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Egon Schlegel

Egon Schlegel
Regie

* 13. Dezember 1936
Zwickau
Deutschland

EGON SCHLEGEL • Biographie Seite 1/1

Regisseur Egon Schlegel hat die Kinderfilmproduktion der DEFA seit Mitte der 70er Jahre mitgeprägt. Er dreht fünf Kinderfilme. Dabei wandelt er durch verschiedene Genre: verfilmt eine moderne Sciencefiction-Geschichte, adaptiert ein Grimmsches Märchen, dreht einen poetischen Gegenwartsfilm und ein abenteuerliches Road Movie.

Egon Schlegel wird am 13. Dezember 1936 in Zwickau geboren. Nach seiner Schulausbildung absolviert er eine Lehre als Elektriker, arbeitet danach als Hochspannungsmonteur. In einer Abendschule holt er sein Abitur nach.

Er studiert von 1961 bis 1966 an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Regie. Während des Studiums gründet er gemeinsam mit etwa 35 Kommilitonen das "Kollektiv 63", welches sich besonders für Gegenwartsfilme in der DDR stark machen will. Er entstehen Studentenfilme, die sich am Neorealismus und Free Cinema orientieren. Sein Diplomfilm RITTER DES REGENS (1965), den er gemeinsam mit Dieter Roth als erste Koproduktion zwischen der Filmhochschule und dem DEFA-Spielfilm-Studio gedreht hat, wird im Zuge des 11. Plenums des Zentralkomitees der SED abgebrochen und verschwindet in den Tresoren. Der Film erzählt eine Liebesgeschichte zweier Menschen, die völlig unterschiedlich sozialisiert sind und in ungleichen Gesellschaftsschichten aufwachsen. Das Filmteam arbeitet mit versteckter Kamera, dreht an Originalschauplätzen, verwendet kein künstliches Licht. Das Material ist heute nicht mehr verfügbar. Obwohl sein Abschlussfilm nicht fertig gestellt wird, erhält Egon Schlegel sein Diplom, wird danach aber nicht vom DEFA-Studio für Spielfilme übernommen.

Mitte 1966 erhält er endlich eine Assistentenstelle beim DEFA-Studio für Dokumentarfilme, arbeitet in der Gruppe 67 von Andrew Thorndike und Annelie Thorndike. Über neun Jahre ist er dort als Assistent und Dokumentarfilmregisseur beschäftigt, arbeitet unter anderem an Dokumentationen über Preußen und den Zweiten Weltkrieg. Auch während er bereits als Regisseur im Bereich Kinder- und Jugendfilm beschäftigt ist, wird er weiter Dokumentarfilme herstellen. Unter seiner Regie entsteht unter anderem FRONTKAMERAMÄNNER (1975). Hier kehren sowjetische und polnische Frontkameramänner, 30 Jahre nach dem Sieg über den deutschen Nationalsozialismus, an historische Stätten des Befreiungskampfes zwischen Oder und Elbe zurück.

1972 gelingt es ihm, ins DEFA-Studio für Spielfilme zu wechseln, er übernimmt die Regie-Assistenz bei UNTERM BIRNBAUM (1973) von Ralf Kirsten. Erst durch Zufall erhält er 1975 die Gelegenheit, seinen ersten Spielfilm zu drehen. Er übernimmt kurz vor Beginn der Dreharbeiten die Regie für ABENTEUER MIT BLASIUS (1974), da sein Kollege Claus Dobberke krank geworden ist. Er kann beim Drehbuch und bei der Besetzung des modernen Kinderfilms kaum etwas verändern. Auf der Leipziger Messe wollen zwei Wissenschaftler einen Roboter dem internationalen Publikum vorstellen, da aber zwei aufgeweckte Jungs Blasius für einen echten Spion halten, kommt es zu zahlreichen Verwirrungen. Die DEFA-Koproduktion mit dem Filmstudio Barrandov erzielt beim Publikum großen Erfolg, erzählt er doch seine Geschichte optisch interessant und spannend. Auch wenn der Film heute tricktechnisch nicht mehr wirklich überzeugen kann, ist es immer noch seine Phantasie und Komik, die amüsiert.

