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Werner Krauss

Werner Krauss
Mitarbeit, Darsteller

* 23. Juni 1884
Gestungshausen
Deutschland
† 20. Oktober 1959
Wien
Österreich
andere Namen Werner Kraus; Werner Krauß

WERNER KRAUSS • Biographie Seite 1/1

Der Schauspieler Werner Krauss wird Anfang der 20er Jahre weltberühmt als Dr. Caligari; neben Emil Jannings und Conrad Veidt gibt er durch seinen wandelbaren Ausdruck der klassischen Periode des deutschen Films ein Gesicht. Ende der 30er Jahre wirkt er in dem antisemitischen Propagandafilm JUD SÜSS (1940) mit. Hier tritt er gleich in 5 Rollen auf, bietet eine bösartige Karikatur jüdischen Lebens. Über die künstlerische Ausnahmeerscheinung des Werner Krauss gibt es keine Diskussion. Er gilt als genialer Charakterdarsteller mit starker Ausdruckskraft, vollendeter Sprechkultur und "magischer" Verwandlungsfähigkeit. An dem Menschen Werner Krauss scheiden sich allerdings die Geister.

Werner Krauss wird am 23. Juni 1884 in Gestungshausen, in der Nähe von Coburg geboren. Sein Vater ist Postbeamter. In jungen Jahren siedelt seine Familie nach Breslau über. Nach seiner dortigen Schulausbildung will er Lehrer werden. Dafür besucht er auch ein Seminar, arbeitet aber bereits nebenbei als Komparse, unter anderem am Theater in Breslau. Mit 18 Jahren entscheidet er sich ganz für die Schauspielerei. Zunächst wandert der junge Schauspieler durch die Provinz, spielt unter anderem in Guben und Magdeburg, Bromberg und Aachen, Nürnberg und München. Kurz vor Beginn des I. Weltkrieges kommt er in Berlin an und findet bei Max Reinhardt ein Engagement am Deutschen Theater.

In Berlin steigt Werner Krauss bald zum bekannten Theaterschauspieler auf. Er gibt den Mephistopheles in Goethes "Faust", spielt die Haupt- und Nebenrollen in Stücken von Schiller und Shakespeare. Kurzzeitig muß er seine Karriere unterbrechen: er wird in den I. Weltkrieg eingezogen. Danach kehrt er an seine Wirkungsstelle zurück. Von 1924 bis 1944 gehört er abwechselnd zum Ensemble des Staatstheaters als auch zu dem des Deutschen Theaters. Zwischenzeitlich gastiert er auch am Wiener Burgtheater. Auf den verschiedenen Bühnen brilliert Werner Kraus als Bruno in Gerhart Hauptmanns Stück "Die Ratten", ist als als Babberley in "Charleys Tante" zu sehen oder als "Hauptmann von Köpenick". Bis 1938 führen ihn auch regelmäßig Gastspiele nach Amerika, wo auf New Yorker Bühnen zu sehen ist.

Um 1915 kommt der Schauspieler zum Film. Der Regisseur Richard Oswald verpflichtet ihn für 50 Mark den Drehtag. Werner Krauss ist begeistert, derart schnell und leicht, Geld zu verdienen. Mit Richard Oswald wird er mehrfach zusammenarbeiten; zu seinen Regisseuren gehören auch Lupu Pick und Otto Rippert. Meistens gibt er einen Bösewicht, spielt bevorzugt mit Masken. Nach eigenen Angaben spielt er bis 1929 in 104 Stummfilmen mit. Erste größere Berühmtheit erreicht er mit seiner Rolle in DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920). Er gibt den unheimlichen Schausteller, der den Somnambulen Cesare zum Mord anstiftet und zugleich den Direktor der Irrenanstalt. Diesen Rollentyp wird Werner Krauss mehrfach verkörpern, unter anderem als Jack the Ripper in dem Horrorfilm DAS WACHSFIGURENKABINETT (1924) von Paul Leni oder in dem Remake des Klassikers DER STUDENT VON PRAG (1926), in dem er den dämonischen Scapinelli spielt.

