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Olaf Fönss

Olaf Fönss
Regie, Darsteller

* 17. Oktober 1882
Aarhus
Dänemark
† 03. November 1949
Kopenhagen
Dänemark
andere Namen Olaf Holger Alexander Fönss

OLAF FÖNSS • Biographie Seite 1/1

Der dänische Schauspieler Olaf Fönss folgt vielen seiner Landsleute nach Deutschland und wird hier als künstlicher Mensch, als Homunculus Mitte der 1910er Jahre zum Star. Der Sechsteiler gilt stilistisch als Vorläufer des Expressionismus und bietet bereits vieles, was sich in späteren Frankenstein-Filmen finden lässt. Nach einem ständigen Auf und Ab in seiner Karriere kann Olaf Fönss unter der Regie von Joe May nochmals von der exotischen Abenteuerlust der Zuschauer profitieren.

Olaf Fönss wird am 17. Oktober 1882 als Olaf Holger Alexander Fönss in Aarhus (Jütland), Dänemark geboren. Seine Familie ist gut bürgerlich situiert, der Vater arbeitet als Schulleiter, in seiner Freizeit betätigt er sich auch als Organist. Der jüngerer Bruder Johannes Fönss (geb. 1884) wird sich später als Opernsänger besonders in Deutschland einen Namen machen, der zweiter jüngere Bruder Aage Fönss (geb. 1887) wird später ebenfalls als Schauspieler arbeiten. Im Alter von 17 Jahren geht Olaf Fönss nach Kopenhagen, wo er 1903 sein Debüt auf der Theaterbühne gibt. Bis 1912 spielt er erfolgreich am Dagmarteatret.

Bereits seit den Anfangszeiten des neuen Mediums ist Olaf Fönss dabei. Als sich die dänische Nordisk Films Kompagni des Produzenten Ole Olsen anschickt, den europäischen Markt mit Sensations- und Liebesdramen zu erobern, beendet er seine Theaterlaufbahn und geht zum Film. 1912 wirkt er in vier Filmen der Det Skandinavisk-Russisk Handelshus mit, 1913 dreht er zwei Filme für die Alfred Lind-Film. Von 1913 bis Oktober 1915 ist er bei der Nordisk angestellt und in einem Dutzend Filme zu sehen. Besonders wichtig sind ATLANTIS (1913) nach dem Roman von Gerhard Hauptmann unter der Regie von August Blom und der Holger Madsen-Film DIE WAFFEN NIEDER! (1915) nach dem gleichnamigen Roman von Bertha von Suttner. Letzterer ist einer der ersten pazifistischen Filme überhaupt und verurteilt den Ersten Weltkrieg. Aber künstlerische Herausforderungen sind die Mehrzahl seiner Filme nicht, er wird der Star in Sensations- und Zirkusfilmen, ist in erotischen Melodramen zu sehen. Da er unzufrieden mit seiner Situation ist und gemeinsam mit Kollegen einen Aufstand gegen den Verwaltungschef der Nordisk anzettelt, verlässt er die Produktionsfirma im Oktober 1915.

Während Urlaubsreisen zu seinen Brüdern nach Deutschland wird der Schauspieler mit seiner dortigen Popularität konfrontiert. 1916 siedelt er ganz nach Berlin, wo er die Rolle des künstlichen Menschen in HOMUNCULUS (1916) unter der Regie von Otto Rippert erhält. Er ist von Wissenschaftlern in der Retorte erschaffen, idealtypisch in Aussehen und Intelligenz. Aber er lernt die Menschen hassen, weil er als Handlanger des Teufels gilt, ohne Seele und ohne Liebe. Er wandert ruhelos und sehnsuchtsvoll durch die Welt, entfacht Aufstände. Erst als er einen Weltkrieg entfesselt, trifft ihn der Blitz. Der Sechsteiler ist nicht nur in Deutschland ein Erfolg; er gilt stilistisch als Vorläufer des Expressionismus und bietet bereits vieles, was sich in späteren Frankenstein-Filmen finden lässt.

