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Wong Kar-Wai

Wong Kar-Wai
Regie, Drehbuch, Produzent

* 17. Juli 1956
Shanghai
China

WONG KAR-WAI • Biographie Seite 1/1

Liebe, Schmerz, Einsamkeit, Sehnsucht und die verzweifelte Suche nach dem Glück, welches jedoch meist unerreichbar ist ... Willkommen in der Welt von Wong Kar-Wai, eine Welt der Hektik, der Isolation und der unerfüllten Träume. Als einer der meist gefeierten Regisseure Asiens versteht Wong Kar-Wai es vortrefflich, den Zuschauer in seinen emotionalen Mikrokosmos zu entführen. Selbst nach Ende des Films scheint, die Aura der Melancholie beim Zuschauer zurückzubleiben, was zum einen am avantgardistischen Stil des stets mit einer Sonnenbrille bekleideten Wong Kar-Wai liegen mag. Auch die von ihm handverlesene Crew übt einen nicht zu unterschätzenden Einfluss aus. Ob es sich um die einzigartigen Kamerafahrten und Bilder von Christopher Doyle, den rasanten Schnitt von William Cheng oder den mitreißenden schauspielerischen Leistungen von Tony Leung und Maggie Cheung handelt: Seine Filme sind stets ein Genuss für die Augen und die Seele.

Wong Kar-Wai wird am 17. Mai 1956 (einige Quellen nennen 1958 als Geburtsjahr) in Shanghai geboren. Er emigriert mit seiner Mutter 1963 nach Hongkong und lässt dabei seinen Vater, einen Hotelmanager, seine Schwester und seinen Bruder in Shanghai zurück. Diese Zeit findet ihren Widerhall in seiner 1960 er Jahre-Trilogie zu der DAYS OF BEING WILD (1990), IN THE MOOD FOR LOVE - DER KLANG DER LIEBE (2000) und 2046 (2004) zählen.

Wong Kar-Wai besucht die Hongkong Polytechnic School, an der er im Jahr 1980 seinen Abschluss im Bereich Grafik macht. Es folgt eine zweijährige Anstellung als Produktionsassistent beim Fernsehen, bevor er seinen Weg zum Film findet. Seine Laufbahn beim Kino beginnt er als Drehbuchautor für Regisseure wie Joe Cheung, Frankie Chan und Patrick Tam, seinen Mentor in den frühen Tagen seiner Karriere. Als Autor feiert Wong Kar-Wai dann auch seinen ersten Kinoerfolg mit dem Film FINAL VICTORY (1987) von Patrick Tam, welcher ihm die erste Nominierung für einen Filmpreis, den Hongkong Film Award für das Beste Screenplay, einbringt. Zwar geht er zu diesem Zeitpunkt noch leer aus, setzt aber erste Achtungszeichen in der aufstrebenden Filmmetropole Hongkong.

FINAL VICTORY (1987) stellte zugleich auch den Startpunkt für die Regielaufbahn von Wong Kar-Wai da, welche er mit AS TEARS GO BY (1988), einem noch sehr im Mainstream verhafteten Gangsterfilm, beginnt. Er erzählt von der Beziehung zweier Brüder, beide Mitglieder der Triaden, und eine, durch das Auftauchen der Kusine des "Big Brother" Wah entwickelnden Liebesgeschichte. Trotz des für das Hongkong-Kino typischen Plots weist der Film bereits die sehr persönliche Note von Wong Kar-Wai auf und bringt ihm seinen ersten Filmpreis ein, den Hongkong Film Award für die Beste Regie. Die weibliche Hauptrolle übernimmt Maggie Cheung. Dies ist der Beginn einer äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit von Wong Kar-Wai und seiner zukünftigen Lieblingsdarstellerin.

