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Erich Pommer

Erich Pommer
Produzent, Produktionsleitung

* 20. Juli 1889
Hildesheim
Deutschland
† 08. Mai 1966
Woodland Hills (Kalifornien)
USA

ERICH POMMER • Biographie Seite 1/1

Erich Pommer ist der wichtigste Produzent der 20er und 30er Jahre in Deutschland. Er gründet während des I. Weltkrieges die Decla-Film-Gesellschaft-Holz & Co., die erstmals finanzielle und künstlerische Erfolge im Ausland erzielen kann. Später ist er Produktionschef der Ufa und schafft die kreative Atmospäre für die Klassiker des deutschen Tonfilms mit Willy Fritsch und Lilian Harvey. 1933 emigriert er, arbeitet in Frankreich, England und Amerika. 1946 zurückgekehrt nach Deutschland wird er eine der Stützen für den Wiederaufbau des westdeutschen Films.

Erich Pommer wird am 20. Juli 1889 in Hildesheim geboren. Sein Vater ist ein wohlhabender Kaufmann, der ab 1896 in Göttingen die Leitung einer Konservenfabrik übernimmt. Zur Familie gehören fünf Kinder, wobei sein Bruder Albert Pommer später auch im Filmgeschäft tätig sein wird. In Göttingen besucht Erich Pommer ab 1898 das Gymnasium. Seine Schulausbildung beendet er 1906 mit dem Abschluß der Realschule. Kurz darauf zieht die Familie Pommer nach Berlin, wo Erich Pommer eine kaufmännische Lehre beginnt.

Ab 1907 arbeitet Erich Pommer in der Berliner Filiale des französischen Filmkonzerns Gaumont; 1910 übernimmt er die Leitung der Gaumont-Filiale in Wien. Im Sommer 1911 wird er zum Militärdienst eingezogen. Nach einem Jahr ist er Gefreiter. Seinen beruflichen Wiedereinstieg beginnt er mit einem Wechsel vom Gaumont-Konzern zum französischen Konkurrenten Film- und Kinematographen GmbH Eclair. Für diese Firma übernimmt er die Generalvertretung für Zentral- und Osteuropa, später auch für Skandinavien; mit Arbeitssitz in Wien, später in Berlin. Bereits in Wien beginnt Erich Pommer mit der Produktion von Filmen; ab 1913 entstehen unter seiner Produktion und für die Wiener-Autoren-Film mehrere Spielfilme.

Mit Beginn des I. Weltkrieges wird Erich Pommer eingezogen. Nach einer Verwundung an der Ostfront ist er ab 1916 Ausbilder für Rekruten in Berlin. Als 1917 auf Initiative der Obersten Herresleitung das Bild- und Filmamt (Bufa) gegründet wird, wird er dorthin abkommandiert und bearbeitet Wochenschauen und Dokumentarfilme. Später wird er Leiter der Film-Abteilung der Zensurstelle der Militär-Verwaltung in Rumänien. Bis in den November 1918 lebt er in Bukarest.
Schon während seines Militärdienstes intensiviert Erich Pommer seine Produzententätigkeit. Mit dem Kapital der Deutschen Eclair und zusammen mit Fritz Holz gründet er 1915 die Decla-Film-Gesellschaft-Holz & Co. in Berlin. Die Produktionsfirma produziert in seiner Abwesenheit Abenteuer- und Detektivfilme, Melodramen, Liebeskolportagen, Gesellschaftsstücke und Kurzfilm-Serien. Regisseure der Firma sind Alwin Neuss und Otto Rippert, zu den Star-Schauspielern gehören unter anderem Resl Orla und Carola Toelle.

Nach Ende des I. Weltkrieges übernimmt Erich Pommer wieder die Leitung der Firma, die in seiner Abwesenheit von seinem Bruder Albert Pommer und Erich Morawsky geführt worden ist. Im Herbst 1919 fusioniert er mit der Meinert-Film-Gesellschaft. Der Produzent und Regisseur Rudolf Meinert zeichnet verantwortlich für die Produktion, Erich Pommer fühlt sich für die Vertretung der Filme im Ausland zuständig. Ab 1919 werden die Produktionen der Decla-Film-Gesellschaft-Holz & Co. deutlich ambitionierter. Der junge Fritz Lang inszeniert Abenteuerfilme, Robert Wiene setzt den internationalen Erfolg DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) in Szene. Der finanzielle und künstlerische Aufschwung führt im März 1920 zur Fusion mit der Deutschen Bioscop AG zur Decla-Bioscop AG. Nunmehr wird auf dem Studiogelände in Neubabelsberg gedreht. Weitere Produktionsfirmen werden gegründet (UcoFilm GmbH, Russo-Film). Sie erweitern das anspruchsvolle Programm um die Verfilmungen publikumsträchtiger Fortsetzungsromane und Meisterwerken der Weltliteratur.

