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Jean Cocteau

Jean Cocteau
* 05. Juli 1889
Maisons-Lafitte
Frankreich
† 11. Oktober 1963
Milly-la-Forêt
Frankreich

JEAN COCTEAU • Biographie Seite 1/1

Jean Cocteau ist ein Multitalent und Universalgenie: Er schreibt Gedichte, Drehbücher und Romane, ist als Maler und Grafiker überaus angesehen, arbeitet für Theater und Film, steht als Schauspieler auf der Bühne und vor der Kamera. Innerhalb des französischen Kunstbetriebs wird Jean Cocteau zu einer Institution, die mehr als 50 Jahre zur Avantgarde des Landes zählt. Ab den 1930er Jahren inszeniert der Künstler Filme, von denen DIE SCHÖNE UND DAS BIEST (1945) oder ORPHEE (1949) zu den Klassikern der Filmgeschichte zählen.

Jean Cocteau wird am 05. Juli 1889 in Maissons-Lafitte als Sohn eines wohlhabenden Börsenmaklers geboren. Die Familie wohnt in einem vornehmen Pariser Vorort. Er besucht das renommierte Lyceé Condorcet, wird aber mit 15 Jahren von der Schule verwiesen. Mit 16 Jahren lernt Jean Cocteau den Schauspieler Édouard de Max kennen, der sein schriftstellerisches Talent erkennt und fördert. Als 20jähriger veröffentlicht er seinen ersten Gedichtband "La lampe d'Aladin".

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs meldet sich Jean Cocteau freiwillig zum Militärdienst. Seine gesundheitliche Verfassung läßt eine Einsatz an der Front aber nicht zu. Er arbeitet im Sanitätsdienst. In dieser Zeit lernt er Guillaume Apollinaire, Pablo Picasso, Amedeo Modigliani, Igor Strawinsky und andere Künstler kennen, mit denen er später zusammenarbeiten wird. Außerdem arbeitet er an seinem erstem Ballett, daß 1917 aufgeführt wird. Mit der Ausstattung von Pablo Picasso und der Musik von Erik Satie wird es vom "Ballets Russes" unter der Leitung von Sergej Pavlovic Diaghilev aufgeführt. Nach Ende des Krieges veröffentlicht der Künstler zahlreiche Gedichtbände, schreibt Theaterstücke und legt der Öffentlichkeit Romane vor, in denen er sich mit seinen Erlebnissen während des Krieges auseinandersetzt. Außerdem arbeitet er als Maler und Grafiker.

1923 wird Jean Cocteau opiumabhängig und unterzieht sich in der Folgezeit einer Entwöhnungskur. Seine Erfahrungen mit der Drogensucht beschreibt er in seinem autobiographischen Werk "Opium", welches 1930 veröffentlicht wird. Während seines Sanatoriumsaufenthalt entstehen einige seiner Hauptwerke, darunter die Dramen "Orphée" (1925) und "Die Höllenmaschine" (1934).

Ab den 30er Jahren inszeniert Jean Cocteau Filme. Sein Debütfilm DAS BLUT EINES DICHTERS (1930) orientiert sich am Surrealismus. Er ist hier Regisseur und Autor, entwirft die Bauten und übernimmt den Schnitt. Der Film bildet den Anfang seiner Auseinandersetzung mit dem Thema des Künstler-Seins, das im Zwiespalt zwischen Alltag und Kunst steckt. Erst 10 Jahre später entsteht sein nächster Film: DAS GLÜCK (1940). In DIE SCHÖNE UND DAS BIEST (1945) wird die Geschichte eines häßlichen Untiers erzählt, welches durch die Schönheit und Reinheit des Mädchens Belle bezwungen wird. Der phantastische Film orientiert sich an Märchen und volkstümlichen Mythen, ist voller Poesie und Symbolik. Der Hauptdarsteller Jean Marais wird in vielen seiner Filme spielen.

Ende der 1940er Jahren folgt sein Film ORPHEE (1949), der bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet wird. Bereits 1925 adaptiert der Künstler die antike Sage von Orpheus in seinem Theaterstück "Orphée". In dieser modernen Vision des Mythos vom antiken Sänger begibt sich Orpheus, ein gefeierter Dichter, auf die Reise in die Unterwelt, nicht so sehr aus Liebe zu Eurydike als zum Tod, der von einer geheimnisvollen Prinzessin verkörpert wird. Stück wie Film fragen nach der dichterischen Inspiration und der Rolle des Dichters im Leben.

Mit DIE SCHRECKLICHEN ELTERN (1948) legt er einen Film über ein moralisch verwahrlostes Bürgertum vor. Gemeinsam mit dem Regisseur Jean-Pierre Melville arbeitet er an einer Fortsetzung unter dem Titel DIE SCHRECKLICKEN KINDER (1950), in dem die Geschichte einer in inzestuöser Gemeinschaft lebenden Geschwisterpaares erzählt wird.

Sein letzter Film wird DAS TESTAMENT DES ORPHEE (1960), in dem er seine ganz persönliche Welt darstellt. Der Schlußteil seiner Trilogie über den Status des Künstlers wird sein filmisches Vermächtnis, in dem die Menschen, Motive und Mythen seines filmischen und dichterischen Werkes wiederauferstehen.

Jean Cocteau übt neben seiner Filmarbeit zahlreiche andere Tätigkeiten aus. Er ist Theaterautor, Dekorateur, Komponist, Musikkritiker, schreibt auch Drehbücher für andere Theater- und Filmschaffende wie für Serge de Poligny, Jean Delannoy oder Roberto Rossellini. Ab den 1950er Jahren konzentriert sich Jean Coucteau besonders auf sein graphisches Schaffen. Zahlreiche kleinformatige Radierungen erscheinen in der Edition "Le petit pommery" von Hedwige Soder in Paris. Es entstehen Graphiken für das deutsch-französische Jugendwerk, keramische Arbeiten, Schmuck und Skulpturen nach Cocteau-Entwürfen. 1955 wird er Mitglied in der Belgische Akademie und zudem in die Académie Française gewählt.

Die enge und lebenslange Freundschaft mit dem Schauspieler Jean Marais beginnt 1937. Seitdem schreibt Jean Cocteau in seinen Werken Rollen speziell für seinen Lebenspartner. Die Beziehung zwischen beiden schildert Jean Marais in seiner Autobiographie "Spiegel meiner Erinnerung" (1982). Jean Cocteau stirbt am 11. Oktober 1963 in Milly-la-Foret.

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