Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

Abel Ferrara

Abel Ferrara
Regie, Drehbuch

* 19. Juli 1951
New York (New York)
USA
andere Namen Jimmy Laine

ABEL FERRARA • Biographie Seite 1/1

Die Melodramen des New Yorker Filmemachers Abel Ferrara sind düster gehalten, Verzweiflung gehört zur Grunderfahrung seiner Protagonisten. Vielleicht gerade deshalb und weil seine frühen Filme Gewalt ritualisieren und mit religiösen Symbolen aufladen, erhalten sie Kultstatus, gelten als klassische Genrefilme. Der Regisseur betrachtet die Welt mit seinen religösen Augen, reflektiert über Schuld, Sühne und Erlösung. Auch heute noch zählt Abel Ferrara zu den Independent-Regisseuren, die mit kleinen Budgets arbeiten, primär Genrefilme drehen und sich auf das klassische B-Kino beziehen.

Abel Ferrara wird am 19. Juli 1951 in New York geboren. Sein Vater gehört zu einer Familie von Einwanderern aus Italien, seine Mutter hat irische Vorfahren. Bereits als Teenager interessiert er sich für den Film, dreht erste Filme auf Super 8 in den Strassen seiner Stadt, vor allem in der Bronx, wo er aufwächst. In der High School lernt er Nicholas St. John kennen, mit dem er später als Drehbuchautor zusammenarbeiten wird. Seit 1971 entstehen Kurzfilme, in denen die beiden Freunde auch als Schauspieler auftreten.

Sein erster kommerzieller Erfolg wird der Film THE DRILLER KILLER (1979). Hier sucht ein talentloser Maler (gespielt von Abel Ferrera selbst unter dem Namen Jimmy Laine) statt einer künstlerischen Vision den Weg zur religiösen Erkenntnis, findet aber nur Gewalt und Mord. Mit einer Schlagbohrmaschine erschafft er seine "Kunstwerke" aus dem Blut menschlicher Körper. Beeindruckend sind die Bilder von New York, einer Stadt im Kriegszustand. Der Film, in der sich Entfremdung in der Großstadt ein Ventil sucht, wird zum Kult, aber auch in Videotheken wegen seiner Gewaltdarstellung aus dem Verkehr gezogen. Der junge Regisseur zählt mit seinem Film sofort zum wichtigen Exponenten des New Yorker Film-Underground. Mit DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM (1980) setzt er die Thematisierung von Gewalt fort, auch hier geht es blutig, brutal und zerstörerisch zu. Die stumme Thana (gespielt von Zoe Lund) findet ihre Antwort auf Vergewaltigung, Demütigung und Obszönität der Männer: Sie tötet ihre männlichen Peiniger, gerät geradezu in einen Blutrausch. Der Film, der deutlich Sympathien für die mordende Heldin sammelt, erreicht ebenfalls Kultstatus.

Danach entsteht der Thriller MANHATTAN - ZWEI UHR NACHTS (1984), der bereits eine größere und teuere Produktion wird und in dem Tom Berenger und Melanie Griffith mitspielen. Wieder thematisiert der Regisseur gemeinsam mit seinem Drehbuchautor Nicholas St. John, der in Würzburg Philosophie studiert hat, Gewalt, Banden- und Geschlechter-Krieg. Der Ex-Boxer Matt Rossi betreibt eine Agentur, die Stripperinnen an Clubs vermittelt. Mehrere von ihnen werden auf offener Straße brutal ermordet. Matt vermutet erst einen Konkurrenten als Täter, findet und stellt dann aber einer einzelnen Psychopathen und Serienkiller. Wieder bietet der Film zahlreiche Gewalt- und Actionsequenzen, zudem eine gut agierende Darsteller-Riege.

Mitte der 1980er Jahre dreht Abel Ferrara zwei Episoden für die populäre TV-Serie "Miami Vice". Außerdem entstehen die TV-Filme DER GLADIATOR (1986) und der Pilotfilm CRIME STORY (1986). Auch hier sind es jeweils komplexe Zusammenhänge zwischen Gewalt und Tod sowie die moralischen Konflikte, die der Regisseur thematisiert, aber stilistisch eher im Rahmen des Konventionellen in Szene setzt.

