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Willem Dafoe

Willem Dafoe
Darsteller

* 22. Juli 1955
Appleton (Wisconsin)
USA

WILLEM DAFOE • Biographie Seite 1/1

Er ist der machtgierige Bösewicht, der aufrechte Held mit hohen moralischen Standards, der Exzentriker mit dem durchdringenden Blick, der angsterfüllte Messias - Willem Dafoe lässt sich unmöglich auf ein bestimmtes Rollenmuster festlegen. Doch egal in welchem Genre er auftritt, dem amerikanischen Mimen gelingt es regelmäßig, Zuschauer und Kritiker zu überzeugen.

William J. Dafoe wird am 22. Juli 1955 in Appleton, Wisconsin, als sechstes von sieben Kindern von Muriel Isabel, einer Krankenschwester, und dem Chirurgen Dr. William Alfred Dafoe geboren. Er besucht die Appleton East High School, an der er den Spitznamen "Willem" erhält, und studiert anschließend an University of Wisconsin-Milwaukee Theaterwissenschaft. Einen Abschluss macht er jedoch nicht. Er schmeißt sein Studium und schließt sich der experimentellen Theatergruppe "Theatre X" aus Milwaukee an, mit der er einige Jahre durch die USA und Europa tourt. 1976 verlässt Willem Dafoe die Gruppe, zieht nach New York City und wird Mitglied der "Wooster Group". Bis heute ist er bei dieser Truppe dabei und ist ab und an mit ihr unterwegs.

Willem Dafoe hat jedoch nicht nur am Theater Ambitionen, auch beim Film will er es wissen. Sein Debüt gibt er in einer Minirolle in dem grandios gefloppten Western HEAVEN’S GATE (1980) von Michael Cimino. Weil er während der Dreharbeiten einer stillen Szene laut lachen muss, wirft ihn der Regisseur raus, sein kurzer Auftritt wird jedoch nicht herausgeschnitten. Erste echte Sporen als Filmschauspieler verdient Willem Dafoe sich in dem ungewöhnlichen Bikerdrama THE LOVELESS (1982) von Kathryn Bigelow und Monty Montgomery. Als Anführer einer Motorradgang kann er sich erstmals auszeichnen und überzeugt in dieser Rolle so, dass er in dem Action-Roadmovie STRASSEN IN FLAMMEN (1984) von Walter Hill einen ähnlichen Part bekommt.

Sein unnachahmlicher Blick und sein beängstigend glaubwürdiges Spiel verhelfen ihm zu weiteren Rollen von Format. Häufig wird Willem Dafoe als skrupelloser, durchtriebener Bösewicht besetzt. In dem Actionthriller LEBEN UND STERBEN IN L.A. (1985) von William Friedkin tritt er als fieser, bedrohlicher und kompromissloser Geldfälscher auf. Er spielt so überzeugend, dass glatt angenommen werden könnte, er sei tatsächlich ein Bösewicht. In WILD AT HEART (1990), einem Roadmovie von David Lynch, unterstreicht er seinen Ruf als ausgezeichneter Fiesling. Selbst in wenig erfolgreichen Filmen wie SPEED 2: CRUISE CONTROL (1997) kann er überzeugen. Der Actionflop von Regisseur Jan de Bont bekommt zwar überwiegend vernichtende Kritiken, Willem Dafoe als verrückter Rächer federt die Enttäuschung ob des misslungenen Sequels jedoch ab. Eine seiner Paraderollen als Bösewicht spielt er 2002 in dem Blockbuster-Hit SPIDER-MAN. In der Comicverfilmung von Sam Raimi verkörpert er den durch ein Serum wahnsinnig gewordenen Norman Osborn, der als Grüner Kobold gegen den Spinnenmann zu Felde zieht.

