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Thomas Vinterberg

Thomas Vinterberg
Regie, Drehbuch, Produzent

* 19. Mai 1969
Kopenhagen
Dänemark
andere Namen Thomas Winterberg

THOMAS VINTERBERG • Biographie Seite 1/1

Thomas Vinterberg schafft es, mit dem Film DAS FEST (1997), der nach den strengen Regeln des Dogma95 Manifestes gedreht wurde, seine Zuschauer emotional zu bewegen. Vor allem durch die verwackelte Kameraführung, ungewöhnliche Kameraeinstellungen und diverse Jump Cuts kommt die innere Aufgewühltheit der Protagonisten zum Ausdruck, was die Zuschauer und Kritiker ungemein beeindruckte. Doch macht der Regisseur vor allem von sich reden, als er im Jahr 1995 mit Lars von Trier die Dogma95-Bewegung ins Leben ruft und die "Keuschheit des Kinos" fordert. Inzwischen hat er sich jedoch weiterentwickelt und wendet sich zunehmend von der Dogma-Bewegung ab.

Thomas Vinterberg wird am 19. Mai 1969 in Kopenhagen, Dänemark geboren. Nach eigenen Angaben wächst er in einer Art Kommune auf. 1989 beginnt er ein Studium an der National Film School in Kopenhagen, ist der bis dato jüngste Student der Schule und schließt sie 1993 mit seinem Erstlingswerk LAST ROUND (1993) ab. Das Drehbuch hat er gemeinsam mit Bohr Hansen geschrieben, mit dem er noch mehrmals zusammenarbeiten wird. Mit seinem Debütfilm gewinnt er den Jury- und den Produzentenpreis beim Studenten Filmfestival in München, den ersten Preis beim Filmfestival von Tel Aviv und wird 1994 für den Oscar nominiert.

1994 dreht er, wieder zusammen mit Bohr Hansen als seinen Co-Autor, den Film THE BOY WHO WALKED BACKWARDS (1994) für das dänische Fernsehen und produziert ihn auch. Zwei Jahre später stellt Thomas Vinterberg ZWEI HELDEN (1996) fertig. Ein Mann auf Hafturlaub erfährt, dass er eine 11jährige Tochter hat und bricht mit ihr und einem Freund nach Schweden auf. Doch der Stiefvater der Tochter heftet sich ihnen an die Fersen. Das Roadmovie erhält in seiner Heimat Dänemark viel Beifall.

Im Mai 1995 stellen Thomas Vinterberg und sein Regie-Kollege Lars von Trier in Paris ihr Dogma-Manifest vor. Sie tun dies genau 40 Jahre, nachdem Francois Truffaut gemeinsam mit Kritikerkollegen der "Cahier du Cinéma" das Autoren-Kino als Gegenreaktion auf die standardisierte Filmproduktion der Nachkriegszeit postulierten. Dogma 95 ist ein Manifest, das in 10 Geboten die "Keuschheit der filmischen Erzählung" einfordert: Die Reduktion der Technik am Drehort stärkt die Konzentration auf die Arbeit der Schauspieler; es soll "on location" gedreht werden, keine Requisiten und Szenenbilder dürfen genutzt werden. Auch Musik kommt nur zum Einsatz, wenn sie live am Drehort vorkommt. Es darf nur mit Handkamera gedreht werden; der Name des Regisseurs ist unwichtig und soll weder im Vor- noch im Abspann genannt werden, um nur einige der Regeln zu nennen. Danach beginnen viele Regisseure auf der ganzen Welt, Dogma-Filme zu drehen, bis die Welle auch Hollywood erreicht: Regisseure wie Steven Soderbergh und Mike Figgis greifen einige Elemente der Dogma-Bewegung auf und beginnen, sich mit digitalen Videokameras und improvisierten Schauspielarbeiten teilweise von den standartisieren Produktionsarbeiten zu befreien.