Im November 1921 wird die Decla-Bioscop AG von der Universum-Film AG (Ufa) geschluckt. Die Firma besteht innerhalb der Ufa weiter, bringt die künstlerisch wichtigsten Filme hervor. Erich Pommer arbeitet unter anderem mit den Regisseuren Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und Ludwig Berger zusammen. Auch die wichtigsten Drehbuchautoren, Kameramänner und Architekten stehen ihm zur Verfügung. Im Februar 1923 wird Erich Pommer Vorstandsmitglied der Ufa, zudem übernimmt er innerhalb des Ufa-Konzerns die Direktion der Union AG, der Messter-Gesellschaft und wird Mitglied des Vorstandes der Davidson-Film AG.

Während seiner Leitung wird der nationale und internationale Ruf der Ufa begründet. Erich Pommer schafft eine überaus kreative Atmosphäre. Es entstehen die Filmklassiker von Fritz Lang, Ewald André Dupont und Friedrich Wilhelm Murnau. Nach dem finanziellen Disaster von METROPOLIS (METROPOLIS Trailer) (1926) wird allerdings sein Vertrag bei der Ufa nicht verlängert.

1926 geht der Produzent nach Amerika. Er produziert mit Pola Negri zwei Paramount-Streifen, arbeitet kurzzeitig für MGM und folgt Ende des Jahres 1927 einem Ruf zurück nach Deutschland. Die Ufa will ihn wieder. Er wird Produktionsleiter der "Erich Pommer-Produktion der Ufa". Zurückgekehrt arbeitet er mit Joe May und Hans Schwarz. Einer seiner größten Erfolge wird DER BLAUE ENGEL (1930) in der Regie von Josef von Sternberg, mit Marlene Dietrich und Emil Jannings in den Hauptrollen. Danach produziert er einen Erfolg nach dem anderen.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird sein Vertrag mit der Ufa im April 1933 gelöst. Daraufhin verläßt der Produzent das Land und geht zunächst nach Frankreich. Hier finden sich weitere Emigranten ein, mit denen er zusammenarbeitet. Es sind die alten Bekannten Max Ophüls und Fritz Lang. Danach geht er nach England und produziert für den Film-Mogul Alexander Korda. Mit dem Schauspieler Charles Laughton gründet er 1937 eine eigene Produktionsfirma, die Mayflower Pictures Corporation. Bei der ersten Produktion der Firma führt Erich Pommer erstmals und einmalig Regie. Danach inszenieren Regisseure wie Tim Whelan und Alfred Hitchcock, die Filme der Firma, in denen immer Charles Laughton der Hauptdarsteller ist.

Nach Beginn des II. Weltkrieges im September 1939 lebt und arbeitet Erich Pommer in Hollywood. Er wird von RKO engagiert. Nach einer schweren Erkrankung stagniert seine Karriere. Projekte, wie die Neuverfilmung deutscher Klassiker, scheitern. 1944 wird er amerikanischer Staatsbürger, ist mittlerweile verarmt und außerhalb des Filmgeschäfts tätig. Das ändert sich, als er im Sommer 1946 nach Deutschland in die amerikanische Besatzungszone als oberster Filmoffizier der Militärregierung zurückkehrt. Er ist für den Wiederaufbau der westdeutschen Filmindustrie zuständig. 1949 gibt er das Amt auf und konzentriert sich wieder auf seine Produzententätigkeit.

1951 gründet Erich Pommer die Intercontinental Film GmbH, München. Bereits der erste Film wird ein Erfolg: NACHTS AUF DEN STRASSEN (1951) mit Hans Albers und Hildegard Knef in den Hauptrollen wird mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Danach entstehen weitere Filme mit Hildegard Knef. Der Film KINDER, MÜTTER UND EIN GENERAL (1955) wird sein letzter Film. Er wird im selben Jahr mit dem Golden Globe als bester ausländischer Film ausgezeichnet.

1956 kehrt Erich Pommer nach Amerika zurück. Er ist unzufrieden mit seinen beruflichen Möglichkeiten in Deutschland. Zudem leidet er unter einer Fußentzündung, ihm wird ein Bein amputiert. Seit Dezember 1913 ist er mit der Buchhalterin Gertrud Levy verheiratet, die er während seiner Arbeit kennengelernt hat. Mit seinem Sohn John E. Pommer gründet er die Rossmore Productions. Projekte kommen allerdings nicht mehr zustande. Erich Pommer stirbt am 08. Mai 1966 in Woodland Hills, Los Angeles.

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