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Charles Rosher

Charles Rosher
Kamera, Kamera-Assistenz

* 17. November 1885
London
Großbritannien
† 15. Januar 1974
Lissabon
Portugal

CHARLES ROSHER • Biographie Seite 1/1

Der Kameramann Charles Rosher zählt zu den Großen seiner Zunft. Mehr als vier Jahrzehnte setzt er die Ideen unzähliger Regisseure visuell um. Er ist einer der ersten hauptberuflich angestellten Kameramänner Hollywoods und wird zu einem profilierten Bildgestalter, der mit seinen Innovationen und seinem Erfindungsreichtum den frühen Stummfilm zur Kunstform führen.

Charles Rosher wird am 17. November 1885 in London geboren. Auf Wunsch seines Vaters soll er eine Laufbahn im diplomatischen Dienst beginnen, aber das technische Interesse von Charles Rosher setzt sich durch. Er lernt Aufnahmetechnik am Polytechnical Institute in London. Nach dem Abschluß der Lehre wird er Mitarbeiter des englischen Hoffotografen Speaight. Mit 24 Jahren reist er nach Amerika. Er eröffnet dort ein Fotofachgeschäft.

Seit 1911 arbeitet Charles Rosher für den Film. Er beginnt als einfacher Kameramann, steigt aber bald zum Chefkameramann auf. Sein Einfallsreichtum und seine technischen Entwicklungen machen ihn schnell bekannt. Er wird zum innovativen Mann hinter der Kamera, der seine Stars effektvoll ins Licht setzt und für ausgefallende Ideen Lösungen liefert. Seit 1917 arbeitet er mit der Schauspielerin Mary Pickford zusammen. Die damals populärste amerikanische Darstellerin zieht den Kameramann bis 1927 zu all ihren Filmen heran.

1927 arbeitet Charles Rosher mit dem deutschen Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau zusammen. Er kennt den Regisseur bereits, da er bei dessen Film FAUST - EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE (1926) hospitiert hat. In dem ersten amerikanischen Film von Friedrich Wilhelm Murnau, der den Stoff von Sudermann "Die Reise nach Tilsit" aufgreift, findet der Kameramann ungewöhliche kameratechnische Lösungen. Der Film brilliert mit fein abgestuften Übergängen zwischen Schwarz und Weiß, bietet eindrucksvolle malerische Nächte und am Tag eine ständige Bewegungskulisse, eine gespiegelte Großstadt in Bewegung. SUNRISE (1927) wird als Bester Film mit dem Oscar geehrt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Karl Struss erhält Charles Rosher für die Kameraarbeiten ebenfalls die kleine Statur.

Ende der 20er Jahre kehrt Charles Rosher kurzzeitig in sein Heimatland zurück. Dort erlebt er auch den Übergang vom stummen zum tönernen Film. Die technische Umstellung bietet dem profilierten und routinierten Kameramann keine Schwierigkeiten. Allein 1930 kommen acht Filme, an denen er beteiligt ist, in die Kinos. Er dreht auch mit deutschen Regisseur Ewald André Dupont, der seine unterschiedlichen Sprachfassungen in den Londoner Studios produziert. Zurück in Amerika arbeitet der Kameramann desöfteren mit Clark Gable. Er wird mehrmals für den Oscar nominiert.

Gegen Ende des II. Weltkrieges kann Charles Rosher nochmals einen großen Erfolg fotografieren. Mittlerweile stellen sich die Studios auf Farbfilme um. Für seine Kameraarbeit in KISMET (1944) mit dem Star Marlene Dietrich und inszeniert von dem deutschen Regisseur Wilhelm Dieterle wird der Kameramann nochmals für einen Oscar nominiert. Danach nimmt er einige der teuer produzierten Musicals der Produktionsfirma MGM auf, unter anderem YOLANDA UND DER DIEB (1945) von Vincente Minnelli.

1947 erhält Charles Rosher seinen zweiten Oscar. Seine Tier- und Landschaftsaufnahmen in dem Familienfilm DIE WILDNIS RUFT (1947) überzeugt die Academy. Sieben Jahre später dreht er im Alter von 70 Jahren seinen letzten Film. Danach zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Charles Rosher hat sich Zeit seines Lebens auch für die Anerkennung seines Berufsstandes engagiert. Er ist Gründungsmitglied der US-Standesorganisation der Kameraleute, der American Society of Cinematographers, die 1918 gegründet wird. Zeitweise fungiert er auch als dessen Vizepräsident.

Seine Tochter Joan Marsh, die 1913 geboren ist, wird sich später als platinblonde Schauspielerin in mehr als 60 Filmen einen Namen machen. Sein Sohn Charles Rosher jr. folgt seinem Vater und wird ebenfalls Kameramann. Charles Rosher stirbt am 15. Januar 1974 in Lissabon.

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