Nach dem Kassenerfolg erhält Egon Schlegel weitere Angebote und dreht in der Folge vier weitere Kinder- und Jugendfilme. In der Verfilmung des Grimmschen Märchens WER REIßT DEN GLEICH VORM TEUFEL AUS (1977) sind es besonders die komischen Elemente, die eine große Wirkung auf das Publikum erzielen. Erzählt wird von Jakob, der aus Liebe zu einer Prinzessin dem Teufel seine drei goldenen Haare ausreißt. Insbesondere die Szenerie in der Hölle mit Jakob (gespielt von Hans-Joachim Frank) als Teufelsweib verkleidet und mit dem Teufel (glänzend verkörpert von Dieter Franke) ist ein Feuerwerk an komödiantischen Einfällen. Der Regisseur offenbart ein sicheres Gespür für unterhaltsames und spannungsreiches Kino, phantasievoll, aktionsgeladen und überaus witzig hat er die Geschichte in Szene gesetzt.

In DAS PFERDEMÄDCHEN (1979) erzählt Egon Schlegel von Irka, die vor der schweren Entscheidung steht, sich für oder gegen ihre geliebte blinde Stute Raya oder deren Sohn, einen jungen Hengst, zu entscheiden. Da nur ein Pferd im häuslichen Stall Platz hat, kann nur eines der Pferde weiter bei der Familie bleiben. Emotional nachvollziehbar und poetisch kraftvoll gestaltet der Regisseur den Wandlungsprozess des jungen Mädchens, dreht keinen kitschigen Reiterhof-Film. In der realistischen Darstellung der Beziehung zwischen Mensch, Tier und Natur, die in eine sensible Alltagsgeschichte eingebettet ist, zeigt der Film, dass auch Kinder mit schmerzlichen Lebenserfahrungen umgehen können.

Eine echte Bewährung schildert MAX UND SIEBENEINHALB JUNGEN (1980). Sechs Jungen und ein Mädchen aus einer 8. Klasse werden von dem Antifaschisten Max herausgefordert: Mit nur fünf Mark in der Tasche sollen sie von Berlin nach Weimar reisen, ganz allein. Abenteuerlich und humorvoll inszeniert Egon Schlegel die Geschichte. In parallel verlaufenden Erzählsträngen verfolgen die Zuschauer, wie die Jugendlichen ihr Ziel erreichen. Das Road Movie ist mit flottem Tempo in Szene gesetzt. Der Film stößt aber auch auf Kritik, da er realistisch eine Unterrichtssituation einfängt, in denen die Schüler den Lehrern nicht folgen.

Der vorerst letzte Film des Regisseurs wird DIE SCHÜSSE DER ARCHE NOAH (1983). Der 10-jährige Klaus findet sich 1945 in Berlin schwer zurecht: Erzählungen seines Vaters von der Revolution und dem Panzerkreuzer Aurora, seiner Mutter von der Sintflut und der Arche Noah verbinden sich zu einem Phantasiegebilde. Auf sich allein gestellt, muss Klaus die letzten Tage des Krieges überstehen: auf einen Landgut in Ostpreußen und in einem Kloster. Der ernste Hintergrund der Geschichte wird mit Komik bis hin zur Groteske geschildert, ohne die tragischen Momente der Ereignisse zu verleugnen. Aus der Sicht des Kindes erzählt offenbart der Regisseur, dass er sein jugendliches Publikum ernst nimmt.

Egon Schlegel, der erst 1980 vom DEFA-Studio für Spielfilme fest angestellt wird, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Familie lebt in Groß Glienicke, bei Potsdam.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Dezember 2006
Diese Biografie ist mit der Förderung der DEFA-Stiftung entstanden.

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