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Karl Plintzner

Karl Plintzner
Kamera, Kamera-Assistenz

* 20. Oktober 1911
Berlin
Deutschland
† 07. Dezember 1975
Berlin
Deutschland

KARL PLINTZNER • Biographie Seite 1/1

Der Kameramann Karl Plintzner ist während seiner Filmkarriere eng mit dem Studio Babelsberg verbunden. Er beginnt in den 20er Jahren als Mann an der vierten Kamera und arbeitet sich langsam zum Kamera-Assistenten hoch; ist an einigen deutschen Filmklassikern beteiligt. Nach 1945 wird er Erster Kameramann bei der ostdeutschen DEFA und führt die traditionsreiche Filmfotografie des Babelsberger Studios fort, wird zu einem der wichtigsten Kameramänner der 50er und 60er Jahre im Studio.

Karl Plintzner wird am 20. Oktober 1911 in Berlin geboren. Sein Vater ist der Filmtechniker Paul Plintzner, der als langjähriger Gewerkschaftler und Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) die Streiks der 20er/30er Jahre in der Filmstadt Babelsberg organisiert und leitet. Nach seiner Schulausbildung beginnt er mit 16 Jahren eine Ausbildung als Lehrling in der Kopieranstalt Foebus-Film AG. Danach besucht er die Fachschule für Fotografie. 1926 startet er seine Filmkarriere bei der Universum Film AG (Ufa); arbeitet unter anderem als vierter Kameramann bei dem Kriminalfilm SPIONE (1928) unter der Regie von Fritz Lang mit, darf die Filmkassetten hin- und hertransportieren. An der Kamera ist Karl Plintzner bis 1945 an mehr als 50 Filmen beteiligt; er arbeitet sich langsam zum Kamera-Assistenten hoch bis er in den Credits als Erster Kameramann aufgeführt wird. Sein Handwerk lernt er unter anderem bei den gestandenen Fachleuten Fritz Arno Wagner, Hans Schneeberger und Günther Rittau. Einer seiner frühen, wichtigen Filme, an denen er mitwirkt, ist DER BLAUE ENGEL (1930) von Josef von Sternberg.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist Karl Plintzner zunächst im Kopierwerk Johannisthal als Schmalfilm-Kopierer bei "Sowintorg-Kino" tätig. Im Mai 1946 wird er als Kamera-Assistent bei der DEFA angestellt. Hier arbeitet er zunächst als zweiter Kameramann für Friedl Behn-Grund unter anderem bei EHE IM SCHATTEN (1947) mit, bis er 1950 als erster Kameramann von der DEFA mit einem festen Vertrag eingestellt wird. In der Folge setzt Karl Plintzner die traditionsreiche Filmfotografie des Babelsberger Studios fort, wird zu einem der wichtigsten Kameramänner der 50er und 60er Jahre im Studio. Vor allem in Filmen von Kurt Maetzig und Slatan Dudow hat er mit seiner Kameraarbeit entscheidenden Anteil am künstlerischen Gesamtgelingen.

Originelle Bildeinfälle kann er gemeinsam mit Friedl Behn-Grund bei DIE SELTSAMEN ABENTEUER DES HERRN FRIDOLIN B. (1948) unter der Regie von Wolfgang Staudte einbringen. Er arbeitet mit den Regisseuren Erich Engel, Kurt Maetzig sowie Georg Wildhagen zusammen. Dabei ist er in keinem Genre festgelegt; er führt die Kamera bei historischen Bilderbögen wie DIE BUNTKARIERTEN (1949) ebenso wie bei der Operverfilmung FIGAROS HOCHZEIT (1949) oder antifaschistischen Werken. Mit STÄRKER ALS DIE NACHT (1954) unter der Regie von Slatan Dudow zeigt sich Karl Plintzner als Könner der Schwarz-Weiß-Fotografie auf der Höhe seiner Kunst. Der Kameramann erreicht Originaltreue, die das Wesentliche der Geschichte um einen Antifaschisten herausfiltert. Durch dynamische Lichtakzente unterstützt er die Dramaturgie; zeigt zudem mit seinen gekonnten Großaufnahmen die Gefühlswelten jener Menschen auf, die zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus fähig waren. Nochmals arbeitet er mit dem Regisseur Kurt Maetzig bei ROMAN EINER JUNGEN EHE (1952) zusammen. Hier vermittelt der Kameramann eine gute Atmosphäre. Bei den Dreharbeiten zu ERNST THÄLMANN - FÜHRER SEINER KLASSE (1955) von Kurt Maetzig erleidet Karl Plintzner einen schweren Unfall. Schwierige Verletzungen, von denen er sich nie ganz erholt, sind die Folge und fesseln ihn lange ans Krankenbett.

Erst ab 1956 arbeitet er wieder als Kameramann. Zunächst ist er bei mehreren Produktionen der satirischen Stacheltier-Serie als Kameramann beschäftigt, bis er wieder bei großen Spielfilmproduktionen die erste Kamera führt. In vielen Fällen sind es dabei Produktionen, die ausschließlich, wie zum Beispiel der Märchenfilm DAS SINGENDE, KLINGENDE BÄUMCHEN (1957) von Francesco Stefani, im Studio entstehen, an denen der Kameramann beteiligt ist. Der Antikriegsfilm GESCHWADER FLEDERMAUS (1958) von Erich Engel, ein Film über ein amerikanisches Transportgeschwader, dass die französische Kolonialarmee im Krieg gegen Vietnam unterstützt, wird ebenfalls größtenteils im Studio gedreht. Der Film erinnert mit seiner kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotografie an klassische Vorbilder; besonders die Flugszenen sind gekonnt fotografiert. In der Operettenverfilmung MAZURKA DER LIEBE (1959) von Hans Müller muss er mit seiner Kamera bunte Massenszenen und schwungvolle Tänze einfangen. In dem Martin Hellberg-Film DIE SCHWARZE GALEERE (1962), einem Historienstreifen, der im Holland des 16. Jahrhunderts spielt, gelingen ihm einige realistisch-historische Szenen und Einstellungen, etwa eine Kamerafahrt über die Gesichter der Antwerpener Patrizier in der Kirche, die an die Bildniskunst der alten Niederländer erinnert.

Karl Plintzer gibt sein Wissen und seine Erfahrungen an nachfolgende Generationen gern weiter. Aus seiner Schule sind unter anderem die Kameramänner Horst E. Brandt, Otto Hanisch, Erwin Anders und Günter Haubold hervorgegangen. Aus gesundheitlichen Gründen muss Karl Plintzner seine Arbeit als Kameramann Mitte der 60er Jahre ganz einstellen. In der Folge übt er zahlreiche beratende Tätigkeiten aus. Er stirbt am 07. Dezember 1975 in Berlin.

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