Mit der Teenie-Love-Story CHINA GIRL (1987) kommt wieder ein Kinofilm des Regisseurs auf die große Leinwand. Die Story des Films ist sehr dicht an WEST SIDE STORY (1961) von Robert Wise und Jerome Robbins angelegt, erzählt von einer Liebesgeschichte zwischem einem Italiener und einer Chinesin. Abel Ferrera konzentriert sich bei der Geschichte aber auch auf Nebenfiguren, findet eindrucksvolle Bilder von destruktiver Zerstörung, von Straßenkämpfen und Verfolgsjagden im modernen New York. In dem Thriller CAT CHASER (1988) muss sich ein Hotelbesitzer mit seiner Vergangenheit als Marineinfanterist in der Dominikanischen Republik auseinandersetzen. Von seiner ehemaligen Geliebten wird er in eine unsaubere Geschichte hereingezogen, aus der er nur mit Mord herauskommt.

Mit Christopher Walken in der Hauptrolle sowie Laurence Fishburne und David Caruso vor der Kamera entsteht der Gangsterfilm KING OF NEW YORK (1990). Hier versucht ein gerade entlassener Gangster, die Führung auf dem New Yorker Drogenmarkt zu erreichen, um mit dem erwirtschaftetem Geld ein Kinderkrankenhaus zu sanieren. Die optische Brillanz des Films wird von Kritikern gelobt, aber die brutalen Gewaltszenen kritisiert. Der harte Cop-Thriller BAD LIEUTNANT (1991) blickt wie sein Vorbild TAXI DRIVER (1976) von Martin Scorsese in die Abgründe menschlichen Verhaltens und ist zugleich eine Replik auf DIE FRAU MIT DER 45ER MAGNUM (1980). Ein drogen- und spielsüchtiger New Yorker Polizist (gespielt von Harvey Keitel), von Verbrechen infiziert und mittlerweile ein menschliches Wrack, erlebt durch die Begegnung mit einer vergewaltigten Nonne Spiritualität und Erlösung. Für seine Sünden muss der Polizist am Ende auf der Strasse sterben. Besonders aus dem Verhältnis von Spiritualität und Brutalität, von Reinheit und Verkommenheit zieht der Film seine Spannung. Wieder mutet der Regisseur dem Zuschauer viel zu: schonungslos, unerbittlich und hart schaut er auf Menschen, die in einer destruktiven und perversen Welt leben.

Abel Ferrara dreht primär Genrefilme und bezieht sich auf das klassische B-Kino. Mit dem Science Fiction-Film BODY SNATCHERS (1992) inszeniert der Regisseur schnörkellosen Horror: Außerirdische "Körperfresser" schlüpfen unbemerkt in die Körper von Menschen, um nach und nach die Herrschaft über die Welt zu übernehmen. Es ist bereits die dritte Verfilmung des Horrorklassikers von Jack Finney, und Abel Ferrara reflektiert seinen ganz eigenen Kosmos: Er warnt vor aufkommendem Rassismus und Faschismus. Nochmals arbeitet er mit Harvey Keitel zusammen in SNAKE EYES (1993), der hier den Regisseur Eddie Israel gibt, der sein Leben bilanziert und sich von seiner auf sich geladenen Schuld erlösen will - vergeblich. Mit THE ADDICTION (1994) entsteht ein Vampirfilm. Lili Taylor gibt die Philosophiestudentin Kathleen Conklin, die von einem Vampir gebissen wird und nun auf der Suche nach immer mehr Blut ist. So wie sich die Protagonistin in ihrer Dissertation mit der Natur des Bösen beschäftigt, wirft auch der Film zahlreiche Fragen auf. Faszinierende und zugleich verstörende Bilder bleiben dem Zuschauer im Gedächtnis. Der düstere Gangsterstreifen DAS BEGRÄBNIS (1996) blickt auf eine italienische Gangster-Dynastie, deren Mitglieder aus dem Teufelskreis der Gewalt nicht ausbrechen können. In THE BLACKOUT (1997) verliert ein drogensüchtiger Schauspieler die Kontrolle über sein Leben. In NEW ROSE HOTEL (1998) sollen zwei Headhunter einen japanischen Wissenschaftler zum Firmenwechsel bewegen, werden aber selbst instrumentalisiert, um die Führung des Konkurrenzkonzerns zu eliminieren.

Zwischenzeitlich arbeitet Abel Ferrara wieder für das Fernsehen. Er realisiert zwei Musikvideos und ein Segment des Episodenfilms SUBWAY STORIES: TALES FROM THE UNDERGROUND (1997). Sein Film MARY (2005) mit Juliette Binoche und Forest Whitaker läuft im Internationalen Wettbewerb von Venedig und erhält den Spezialpreis der Jury. Hier verändert ein fiktiver Jesus-Film das Leben aller Beteiligten. Wieder sind es Reflexionen über religöse Themen, die den Film ausmachen und dabei das Publikum polarisieren. Sein bisher letzter Film GO GO TALES (2007) ist im Wettbewerb von Cannes zu sehen.

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 1,14106