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Klaus Kinski

Klaus Kinski
Darsteller

* 18. Oktober 1926
Zoppot, bei Danzig
heute Polen
† 22. November 1991
Labunita (Kalifornien)
USA
andere Namen Klaus-Günther Nakszynski

KLAUS KINSKI • Biographie Seite 1/1

Der deutsche Schauspieler, Rezitator und Dichter Klaus Kinski ist auf die Darstellung psychopathischer und getriebener Charaktere spezialisiert, zählt in diesem Rollenfach auch international zu den gefragtesten Filmschauspielern. Er gilt als einzigartiges Phänomen: ein Darsteller von faszinierender Intensität, beständig schwankend zwischen Besessenheit und Ironie, Genie und Wahnsinn. Seine schauspielerische Kariere beginnt Mitte der 1940 Jahren im Theater, international bekannt wirt er mit seiner Arbeit beim Film. Als künstlerisch herausragend gilt seine jahrelange Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Werner Herzog. Er dreht insgesamt mehr als 130 Filme, manchmal bis zu 11 Filme im Jahr.

Klaus Kinski wird als Klaus-Günther Nakszynski am 18. Oktober 1926 im ostpreußischen Zoppot geboren. Sein Vater ist Apotheker, seine Mutter eine geborene Pfarrerstochter, die als Krankenschwester arbeitet. Er hat drei ältere Geschwister. 1931/1932 zieht er mit seiner Familie nach Berlin, besucht dort das humanistische Prinz-Heinrich-Gymnasium und das Bismarck-Gymnasium. Im Jahr 1944 wird er als Soldat eingezogen. Kurze Zeit später desertiert er und kommt in britische Gefangenschaft. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges spielt er seine ersten Theaterrollen auf einer provisorischen Bühne des Kriegsgefangenenlagers "Camp 186" in Berechurch-Hall bei Colchester, Großbritannien.

Ohne klassische Schauspiel-Ausbildung avanciert der junge Schauspieler zum Theater- und Filmstar. Sein professionelles Theaterdebüt feiert er 1946 in der Premiere von "Charley's Tante" unter der Leitung von Georg Wilmar in Ortenauer Landestheater in Offenburg. In selben Jahr wird er am Schlosspark-Theater in Berlin-Steglitz engagiert und spielt in der Folge an zahlreichen Berliner Bühnen. Er übernimmt auch Gastrollen in anderen deutschen Städten sowie in Österreich. Neben seiner Theaterarbeit wird er einem stetig wachsenden Publikum in Berlin, München und Wien als "Ein-Mann-Wanderbühne" bekannt.

Ab 1953 tritt Klaus Kinski in Berlin als Rezitator auf. Mir seinen leidenschaftlichen Rezitationen der Werke Arthur Rimbaud, François Villon, Friedrich Nietzsche, Kurt Tucholsky und des Neue Testaments füllt er Säle. Vorträge mit Texten Bertolt Brechts führen zu rechtlichen Kontroversen mit dem Verlag des Autors, dennoch sind seine Lesungen ein überwältigender Erfolg. Im Jahre1960 unternimmt er Tourneen durch den deutschsprachigen Raum, die seine Kunststatus begründet. Er produziert über 25 Schallplatten mit Rezitationen. 1971 finden die letzte Bühnenauftritte mit dem "Jesus Christus Erlöser" – Tournee statt. Seine Interpretation der Bibel wird in der politisch aufgeladenen Zeit der 1970er vor allem als Provokation empfunden. Das aufgebrachte Publikum randaliert und nach die Tournee wird abgesagt. Regisseur Peter Geyer vermittelt in der Dokumentation JESUS CHRISTUS ERLÖSER (2008) (JESUS CHRISTUS ERLÖSER (2008) Trailer) mit Hilfe der verfügbaren Bild- und Tondokumente des Abends erstmals einen hautnahen Eindruck von der Live-Situation und schafft damit ein außergewöhnliches Zeugnis der Zeit und eines Ausnahmekünstlers.