Danach geht Olaf Fönss wieder nach Dänemark. Sein Schauspielerkollege Valdemar Psilander ist gestorben und er übernimmt die Leitung der Psilander-Film, später Dansk Film Compagni, ist für sieben Filme der Produktionsfirma verantwortlich, übernimmt daneben auch darstellerische Aufgaben an der Seite von Clara Wieth. Außerdem arbeitet er als Dozent an einer Filmschule, die Svend Kornbech in Kopenhagen 1917 eröffnet, die aber bald wieder geschlossen wird. Nach einer Umstrukturierung der Dansk Film Compagni und einer Umbenennung zur Dansk Astra Film, arbeitet Olaf Fönss auch erstmals als Regisseur bei dem experimentellen Seelendrama GEWISSENSQUALEN (1919). Er gibt einen Börsenspekulanten, der in den Ruin getrieben wird und dadurch an seiner Geliebten, die ihn verlässt, zum Mörder wird. Er steht ganz allein vor der Kamera. Der Film kommt ohne Zwischentitel aus und zeigt trotzdem eindrucksvoll die inneren Seelenzustände des Protagonisten.

1920 geht Olaf Fönss wieder nach Deutschland. Hier arbeitet er mit Friedrich Wilhelm Murnau in DER GANG IN DIE NACHT (1921) zusammen und spielt in dem weniger bekannten Film des Regisseurs die Hauptrolle des Dr. Eigil Boerne neben Conrad Veidt, der einen blinden Maler mimt. Außerdem dreht er unter der Regie von Paul Ludwig Stein das Melodram EHRENSCHULD (1921). An seinen Erfolg mit HOMUNCULUS (1916) kann er durch eine Rolle für den Regisseur Joe May anschließen. Er gibt den Architekten Herbert Rowland in den überaus populären Zweiteiler DAS INDISCHE GRABMAL (1921), der mit viel Exotik und Abenteuer aufwarten kann. Danach ist seine Filmkarriere ist Deutschland faktisch beendet, in Dänemark erhält der Schauspieler keine Filmrollen mehr.

Zurückgekehrt nach Dänemark spielt Olaf Fönss wieder Theater. Er will ein Kino eröffnen, erhält aber keine Konzession. Mitte der 1920er Jahre versucht er in Amerika ein Film-Comeback. Mit einem Manuskript in der Tasche macht er sich in Hollywood auf die Suche nach Geldgebern, muss aber erfolglos nach drei Monaten aufgeben. Nochmals ist er in Dänemark in einem Film zu sehen, aber die Hochzeit des dänischen Kinos ist vorbei. In Deutschland wird er bis Ende der 1920er Jahre noch für vier Filme engagiert, arbeitet mit den Regisseuren Holger Madsen, Kurt Bernhardt, Wilhelm Dieterle und Joseph Levigard zusammen. Als der Tonfilm aufkommt, ist seine Filmkarriere beendet.

Auf der großen Leinwand ist er nochmals in einem Werbefilm für die Firma Henkel zu sehen. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Dänemarks dreht er zwei abendfüllende Propagandafilme für die Partei. 1933 wird Olaf Fönss Vorsitzender des dänischen Schauspielerverbandes. Aus diesem Anlass entsteht auch ein Porträtfilm über ihn. Von 1932 bis 1946 wird Olaf Fönss zum Filmzenor ernannt. Außerdem schreibt er mehrere Bücher über seine Erlebnisse beim Film und veröffentlicht Bücher über das Theater, auch einen Liebesroman. 1946 erhält der Künstler eine Konzession für ein Kino. Er eröffnet das Zentrumtheater World Cinema in Kopenhagen, welches im Sommer auch als Zirkus genutzt wird. Das Kino führt er bis zu seinem Tod.

Olaf Fönss stirbt am 03. November 1949 in Kopenhagen, Dänemark.

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