Sein zweiter Film DAYS OF BEING WILD (1990) stellt den Beginn einer "Trilogie" dar, in welcher Wong Kar-Wai das Hongkong seiner Kindheit aufleben lässt und die Isolation der Mandarin sprechenden Gemeinde im kantonesischen Hongkong reflektiert. Der Film erzählt die Geschichte des Frauenhelden Yuddy, dessen Verachtung für seine Pflegemutter, eine Alkoholikerin und Konkubine, sich in einer Unfähigkeit äußert, feste Bindungen einzugehen. So bricht er gleich zwei Frauen das Herz und beschließt sein altes Leben aufzugeben, um seine leibliche Mutter zu suchen. Doch auch hier erwarten ihn nur Enttäuschungen und zerstörte Träume. Ursprünglich als Zweiteiler konzipiert wird die Handlung nie vollständig umgesetzt, da wichtige Sponsoren abspringen und somit das notwendige Kapital fehlt. Zurück bleibt ein, durch den Einsatz von Bildfiltern wie eine verblassende Erinnerung wirkender Film, der die Kritiker begeistert, fünf Hongkong Film Awards gewinnt und doch an den Kinokassen floppt. Nichtsdestotrotz zeigt DAYS OF BEING WILD (1990) die Richtung an, in die sich die Filme von Wong Kar-Wai entwickeln.
Seine nächsten beiden Filme ASHES OF TIME (1994) und CHUNGKING EXPRESS (1994) dreht Wong Kar-Wai mehr oder weniger parallel. Mit ASHES OF TIME (1994) wendet er sich dem Wuxia Film zu, einem Genre, welches vor allem das Heldentum und die Kampfkünste in den Vordergrund stellt. Hier dient im erstmals das chinesische Mittelalter als Schauplatz. Der Film beruht auf einem berühmten chinesischen Comic und doch arbeitet Wong Kar-Wai in erster Linie die Charaktere, ihre Einsamkeit und ihre Sehnsucht heraus. Die scheint jedoch das Publikum nicht so zu begeistern wie es bei den Kritikern der Fall ist, denn auch dieser Film scheitert an den Kinokassen.

Noch während der Postproduktion von ASHES OF TIME (1994) dreht Wong Kar Wai seinen ersten kommerziell erfolgreichen Film mit dem Titel CHUNGKING EXPRESS (1994) ab. Die Dreharbeiten dauern gerade einmal 23 Tage; der Film beschert ihm seine ersten Nominierungen und auch den ersten Sieg bei Internationalen Filmfestivals. Mit seinem episodenhaften Werk über zwei junge Polizisten, die von der Liebe enttäuscht werden und beide auf ihre eigenen Art damit umgehen. Doch eines haben beide gemeinsam: das Thema Essen. Essen als Tätigkeit in Gesellschaft, bei der jeder trotzdem häufig allein ist. Die Stimmung des Films beschreibt auf sehr atmosphärische Art und Weise die Hektik der Großstadt und die Isolation der Menschen in ihren tristen Appartements. CHUNGKING EXPRESS (1994) stellt für Wong Kar-Wai den Durchbruch in ausländischen Kinos dar und hilft ihm, im internationalen Kino Fuß zu fassen.

Aus CHUNGKING EXPRESS (1994) ergibt sich sein nächster Film FALLEN ANGELS - GEFALLENE ENGEL (1996). Ursprünglich als dritter Handlungsstrang von CHUNGKING EXPRESS (1994) gedacht, baut er diesen zu einem eigenständigen Werk aus. Ein berückender, düsterer Film, der ein Jahr nach CHUNGKING EXPRESS (1994) spielt und die Geschichte eines Killers erzählt, der unfähig scheint, Entscheidungen zu treffen und dies stattdessen seiner Partnerin überlässt. Diese liebt ihn, aber er erwidert die Gefühle nicht, sondern beginnt eine Affäre mit einer Punkerin, die er auf der Straße kennenlernt. In einer Nebenhandlung wird die Geschichte des Gauners Mute erzählt, der für eine völlig Fremde zur tröstenden Schulter wird. Auch in diesem Film zeigt sich der Hang zu Fortsetzungen von Wong Kar-Wai. Jedoch wurde FALLEN ANGELS - GEFALLENE ENGEL (1996) kein vergleichbarer Erfolg wie CHUNGKING EXPRESS (1994).

