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Giuseppe Becce

Giuseppe Becce
Requisite, Musik, Musikalische Leitung, Darsteller

* 03. Februar 1877
Lonigo
Italien
† 05. Oktober 1973
Berlin
Deutschland
andere Namen Dr. Bechstein; Peter Bechstein

GIUSEPPE BECCE • Biographie Seite 1/1

Giuseppe Becce ist einer der einflußreichsten Komponisten der deutschen Stummfilm- und Tonfilmzeit. Zu den wichtigsten Klassikern der deutschen Filmgeschichte komponiert der gebürtige Italiener die musikalische Begleitung. Wegweisend sind seine Filmkompositionen, weil sie viele Prinzipien späterer Filmdramaturgie vorwegnehmen.

Giuseppe Becce wird am 03. Februar 1877 in Loniga (Italien) geboren. Er hat sechs Geschwister. Schon als Kind wird sein musikalisches Talent entdeckt. Seine Eltern schicken ihn zum Unterricht nach Padua, wo er Flöte und Cello spielen lernt. Bereits mit 20 Jahren arbeitet er als Dirigent an der dortigen Universität. Nebenbei studiert er Geographie und Philologie.

Mit 23 Jahren kommt der junge Italiener nach Berlin. Er will weiter Geografie studieren, belegt aber auch Seminare in Musik. Bereits 1910 debütiert der junge Komponist mit der Operette "Das Bett der Pompadour". Zwei Jahre später feiert seine Oper "Tullia" (1912) Premiere. Außerdem schreibt der Komponist in den 10er Jahren auch Kriegs- und Kriminalromane.

1913 lernt Giuseppe Becce den Filmproduzenten Oskar Messter kennen, der seit Ende des 19. Jahrhunderts mit Tonbildern experimentiert. Er will das Leben von Richard Wagner verfilmen. Da dessen Nachkommen zuviel Lizenzgebühren für die Verwendung von Wagners Musik verlangen, sucht der Produzent einen Komponisten, der die Musik zum Film im Wagner-Stil arrangiert. Giuseppe Becce komponiert zu RICHARD WAGNER (1913) in der Regie von William Wauer und Carl Froelich seine erste Filmmusik und tritt auch als Darsteller auf. Danach reißen die Filmangebote nicht mehr ab.

Die Zusammenarbeit mit Oskar Messter bleibt bestehen. Giuseppe Becce leitet seit 1915 ein Orchester im Berliner Mozartsaal, das die Messter-Produktionen musikalisch begleitet. Er dirigiert und arrangiert, schreibt auch Filmmusiken für Filme mit den Star der Messter-Produktion Henny Porten. Die Berliner Kinopaläste umschärmen den Komponisten, er dirigiert im Ufa-Pavillion am Nollendorfplatz, bespielt den Gloria-Palast oder den Tauentzien-Palast.

Für die bedeutensten deutschen Stummfilmproduktionen komponiert Giuseppe Becce die Musik. In den 20er Jahren wird er der Leiter der Ufa-Musikabteilung. Werke sind u.a. von Friedrich Wilhelm Murnau DER LETZTE MANN (1924), von Georg Wilhelm Pabst GEHEIMNISSE EINER SEELE (1926) oder DIE ABENTEUER EINES ZEHNMARKSCHEINS (1926) unter der Regie von Berthold Viertel.

Giuseppe Becce ist seit den 1921 Herausgeber der Zeitschrift "Kinomusikblatt", die er zugleich gegründet hat. 1926 ändert die Fachpublikation ihren Namen in "Film-Ton-Kunst" und wird das offizielle Mitteilungsblatt der Branche. Er schreibt Texte und arbeitet immer wieder theoretisch, u.a. verfaßt er gemeinsam mit seinem Kollegen Hans Erdmann das "Allgemeine Handbuch der Film-Musik" (1927).

Der Tonfilm erweitert das Tätigkeitsfeld von Giuseppe Becce. Er steht dem tönernden Film überaus positiv gegenüber und betont das "Hand in Hand gehen" von Bild und Musik. Der Komponist arbeitet genreübergreifend. Filmische Opern und Operetten vertont er, zu Abenteuerfilmen steuert er die Musik bei genauso wie zu Komödien. Besondere Aufmerksamkeit erlangen seine musikalischen Illustrationen zu Natur- und Bergfilmen von Arnold Fanck, Luis Trenker und Leni Riefenstahl. Seiner dramatischen Musik gelingt es, die Berge zu Hauptdarstellern werden zu lassen.

1941 verläßt Giuseppe Becce Deutschland und kehrt zurück nach Italien. Erst nach dem II. Weltkrieg lebt und arbeitet er wieder in Westdeutschland. Anfangs in München oder Südtirol, wo er auch wieder mit Luis Trenker zusammenarbeitet, später in Berlin. Er komponiert bis in die 70er Jahre hinein Musiken für Spiel- wie auch Kultur- und Dokumentarfilme. Für seine Verdienste um den deutschen Film wird er 1971 mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet.

Giuseppe Becce führt eine Ehe mit der Schriftstellerin Emma Woop, die auch Texte für seine Lieder schreibt. Er stirbt am 05. Oktober 1973 in Berlin.

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