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Bruno Ganz

Bruno Ganz
Kamera, Mitarbeit, Darsteller, Sprecher

* 22. März 1941
Zürich
Schweiz

BRUNO GANZ • Biographie Seite 1/1

Bruno Ganz ist der wohl bedeutendste lebende Schweizer Schauspieler, im deutschsprachigen Raum schon lange aus Theater und Kino bekannt. Vor allem scharf konturierte Charakterdarstellungen und Experimentierfreude bei der Auswahl seiner Rollen zeichnen ihn aus. 2004 erregt seine Hitler-Darstellung in Oliver Hirschbiegels Historiendrama DER UNTERGANG (2004) internationale Aufmerksamkeit sorgt für weltweite Diskussionen.

Bruno Ganz wird am 22 März 1942 in Zürich, Schweiz als Sohn eines Schweizer Arbeiters und einer Norditalienerin geboren. Obwohl sein erstes Theatererlebnis, ein Besuch der Aufführung von Schillers "Wilhelm Tell" im Alter von 14 Jahren, von ihm als "Horror" empfunden wird, wächst mit der Zeit sein Interesse an der Theaterarbeit. Mit 17 Jahren lernt er einen Beleuchter des Zürcher Schauspielhauses kennen, der ihn mit in die Aufführungen nimmt. Dort faszinieren ihn vor allem die Schauspieler und er fasst den festen Entschluss, später selbst auf der Bühne zu stehen Also bricht er die Schule vor der Matura (entspricht dem deutschen Abitur) ab, um nach einem kurzen Paris-Aufenthalt eine Ausbildung am Zürcher Bühnenstudio zu beginnen. Seine erste Filmrolle erhält er als 19-Jähriger, als er in Karl Suters Film DER HERR MIT DER SCHWARZEN MELONE (1960) spielt. 1962 geht der Schauspieler ans Junge Theater in Göttingen, zwei Jahre später wechselt er zum Theater am Goetheplatz in Bremen, wo er zum ersten Mal mit Regisseur Peter Zadek zusammenarbeitet. Bald übernimmt er in DER SANFTE LAUF (1967) unter Regisseur Haro Senft wiederum eine Filmrolle.

Doch zunächst konzentriert sich der Schauspieler auf die Theaterarbeit, 1970 schließt er sich dem Ensemble der Berliner Schaubühne an und spielt unter bedeutenden Theaterregisseuren wie Peter Zadek, Claus Peymann, Peter Stein und Klaus Michael Grüber. 1972 erhält Bruno Ganz für seine Darstellung in Thomas Bernhards "Der Ignorant und der Wahnsinnige" unter der Regie Claus Peymanns bei den Salzburger Festspielen die Auszeichnung "Schauspieler des Jahres". In den folgenden Jahren realisiert er vor allem in Zusammenarbeit mit Peter Stein und Klaus Michael Grüber zahlreiche Theaterprojekte.

Mitte der 1970er-Jahre beginnt die Filmkarriere des Bühnenkünstlers. In Wim Wenders` Film DER AMERIKANISCHE FREUND (1977) spielt er den Bilderrahmenmacher Jonathan, der an Leukämie erkrankt ist und nicht mehr lange zu leben hat. Der zwielichtige Amerikaner Ripley meint, Jonathan habe nichts mehr zu verlieren und vermittelt ihn als idealen Auftragsmörder. Drei Jahre später steht Bruno Ganz in Werner Herzogs Dracula-Verfilmung NOSFERATU - PHANTOM DER NACHT (1979) neben Klaus Kinski vor der Kamera. Es folgt DER ERFINDER (1980) unter Regisseur Kurt Gloor, die Geschichte eines zum Scheitern verurteilten Entdeckers Anfang des 20. Jahrhunderts. Als Volker Schlöndorff nach einem Roman von Nicolas Born den Film DIE FÄLSCHUNG (1981) dreht, wählt er Bruno Ganz für die Rolle des Kriegsberichterstatters Georg Laschen, der im Libanon im Einsatz ist und dort auf der einen Seite den Schrecken des Krieges, auf der anderen Seite aber auch die bunte Vielfalt des Landes erlebt. In DER HIMMEL ÜBER BERLIN (1987) und IN WEITER FERNE, SO NAH! (1993) arbeitet der Schauspieler erneut mit Wim Wenders zusammen. Bruno Ganz spielt den Engel Damiel, der sich in die sterbliche Marion verliebt und für sie seine Unsterblichkeit aufgeben will.

