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Sydney Pollack

Sydney Pollack
Regie, Drehbuch, Kamera, Darsteller, Produzent, Ausführender Produzent

* 01. Juli 1934
Lafayette (Indiana)
USA
† 26. Mai 2008
Pacific Palisades (Kalifornien)
USA

SYDNEY POLLACK • Biographie Seite 1/1

Schauspieler, Regisseur und Produzent - das ist der Karriereweg des Sydney Pollack. Er ist einer der wenigen Universalkünstler Hollywoods, der zudem auf eine 40jährige Karriere zurückblicken kann. Als Regisseur hat in den 1970er Jahren das Polit-Drama zur neuen Blüte verholfen und gemeinsam mit Robert Redford Hollywood den Stempel der Liberalität aufgedrückt. Er hat Filme mit großen Gefühlen und wunderbaren Bildern gedreht. Zudem gilt er als Schauspiel-Regisseur, der mit ausfeilten Charakteren seine Darsteller zu Höchstleistungen inspiriert. 46 Oscar-Nominierungen sind nur eine Bilanz seiner Filmkarriere.

Sydney Pollack wird am 01. Juli 1934 in Lafayette, Indiana geboren. Seine Eltern waren jüdisch-russischer Anstammung und betreiben eine Apotheke. Bereits an der High School entdeckt er das Theater für sich und will unbedingt Schauspieler werden. Nach dem Schulabschluss geht er 1952 nach New York und beginnt eine Ausbildung am Neighborhood Playhouse. Zwei Jahre dauert seine Ausbildung, danach erhält er erste kleine Bühnen-Engagements, auch erste Rollen in Fernsehproduktionen schließen sich an. Zwischenzeitlich wird er zum Militärdienst eingezogen und arbeitet danach nicht nur auf der Bühne sondern auch als Schauspiel-Lehrer und Dialogcoach, verdient sein Geld als Regisseur für TV-Live-Shows.

Zur Regie kommt er zufällig, seine Kollegen John Frankenheimer und Burt Lancaster entdecken sein Talent. Ab 1960 beginnt er als Regisseur für das Fernsehen zu arbeiten. Er ist unter anderem an den erfolgreichen Serien "Auf der Flucht", "Ben Casey" und "Dr. Kildare" beteiligt. Mitte der 1960er Jahre erhält er ein Angebot für einen Kinofilm, nimmt an und dreht STIMME AM TELEFON (1965). Das Drama um eine potentielle Selbstmordkandidatin (gespielt von Anne Bancroft) erregt Aufmerksamkeit und sichert dem jungen Regisseur weitere Aufträge. Im selben Jahr noch arbeitet er erstmals mit Robert Redford zusammen und verfilmt das ausweglose Drama DIESES MÄDCHEN IST FÜR ALLE (1965) nach einem Bühnenstück von Tennessee Williams. Das Glück eines jungen Mädchens wird durch den Ehrgeiz der Mutter zerstört. Sensibel blickt der Regisseur auf ärmliche Verhältnisse. Der Hollywood-Star Burt Lancaster freundet sich mit dem Regisseur an und spielt in drei seiner Filme als Hauptdarsteller.

Seinen nationalen wie internationalen Durchbruch feiert Sydney Pollack mit NUR PFERDEN GIBT MAN DEN GNADENSCHUSS (1969) nach dem 1935 erschienenen Roman von Horace McCoy. Geschildert werden die Geschehnisse auf einem Tanz-Marathon zur Zeit der Weltwirtschaftskrise. Die Menschen sind verzweifelt, müssen sich in einer brutalen Gesellschaft mit allen Mitteln durchsetzen und verlieren am Ende doch nur. Gelobt wird der Film als einer der besten der 1960er Jahre, weil er ohne Kompromisse das Bild der 1930er Jahre zeichnet, schonungslos und ohne Hollywood-Glamour sowie Happy-End. Für 9 Oscars wird der Film nominiert, unter anderem Sydney Pollack als Bester Regisseur, aber nur der Nebendarsteller Gig Young wird für seine Rolle als schmieriger Veranstalter Rocky ausgezeichnet. Bei diesem Film beweist der Regisseur, dass er ein sensibler Führer von Schauspielern ist. Die großen Hollywood-Stars der Zeit wollen immer wieder mit ihm arbeiten: Robert Redford und Jane Fonda, Barbra Streisand und Meryl Streep, Robert Mitchum und Dustin Hoffman, Sean Penn und Nicole Kidman bieten sich an, weil der Regisseur mit seinen ausgeklügelten Geschichten in der Lage ist, ihr Rollenprofil sinnvoll zu erweitern.