Werner Kraus spielt zahlreiche historische und literarische Persönlichkeiten. Unter anderem ist er als Robespierre in DANTON (1921) unter der Regie von Dimitri Buchowetzki zu sehen; gibt den Jago in OTHELLO (1922), ist der Pontius Pilatus in dem Monumentalfilm I.N.R.I. (1923) an der Seite von Asta Nielsen und Henny Porten. Mit allen bekannten Regisseuren der Zeit arbeitet er zusammen, unter anderem mit Friedrich Wilhelm Murnau und Karl Grune. Persönlich hebt er besonders die Zusammenarbeit mit Lupu Pick am Kammerspiel-Klassiker SCHERBEN (1921) hervor. Der Film erzählt mit Wucht das tragische Schicksal eines Bahnhofwärters, dessen Tochter verführt wird und deren Verführer vom Vater anschließend ermordet wird. Außerdem sind dem Schauspieler die Filme unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst besonders teuer: in DIE FREUDLOSE GASSE (1925) spielt er den Fleischermeister, der die Not der Frauen rücksichtslos ausnutzt. In GEHEIMNISSE EINER SEELE (1925) stellt Georg Wilhelm Pabst die Behandlung eines Patienten durch die Psychoanalyse dar. Neben den schauspielerischen Leistung eines Werner Krauss sind es vor allem die Traumsequenzen, deren Ausleuchtung, Schnitt und Montage den Film bis heute interessant machen.

Mit Beginn der Tonfilmzeit werden die Rollen für den Schauspieler spärlicher, sind aber immer noch tragend. Er gibt unter anderem den General Yorck von Wartenberg in dem deutsch-nationalen Film YORCK (1931) unter der Regie von Gustav Ucicky. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 zeigt sich der Schauspieler als Sympathisant der Bewegung und arrangiert sich mit den politischen Machthabern. Dies zeigt sich auf der Bühne ebenso wie vor der Kamera. In Wien spielt er den Shylock in "Der Kaufmann von Venedig" als antisemitische Karikatur. Bereits 20 Jahre vorher hat er diese Rolle gegeben, ohne sie ideologisch abzufärben. 1940 wirkt er an dem groß herausgestellten Propagandafilm JUD SÜß (1940) unter der Regie von Veit Harlan mit. Er mimt gleich 5 Rollen in dem perfiden antisemitischen Film. Bereits 1934 wird Werner Krauss zum Staatsschauspieler ernannt.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges kann der Schauspieler an seine früheren Erfolge nicht mehr anschließen. Erst einmal muß er sich der Entnazifizierung stellen. Vor der Stuttgarter Spruchkammer wird er zunächst als "Mitläufer" eingestuft, in einem Nachverfahren schließlich als "Minderbelasteter" bezeichnet. Ab 1949 arbeitet er wieder auf deutschen Bühnen, steht unter anderem am Burgtheater auf der Bühne, spielt in Berlin und Hamburg. Zum letzten Mal ist er auf der Leinwand in dem Heimatfilm SOHN OHNE HEIMAT (1955) zu sehen.

Werner Krauss ist nach Albert Bassermann Träger des berühmten Iffland-Ringes, den er an den Schauspieler Josef Meinrad weitergibt. 1954 erhält er das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und wird auch in Österreich geehrt, unter anderm 1959 mit der Ehrenmitgliedschaft am Burgtheater. 1958 veröffentlicht er unter dem Titel "Das Schauspiel meines Lebens" seine Memoiren. Der Schauspieler ist mehrmals verheiratet, unter anderem mit seiner Kollegin Maria Bard, die sich 1944 das Leben nimmt. Werner Krauss stirbt am 20. Oktober 1959 in Wien.

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