Nicht immer sind es aber die vollkommen durchtriebenen Charaktere, die Willem Dafoe darstellt. Oftmals sind sie eine Mischung aus Exzentrik, Zwielichtigkeit, verkappter Pflichterfüllung und umfassenden Unnahbarkeit. In DER BLUTIGE PFAD GOTTES (1999) von Troy Duffy spielt er den homosexuellen FBI-Agenten Paul Smecker, ein seltsam zwielichtiger, undurchschaubarer Protagonist, der dem Kultthriller die letzte Würze verleiht. Schön gruselig verkörpert Willem Dafoe hingegen Max Schreck, der in SHADOW OF THE VAMPIRE (2000) ein echter Vampir ist und nach Blut dürstet. Für diese Rolle in dem Horrorfilm von E. Elias Merhiges wird Willem Dafoe für mehrere Preise nominiert, so auch für den Oscar als Bester Nebendarsteller.

Willem Dafoe erkennt jedoch schon früh, dass er sich nicht auf einen Rollentyp festlegen lassen darf. Ein Schauspieler mit seinen Fähigkeiten kann auch gar nicht immer nach dem gleichen Muster besetzt werden. Als einer der Ersten erkennt das Regisseur Oliver Stone. In seinem polarisierenden Kriegsfilm PLATOON (1986) gibt er Willem Dafoe den Part des vietnamkriegserfahrenen Sergeant Elias, dessen moralisches Empfinden noch halbwegs intakt ist im Gegensatz zu dem von Sergeant Barnes, der von Tom Berenger gespielt wird. PLATOON wird mit vier Oscars ausgezeichnet und bedeutet für Willem Dafoe den endgültigen Durchbruch. Ebenso integer ist der von ihm dargestellte Charakter in dem Rassismusdrama MISSISSIPPI BURNING - DIE WURZEL DES HASSES (1988) von Alan Parker. Als bürokratischer, jüngerer FBI-Agent Alan Ward geht er mit seinem von Gene Hackman gespielten Kollegen einem in den Südstaaten begangenen Dreifachmord nach und gerät dabei immer tiefer in den Sumpf aus Rassenhass und Verschwiegenheit. Bei der Oscarverleihung wird der Film für sieben Statuetten nominiert und in der Kategorie Beste Kamera ausgezeichnet.

In Dramen spielt Willem Dafoe regelmäßig groß auf. Und nicht selten sind es Filme, die heftige Diskussionen zur Folge haben. In DIE LETZTE VERSUCHUNG CHRISTI (1988) von Martin Scorsese spielt Willem Dafoe, der sehr oft äußerst zweifelhafte Figuren verkörpert, ausgerechnet den Gottessohn Jesus Christus - die Interpretation des Messias ist jedoch keine gängige: Als zweifelnder, mit dem Schicksal hadernder und mit den Römern kollaborierender junger Mann, der seiner Aufgabe auf Erden als Zumutung empfindet und am Kreuze hängend eine Kehrtwende macht. Der Aufschrei konservativer Christen führt zu massiven Protesten gegen den Film. Nicht weniger skandalös ist seine Zusammenarbeit mit dem dänischen Regisseur Lars von Trier. Das Psychodrama ANTICHRIST (2010) ist ein schonungsloses, verstörendes Werk, dass durch das intensive Spiel von Willem Dafoe und seiner Filmpartnerin Charlotte Gainsbourg getragen wird.

2012 ist Willem Dafoe mal wieder in einem richtigen Blockbuster dabei. In dem Fantasyfilm JOHN CARTER (JOHN CARTER Trailer) von Andrew Stanton spielt er den grimmigen, jedoch auch geduldigen und humorvollen grünen Krieger Tars Tarkas, König der Tharks, den mit der Titelfigur John Carter eine Freundschaft verbindet.

Mit der Regisseurin Elizabeth LeCompte, mit der Willem Dafoe bei der "Wooster Group" zusammenarbeitet, hat er einen Sohn namens Jack Dafoe, geboren 1982. Das Paar trennt sich jedoch im Jahr 2004. Willem Dafoe heiratet am 25. März 2005 die italienische Filmschaffende Giada Colagrande, mit der er seither zusammenlebt.

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Autor: Nils Pape
Stand: Februar 2012

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