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Willy Haas

Willy Haas
Drehbuch

* 07. Juli 1891
Prag
Tschechische Republik
† 04. September 1973
Hamburg
Deutschland
andere Namen Vilem Haas

WILLY HAAS • Biographie Seite 1/1

Willy Haas schreibt einige der erfolgreichsten Drehbücher für deutsche Stummfilme. Er arbeitet mit den Regisseuren Friedrich Wilhelm Murnau oder Georg Wilhelm Pabst zusammen. Außerdem zählt er zu den wichtigsten Film-, Theater- und Literaturkritikern seiner Zeit.

Willy Haas wird am 07. Juni 1891 in Prag geboren. Sein Vater ist Advokat. Nach seiner Schulausbildung studiert er von 1909 bis 1991 Jura an der berühmten Karls-Universität in Prag. Während seines Schul- und Studienzeit freundet er sich mit den späteren Schriftstellern Franz Werfel und Franz Kafka an. Schon während dieser Zeit gibt er gemeinsam mit Otto Pick die literarische Zeitschrift "Die Herderblätter" heraus, in der u.a. Texte seiner Freunde sowie von Kurt Hiller oder Robert Walser veröffentlicht werden. 1913 wird er Lektor im Kurt-Wolff-Verlag in Leipzig. Seine berufliche Karriere wird durch den Ausbruch des I. Weltkriegs 1914 unterbrochen. Bis 1918 dient als Leutnant in der k.u.k.-Armee.

1920 geht Willy Haas nach Berlin. Er arbeitet beim "Film-Kurier", einem Fachblatt der deutschen Filmindustrie, das täglich erscheint. Er verfaßt bald brilliante Filmkritiken (auch Theaterkritiken), wird Redakteur der Zeitschrift und ruft mit seinen Texten zahlreiche Diskussionen zum Berufsethos des Kritikers hervor.

Seit 1920 verfaßt er auch Drehbücher für Filme. Er arbeitet gemeinsam mit der Star-Autorin Thea von Harbou, der unbekannteren Fanny Carlsen oder mit Arthur Rosen. Sein erstes Drehbuch schreibt er für den Film DER BRENNENDE ACKER (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau. Zu den bekannteren Filmen gehört ebenso Die Brüder Schellenberg (1926), in dem Conrad Veidt eine Doppelrolle spielt.
Besonders erfolgreich werden die Literatur-Adaptionen von Willy Haas. Er verarbeitet Stücke von Gerhart Hauptmann, Romane von Emile Zola oder Hugo Bettauer. Letzter hat die Romanvorlage zu dem Film DIE FREUDLOSE GASSE (1925) geschrieben. Der Film mit Greta Garbo und Asta Nielsen in der Regie von Georg Wilhelm Pabst zählt zu den bedeutensten Filmen der Weimarer Republik. Willy Haas schreibt noch gemeinsam mit dem Regisseur Adolf Trotz das Drehbuch für den Tonfilm WEG ZUR GUTEN EHE (1933), der auch in einer französischen Version in die Kinos kommt, aber danach ist er nicht mehr an der Erarbeitung von Drehbüchern beteiligt.

1925 gründet Willy Haas die Wochenzeitung "Die Literarische Welt", mit der er bis 1933 überaus erfoglreich ist. Als einer der ersten maßgeblichen Publizist, hebt er die verhängnisvolle Unterteilung in E- und U-Kultur auf. Das moderne und unterhaltsame Blatt wird zum Zentrum kulturellen Austauschs in der Weimarer Republik, der durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten abrupt beendet wird. 1933 muß Willy Haas Deutschland verlassen. Er geht zunächst in seine Heimatstadt Prag. Dort arbeitet er als Filmkritiker, Lektor oder Redakteur. In Prag sieht er sich nach dem Einmarsch deutscher Truppen wiederholt Hausdurchsuchungen ausgesetzt. 1939 emigriert er über Frankreich nach Indien. Für ein indische Produktionsfirma schreibt er mehrere Drehbücher. Über seine Zeit bei den "Bhavnani Productions" schreibt er in seinen Lebenserinnerungen von 1957. Als der II. Weltkrieg auch diesen Teil der Welt erfaßt, wird er Kapitän der Indischen Armee, später arbeitet er als britischer Presseoffizier.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1948 arbeitet Willy Hass für "Die Welt" und "Die Welt am Sonntag". Anfangs ist er dort Controller, später schreibt er für das Feuilleton. Er ist für Fernsehen und Radio tätig. Seit 1999 vergibt "Die Welt" den Literaturpreis, den sie zur Erinnerung an den Gründer und Eigentümer der "Literarischen Welt" gestiftet hat.

Willy Haas ist dreimal verheiratet. Sein Sohn Michael wird 1925 geboren.
Willy Haas stirbt am 04. September 1973 in Hamburg.

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