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Oliver Hirschbiegel

Oliver Hirschbiegel
Regie

* 29. Dezember 1957
Hamburg
Deutschland

OLIVER HIRSCHBIEGEL • Biographie Seite 1/1

Nach den internationalen Publikumserfolgen DAS EXPERIMENT (2001) und DER UNTERGANG (2004) wird auch Hollywood auf Regisseur Oliver Hirschbiegel, der beim deutschen Fernsehen seine Regie-Karriere beginnt, aufmerksam. Doch die Vorstellungen des Filmemachers scheinen nicht in die Schablone der Hollywood-Produzenten zu passen: Sein erster Blockbuster mit Starbesetzung wird gnadenlos zerstückelt und nur wenig von seinen künstlerischen Intentionen übriggelassen.

Oliver Hirschbiegel wird am 29. Dezember 1957 in Hamburg geboren, über seine Eltern ist derzeit jedoch nichts bekannt. Er besucht eine Waldorfschule, verlässt sie jedoch mit ca. 16 Jahren, um als Küchenjunge auf einem Schiff zu arbeiten. Schließlich kehrt er nach Hamburg zurück und beginnt dort ein Malerei- und Grafikstudium an der Hochschule für Bildende Künste. Unter dem Maler und Fotografen Sigmar Polke, der dort als Professor tätig ist, wendet sich sein Interesse immer mehr der Fotografie und dem Film zu.

Durch Performance-Projekte und Rauminstallationen sammelt Oliver Hirschbiegel Erfahrungen im Bereich der Inszenierungsarbeit und zeigt sein Talent bei ersten experimentellen Filminszenierungen. Vor allem durch die intensive Beschäftigung mit anderen Filmen gewinnt er einen Einblick in die Grundzüge des Inszenierens. Er schaut Filme solch wichtiger Regisseure wie John Schlesinger oder Ridley Scott und zeichnet danach Storyboards, um auf diese Weise den Methoden und Techniken der Regisseure auf den Grund zu gehen. Anfang der 1980er Jahre entwickelt er gemeinsam mit dem ungarischen Filmemacher Gábor Bódy das Videomagazin "Infermental".

1986 beginnt Oliver Hirschbiegels Arbeit als Film- und Fernseh-Regisseur mit seiner selbstverfassten Geschichte DAS GO!PROJEKT, die er dem ZDF unter der Voraussetzung verkauft, dass er sie selbst inszenieren darf. Sein erster Film erhält positive Kritiken; es folgen weitere Angebote für das Fernsehen. Er beginnt, vor allem Thriller und Kriminalgeschichten zu drehen. Für seine TV-Produktionen wie TRICKSER (1996), DAS URTEIL (1997) oder TODFEINDE (1998) wird der Regisseur mit verschiedenen deutschen Fernsehpreisen wie dem renommierten Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet. Insbesondere der Thriller MÖRDERISCHE ENTSCHEIDUNG (1991) ist ein bemerkenswertes Werk. Dabei handelt es sich um eine Geschichte, die aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Der Film führt zu einen einmaligen Vorgang in der deutschen Fernsehgeschichte: Eine Sicht wird von der ARD, die andere vom ZDF zeitgleich gesendet, sodass der Zuschauer sich nun selbst für eine Sichtweise entscheiden kann. Außerdem inszeniert Oliver Hirschbiegel verschiedene Tatort- und Kommissar Rex-Episoden.

Schließlich inszeniert er mit DAS EXPERIMENT (2001) einen Kassenerfolg. Über 1,6 Millionen Zuschauer lockt der nationale wie internationale Durchbruch des jungen Regisseurs in die deutschen Kinos. In der Verfilmung des Romans "Black Box" von Mario Giordano simulieren 20 Freiwillige, die sich in Wärter und Gefangene aufteilen, eine Gefängnissituation, die schließlich eskaliert und in der Katastrophe endet. DAS EXPERIMENT (2001) wird vor allem von Zuschauern vorwiegend positiv bewertet, außerdem mit mehreren Filmpreisen, unter anderem mit dem Bayrischen Filmpreis, ausgezeichnet. Kritiker dagegen bemängeln unter anderem das Drehbuch und die Inkonsequenz der Geschichte. Nur durch die überzeugende darstellerische Leistung der Schauspieler - unter anderem Moritz Bleibtreu, Justus von Dohnanyi - würde der Film gerettet werden.

Ein Jahr nach seinem Kinodebüt folgt die Fernsehproduktion MEIN LETZTER FILM (2002), in dem eine Schauspielerin vor laufender Kamera in einem Monolog über die Höhen und Tiefen ihres Lebens berichtet. Dieses Werk wird von Kritikern besonders positiv aufgenommen, besonders die Leistung von Hannelore Elsner besticht.

