zitieren die "Danziger Neuesten Nachrichten", die in ihrer Ausgabe vom 24.10.1919 ein "Massenaufgebot von über 10 000 Mitwirkenden" konstatieren. Der Kameramann Willy Hameister setzt das Thema opulent um, die Architekten Hermann Warm, Walter Röhrig und Walter Reimann bauen auf dem Gelände von Babelsberg eine gigantische Renaissance-Stadt auf. Der Film gilt als frühes Beispiel des historischen Monumentalfilms aus Deutschland.

Zwar ist Otto Rippert auch Anfang bis Mitte der 20er Jahre noch als Regisseur tätig, aber er kann an seine künstlerischen Erfolge nicht mehr anknüpfen. Er arbeitet wieder als Theater-Regisseur, unter anderem in Breslau, später ist er in München tätig. Zu Beginn der Ära des Tonfilms wechselt er den Beruf und ist nunmehr als Ton-Schnittmeister für die UFA und die Afifa beschäftigt.

Otto Rippert stirbt am 18. Januar 1940 im Alter von 71 Jahren in Berlin.

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