Sein erster und wohl auch erfolgreichster Film nach den strengen Dogma-Regeln ist DAS FEST (1997). Der Film beschreibt die Geburtstagsfeier des 60jährigen Familienoberhauptes Helge in einem herrschaftlichen Landgasthof. Viele Angehörige sind gekommen, um gemeinsam zu feiern, als der älteste Sohn bei einer Tischrede enthüllt, dass sowohl er als auch seine Zwillingsschwester, die sich erst vor wenigen Monaten selbst getötet hat, in der Kindheit vom Vater sexuell missbraucht wurden. Die extreme Anspannung und innere Aufgewühltheit der Protagonisten, das Entsetzen und die Ungläubigkeit der Familie bringt der Filmemacher vor allem durch die verwackelte Kameraführung, durch ungewöhnliche Filmperspektiven und diverse Jump-Cuts zum Ausdruck.
Der Film gewinnt etliche Preise. Unter anderem den Spezialpreis der Jury in Cannes im Jahr 1998, den Fassbinder Award des Europäischen Filmpreises sowie die Kritikerpreise in Los Angeles und New York für den Besten ausländischen Film. DAS FEST (1997) wird international ein großer Erfolg und in nahezu jedes Land verkauft. Danach bekommt der Regisseur Angebote aus Hollywood, die er jedoch ablehnt.

Gemeinsam mit seinen Dogma-Brüdern realisiert Thomas Vinterberg im Jahr 2000 den experimentellen Film D-DAY (2000) für das dänische Fernsehen. Vier Menschen planen an Silvester der Jahrtausendwende eine Bank auszurauben, weil sie annehmen, dass es auf Grund der Festlichkeiten niemand auffallen würde. Dabei kann der Zuschauer durch Umschalten auf bestimmte Fernsehkanäle den verschiedenen Protagonisten folgen. Im gleichen Jahr führt Thomas Vinterberg Regie bei dem Musikvideo "No Distance Left To Run" der englischen Band "Blur".

Vier Jahre nach DAS FEST (1997) verblüfft der junge Regisseur mit seinem Film ITS ALL ABOUT LOVE (2002), einer futuristische Liebesgeschichte mit Joaquin Phoenix und Claire Danes in den Hauptrollen, die mit der Dogma-Bewegung gar nichts mehr zu tun zu haben scheint. Mit Stars, gebauten Studio-Sets und Technik nimmt der Film eher eine Gegenposition zum Dogma-Manifest ein. Der Film ist als eine Art Märchen inszeniert, in dem der Verlust von Liebe und die Isolation den Menschen töten. Trotz international anerkannter Schauspieler stößt der Film beim Publikum und bei Kritikern nicht auf Anerkennung.

DEAR WENDY (2005) nach einem Drehbuch von Lars von Trier folgt drei Jahre später. Die beiden Filmkollegen arbeiten schon seit 1995 zusammen und so ist es nicht verwunderlich, dass Thomas Vinterberg ein Drehbuch von Lars von Trier verfilmt. Wie auch in vorhergegangenen Drehbüchern setzt sich Lars von Trier auch in DEAR WENDY (2005) mit einem amerikakritischen Thema auseinander, das Thomas Vinterberg einfühlsam inszeniert. Ein schüchterner Lehrling entdeckt durch Zufall, dass ihm eine Waffe einen Ausweg aus seiner pubertären Unsicherheit zeigen kann. Er gründet einen Club, dessen Mitglieder zwar Waffen bei sich tragen, zur Stärkung des Selbstbewusstseins, sie aber nicht einsetzen dürfen. Eine Satire auf den amerikanischen Waffenfetischismus.

Thomas Vinterberg abeitet als Drehbuchautor bei diversen Filmproduktionen für das dänische Fernsehen und ist als Schauspieler und Produzent tätig. Sein aktueller Film mit dem Titel MAND KOMMER HJEM ist eine Komödie und befindet sich momentan in Postproduktion. Sie wird im August 2007 in die dänischen Kinos kommen.

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Autorin: Tiziana Maneljuk
Stand: Juni 2007

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