Danach wagt sich der Filmemacher in DER UNTERGANG (2004) an ein riskantes Thema: Er inszeniert darin Adolf Hitlers letzte Tage im Führerbunker bis zu seinem Suizid und dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Oliver Hirschbiegel und Produzent Bernd Eichinger halten sich bei diesem Film vor allem an die Aufzeichnungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge (im Film: Alexandra Maria Lara) und an das Buch des Hitler-Biographen Joachim Fest, der auch das Drehbuch verfasst. In der Rolle des Adolf Hitlers brilliert Bruno Ganz. Der Film erregt enormes internationales Interesse, bleibt jedoch bei Kritikern und Zuschauern nicht unumstritten. Schärfster Kritikpunkt ist, dass im Laufe des Films grausame Tötungsszenen gezeigt werden, der Tod des Diktators selbst jedoch nicht zu sehen ist. Viele Kritiker sind außerdem der Meinung, dass im Film ein zu menschliches und emotionales Bild von Adolf Hitler gezeichnet wird. Auch der Titel des Films wird mit Skepsis aufgenommen, schließlich sei der Tod Hitlers kein "Untergang", sondern eine Befreiung für die Menschen gewesen. Den negativen Kritiken zum Trotz erhält DER UNTERGANG (2004) mehrere Preise, darunter auch eine Oscar-Nominierung für den Besten Fremdsprachigen Film.

Oliver Hirschbiegel bleibt zunächst beim Thema Nationalsozialismus und inszeniert mit Ben Becker in der Hauptrolle den Film EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE (2005) nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Charles Lewinsky, der auch das Drehbuch verfasst. Ähnlich wie in MEIN LETZTER FILM (2002) handelt es sich hierbei um ein Ein-Personen-Stück. Der Journalist Emanuel Goldfarb (Ben Becker), einziger Sohn von Überlebenden des Holocausts, wird von einem Lehrer in die Schule eingeladen, um Fragen zum Judentum zu beantworten. Goldfarb will sich nicht öffentlich präsentieren und versucht, eine Absage zu formulieren, die er in ein Diktiergerät spricht. In diesem Monolog beleuchtet er sein Leben als Jude und Deutscher in Deutschland. Der Film ruft bei Kritikern unterschiedliche Reaktionen hervor, als negative Aspekte werden vor allem die Künstlichkeit und die Klischeehaftigkeit der Bilder genannt. Andere wiederum loben die komprimierte Geschichtsreflektion des Films.Auch Ben Beckers Darbietung wird zwiespältig aufgenommen. Positiv bewertet wird seine souveräne Umsetzung der Rolle, ihm wird jedoch auch Übertreibung vorgeworfen, die die Künstlichkeit des Films hervorrufe.

Im Zuge seines internationalen Erfolges wird auch Hollywood auf den jungen, deutschen Regisseur aufmerksam. Er wird als Regisseur für den US-amerikanischen Science-Fiction-Film INVASION (2007) (INVASION (2007) Trailer) verpflichtet, der mit Nicole Kidman und Daniel Craig eine Starbesetzung aufweist. Der Film ist eine Adaption von Jack Finneys Roman "Die Körperfresser kommen" aus dem Jahr 1956. Der Stoff dient schon zuvor mehreren Kino- und Fernsehproduktionen als Vorlage. Produzent Joel Silver lässt Oliver Hirschbiegel jedoch im Laufe der Produktion durch James McTeigue ersetzen, der große Teile des Films überarbeitet und nachdreht. Auch das Drehbuch wird von den Wachowski-Brüdern, die vor allem durch die MATRIX-Trilogie bekannt sind, umgeschrieben. Der Film stößt überwiegend auf Ablehnung, da er nach Meinung der Kritiker nicht das Niveau der vorigen Adaptionen erreicht. Vor allem deutsche Filmrezensenten bemängeln die Tatsache, dass Oliver Hirschbiegel als Regisseur abgesetzt wurde. So bekommen die Zuschauer nur noch eine schwache Ahnung von dem, was der Regisseur ursprünglich beabsichtigt hat.

Nach seinem Abstecher in das Science-Fiction-Genre wendet sich der Filmemacher wieder einem politischen Thema zu. Zurzeit dreht er in Nordirland die britische Produktion FIVE MINUTES OF HEAVEN (2009) (FIVE MINUTES OF HEAVEN (2009) Trailer). Der Film thematisiert die Gewalt der Nordirlandkrise von den späten 1960er-Jahren bis zum Friedensprozess 1998. Hauptrollen übernehmen die irischen Schauspieler Liam Neeson und James Nesbitt. In Großbritannien wird der Film voraussichtlich 2009 in den Kinos starten.

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Autorin: Katharina Wähner
Stand: August 2008

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