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Hermann Warm

Hermann Warm
Architektur

* 05. Mai 1889
Berlin
Deutschland
† 15. Mai 1976
Berlin
Deutschland

HERMANN WARM • Biographie Seite 1/1

Hermann Warm hat an mehr als 150 Filmen mitgearbeitet. Er zählt zu den bedeutenden deutschen Filmarchitekten, die in der klassischen Stummfilmzeit mit ihren Bauten die Atmosphäre der Filme optimal unterstützen. Sein Ruf als hervorragender Architekten begründet sich mit DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920). In der Folge zählt er zu den wichtigsten Szenenbildner. Gelobt werden seine Nuancen und Details, mit denen er Szenerien beleben kann. Dabei spielen sich - außer bei Caligari - die Dekorationen nie in den Vordergrund, sondern unterstützen das Handlungsgeschehen und reflektieren häufig innere Zustände der Protagonisten.

Hermann Warm wird am 05. Mai 1889 in Berlin geboren. Sein Vater ist Kaufmann. Nach seiner Schulausbildung absolviert er bei dem Theaterausstatter Hugo Baruch eine Ausbildung als Kulissenmaler. Die Arbeit interessiert ihn, er besucht danach die Kunstgewerbeschule in Berlin. Erste Erfahrungen als Theaterausstatter sammelt der junge Künstler in Düsseldorf. Er arbeitet am dortigen Schauspielhaus. Danach arbeitet er als Theatermaler an verschiedenen Bühnen in Deutschland, bis es ihn in seine Heimatstadt Berlin zurück zieht.

1912 wird Hermann Warm von der Produktionsfirma Vitascope als Szenenbildner engagiert. Zu dieser Zeit zählt die Vitascope zu den wichtigsten Firmen, sie hat gerade ein neues Dach-Atelier in der Berliner Lindenstraße eröffnet. Bei der Vitascope arbeiten unter der Geschäftsführung von Jules Greenbaum solche bekannte Regisseure wie Max Mack, Harry Piel oder Rudolf Meinert. Hermann Warm entwirft und baut die Kulissen für Filme wie DER SPION (1913) und DER HUND VON BASKERVILLE - 1. TEIL (1914). Nach Beginn des I. Weltkriegs wird Hermann Warm 1915 eingezogen.

1919 ist Hermann Warm wieder beim Film beschäftigt, er arbeitet unter anderem unter Erich Pommer bei der Decla. Mit dem deutschen Film-Expressionismus beginnt der berufliche Aufstieg des Architekten. Gemeinsam mit den Walter Reimann und Walter Röhrig konzipiert und baut er Dekorationen für DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) unter der Regie von Robert Wiene. Das Team entscheidet sich, die Kulissen direkt auf Wände, Stoffe und Fußböden zu malen. Angelegt an dem Stil der Malerei fallen die Häuser gegeneinander, Rechtwinkliges wird schief und das Gespenstische tritt offen zutage. Das Dekor wird zu einem der Hauptausdrucksmittel des Films, Hermann Warm postuliert: "Das Filmbild muß graphisch werden." Der internationale Erfolg des Films läßt sich unter anderem auch durch die expressionistischen Dekorationen begründen, erstmals wird deutsche Filmkunst in der Welt wahrgenommen. Hermann Warm arbeitet auch weiter mit Robert Wiene zusammen. Es entsteht unter anderem DIE JAGD NACH DEM TODE - 1. TEIL (1920) sowie drei weitere Teile dieser exotischen Geschichte.

In der Folge kann sich Hermann Warm seine Filme aussuchen. Er arbeitet mit Fritz Lang zusammen. In DER MÜDE TOD (1921) entwirft er gemeinsam mit den Architekten Walter Röhrig und Robert Herlth vier verschiedene Szenarien, in denen sich die Hauptfigur, gespielt von Lil Dagover, um das Leben eines Menschen bemüht. Eine intensive Zusammenarbeit und Freundschaft ergibt sich mit dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau. Gemeinsam arbeiten sie an den Filmen SCHLOß VOGELÖD (1920) und PHANTOM (1922). In letzterem entwirft Hermann Warm unter anderem die sogenannte "Schattenstraße", eine Häuserfront, deren gegenüberliegende Seite große Schatten auf die Straße wirft.

Ab 1924 arbeitet der Architekt in Frankreich, England und Ungarn. Der dänische Regisseur Carl Theodor Dreyer engagiert den Szenenbildner für seinen Film JOHANNA VON ORLEANS (1927), der in Frankreich entsteht. Für viele Cineasten ist der Stoff derart unvergleichlich in Szene in gesetzt, daß im Vergleich dazu alle späteren Versuche einer filmischen Adaption gescheitert sind. Nochmals arbeiten beide bei VAMPYR (1931) zusammen. In dem Film reflektiert das Dekor direkt die Instabilität und die Beziehungen der Figuren. Obwohl der Film im Gegensatz zu anderen seines Genres keine direkten Gewalttaten zeigt, erzeugen die düstere Beleuchtung und die sich überall bewegenden Schatten eine Atmosphäre ständiger Bedrohung.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 bleibt der Künstler in Deutschland, kann aber an seine Stummfilmerfolge nicht mehr anschließen. Mehrfach ist er an Unterhaltungsstreifen beteiligt. Schon 1926 ist er als Architekt bei dem Remake von DER STUDENT VON PRAG (1926) dabei, auch die nächste Verfilmung von 1935 wird von ihm als Szenenbildner betreut. Mehrmals arbeitet er mit dem Regisseur Veit Harlan zusammen, schafft die Dekorationen von VERWEHTE SPUREN (1938) oder JUGEND (1938).

Nach Ende des II. Weltkrieges ist die erste Filmarbeit für Hermann Warm die DEFA-Produktion WOZZECK (1947). Unter der Regie von Georg C. Klaren entsteht ein an den Expressionismus angelegtes Filmwerk. Die Produktion bleibt die einzige für den Architekten im Ostteil Deutschlands. In der Folge arbeitet er in Westdeutschland. Helmut Käutner engagiert Hermann Warm für seinem Film KÖNIGSKINDER (1949). Danach arbeitet Hermann Warm bei weniger interessanten Filmproduktionen mit. Im Alter von 70 Jahren zieht er sich aus dem Filmgeschäft zurück.

Hermann Warm setzt sich als einer der ersten Bühnenbildner für die Etablierung des noch neuen Berufsbildes des Szenenbildners ein. Er stirbt am 15. Mai 1976 in seiner Heimatstadt Berlin.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Mai 2006

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