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Lino Ventura

Lino Ventura
* 14. Juli 1919
Parma
Italien
† 23. Oktober 1987
St. Cloud
Frankreich

LINO VENTURA • Biographie Seite 1/1

Ende der 80er Jahren ist Lino Ventura der Publikumsliebling im französischen Kino. In über 80 Filmen hat er mitgespielt, als Gangster oder Polizist, unbestechlich und integer, fast immer ein wortkarger Einzelgänger. Er ist der einsame Held, der allein gegen den Rest der (Unter-)Welt bestehen muß. Seine Kühle und Härte ist nur äußerlich; oft steckt in seinen Figuren eine tiefe Sensibilität.

Lino Ventura wird als Angelo Borrini am 14. Juli 1919 in Parma (Italien) geboren. Seine Familie zieht 1929 nach Frankreich. Aus der Grundschule im Pariser Bezirk St. Germain wird der Junge mehrfach rausgeworfen. Bereits sehr früh arbeitet er in verschiedenen Gelegenheitsjobs als Hoteljunge, Büroangestellter, Automechaniker. Schon während seiner Lehre als Mechaniker versucht er sich als Boxer und Ringer. Im Alter von 30 erringt er den Europameister-Titel im Freistilringen, muß aber den Sport wegen eines Unfalls aufgeben. Erfolgreich ist er auch in der Ausrichtung von Boxkämpfen in der "Wagram-Halle" (Sporthalle) in Paris.

Sein Freund Jean Gabin empfiehlt ihn für den Film. Die erste Rolle erhält er in dem Film WENN ES NACHT WIRD IN PARIS (1953). In der Folge ist er der wortkarge, knallharte und stämmige Polizist / Gangster, der in zahlreichen Nebenrollen in französischen und italienischen Gangsterfilmen zu sehen ist. Bald erhält er anspruchsvolle Rollen angeboten. In dem Kriminalfilm der "Schwarzen Serie" DER PANTHER WIRD GEHETZT (1960) spielt er an der Seite von Jean-Paul Belmondo. Dies ist die erste Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautoren Claude Sautet und José Giovanni, die das französische Nachkriegskino stark mitgestalten.

Durch seine Darstellungen in zahlreichen Filmen gilt er bald als legitimier Nachfolger des großen Jean Gabins, aus dessen Schatten er durch hervorragende Darstellungen heraustreten kann. Er schließt eine internationale Karriere mit den besten europäischen Regisseuren an. In dem Louis Malle-Film FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT (1957) ist der Kommissar Cherier. Der italienische Regisseur Vittorio De Sica gibt Lino Ventura die Rolle des Vaters in DAS JÜNGSTE GERICHT FINDET NICHT STATT (1962). In CORDOBA (1964) in der Regie des Spaniers Carlos Saura spielt er an der Seite von Luis Bunuel. Für Henri Verneuil steht er als Inspektor Le Goff in DER CLAN DER SIZILIANER (1969) vor der Kamera.

In dem Klassiker des Gangstergenre von Jean-Pierre Melville DER ZWEITE ATEM (1966) ist er Gustav "Gu" Minda, der aus dem Gefängnis fliehen kann. Um ein neues Leben zu beginnen, soll der letzter großer Coup gelandet werden. Für den gleichen Regisseur steht er auch ARMEE IM SCHATTEN (1969) vor der Kamera. In der Geschichte um eine französische Widerstandsgruppe ist er Philippe Gerbier, der seine Kameradin Mathilde tötet, die zuvor ihm und anderen das Leben gerettet hat, weil sie erpressbar geworden ist und alle verraten könnte.
Lino Ventura Spiel ist von sparsamer Mimik geprägt. Auch wenn er die "harten" Typen verkörpert, bleibt immer ein Rest Menschlichkeit, die sich durch kleine Gesten offenbart. In seinen Rollen zeigt sich ein bevorzugtes Sujet des französischen Films der Zeit: die melancholische Verlorenheit des modernen Indiviuduums. Freundschaft wird zu häufig verraten, um wirklich echt sein zu können. Da seine Helden dieses Wissen in sich tragen, Helden sind darüber selten enttäuscht.

Selten wird Lino Ventura jenseits des Gangstergenre besetzt. Für seine Darstellung des Simon in EIN GLÜCKLICHES JAHR (1973) erhält der Schauspieler den Darsteller-Preis in San Sebastian. Besonders hervorstechend für Kritiker und Zuschauers ist seine Darstellung des Jean Valjean in der TV-Neuverfilmung des Klassikers DIE ELENDEN (1982).

Lino Ventura ist seit 1949 mit der Schauspielerin Odette Lecomte verheiratet. Er hat vier Kinder. Seine Tochter Lina bleibt nach einer Gelbsucht geistig behindert. Lino Ventura gründet 1958 die Stiftung "Schneeglöckchen", die behinderten Kindern und deren Eltern hilft.
Seine Tochter Celia arbeitet ebenfalls beim Film und dreht bisher 1999 den Kurzfilm TERRAIN DE CHASSE.
Lino Ventura stirbt am am 22. Oktober 1987 in seinem Haus in St. Cloud an einem Herzinfarkt. Er wird 67 Jahre alt.

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Autorin: Ines Walk
Stand: Oktober 2007

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