Seine erste Kinorolle erhält Klaus Kinski in MORITURI (1948) unter der Regie von Eugen York. Er verkörpert einen holländischen Häftling. Mit der Frauenrolle von Jean Cocteaus DIE MENSCHLICHE STIMME (1949), die er in Eigenregie inszeniert, findet er erste Beachtung. Bereits ab 1949 übernimmt er größere Filmrollen, darunter in Roberto Rossellinis LA PAURA (1954) und Helmut Käutners LUDWIG II (1954). In Fritz Kortners SARAJEWO (1955) ist der Schauspieler an der Seite der österreichischen Schauspielerin Erika Remberg zu sehen. Bei den Dreharbeiten verlieben sie sich und sind vorübergehend ein Paar.

In der Folge kann sich Klaus Kinski über Angebote nicht beklagen; oft verkörpert er Schurken und psychopatische Charaktere, und er bestätigt sein Image durch sein exzentrisches, aggressives Auftreten in der Öffentlichkeit. Ab 1960 gehört er folgerichtig in einer Reihe von Edgar Wallace-Filmen zur Idealbesetzung und markiert seinen Durchbruch als Schauspieler. In den überaus populären Filmen spielt er den gestörten Typen, der mit zuckenden Mundwinkeln und irrem Blick durch die Szene hastet. In seiner ersten Rolle in einem Edgar Wallace-Film verkörpert er Lorenz Voss in DER RÄCHER (1960) von Karl Anton. Insgesamt wird der Darsteller von 16 weiteren Kriminalfällen nach Edgar Wallace-drehen und durch seine lustvolle und gekonnte Überzeichnung der Chargenparts zum heimlichen Star der Reihe. Ende der 1960er Jahre feiert der Film DAS GESICHT IM DUNKELN (1969) unter der Regie von Riccardo Freda seine Premiere; es ist der letzte aus der Reihe, in dem der Schauspieler mitwirkt.

Seinen ersten Fernsehauftritt feiert Klaus Kinski Anfang der 1960er Jahre beim deutschen Sender ARD mit dem Fernsehfilm DIE KURVE (1961) von Peter Zadek. Dadurch wird er einem breiteren Publikum zugänglich. So spielt er im DER ROTE RAUSCH (1962) unter der Regie von Wolfgang Schleif seine erste Hauptrolle an der Seite von Brigitte Grothum. Er verkörpert einen psychopatischen Frauenmörder, der auf Halsketten aus roten Korallen versessen ist.

Durch eine erfolgreiche Nebenrolle als aufsässiger russischer Zwangsarbeiter in DOKTOR SCHIWAGO (1965) von David Lean wird Klaus Kinski einem internationalen Publikum zum Begriff. Im Rom beginnt seine Karriere in Italo-Western, in den er meistens in Hauptrollen zu sehen ist. Darunter sind solch italienische Klassiker wie FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR (1968) von Sergio Leone und LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG (1968) unter der Regie von Sergio Corbucci. Nach seinen präzisen Charakterisierungen gilt Klaus Kinski zum weltweit gefragten Darsteller. Allerdings ist er in seiner Rollenwahl nicht besonders wählerisch und häufig auch in nicht besonders gehaltvollen Filmen zu sehen; er spielt durch alle Genre hindurch, fühlt sich in reißerischen Horrorfilmen und exotischen Abenteuerfilmen ebenso zu Hause wie in schnell abgedrehten Spagetti-Western. Aber auch wenn die Filme von minderer Qualität sind, seine darstellerischen Leistungen sind es nicht: Er ist auch in der kleinsten Rolle ein Perfektionist, der gekonnt sein satanischen Grinsen einsetzt.

Große Öffentlichkeit und Anerkennung erhält der Schauspieler durch seine Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Werner Herzog. Von 1972 bis 1987 drehen sie gemeinsam fünf Filme, in den Klaus Kinski seine eindrucksvollsten schauspielerischen Leistungen auf der Leinwand zeigt. In den Titelrollen von AGUIRRE, DER ZORN GOTTES (1972) verkörpert er den spanischen Konquistador Don Lope de Aguirre, der seine Männer und sich selbst hemmungslos und unerbittlich in den Tod treibt. Sieben Jahre später spielt er den Graf Dracula in NOSFERATU - PHANTOM DER NACHT (1979), ein Remake des gleichnamigen Films von Friedrich Wilhelm Murnau. Sein Vampir ist fast zärtlich, eine verletzliche Person. Die Darstellung bringt ihm das "Filmband in Gold" ein und den Preis als Bester Schauspieler beim Internationalen Filmfestival in Cartagena, Kolumbien. Es folgen die Filme WOYZEK (1979) und FITZCARRALDO (1981), in den der Darsteller noch stärker die Besessenheit und den Wahnsinn eines Träumers zum Ausdruck bringt. Während der Dreharbeiten zum fünften Projekt von Klaus Kinski mit Werner Herzog, zu COBRA VERDE (1987), kommt es zu unschönen Szenen zwischen den beiden; das Künstler-Paar zerstreitet sich. Die Dynamik und die zahlreichen Konflikte ihrer künstlerischen Partnerschaft thematisiert Werner Herzog in der Dokumentation MEIN LIEBSTER FEIND (1999).

