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Günter Junghans

Günter Junghans
Darsteller

* 14. Juli 1941
Leipzig
Deutschland
† 10. August 2014
Berlin
Deutschland

GÜNTER JUNGHANS • Biographie Seite 1/1

Der Schauspieler Günter Junghans hat in mehr als 130 Filmen mitgewirkt. Seit Anfang der 60er Jahre steht er vor der Kamera. Obwohl er während seiner Filmkarriere nur in seltenen Fällen Hauptrollen erhält, erweist er sich als Charakterdarsteller; seine zahlreichen Nebenfiguren prägen sich ein. Die Personen, die er verkörpert, wirken bodenständig, seine Wandelbarkeit beweist er mit einer großen Spannbreite: Sie können herzlich oder schroff, leise naiv oder lauthals polternd sein.

Günter Junghans wird am 14. Juli 1941 in Leipzig geboren. Er entstammt einer Familie von Handwerkern. Nach seiner Schulausbildung absolviert er eine Lehre als Maschinenschlosser im VEB Verlade- und Transportanlagenwerk Leipzig. Während seiner Ausbildung ist er Mitglied der Agit-Prop-Gruppe "Rote Blusen". Sein Abitur holt er nebenbei an der Volkshochschule nach. 1959 bewirbt er sich mit Erfolg an der Hochschule für Deutsche Filmkunst in Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Schauspiel. Bis 1964 lernt er hier das schauspielerische Handwerk.

Nach dem Studium beginnt er am Hans Otto-Theater in Potsdam zu arbeiten. Er sammelt zahlreiche Erfahrungen, bis Günter Junghans 1969 zur Berliner Volksbühne wechselt. Dem Ensemble bleibt er rund 20 Jahre treu, gehört zu den prägenden Mimen der Bühne. Unter der Regie von Fritz Marquardt, Benno Besson, Manfred Karge und Matthias Langhoff bietet er schauspielerische Glanzleistungen, wird zum vielseitigen Charakterdarsteller. Besonders in Erinnerung bleibt sein Franz Moor in "Die Räuber" nach Friedrich Schiller. Neben Hilmar Thate und Wolfgang Greese ist er in der Komödie "Der Wald" von Alexander N. Ostrowski zu sehen. Er gibt den Jago in "Othello" nach William Shakespeare, spielt den Arlecchino in "Das schöne grüne Vögelchen" von Carlo Gozzi. Sein Talent für grotesk-spaßige, humorvoll-doppelbödige Figuren beweist er in der Inszenierungen "Der Biberpelz" und Schluck und Jau", beide von Gerhart Hauptmann sowie in "Der zerbrochene Krug" nach Heinrich von Kleist. Als Gast ist Günter Junghans im "Ei", dem kleinen Theater im Friedrichstadtpalast zu sehen. Hier gibt er unter anderem in der Berliner Posse "Der Mord in der Kohlmessergasse" einen biederen Bürger. Ebenso ist er in der Revue "Spaß muß sein" im Großen Saal des Palastes der Republik zu sehen, arbeitet erstmals als Entertainer.

Die DEFA entdeckt den Schauspieler früh, obwohl er während seiner Filmkarriere bei der ostdeutschen Produktionsfirma in seltenen Fällen eine Hauptrolle erhält. Aber seine zahlreichen Nebenfiguren in mehr als 30 DEFA-Filmen prägen sich ein: Günter Junghans erreicht mit seinem Spiel ein Millionenpublikum. Vor der Kamera debütiert er in DAS RABAUKEN-KABARETT (1961) von Werner W. Wallroth, in dem eine junge Kabarett-Truppe einen thüringischen Schieferbau-Betrieb wieder in Schwung bringt. Der Film DIE AUS DER 12 B (1962) unter der Regie von Rudi Kurz erzählt von einer jungen Lehrerin, die sich die Achtung ihrer Klasse hart erkämpfen muß. Günter Junghans spielt den Schüler Jürgen. In VERLIEBT UND VORBESTRAFT (1963) unter der Regie von Erwin Stranka wird von der Baupraktikantin Hannelore erzählt, die in einer rauhbeinigen Brigade die Bauarbeiter zur Solidarität mit einem Kollegen aufruft; hier agiert der junge Schauspieler als Ali. In der erfolgreichen Literaturverfilmung DIE ABENTEUER DES WERNER HOLT (1965) von Joachim Kunert gibt er den Christian Vetter, der Gilbert Wolzow (gespielt von Manfred Karge) sklavisch ergeben und ein eher zweifelhafter Freund für Werner Holt (gespielt von Klaus-Peter Thiele) ist.

In der Komödie ZÜND AN, ES KOMMT DIE FEUERWEHR (1976) von Rainer Simon ist er neben Winfried Glatzeder, Rolf Ludwig, Kurt Böwe und Jürgen Gosch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zu Siebenthal. Alle haben ihren ersten komischen Auftritt. Mit spür- und sichtbarer Freude kann der Zuschauer ihrem sinnvollen Unsinn folgen. In der Filmbiographie über Clara Zetkin WO ANDERE SCHWEIGEN (1983) von Ralf Kirsten verkörpert er Jürgen Stolz, einen Kommunisten aus dem engsten Mitarbeiterkreis der Politikerin. Unter der Regie von Siegfried Kühn gibt er in dem Erinnerungsfilm KINDHEIT (1986) den gefährlichen Riedel, dem der Zuschauer trotz seiner Gemeinheiten mit Spaß zuschaut, denn kann er neben Carmen-Maja Antoni und Hermann Beyer sein komödiantisches Talent zeigen. Am deutlichsten wird die Entwicklung des Schauspielers durch zwei Arbeiten mit dem Regisseur Günter Reisch. In ACH, DU FRÖHLICHE ... (1962) gibt er auf der Weihnachtsfeier seiner Eltern einen Halbstarken, mehr als 20 Jahre später hat er sich in WIE DIE ALTEN SUNGEN... (1987) als erfolgreicher Familienvater in der DDR gut eingerichtet.

Mit Beginn seiner Kinokarriere arbeitet Günter Junghans auch beim Fernsehen der DDR; ist vielseitig beschäftigt. In mehr als 100 Rollen ist er zu sehen. Nach dem Zusammenbruch der DDR im November 1989 hat es der Schauspieler zunächst schwer, sich auf dem gesamtdeutschen Film- und Fernsehmarkt durchzusetzen. In der erfolgreichen Satire SCHTONK (1992) tritt er in einer kleineren Rolle auf. Ab Anfang der 90er Jahre arbeitet der Schauspieler hauptsächlich für das Fernsehen, agiert in zahlreichen TV-Serie und Fernsehfilmen. Dazu zählen unter anderem die Fernsehklassiker "Wolffs Revier" und "Die Kommissarin".

Auf der Theaterbühne ist der Schauspieler ebenfalls wieder präsent. In den Sommertheaterproduktionen 2005 und 2006 des Hans Otto Theaters Potsdam spielt er unter der Regie von Uwe Eric Laufenberg und Tobias Sosinka; gibt den Sir Toby Rülps in "Was ihr wollt" nach William Shakespeare und den Professor Serebrjakow in "Onkel Wanja" von Anton Tschechow. Zur Eröffnung des neuen Potsdamer Theaters in der Schiffbauergasse spielt er die Titelrolle in Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg.

Neben seiner umfangreichen Film- und Theaterarbeit unterstützt Günter Junghans mit zahlreichen Initiativen das Kinderhospiz Mitteldeutschland.

Günter Junghans stirbt am 10. August 2014 nach kurzer, schwerer Krankheit in Berlin. Er wurde 73 Jahre alt.

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