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Rochus Gliese

Rochus Gliese
Regie, Drehbuch, Architektur, Kostüm, Darsteller

* 06. Januar 1891
Berlin
Deutschland
† 22. Dezember 1978
Berlin
Deutschland

ROCHUS GLIESE • Biographie Seite 1/1

Der Filmarchitekt Rochus Gliese ist an einigen der wichtigsten deutschen Stummfilm-Klassiker beteiligt. Er entwirft und baut wiederholt die Szenerien für Regisseure wie Paul Wegener und Friedrich Wilhelm Murnau. Der Architekt zählt zu den Vorreitern des filmischen Expressionismus in Deutschland, gehört später zu dessen bedeutensten Vertretern.

Rochus Gliese wird am 06. Januar 1891 in Berlin geboren. Über seine familäre Herkunft ist derzeit nichts bekannt. Nach seinem gymnasialen Abschluß 1909 studiert er 2 Jahre am Staatsmuseum für Kunst und Gewerbe in Berlin. Nach seinem Studium beginnt er als Köstümzeichner zu arbeiten, bis 1913 ist er bei Leo Impekoven beschäftigt. Er arbeitet am verschiedenen Bühnen in Berlin, u.a. dem Lessingtheater oder dem Deutschen Künstlertheater. Später wird er immer auch für das Theater arbeiten, bis 1944 für das Staatliche Schauspielhaus unter der Leitung von Gustaf Gründgens und auch für das Burgtheater in Wien. Aber vorher entdeckt er seine Leidenschaft für das neue Medium Film.

Rochus Gliese kommt mit dem Schauspieler Paul Wegener in Kontakt, der ebenfalls gerade den Film als neue Ausdrucksmöglichkeit entdeckt. Zwischen beiden kommt es zu einer jahrelangen, intensiven Zusammenarbeit. Ihr erster gemeinsamer Film wird der Klassiker DER GOLEM (1915), der heute leider verschollen ist. Für weitere Märchenfilme des Regisseur baut Rochus Gliese die imposanten Kulissen und schneidert die Köstume, unter anderem für DER RATTENFÄNGER VON HAMELN (1918) oder HANS TRUTZ IM SCHLARAFFENLAND (1917). Für DER GOLEM, WIE ER AUF DIE WELT KAM (1920) entwirft er die Köstüme.

Ab 1916 arbeitet Rochus Gliese auch selbst als Regisseur. Anfangs übernimmt er Regieaufgaben, wenn sein künstlerischer Partner Paul Wegener vor der Kamera steht. Zu seinen bekanntesten Filmen in den 10er Jahre gehören RÜBEZAHLS HOCHZEIT (1916) oder DER GOLEM UND DIE TÄNZERIN (1917). Später dreht er auch unabhängig von seinem Freund und Kollegen. Mit APOKALYPSE (1918) inszeniert er einen der ersten Antikriegsfilme im Auftrag des Auswärtigen Amtes.

Mit dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau verbindet ihm ebenfalls eine langjährige Zusammenarbeiten. Seit Beginn der 20er Jahre arbeitet Rochus Gliese mit ihm zusammen. Bei den Produktionen DER BRENNENDE ACKER (1922) und DIE FINANZEN DES GROßHERZOGS (1924) ist er beteiligt. Gemeinsam gehen auch beide nach Hollywood. Dort entsteht der Film SUNRISE (1927), für den der Architekt für einen der ersten Oscars nominiert wird. Leider erhält er die kleine Statur nicht, aber der Film kann trotzdem zwei Oscars sein Eigen nennen. Obwohl SUNRISE (1927) ein überaus großer künstlerischer Erfolg wird, kann Rochus Gliese in Amerika nicht Fuß fassen und kehrt 1928 nach Deutschland zurück.

In der Tonfilmzeit konzentriert sich der Architekt auf seine Theaterarbeiten, seine Ausflüge zum Film sind sporadischer Natur. Sein letzter Film als Regisseur entsteht 1930 unter dem Titel DIE JAGD NACH DEM GLÜCK (1930). Als Filmausstatter arbeitet er für Reinhold Schünzel und dessen AMPHITRYON (1935). Drei Jahre später ist er nochmals an der Ufa-Großproduktion DER TANZ AUF DEM VULKAN (1938) dabei.

Nach Ende des II. Weltkrieges arbeitet Rochus Gliese an verschiedenen Theatern in Deutschland. Stationen sind u.a. Weimar, Potsdam, Wien, München, Stuttgart und Berlin. Beim Film ist er noch viermal tätig. Für Veit Harlan entwirft er die Kulissen in HANNA AMON (1951). Für die ostdeutsche DEFA ist er bei EIN POLTERABEND (1955) Mitte der 50er Jahre beschäftigt, in Österreich dreht er 1956. In den 60er Jahren arbeitet er auch für das westdeutsche Fernsehen.

1973 wurde Rochus Gliese mit dem deutschen Filmpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Rochus Gliese stirbt am 22. Dezember 1978 in Berlin.

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