Anfang der 1980er Jahre wirkt der deutsche Mime in mehreren Hollywood-Spielfilmen mit. Unter anderem dreht er mit Jack Lemmon und Walter Matthau den letzten Billy Wilder-Film BUDDY, BUDDY (1981), in dem er einen exzentrischen Sex-Therapeut verkörpert. In DIE SCHÖNE UND DER BIEST (1983) von Roger Vadim agiert er als Hauptfigur neben Susan Sarandon und Anjelica Huston. In DIE LIBELLE (1984) von George Roy Hill ist er an der Seite von Diane Keaton in der Hauptrolle zu sehen.

Mit KINSKI PAGANINI (1989) stellt der Künstler sein letztes und persönlichstes Filmwerk fertig. Er übernimmt Regie, Drehbuch, Schnitt und die Hauptrolle. Paganinis Sohn Achille wird von Nikolai Kinski gespielt. Die Idee zu diesem Projekt trägt Klaus Kinski schon lange in sich; mit der Verfilmung erfüllt sich einen Lebenstraum. Der Film ist eine Mischung aus verschiedenen Elementen, so wird das Leben der historischen Person Paganini mit jenem des Schauspielers in Beziehung gesetzt. Der Regisseur reicht den Film beim Festival von Cannes ein; dort wird er aber abelehnt, was Klaus Kinski zu einer wütenden Triade veranlasst. In Deutschland ist der Film erst 1999 zu sehen; international hat er keinen Erfolg.

1975 veröffentlicht Klaus Kinski mit "Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund" eine vieldiskutierte Biografie, die als eine der bösartigsten Attacken auf das Filmgeschäft überhaupt gilt und aus rechtlichen Gründen nicht mehr erhältlich ist. Das Buch wird von ihm Ende der 1980er Jahre stark überarbeitet und ergänzt und erschien 1991 unter dem Titel "Ich brauche Liebe". In den 1950er Jahren betätigt er sich auch als Maler. Der Münchner Maler und Grafiker Rupprecht Geiger rät ihm zu einer Ausstellung. Diese kommt jedoch nie zustande, da Klaus Kinski seine Bilder eigenhändig zerstört.

Im Jahr 2006 veröffentlicht die BBC ihre Rangliste der 50 größten Schauspieler aller Zeiten. Klaus Kinski landete auf Platz 45. Es ist kein weiterer deutscher Schauspieler in der Auswahl.

Zwischen 1952 und 1971 heiratet Klaus Kinski drei Frauen und hat mit jeder ein Kind. 1952 lernt er Gislinde Kühlbeck kennen. Sie sind bis 1955 verheiratet, haben gemeinsam die Tochter Pola Kinski (geb. 1952), die später ebenfalls als Schauspielerin arbeiten wird. Von 1960 bis 1968 lebt er mit Ruth Brigitte zusammen, die die Mutter seiner Tochter Nastassja Kinski (geb. 1961) ist. Auch dieses Kind wird beruflich in die Fußstapfen seines Vaters treten. Von 1971 bis 1979 ist Klaus Kinski mit Minhoï Geneviève Loanic verheiratet, ihr gemeinsamer Sohn ist Nikolai Kinski (geb. 1976). In den 1980er Jahren zieht der Künstler nach Kalifornien um.

Klaus Kinski stirbt am 23. November 1991 in San Francisco an einem Herzinfarkt. Seine Asche wird mit einem Boot zur Golden Gate Bridge gefahren und in den Pazifik gestreut.

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Autorin: Cveta Dobreva
Stand: Januar 2009

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