1996 erhält der Schauspieler nach dem Tod des Burg-Schauspielers Josef Meinrad den Iffland-Ring, der seit mehr als 200 Jahren von seinem Träger testamentarisch an den besten lebenden deutschsprachigen Schauspieler weitergereicht wird und somit eine der bedeutendsten Auszeichnungen für deutsche Schauspieler darstellt. Obwohl Bruno Ganz weiterhin Rollen in Kino- und Fernsehproduktionen übernimmt, bleibt er auch dem Theater erhalten. So glänzt er im Jahr 2000 in als Faust in Peter Steins insgesamt 21-stündiger Inszenierung des gleichnamigen Goethe-Dramas. Das Stück wird auf der EXPO 2000 in Hannover uraufgeführt und später auch in Berlin und Wien auf die Bühne gebracht. Drei Jahre später gibt der Akteur sein Debüt am Wiener Burgtheater, er spielt unter Klaus Michael Grübers Regie in Sophokles´ "Ödipus in Kolonos". Er soll außerdem unter Claus Peymanns Regie in Botho Strauss´ "Schändung" in Berlin auftreten, es kommt jedoch zum Zerwürfnis mit dem Intendanten und das Stück wird mit Bruno Ganz erst 2006 im Bochumer Schauspielhaus unter der Leitung Elmar Goerdens aufgeführt.

Im deutschen Kino ist der Schauspieler einige Zeit nicht präsent, er wirkt vor allem an internationalen Produktionen mit. So ist er zum Bespiel in DIE ABWESENHEIT (1994) von Peter Handke in dem vier Menschen versuchen, ihrem Alltag zu entkommen, zu sehen. In DIE EWIGKEIT UND EIN TAG (1997) von Theo Angelopoulos spielt er einen kurz vor seinem Tod stehenden Schriftsteller, der in seinen Erinnerungen sein Leben noch einmal Revue passieren lässt. Auch in Silvio Soldinis Komödie BROT UND TULPEN (2000) übernimmt Bruno Ganz eine Hauptrolle. Der Film, der von einem Ehepaar handelt, das seine angeknackste Ehe durch eine Reise vor dem Scheitern zu retten versucht, feiert besonders in Italien großen Erfolg. Im selben Jahr ist der Schauspieler in WERANGSTWOLF (2000) zu sehen, in dem mehrere Schauspieler durch Norditalien wandern und dabei Texte berühmter Schriftsteller sprechen. Zwei Jahre später ist steht er mit Mario Adorf in EPSTEINS NACHT (2002) von Urs Egger vor der Kamera. Mario Adorf spielt den Holocaust-Überlebenden Jochen Epstein, der 1985 in einem Berliner Pfarrer seinen Peiniger im Konzentrationslager wieder zu erkennen meint und ihn zur Rede stellt. Schließlich wird Bruno Ganz für die Rolle des Johann von Staupitz in Eric Tills Historiendrama LUTHER (2003) verpflichtet, der die Geschichte des Reformators Martin Luther thematisiert und vor allem hinsichtlich seiner historischen Korrektheit und seines Authentizitätsanspruches negativ bewertet wird.

Sein nächster Film DER UNTERGANG (2004) beschreibt die letzten Tage Adolf Hitlers im Führerbunker und löst internationale Diskussionen aus. Vor allem die Darbietung von Bruno Ganz, der die Rolle von Adolf Hitler übernimmt, gerät in die Kritik, ihm wird eine "zu menschliche" Darstellung des Diktators vorgeworfen. Trotzdem wird der Film mit zahlreichen Preisen und Nominierungen ausgezeichnet, er erhält sogar eine Oscar-Nominierung für den Besten Fremdsprachigen Film.

Im selben Jahr spielt der Schweizer neben Denzel Washington und Meryl Streep in dem US-Politthriller DER MANCHURIAN KANDIDAT (2004). Es folgen die Schweizer Produktion VITUS (2006) über einen musisch hochbegabten Jungen, dessen Großvater von Bruno Ganz verkörpert wird, und die deutsch-japanische Gemeinschaftsarbeit ODE AN DIE FREUDE (2006) (ODE AN DIE FREUDE (2006) Trailer), der von einem Kriegsgefangenenlager in Japan handelt, in dem deutsche Soldaten zu Beginn des Ersten Weltkriegs interniert sind. In JUGEND OHNE JUGEND (2007) (JUGEND OHNE JUGEND (2007) Trailer) geht es um den siebzigjährigen Linguistik-Professor Matei, der infolge eines Blitzeinschlages verjüngt wird und nun die Ursprünge der menschlichen Sprache zu ergründen versucht. Zuletzt ist Bruno Ganz in DER BAADER MEINHOF KOMPLEX (2008) (DER BAADER MEINHOF KOMPLEX (2008) Trailer) von Regisseur Uli Edel zu sehen, der Stefan Austs gleichnamiges Buch über die RAF und ihre Anfänge verfilmt und im September 2008 in die Kinos kommt.

Bruno Ganz lebt von seiner Frau Sabine, mit der er seit 1965 verheiratet ist, getrennt. Der gemeinsame Sohn Daniel wurde 1972 geboren und ist seit seiner Kindheit blind. Heute lebt der Schauspieler mit der Theaterfotografin Ruth Walz zusammen.

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Autorin: Katharina Wähner
Stand: August 2008

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