Mit dem Schauspieler Robert Redford ergibt sich eine langjährige, intensive Arbeitsbeziehung, die über mehrere Filme - insgesamt sieben - andauert und die von ihrem politischen Liberalismus zeugt. Sie beweisen mit ihrer Themenauswahl Zivilcourage, zeigen ihren ausgeprägten Individualismus, kritisieren das eigene Land, ohne offen gegen das System zu rebellieren. Mit dem Fallensteller und Jäger JEREMIAH JOHNSON (1971), der sich gegen die Zivilisation wendet, verweisen Regisseur und Darsteller in der verschneiten Berg-Einöde auf soziales Engagement, welches aber auch von Grausamkeit und Barbarei eingeholt werden kann. Gemeinsam mit Barbra Streisand inszeniert er Robert Redford in SO WIE WIR WAREN (1973) vor der Kamera: Erzählt wird die Geschichte einer schwierigen Liebe, die an den weltanschaulichen Unterschieden der Partner zerbricht. In dem spannenden Polit-Thriller DIE DREI TAGE DES CONDORS (1974) kommt sein Hauptdarsteller eine mörderische Intrige auf die Spur und der Regisseur thematisiert die fragwürdige Rolle des Geheimdienstes. Das Gewissen für die Würde des Tieres können beide in DER ELEKTRISCHE REITER (1978) beweisen. Ein Rodeo-Weltmeister gibt hier einem berühmten Rennpferd seine Freiheit wieder und kritisiert die Medien, die nur auf kurzweiliges Spektakel aus sein. JENSEITS VON AFRIKA (1985) schließlich wird ihr erfolgreichster Film. Robert Redford spielt an der Seite von Meryl Streep den Großwildjäger Denys Finch Hatton. Wunderschöne Bilder von Afrika, eine Geschichte um große Gefühle und brillante Darsteller sichern dem Film nicht nur positive Kritikerstimmen sondern auch Erfolg an den Kinokassen und bei Preisverleihungen. Zwei Oscars kann Sydney Pollack für seinen bildgewaltigen Film mit nach Hause nehmen.

Sydney Pollack greift in seinen Filmen immer wieder Themen des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen und Mentalitäten auf. Mit YAKUZA (1974) blickt er auf die gleichnamige japanische Verbrecherorganisation. Ein Amerikaner (Robert Mitchum) unterwirft sich der Ordnung der Gangster. In DIE SENSATIONSREPORTERIN (1981) hinterfragt er die Ethik von Journalisten. Ob Polit-Drama oder Melodram - Sydney Pollack Blick auf den Zustand der Gesellschaft ist überaus fein, feinfühlig hat er einen guten Instinkt für die Stimmungen der Zeit und kann diesen in gut inszenierten Geschichten umsetzen. Einer seiner größten Publikumserfolge wird die Travestie-Komödie TOOTSIE (1983). Dustin Hoffman spielt hier einen arbeitslosen Schauspieler, der sich als Frau verkleidet, um endlich eine Rolle zu erhalten. Mit vielen Seitenhieben auf das amerikanische Showbusiness versehen, thematisiert der Film auch Probleme der Geschlechter-Identität. Wieder wird er für 9 Oscar nominiert und nur Jessica Lange kann eine der Trophäen als Beste Nebendarstellerin erhalten. Insgesamt sind seine Filme, die er als Regisseur und Produzent betreut hat, 46-mal von der American Academy für einen Oscar nominiert.

Mit DIE FIRMA (1993) nach einem Roman von John Grisham legt der Regisseur einen weiteren Kassenerfolg vor. Der junge Harvard-Absolvent Mitch McDeere (Tom Cruise) kann sich seine Stellung aussuchen und entscheidet sich für eine Anwaltskanzlei, die - wie sich später herausstellt - die Mafia bei ihren Machenschaften unterstützt. Wieder gelingt es dem Regisseur Spannung mit Anspruch zu verbinden, einmal mehr führt er mit ausgefeilten Charakteren seine Schauspieler zu Glanzleistungen. SABRINA (1995) ist ein Remake des gleichnamigen Films von Billy Wilder aus dem Jahre 1954. Eine Chauffeurstochter verliebt sich in einen Millionärssohn und entscheidet sich später für seinen Bruder. Für einige Kritiker reicht der Film an das Original nicht heran, ein Kinoerfolg wird er trotzdem. Sein letzter Spielfilm in Eigen-Regie wird der Polit-Thriller DIE DOLMETSCHERIN (2005), in dem eine UN-Dolmetscherin (Nicole Kidman) zufällig von einem geplanten Attentat auf einen afrikanischen Staatsmann erfährt. Sie muss sich nicht nur vor der Polizei rechtfertigen, die Attentäter wollen sie aus dem Weg räumen. Damit versucht der Regisseur das erfolgreiche Politdrama der 1970er Jahre ins neue Jahrtausend zu führen.

Zwischen seinen Regiearbeiten ist Sydney Pollack auch immer noch als Darsteller tätig. Häufig nimmt er Rollen an, um seine eigenen Projekte durchführen zu können. Bei der Zusammenarbeit mit anderen Regisseuren mimt er häufig den Bösewicht. Robert Altman holt ihn sein Ensemble bei THE PLAYER (1992), unter der Regie von Robert Zemeckis arbeitet er in der Komödie DER TOD STEHT IHR GUT (1992) mit. Stanley Kubrick holt ihn als Zeremonienmeister Victor Ziegler in seine Verfilmung der "Traumnovelle" von Arthur Schnitzer EYES WIDE SHUT (1999) vor die Kamera. Zusätzlich zu Schauspielerei und Regie übernimmt er als Produzent zahlreiche Filmprojekte. Zu seinen wichtigsten Werken zählen die Jane Austen-Verfilmung SINN UND SINNLICHKEITEN (1995) von Ang Lee, DER TALENTIERTE MR. RIPLEY (1999) von Anthony Minghella oder dem mehrfach Oscar-nominierten Film MICHAEL CLAYTON (2007) (MICHAEL CLAYTON (2007) Trailer) von Tony Gilroy. Auch als Produzent beweist der Künstler eine gute Hand für interessante und politisch brisante Stoffe.

Sydney Pollack ist seit 1958 mit der Schauspielerin Claire Griswold verheiratet, die Ende der 1960er Jahre ihren Beruf aufgibt. Gemeinsam haben sie drei Kinder. Sydney Pollack stirbt am 27. Mai 2008 in Pacific Palisades im Kreise seiner Familie an den Folgen einer Krebserkrankung.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Mai 2008

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