Das mutige Werk HAPPY TOGETHER (1997) führte Wong Kar-Wai aus Hongkong heraus nach Argentinien. Erzählt wird die bewegende Geschichte eines homosexuellen Paares, gespielt von Tony Leung und Leslie Cheung, das sich in einem selbstzerstörerischen Kreislauf aus Liebe und Einsamkeit befindet. Es ist sowohl ein Film über das Leben im Exil, als auch über die Stigmatisierung Homosexueller im konservativen China und stellt so inhaltlich einen neuen Meilenstein im Schaffen des Regisseurs dar. Dieser Film bringt ihm erstmals den Preis für die Beste Regie bei den Filmfestspielen in Cannes ein.

Mit IN THE MOOD FOR LOVE - DER KLANG DER LIEBE (2000) wendet sich Wong Kar-Wai erneut dem Hongkong der 1960er zu. Die Arbeiten zu diesem Film sind besonders schwierig, da der Rhythmus der Handlung sehr langsam und detailliert ist. Die Zahl der Darsteller ist auf zwei Hauptpersonen beschränkt, gespielt von Maggie Cheung und Tony Leung, die in benachbarten Wohnungen leben. Sie werden beide von ihren Partnern betrogen und flüchten sich so zueinander auf Nähe hoffend, doch gleichzeitig durch die strengen Moralvorstellungen der chinesischen Emigranten der 1960er voneinander getrennt. Zu Beginn des Films findet die einzige Begegnung der Nachbarn in einem Nudel-Imbiss statt, in dem sie sich ihr Mittagessen kaufen. Der Film ist erfüllt von den Geräuschen und Bildern aus der Kindheit von Wong Kar-Wai und stellt so eine Hommage an das Hongkong seiner Erinnerungen dar. IN THE MOOD FOR LOVE - DER KLANG DER LIEBE (2000) ist mit 31 Auszeichnungen sein am höchsten dekorierter Film.

Das Sequel zu diesem Film stellt sein wohl stilisiertestes Werk 2046 (2004) dar. Der Film spielt Jahre nach IN THE MOOD FOR LOVE - DER KLANG DER LIEBE (2000) und beschreibt das tiefe emotionale Loch, in das der Protagonist fällt, nachdem ihn seine Liebe verlässt. Unfähig sich zu binden, projeziert sich der Autor in eine imaginäre Zukunft im Jahre 2046, in die er all seinen Schmerz mitnimmt, um ihn dort zurückzulassen. Mit dieser "Zeitreise" erreicht die Stilisierung der Zeit, mit der Wong Kar-Wai stets in seinen Filmen arbeitet, seinen vorläufigen Höhepunkt und zugleich verabschiedet er sich nach eigenen Angaben mit 2046 (2004) vom Hongkong der 1960er und begibt sich stattdessen, ähnlich seines Protagonisten im Film, in die Zukunft.

Diese Zukunft führt ihn nach Amerika, den Drehort von MY BLUEBERRY NIGHTS (2007) (MY BLUEBERRY NIGHTS (2007) Trailer), um dort eine verlassene Frau vorzufinden, die Trost an der Schulter eines Fremden sucht, um Tage später einfach zu verschwinden. Doch den Kuss des Fremden kann sie während ihrer Selbstfindungsreise nie vergessen. Erstmals dreht Wong Kar-Wai mit amerikanischen Schauspielern, darunter Stars wie Jude Law, Norah Roberts und Natalie Portman, und ohne seinen Stamm-Kameramann Christopher Doyle. So scheiden sich dann auch die Geister an diesem Werk und das Ausbleiben von Nominierungen und Preisen deutet daraufhin, dass es sich hierbei nicht um seinen besten Film handelt.

Eine besondere Auszeichnung wird Wong Kar-Wai zuteil, als er 2006 als Vorsitzender der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes fungiert, bei denen er 1997 für HAPPY TOGETHER (1997) als erster Chinese in der Festivalgeschichte den Preis für die Beste Regie erhält. Außerdem ist er der Regisseur mit den meisten Filmen in der Liste der Top 100 der Besten chinesischen Filmen aller Zeiten, welche bei den Hongkong Film Awards zum Jubiläum "100 Jahre Film" gewählt werden.

Wong Kar-Wai ist verheiratet und hat einen Sohn namens Qing, geboren 1994. Seine Familie lebt heute in Hongkong.
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Autor: Stefan Dülsner
Stand: November 2008

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